Vierraden war eine Kleinstadt mit etwa 1000 Einwohnern im Nordosten Brandenburgs. Am 26. Oktober 2003 wurde sie als Ortsteil in die Stadt Schwedt/Oder eingemeindet,Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003. StBA von der sie etwa drei Kilometer entfernt liegt. Bis 2003 gehörte sie dem Amt Gartz (Oder) an.
Der Ort liegt nahe der Mündung der Welse in die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße, die parallel zur Oder verläuft. Östlich von Vierraden erstreckt sich der Nationalpark Unteres Odertal.
Geschichte links|mini|Der „Hungerturm“, Rest der Vierradener Burganlage; rechts eine für das Gebiet typische Tabakscheune 1265 wurde eine Mühle erstmals urkundlich erwähnt.Christian Zschieschang: Beobachtungen zur Entstehung von Mühlennamen westlich der Oder. In: Christoph Mielzarek & Christian Zschieschang (Hrsg.): Usus aquarum: Interdisziplinäre Studien zur Nutzung und Bedeutung von Gewässern im Mittelalter. Böhlau Verlag, Köln 2019, ISBN 978-3-412-50087-0, S. 149 Die Benennung der vier Räder ist 1269 bezeugt.Christian Zschieschang: Beobachtungen zur Entstehung von Mühlennamen westlich der Oder. In: Christoph Mielzarek & Christian Zschieschang (Hrsg.): Usus aquarum: Interdisziplinäre Studien zur Nutzung und Bedeutung von Gewässern im Mittelalter. Böhlau Verlag, Köln 2019, ISBN 978-3-412-50087-0, S. 149 Die noch in einem Hungerturm erhaltene Burg am nördlichen Welseufer taucht 1321 erstmals in einem Schriftstück auf. Am 13. August 1284 wurde hier der Frieden zu Vierraden zwischen Pommern und der Mark Brandenburg geschlossen. 1515 bekam Vierraden das Stadtrecht. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt fast völlig zerstört. In der Nähe der Neuen Welse liegt der alte Jüdische Friedhof, dessen verwahrlostes Gelände 1988 wieder hergerichtet und mit einem Gedenkstein für die ehemalige Jüdische Gemeinde versehen wurde.
In Berlin-Friedrichsfelde gab es bis etwa 1960 den nach dieser Stadt bezeichneten Vierradener Platz. Er wurde bei der Bebauung des heute Rosenfelder Ring genannten Gebietes nördlich der Straße Alt-Friedrichsfelde beseitigt. Im Jahr 1937 erhielt eine Straße im damaligen Stadtbezirk Berlin-Mahlsdorf die neue Bezeichnung Vierradener Weg, die sie bis heute trägt.
Wappen
Wirtschaft und Verkehr mini|Historisches Geschäftshaus in der Breiten Straße Der Tabakanbau hat in Vierraden und Umgebung eine lange Tradition, die auf die eingewanderten Hugenotten zurückzuführen ist. Die Ostuckermark ist eines der größten deutschen Tabakanbaugebiete, davon zeugen viele typische Tabakscheunen und der 1875 nach Plänen von August Carl Lange in neugotischen Formen aus Backstein errichtete fünfstöckige Tabakspeicher sowie das Vierradener Tabakmuseum. Es befindet sich in einer dreigeschossigen ehemaligen Tabakscheune in der Breiten Straße 14.
Vierraden liegt an der Bundesstraße 2 von Schwedt/Oder nach Gartz (Oder) (seit 2005 Umgehungsstraße) und ist über die Bundesautobahn 11 zu erreichen (Anschlussstelle Pfingstberg).
Bauwerke mini|Kreuzkirche (Bild von 2007, vor Errichtung des neuen Daches) Die 1788 nach Plänen von Georg Wilhelm Berlischky erbaute Kreuzkirche Vierraden war nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg für einige Jahrzehnte eine Ruine. Ein zu Beginn des 21. Jahrhunderts gegründeter Freundeskreis Kreuzkirche hat mittels Fördergeldern und Spenden den Wiederaufbau der Kirche organisiert. So erhielt das Gebäude 2009 ein neues Dach, für das im Juni das Richtfest gefeiert wurde.; abgerufen am 14. April 2012, abgerufen am 14. April 2012
Kultur mini|Vierraden, Schwedter Straße 19, Tabakspeicher 1998 erwarb der Berliner Architekt Klaus Hirsch den ansässigen verfallenden Tabak-Speicher und gründete 1999 zur Rettung der ehemaligen Tabakfabrik den Verein kunstbauwerk e. V., der das Gebäudeensemble – Tabakspeicher, Fabrikantenvilla und Arbeiterwohnhaus – sanierte und den Ort zu einem Veranstaltungsort für Kultur umbaute. Seit Sommer 2000 gestaltet der Verein kulturelle Veranstaltungen, darunter das jährlich stattfindende deutsch-polnische Kunstsymposium Oder|Odra. Zu den künstlerischen Kuratoren und Leitern des Symposiums zählen u. a. Patrick Huber, Ute Lindner und Agata Zbylut.
Persönlichkeiten Friedrich August von Staegemann (1763–1840), Politiker, Beamter und Diplomat
Literatur Geschichte der Stadt Schwedt und des Schlosses Vierraden. In: Baltische Studien, Band 4, Stettin 1837, Heft 2, S. 100–243; Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VIII, Uckermark. Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2
Weblinks
Burg Vierraden. Seite der Stadt. Tabakmuseum. kunstbauwerk. Ausstellung kunstbauwerk 2002. (PDF; 256 kB) Beitrag in der RBB-Sendung Landschleicher vom 15. August 2010 Rohtabakfabrik Vierraden | Stadt Schwedt/Oder
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Schwedt/Oder) Kategorie:Ort im Landkreis Uckermark Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Uckermark) Kategorie:Ersterwähnung 1265 Kategorie:Gemeindeauflösung 2003 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1515