Der Tierpark Nordhorn ist ein wissenschaftlich geführter Zoo im Landkreis Grafschaft Bentheim an der niederländischen Grenze mit knapp einer halben Millionen Besuchern jährlich. Er widmet sich mit seinen knapp 200 Mitarbeitern den Hauptaufgaben moderner Zoos: Erholung und Freizeit, Arten- und Naturschutz sowie Bildung und Forschung. Zudem widmet er sich als Archepark mit seiner „Vechtewelt“ der Regionalhistorie. Als regionales Arten- und Naturschutzzentrum betreut der Tierpark zudem rund 170 Hektar schützenswerter Naturräume und ist Sitz der Ökologischen Station Grafschaft Bentheim/Emsland-Süd, die eine Betreuungskulisse von rund 40.000 Hektar hat.

Der Familienzoo beherbergt rund 2500 Tiere in 108 Arten. Der Tierpark ist ein vom Land Niedersachsen anerkannter Bildungsstandort nach BNE (Bildung für nachhaltige Entwicklung) und anerkannte Archeschule. Rund 13.000 Kinder und 4000 Erwachsene besuchen jährlich die Bildungsangebote der Zooschule.

Des Weiteren betreut der Tierpark eine Vielzahl an Natur-, Artenschutz- und Forschungsprojekten, wie das Projekt zum Schutz des Großen Brachvogels oder das Amphibienprojekt.

Geschichte Gründungszeit und frühe Geschichte Die Anfänge des Nordhorner Tierparks reichen in das Jahr 1949 zurück, als der Nordhorner Landwirtssohn und gelernte Maurer Heinrich Johannink von der Stadt Nordhorn am Heseper Weg ein 9.360 m² großes Waldstück zur Einrichtung eines privat betriebenen „Heimat-Tiergartens“ pachtete, den er am 16. September 1950 eröffnete. Als reiner Privatbetrieb erwies sich der Heimattiergarten jedoch schon bald als nicht überlebensfähig, so dass 1955 ein „Kuratorium des Nordhorner Tiergartens“ die Verantwortung übernahm.

1962 konnte das Kuratorium die Geschäfte an den ehrenamtlichen Vorstand eines eingetragenen Vereins übergeben, der sich erfolgreich um die Unterstützung des kleinen Zoos durch die öffentliche Hand bemühte. 1990 geriet der Park in eine existentielle Krise, als der Pachtvertrag für einen wichtigen Teil des Geländes auslief und nicht verlängert wurde. Die Gehege dort und der Eingangsbereich mussten abgebaut, der Tierbestand reduziert werden, was zu einem dramatischen Rückgang der Besucherzahlen führte: von rund 110.000 im damaligen Rekordjahr 1990 auf 70.000 im Jahre 1993. Mit dem unvermeidlichen Konkurs kam auch das Ende des Trägervereins.

Tierpark heute mini|200px|Spielplatz Die Wende zum Besseren brachte die Gründung der gemeinnützigen „Tierpark Nordhorn gGmbH“ im Jahre 1994 mit der Stadt Nordhorn und dem Landkreis Grafschaft Bentheim als Gesellschafter. Eine nunmehr hauptamtliche Geschäftsführung und die verlässliche Unterstützung von Stadt und Landkreis begründeten die nun einsetzende Erfolgsgeschichte, die im Jubiläumsjahr 1999 schließlich die dringend benötigte Erweiterung – und das bedeutete die Verdoppelung des Zoogeländes – brachte. Nunmehr können auf 12 Hektar einer gärtnerisch gestalteten Parklandschaft über 2000 Tiere aus 100 Arten gezeigt werden. Tierpfleger, Biologen und Tierärzte kümmern sich um deren Wohl. Der Zoo verknüpft in einmaliger Weise seine zoologische Arbeit mit dem Naturschutz in der heimischen Region und legt einen besonderen Schwerpunkt auf die Erhaltung und Zucht seltener Haustierrassen.

mini|140px|Weihnachtsmarkt im Zoo Mit der Aufnahme in den Europäischen Zooverband „EAZA“ im Jahre 1996, in den Verband der Zoologischen Gärten „VdZ“ 2004 und in den Weltzooverband „WAZA“ im Jahre 2007 war aus dem „Heimattiergarten“ endgültig ein anerkannter Zoologischer Garten geworden. Die Besucher honorierten diese Entwicklung: Im Jahr 2014 wurde mit 408.729 Besuchern erstmals die Marke von 400.000 überschritten,GN online vom 17. Mai 2015, Grafschafter Nachrichten vom 18. Mai 2015 2015 konnte dieser Rekord mit 409.011, 2016 mit 429.889, 2017 mit 438.572 und 2018 mit 451.647 Besuchern wiederum überschritten werden; etwa die Hälfte der Gäste kommt aus den nahen Niederlanden. Eine wichtige Rolle für die Belebung des Zoos mit Besuchern in der kalten Jahreszeit spielt der Weihnachtsmarkt, der alljährlich vom zweiten bis zum dritten Adventswochenende in der Nähe des Vechtehofs stattfindet.

Seit 2001 standen die spätestens aus der Mitte des 17. Jahrhunderts stammenden Löwenskulpturen vom Bentheimer Tor vor dem Eingangsgebäude auf dem Erweiterungsgelände des Tierparks. Mittlerweile ist die Skulptur am Löwentor des Parks aufgestellt. Dieses trennt den historischen Vechtebereich von dem Teil des Parks, der schon von Beginn an vorhanden war.

Im November 2011 wurde das neue Gehege für die Waldbisons eröffnet.Grafschafter Nachrichten vom 16. November 2011: Spannender Umzug im Tierpark. Fünf Bisons im neuen Gehege – „Reibungsloser Ablauf“ Die Freigabe der kompletten Anlage inklusive neuem Rundweg erfolgte im zweiten Quartal 2012.

Zum 1. April 2012 hat der neue Geschäftsführer, der Tierarzt Dr. Nils Kramer, sein Amt übernommen.Grafschafter Nachrichten vom 4. April 2012: Kramer will Erreichtes sichern. Neuer Tierpark-Geschäftsführer offiziell in sein Amt eingeführt. Der vorherige Geschäftsführer Thomas Berling war bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen 2011 zum Bürgermeister von Nordhorn gewählt worden.

Am 28. März 2013 wurde die neue Voliere für Uhus und Kolkraben eröffnet. Der Raum der Voliere wurde von 400 auf 550 Kubikmeter vergrößert.Grafschafter Nachrichten vom 30. März 2013: Ostergeschenk für Uhus und Raben

Im Januar 2013 wurde mit dem Neubau einer Schau-Futterküche begonnen.Spatenstich für Schaufutterküche im Tierpark Am 13. Juni 2015 wurde sie der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Schau-Futterküche ermöglicht den Besuchern einen Blick hinter die Kulissen. Viele Informationen rund um die Futterküche, die Futterzubereitung und die Ernährung der einzelnen Tierarten können die Besucher hier erfahren. Darüber hinaus wurden auch die Arbeits- und Aufenthaltsbedingungen für die Mitarbeiter des Zoos verbessert.

Für Erdmännchen entstand im September 2015 in direkter Nachbarschaft zu Spielplatz und „Max-Abenteuerland“ auf 800 m² eine neue Anlage mit Wärmehaus.Homepage des Tierpark Nordhorns: Erdmännchen-Gehege in PlanungGrafschafter Nachrichten vom 6. März 2012: Neues Gehege für die „Kinderstars“

Im März 2015 wurde der Bau einer Zooschule begonnen. Bislang gab es ausschließlich Führungen für Schulklassen und andere Interessierte durch die Zoopädagogen. Durch das Schulgebäude soll der Schulcharakter in den Fokus gerückt werden, die Orientierung an die Rahmenlehrpläne der Schulen rückt in den Vordergrund.GN-online vom 19. März 2015, abgerufen am 17. Mai 2015 Am 7. Juni 2016 wurde der Neubau eröffnet.

Ende 2017 wurde die neue begehbare Südamerika-Anlage eröffnet. Sie beherbergt Alpakas und Maras.

Zurzeit wird der Vechtehof zum Vechtedorf erweitert: Eine große Heuscheune wurde bereits errichtet, Anfang 2021 wurden zudem der Vechtemarkt, eine historische Schmiede und eine Dorfmetzgerei eröffnet. Zudem gibt es seit 2022 eine Bastelwerkstatt mit angrenzendem Nachttierhaus. Dort lebt eine Gruppe nachtaktiver Gartenschläfer. Um den Besuchern die Tiere nahezubringen, wird hier am Tag die Nacht simuliert und umgekehrt.

Bereiche Nordamerika Waldbison, Weißrüssel-Nasenbär, Halsbandpekari mini|200px|Waldbisonkalb (2013) im Nordhorner Tierpark Der Waldbison (Bison bison athabascae) ist das Wappentier des Nordhorner Tierparks. 2012 bekamen die Tiere ein großzügiges neues Gehege, das weitgehend vom Förderverein finanziert wurde. Die Vergesellschaftung mit Halsbandpekaris (Pecari tajacu) ist einmalig in der Zoowelt. Von der seltenen Unterart des Waldbisons lebten um 1900 nur noch ca. 250 Tiere in den Wäldern Kanadas. Durch Wiederansiedlungsprojekte in verschiedenen Gebieten Kanadas gibt es heute etwa 3000 Waldbisons in freier Wildbahn. Die Bestände sind aber stark gefährdet durch Infektionskrankheiten, die Ausbreitung der Landwirtschaft und die zunehmende Industrialisierung.

Gegenüber der seltenen Wohngemeinschaft lebt eine sechsköpfige Gruppe der nachtaktiven Weißrüssel-Nasenbären (Nasua narica).

Präriehunde Das Gehege der Schwarzschwanz-Präriehunde (Cynomys ludovicianus) kann über zwei Schleusen von den Besuchern betreten werden. Ursprünglich kamen die Schwarzschwanz-Präriehunde vom extremen Süden der Provinz Saskatchewan in Kanada und von Montana in den USA über die westlichen und zentralen Great Plains, Texas, New Mexico und dem Südosten von Arizona bis in das nordöstliche Sonora und nördliche Chihuahua in Mexiko vor. Die Art ist heute im Südosten von Arizona, im südwestlichen New Mexico und lokal in vielen anderen Gebieten des ursprünglichen Verbreitungsgebietes ausgerottet. Schwarzschwanz-Präriehunde kommen heute in isolierten Kolonien innerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebietes vor, viele davon in Nationalparks. Aktuell wird die Anlage nicht von Präriehunden bewohnt.

Schmuckschildkröten In einem großen Teich, der das dahinter liegende Präriehundegehege begrenzt, leben verschiedene Neuwelt-Sumpfschildkröten (Emydidae). Die meisten gehören der Gattung Höckerschildkröten (Graptemys) an und haben ihr natürliches Verbreitungsgebiet in Nordamerika. Außerdem befinden sich einheimische Rotfedern (Scardinius erythrophthalmus) in diesem Teich.

Südamerika Die begehbare Südamerika-Anlage wurde 2017 neu angelegt und beherbergt zwei Bewohner der südamerikanischen Grasländer: Maras oder Pampashasen (Dolichotis patagonum), Nagetiere aus der Verwandtschaft der Meerschweinchen, und Alpakas (Lama guanicoe pacos), die zu den Neuwelt-Kamelen zählen und Haustiere sind. Bis 2018 lebten hier auch noch Nandus.

Erdmännchen und Fuchsmangusten Anfang September 2015 wurde das Gehege der Erdmännchen (Suricata suricatta) fertiggestellt. Im zentralen Teil des Zoos entstand in kurzer Zeit eine naturgetreue Anlage, vorwiegend in Eigenleistung durch die Zoohandwerker. Die zur Familie der Mangusten zählenden Raubtiere stammen aus den trockenen Regionen des südlichen Afrikas und haben ein ausgeprägtes Sozialverhalten.Tierpark Nordhorn: Erdmännchen Ende November 2015 kamen die ersten vier Jungtiere zur Welt.GN-online vom 18. Dezember 2015

Im Juni 2016 zog ein Fuchsmangusten-Paar (Cynictis penicillata) mit drei Jungen in das Gehege. Diese Tiere haben denselben natürlichen Lebensraum wie die Erdmännchen und unterscheiden sich von ihnen hauptsächlich durch ihr fuchsfarbenes Fell. Im Tierpark Nordhorn leben beide Tierarten vergesellschaftet miteinander.

Naturpfad Vechteaue Im Jahr 2007 wurde der etwa 200 Meter lange Naturpfad entlang des Tierpark-Vechte-Altarmes unter Beteiligung der BUND-Kreisgruppe und der Naturschutzstiftung Grafschaft Bentheim eröffnet. Der Altarm und dessen Uferbereich stellen den landschaftlich reizvollsten Teil des Zoos dar. Er beherbergt eine erstaunliche Vogelwelt: Haubentaucher und Eisvögel ziehen hier ihre Jungen auf.

Vechtewelt mini|200px|Historischer Vechtehof

Vechtedorf Die beiden Gebäude des Vechtehofes mussten einem Bauvorhaben weichen und wurden ab 1999 im Tierpark wieder aufgebaut. Ergänzt wird das Ensemble durch zwei Remisen, einen Sandsteinbrunnen, einem Bauerngarten mit vielen Blumen und Nutzpflanzen und seit 2021 auch durch eine historische Schmiede und eine Dorfmetzgerei.

Bauernhaus-Museum Das Hauptgebäude des Vechtehofes ist ein für das 19. Jahrhundert typisches Bauernhaus, in dem Mensch und Tier unter einem Dach wohnten. Durch den Stallbereich gelangt man in die originalgetreu eingerichteten Wohnräume mit alten Möbeln und Gerätschaften. Der museale Teil wird durch eine Remise ergänzt. Darin stellt der Treckerveteranenclub Nordhorn eine Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte aus.

Haustierstall mini|200px|Poitou-Esel auf dem Vechtehof