Der Rotfuchs (Vulpes vulpes; Synonym: Canis vulpes,www.gbif.org. früher auch Canis vulpiswww.mammaldiversity.org.) ist der einzige mitteleuropäische Vertreter der Füchse und wird daher meistens als „der Fuchs“ bezeichnet. Er ist in Europa der häufigste Wildhund.

Merkmale mini|Rotfuchs in einem dänischen Tierpark

Allgemeine Merkmale mini|Skelett (Lomonossow-Universität, Moskau) mini|Schädel mini|Silberfuchs Zoo Osnabrück Die Körpermaße des Rotfuchses sind geographisch und jahreszeitlich starken Schwankungen unterworfen. Das Körpergewicht liegt durchschnittlich für Männchen im Bereich 5 bis 8 kg, für Weibchen bei 5 bis 6,5 kg. Schwerere Tiere (bis 14,5 kg) sind selten. Die Körperlänge (ohne Schwanz) beträgt für Männchen 65 bis 75 cm, für Weibchen 62 bis 68 cm, die Schwanzlänge entsprechend 35 bis 45 cm oder 30 bis 42 cm (Durchschnittswerte für europäische Füchse).Alexander Wandeler, Peter Lüps: Vulpes vulpes (Linnaeus, 1758) – Rotfuchs. In: Michael Stubbe, Franz Krapp (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 5: Raubsäuger – Carnivora (Fissipedia). Teil I: Canidae, Ursidae, Procyonidae, Mustelidae 1. Aula-Verlag, Wiesbaden 1993, S. 140.

Das Fell ist oberseits rötlich, unterseits weiß; der Farbton variiert je nach Verbreitungsgebiet oberseits zwischen rötlichgelb bis tiefrotbraun und unterseits zwischen reinweiß bis schiefergrau. Die unteren Teile der Beine sowie die Hinterseiten der Ohren sind schwarz gefärbt. Insgesamt variiert die Fellfärbung stark. Die häufigste Farbvariante ist der Birkfuchs mit gelb-roter Oberseite, weißer Kehle und weißer Schwanzspitze. Der seltenere Kohl- oder Brandfuchs ist insgesamt dunkel, überwiegend dunkelbraun-rot, Bauch und Kehle sind grauweiß, die weiße Schwanzspitze fehlt. Der Kreuzfuchs weist quer über den Schultern und längs des Rückens einen dunklen Streifen auf.Felix Labhardt: Der Rotfuchs. Naturgeschichte, Ökologie und Verhalten dieses erstaunlichen Jagdwildes. Paul Parey Verlag, Hamburg 1990, ISBN 3-490-33812-X, S. 20.Bruno Hespeler (Bearbeiter): Vor und nach der Jägerprüfung. BLV, München 2007, ISBN 978-3-8354-0085-6, S. 176. Der Silberfuchs ist dunkelgrau bis schwarz (→ Silberfuchsfell). Der Fuchs macht im Jahr zwei Fellwechsel durch. Im Frühjahr ab Anfang April verliert er das dichte Winterfell, gleichzeitig bildet sich das lichte Sommerfell. Dieses wird ab Ende April an den Unterschenkeln sichtbar und hat bis Ende Juni die Beine, den Bauch und die Flanken erfasst. Der Fellwechsel setzt sich fort über das Gesicht zum Rücken bis zur Schwanzspitze, die im späten August erreicht wird. Erst im September ist das Sommerfell vollständig. Bereits im Oktober bildet sich dann wieder von den Beinen über Schwanz, Rücken und Gesicht das Winterfell.

Spuren mini|Trabspur mini|Kot (Jägersprache: Losung) mini|Wildlebender Rotfuchs in einem Naturschutzgebiet in Nordrhein-Westfalen Rotfüchse haben folgende Gangarten, die an den Trittsiegeln in Verbindung mit den Fährten erkennbar sind:

Trab: Die Abdrücke der Hinterpfoten befinden sich schräg versetzt vor denen der etwa gleich großen Vorderpfoten, dabei ist die Körperhaltung leicht schräg zur Fortbewegungsrichtung. Schneller Trab („Schnüren“): der Fuchs setzt die Pfoten so, dass die linke Hinterpfote in den Abdruck der rechten Vorderpfote tritt und umgekehrt. Damit ergibt sich eine Spur, bei der die Abdrücke wie an einer Schnur mit einem Abstand von etwa 30 cm angeordnet sind. Flucht: mit verschiedenen Trittbildern und wechselnden Schrittlängen.

Der einzelne Abdruck mit Hauptballen, vier Zehenballen und Krallen ähnelt dem eines kleinen Hundes und unterscheidet sich in folgender Merkmalskombination:Miroslav Bouchner: Der Kosmos-Spurenführer. Spuren und Fährten einheimischer Tiere. Gondrom-Verlag, Bindlach 1996, S. 102 f.Martin Hemmington: Foxwatching. In the Shadow of the Fox. Whittet Books, Stonham 1997, ISBN 1-873580-31-2, S. 22.Trevor Williams, Andrew Wilson: Unearthing the urban fox. The Fox Project, Tonbridge 2000, S. 24.

der Abdruck vom Fuchs ist länglicher und ovaler, er kann im Winter durch stärkere Behaarung rundlich aussehen, die Trittballen der beiden vorderen Zehen sind vorgeschoben, ihre Hinterränder liegen etwa auf einer Linie (oder etwas darüber) mit den Vorderrändern der Außenzehenballen (beim Hund schneidet die Linie meistens), der Hauptballen (hinten) ist eher rund, beim Hund eher herzförmig, der Zwischenraum zwischen Zehen- und Hauptballen ist relativ groß, da der Hauptballen weiter hinten liegt als beim Hund.

Der Abdruck einer (Haus-)Katze ist im Vergleich etwas kleiner, rundlicher und weist meist keine Krallenabdrücke auf.

Besetzte Fuchsbaue sind an herumliegenden Beuteresten zu erkennen, dem blanken Sandboden und den Fußspuren. Der typische Fuchsgeruch wird in der Literatur oft als „durchdringlicher Raubtiergeruch“Angelika Lang: Spuren und Fährten unserer Tiere. BLV Naturführer, München 1991, ISBN 3-405-13819-1, S. 116. oder ähnlich beschrieben, das Empfinden von Gerüchen ist stark vom Beobachter abhängig.Martin Hemmington: Describing the smell of the urine is almost impossible, but if I was to try, I suppose it smells very much like a freshly opened jar of Nescafé coffee (…). 1997, S. 25. Der Geruch am Bau kann von Harnmarkierungen am Eingang verursacht sein und bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass sich gerade ein Fuchs im Bau befindet.

Stimme Füchse verfügen über eine Reihe unterschiedlicher Laute:David MacDonald: Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck-Verlag, München 1993, ISBN 3-926901-63-2, S. 32.

Drei- bis fünfsilbiges Bellen (heiserer als Hunde) „wow-wow-wow“ mit Betonung der letzten Silbe ist vor allem von Dezember bis Februar zu hören (Jägersprache: „Ranzbellen“) und dient vermutlich dem Kontakthalten über größere Distanzen; mini|rechts|280px|Fuchsschreie langgezogenes, einsilbiges Schreien oder „Jammern“ („waaah“), oft in der Paarungszeit, kann von beiden Geschlechtern gebracht werden, vermutlich besonders von den Fähen zum Anlocken der Rüden; trillerartiger Laut (ähnlich einem Hühnerglucken) oder Winseln (vor allem des untergeordneten Tiers), das sich bis zum Kreischen steigern kann, bei der Begrüßung von Alttieren untereinander; Keckern (tonlos „k-k-k-k“) bei aggressiven Auseinandersetzungen, bei Welpen im Spiel und bei Fähen, die einem werbenden Rüden antworten; leises, raues Geräusch ähnlich einem Pusten bei der Begrüßung von Jungtieren durch Alttiere; mini|rechts|280px|Fuchsbellen (Großbritannien, Jan. 1977) Alarmbellen der Alttiere, um die Jungen zu warnen: im Nahbereich ein gedämpftes Husten, bei größerer Distanz Übergang zu scharfem Bellen.

Urin Der Fuchs benutzt seinen Urin als Markierungsflüssigkeit zur territorialen Abgrenzung. Es enthält mit Methyl-(3-methylbut-3-enyl)-sulfidAlbert Gossauer: Struktur und Reaktivität der Biomoleküle. Verlag Helvetica Chimica Acta, Zürich, 2006, ISBN 3-906390-29-2, S. 228. und 2-PhenylethylmethylsulfidJ. W. Jorgenson, M. Novotny, M. Carmack, G. B. Copland, S. R. Wilson, S. Katona, W. K. Whitten: Chemical Scent Constituents in the Urine of the Red Fox (Vulpes vulpes L.) During the Winter Season. In: Science. 199, 1978, S. 796–709, doi:10.1126/science.199.4330.796. PMID 17836296. unter anderen Schwefelverbindungen.

Verbreitung und Lebensraum Verbreitungsgebiet mini|Verbreitungsgebiet des Rotfuchses (grün = heimisch, blau = eingeführt, orange = ungesichertes Vorkommen) mini|Im Schnee liegender Rotfuchs auf Hokkaidō, Japan mini|Amerikanischer Rotfuchs in Alaska

Von allen wildlebenden Raubtieren haben Rotfüchse das größte geographische Verbreitungsgebiet: Sie können sowohl nördlich des Polarkreises als auch in fast tropischen Gebieten leben. In Nordamerika kommen sie von den Aleuten bis Neufundland vor – mit Ausnahme von Arizona, Süd-Florida und einem Streifen von Alberta bis Mexiko. Rotfüchse besiedeln Eurasien von Irland bis zum Beringmeer. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Rotfüchse aus England zur traditionellen Fuchsjagd in Australien eingeführt. Die dort heimischen langsamen Beuteltiere waren an die Neubesiedler nicht angepasst und wurden leichte Beute. Seither ist ganz Australien bis auf das Northern Territory und die nördlichen Teile von Queensland von Füchsen besiedelt. 1893 wurden die ersten Kopfgelder ausgesetzt. Neuseeland ist fuchsfrei.David MacDonald: Unter Füchsen – Eine Verhaltensstudie. Knesebeck-Verlag, München 1993, ISBN 3-926901-63-2, S. 21. In Tasmanien laufen aus Artenschutzgründen Maßnahmen zur Ausrottung der Füchse.Carl D. Soulsbury, Philip J. Baker, Graziella Iossa, Stephen Harris: Red Foxes (Vulpes vulpes). In: Stanley D. Gehrt, Seth P. D. Riley, Brian L. Cypher (Hrsg.): Urban Carnivores. Ecology, Conflict, and Conservation. Hopkins University Press, Baltimore 2010, ISBN 978-0-8018-9389-6, S. 63 f.

Die Art zählt zu den 100 gefährlichsten Neobiota weltweit.

Lebensraum, Streifgebietsgröße Der Nahrungsopportunist Rotfuchs stellt an seinen Lebensraum keine besonderen Anforderungen. Wälder, Grasland, Äcker und in jüngerer Zeit zunehmend auch Siedlungsgebiete sind unterschiedlich geeignete Lebensräume für die Rotfüchse.

mini|Ein Stadtfuchs in den USA Die ersten Stadtfüchse wurden in den 1930er Jahren in Londoner Vororten bekannt. Als Ursache wird ein damals neuer Baustil vermutet, bei dem sich ländlich geprägte Gebiete zu locker bebautem Siedlungsraum mit hohem Grünflächenanteil verwandelten. In vielen nördlichen englischen Städten wurden Stadtfüchse bis in die 1980er Jahre nicht beobachtet. Ab den 1980er Jahren traten vermehrt Berichte von Fuchsbeobachtungen in Großstädten auf dem europäischen Festland auf (z. B. Berlin, Oslo, Paris, Zürich), die zunächst nur als Einzelfälle gewertet wurden. Seit etwa 1990 sind Stadtfuchspopulationen auch aus Australien, Japan und Nordamerika bekannt.Sandra Gloor, Fabio Bontadina, Daniel Hegglin: Stadtfüchse – Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum. Haupt-Verlag, Bern 2006, ISBN 3-258-07030-X, S. 39 f. Für den Großraum Berlin wurden anhand von 2010 bis 2015 erhobenen Daten zwei genetisch unterschiedliche Populationen nachgewiesen, die sich weitgehend mit den Gebieten des städtischen Ballungsraums und des angrenzenden ländlichen Raums deckten.Sophia E. Kimmig et al.: Beyond the landscape: Resistance modelling infers physical and behavioural gene flow barriers to a mobile carnivore across a metropolitan area. In: Molecular Ecology. Band 29, Nr. 3, 2020, S. 466–484, doi:10.1111/mec.15345. Stadtfuchs und Landfuchs: Genetische Analysen zeigen unterschiedliche Fuchs-Populationen in und um Berlin auf. Auf: idw-online.de vom 5. März 2020.

Die Stadt bietet für Füchse mehrere Ressourcen und Vorteile:Sandra Gloor, Fabio Bontadina, Daniel Hegglin: Stadtfüchse – Ein Wildtier erobert den Siedlungsraum. Haupt-Verlag, Bern 2006, ISBN 3-258-07030-X, S. 14, 153. Bereiche ohne menschliche Störung (nachts: Friedhöfe, Parks) Kleinräumige Strukturen Reiches Nahrungsangebot: Komposthaufen, Essensreste, Früchte, Insekten, Mäuse, Ratten, Kaninchen Sichere Rückzugsplätze (Schuppen, Holzstapel, Bewuchs entlang von Eisenbahntrassen) Großflächige Fuchsjagd ist kaum durchführbar.

In Abhängigkeit von der Ressourcenausstattung der Lebensräume ergeben sich erhebliche Unterschiede in der Raumnutzung und damit auch der Streifgebietsgröße.Bei Daten zu Streifgebietsgröße, die auf Telemetrieuntersuchungen basieren, werden in der Literatur verschiedene Auswerteverfahren angewendet, die Minimum-Convex-Polygonmethode MCP, die alle äußeren Beobachtungspunkte umfasst inklusive nichtgenutzter Bereiche, das 95 % - MPC, das zur Ausklammerung der nicht genutzten Bereiche verwendet wird, oder die Kernel-Methode, welche die Dichte der Beobachtungshäufigkeiten berücksichtigt. Auch hier sind Prozentbildungen möglich, z. B. 50-%-Kernel oder 95-%-Kernel (Schnaitl 2009, S. 14).