Die Manic Street Preachers sind eine britische Rock-Band aus Wales. Viele Fans bezeichnen sie kurz als Manics.

Die Band hatte ein Nummer-Eins-Album in den Britischen Musikcharts, fünf weitere Alben erreichten den zweiten Platz und zwei Singles kamen auf die Spitzenposition. Bei den Brit-Awards 1996 und 1999 gewannen sie die Preise für die Beste Band und das Beste Album. Die Band spielt melodischen Rock, anfangs noch von Punk und Glam-Rock geprägt, im Laufe der Zeit wurde ihr Sound poppiger und souliger.

Die Band pflegt ein aggressives und linkes Image, das sich in Liedtexten und öffentlichem Auftreten zeigt. So widmeten sie eine erhaltene Auszeichnung Arthur Scargill, dem Gewerkschaftsvorsitzenden der britischen National Union of Mineworkers; sie waren auch die erste westliche Band, die nach der kubanischen Revolution von 1959 ein Konzert auf Kuba gab.

mini|Manic Street Preachers live in London (2005) Die Bandmitglieder lernten sich in ihrer Heimat Blackwood, Wales, kennen. Die Gegend war eine Hochburg des britischen Bergbaus und der britischen Gewerkschaftsbewegung. Daher erlebten sie in ihrer Jugend den Kampf zwischen Margaret Thatcher und den Gewerkschaften. Dieser endete mit einer Niederlage der Gewerkschaften, die damit einen großen Teil ihres politischen und ökonomischen Einflusses in Großbritannien verloren. Diese Erfahrungen prägten die Band. Gleichzeitig beschreibt die Band ihre Heimat als langweilig und hässlich. Bassist Nicky Wire kommentierte in einem Interview des Vox-Magazins: „Würde man ein Museum bauen, um Blackwood darzustellen, wäre alles, was man dort ausstellen könnte, Scheiße.“

Bandmitglieder mini|Sänger James Dean Bradfield live in London (2005) James Dean Bradfield (* 21. Februar 1969 in Newport, Monmouthshire) ist Sänger und Gitarrist. Er komponiert die Musik der Band zusammen mit Schlagzeuger Sean Moore, seinem Cousin. Zu seinen persönlichen Helden zählen Mick Jones (The Clash) und Slash (Guns N' Roses). Er sang auch Duette mit Tom Jones (Reload-Album) und Kylie Minogue (Impossible Princess-Album). 2003 schrieb er die Musik für das Theaterstück The War Is Dead Long Live The War von Nicky Wires Bruder Patrick Jones.

mini|Bassist Nicky Wire live in London (2005) Nicky Wire (bürgerlich Nicholas Allen Jones (* 20. Januar 1969 in Tredegar, South Wales)) ist Texter, Bassist und gelegentlicher Sänger der Band. Er war Kapitän der walisischen U-16-Fußballnationalmannschaft und besitzt einen Abschluss in Politikwissenschaft der University of Wales in Swansea. Nach eigenen Angaben hätte er sich beim diplomatischen Dienst beworben, wenn er keine Karriere als Musiker eingeschlagen hätte.

Während Bradfield eher an einen maskulinen Rock’n’-Roller erinnerte, pflegte Wire ein androgynes Auftreten. Berühmt wurde sein Auftritt als Marilyn Monroe im Video zur frühen Single You Love Us. Wire ist mit seiner Jugendliebe Rachel verheiratet; sie leben zusammen mit Tochter, Sohn und Hund in Wattsville, Wales. Obwohl er privat als eher introvertiert und verschlossen gilt, sind seine Texte für die Band oft provokant und aggressiv. Der Tottenham-Hotspur-Fan spielte einen Gibson Thunderbird, einen Rickenbacker oder einen Fender Jazz Bass. Seit einigen Jahren spielt er nur noch Bässe der Firma Italia (Modell Maranello). 2006 veröffentlichte er sein erstes Soloalbum, I Killed The Zeitgeist.

Sean Moore (* 30. Juli 1968 in Pontypool, Monmouthshire) ist der Cousin von James Dean Bradfield. Er ist Schlagzeuger, Komponist und gelegentlicher Trompeter der Band. Er spielte in seiner Jugend im South Wales Jazz Orchestra, ist Vegetarier, FC-Liverpool-Fan, verheiratet und Vater einer Tochter.

Richey James (eigentl. Richey James Edwards, * 22. Dezember 1967; † (vermutlich) 1. Februar 1995)) war das vierte Mitglied des klassischen Line-Ups der Band. Sein öffentliches Auftreten trug maßgeblich zum Image der Band bei. Nicky Wire und er waren als 'Glamour Twins' bekannt. Nach eigenen Angaben spielte er nicht schlecht Gitarre, aber Bradfield sei um Klassen besser. Der Rhythmusgitarrist und Texter war seit 1995 vermisst. Am 24. November 2008 wurde er offiziell für tot erklärt.

Zum näheren Bandumfeld gehören noch Nicky Wires Bruder Patrick Jones, der oft mit der Band oder einzelnen Mitgliedern zusammenarbeitet. Er schrieb etwa Texte für das Album Lifeblood. Die Brüder Philip († 1993) und Martin Hall managten bis zu Philip Halls Krebstod die Band. Seit 1993 ist Martin Hall alleiniger Manager.

Bandgeschichte „Suicide Alley“ – Die frühen Jahre Die Mitglieder der Manic Street Preachers lernten sich Mitte der 1980er Jahre an der Oakwood Comprehensive School in Blackwood, Wales, kennen. Sie verband eine Ablehnung des musikalischen Mainstreams, der sich ihrer Meinung nach mit den wirtschaftlichen und politischen Krisen abfand bzw. sich in eine Gute-Laune-Mentalität flüchtete. Alle waren stattdessen Fans der Bands The Clash und Joy Division. Sie gründeten eine Band und nannten diese zunächst „Betty Blue“. Die erste Besetzung war: Bradfield (Gitarre), Miles „Flicker“ Woodward (Bass), Moore (Schlagzeug) und Wire (Gitarre). Kurzzeitig war Jenny Watkins-Isnardi Sängerin, stieg aber bald wieder aus, woraufhin Bradfield den Gesang allein übernahm. Nicky Wire textete und wechselte nach Flickers Ausstieg 1988 von der Gitarre zum Bass.

Die erste Single Suicide Alley erschien 1988. Das Cover erinnerte an das erste Album von The Clash und war von Richey James gestaltet. Dieser begann Texte für die Band zu schreiben und half als Fahrer für Konzerte. 1989 wurde er reguläres Mitglied der Band.

„Us against the world“ – Frühe Stilpolitik Noch vor der ersten Single nannte sich die Band Manic Street Preachers. Bekanntheit erlangte sie durch ihre Auftritte. Sie sahen aus wie eine Mischung aus The Clash und Guns N’ Roses. Die Texte von James orientierten sich an Albert Camus. Gleichzeitig behauptete die Band, ihr Stil sei unmittelbar politisch.

Sie polarisierten durch ihre offene Ablehnung damals vorherrschender Moden und Musikgenres wie Madchester, Shoegazing, Acid-House oder Synthie-Pop. Besonders in Erinnerung blieb die Aussage von James aus dem Jahr 1991, sie hassten die Dream Pop-Band Slowdive mehr als Hitler (“We will always hate Slowdive more than we hate Hitler.”) und die Behauptung, jede neue Musikergeneration solle das Erbe der vorangegangenen zerstören. Dieses aggressiv-ästhetizistische Auftreten wurde von Richey James maßgeblich geformt.

Nicky Wire beschrieb 2003 in einem Interview mit dem Daily Telegraph das damalige Bandgefüge: Wir standen und stehen einander persönlich sehr nah. [...] Wir dachten, wir vier wären eine Armee, wir hatten sogar ein eigenes 10-Punkte-Manifest: keine Freundinnen, keine Drogen, keine Liebeslieder, wir müssen immer Uniformen tragen. Mittlerweile sind wir, glaube ich, bei zwei Punkten angekommen: keine Drogen, wir fassen keine chemischen Drogen an, und ich glaube, wir haben auch nie wirklich ein Liebeslied geschrieben.

„4 Real“ – Erste Erfolge Die Band fand einen Förderer in dem Journalisten des Melody Makers, Rob Stanley. Er brachte auf seinem kleinen Punklabel Damaged Records vier der Manics-Demos zusammen auf der EP New Art Riot heraus. Die Veröffentlichung sorgte für ein breites Presseecho, sowohl aufgrund seiner musikalischen Qualitäten als auch wegen seiner Angriffe auf andere Musiker. Am 21. Januar 1991 folgte eine Single beim neuen und angesagten Label Heavenly Records: Motown Junk. Die Single zeigte zum einen mit Public-Enemy- und The-Skids-Samples musikalische Offenheit, zum anderen behielt die Band ihren durch Punk und Metal beeinflussten Rockstil bei. Ebenso setzen sie weiter auf direkten Konfrontationskurs mit der Öffentlichkeit: Unter anderem enthielt der Song die Zeile I laughed when Lennon got shot. Der NME schrieb später über diese Zeit: Sie waren spektakulär gebildete Situationskunst-Terroristen, die die Werte der westlich-kapitalistischen Erwachsenenwelt genug verabscheuten, um zu sagen, bringt euch um, bevor ihr 13 seid. Kurz darauf veröffentlichten sie wieder auf Heavenly mit You love us ein deutliches musikalisches Zeichen ihres Selbstbewusstseins. Die Stücke gehören nicht nur noch heute zum Standardprogramm der Band, sondern halfen auch ihrer Plattenfirma, die danach durch Majorlabels finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt bekam.

Auf Anraten ihres Managers Phil Hall zogen die Manics nach London und erspielten sich dort mit Hilfe zahlreicher Live-Auftritte einen festen Publikumsstamm sowie euphorische Kritiken des NME. Bei ihren damaligen Auftritten wurden sie regelmäßig beschimpft und mit diversen Gegenständen beworfen, woraufhin Edwards und James das Publikum beschimpften und kurze, energetische Gigs durchzogen, die an die Ramones erinnerten, eine punkartige Interaktion zwischen Band und Publikum, die seit The Jesus and Mary Chain einige Jahre vorher nicht mehr vorgekommen war.

Unter Anhängern legendär ist das Interview mit dem Journalisten Steve Lamacq des New Musical Express vom 15. Mai 1991, in dem sich Richey James, von Lamacq kritisch befragt, wie ernst es die Band überhaupt nähme, während des Interviews mit einer Rasierklinge ein 4 Real in den Arm schnitt. Die Wunde musste danach mit 17 Stichen genäht werden.

1992 unterzeichneten Columbia Records und die Manics den ersten Plattenvertrag bei einem Majorlabel, bevor auch nur eine Langspielplatte von ihnen erschienen war. Sie selbst wollten zu dieser Zeit ein Album veröffentlichen, das erfolgreicher als Guns N' Roses' Appetite for Destruction war, danach durch die Welt touren und sich anschließend wieder auflösen. Ihr erstes Album Generation Terrorists erbrachte mit Platz 20 der britischen Charts und weltweit verkauften 250.000 Exemplaren zwar einen achtbaren Erfolg, erreichte jedoch bei weitem nicht das gesteckte Ziel, so dass auch der Rest des Plans hinfällig wurde und die Waliser sich zum Weitermachen entschlossen. Im November 2012 wurde Generation Terrorists zum 20. Jubiläum seiner Erstveröffentlichung in verschiedenen Fassungen und mit viel Bonusmaterial neu herausgebracht, abgerufen am 14. April 2013.

Es folgten Jahre, in denen die Band lernen musste, mit ihrem raschen Erfolg umzugehen; sie selbst bezeichnen dies im Nachhinein als schlechtesten Abschnitt der Bandgeschichte. Das Album Gold Against the Soul war nach ihrer Meinung unfokussiert und zeigte eine Tendenz zur Beliebigkeit. Die Band trat gar als Vorband von Bon Jovi auf. Die Bilderstürmer selbst waren plötzlich Teil der Musikindustrie geworden, ohne sich sicher zu sein, wie sie mit ihrer neuen Rolle umgehen sollten. Dennoch enthält das Album einige Lieder, die sich auch heute noch bei den Fans großer Beliebtheit erfreuen, etwa die beiden Singles La Tristesse Durera oder From Despair to Where.

Einen schweren Schlag erlitt die Band, als Manager und Freund Phil Hall 1993 seinem Krebsleiden erlag; Richey James’ persönliche Probleme nahmen erheblich zu.

The Holy Bible Das 1994 veröffentlichte Studioalbum The Holy Bible gilt vielen älteren Fans bis heute als das Referenzwerk der Band. Nach einer Phase, in der die Band nach eigenen Aussagen eine inhaltliche und stilistische Linie zu verlieren drohte, besann sie sich hier auf einen kompromisslosen und dunklen Stil.

Das öffentliche Auftreten der Band zu dieser Zeit war von militärischen Outfits und einem an den frühen Clash oder dem Film Apocalypse Now angelehnten Stil geprägt. Bei allen Videoveröffentlichungen trugen die Band-Mitglieder Army- oder Navy-Uniformen; nach einem Auftritt bei der Sendung Top of the Pops gingen beim Sender rekordverdächtige 250.000 Protestschreiben ein, da Bradfield während des Gigs eine Sturmhaube im IRA-Stil trug. Zum Album erfolgte eine Europatour mit Suede und Therapy?, die mit einem Konzert in London endete, bei dem die Manics Ausrüstung im Wert von ungefähr 10.000 Pfund auf der Bühne zerschlugen und Wire kommentierte: Wir werden nie wieder so gut sein wie heute.