Der Leopold Stocker Verlag ist ein österreichischer Verlag mit Sitz in Graz, der gemeinsam mit dem Ares Verlag vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes als rechtsextrem eingestuft wird.Colette M. Schmidt: Mahnwache von Kunst- und Kulturschaffenden vor rechtsextremem Stocker-Verlag in Graz. Der Standard vom 18. Dezember 2025. Er verlegt landwirtschaftliche und jagdliche Fachbücher, Koch- und Handarbeitsbücher, Regionalia, Wanderführer, Sachbücher mit wissenschaftlichem Anspruch sowie im eigenen Haus wie auch im Tochterunternehmen Ares-Verlag rechtskonservative bis rechtsextremistische Literatur. mini|Fassade des Leopold Stocker Verlags in Graz, Hofgasse 5
Geschichte Vom Ersten Weltkrieg bis 1949 Der Diplom-Landwirt Leopold Stocker gründete das Verlagshaus 1917 in der Grazer Salzamtsgasse 7 als „Heimatverlag Leopold Stocker“, nachdem ihm am 13. April desselben Jahres der Stadtrat die Eröffnung einer Verlagsbuchhandlung genehmigt hatte. Die Anregung zu dieser Verlagsgründung ging 1916 vom steirischen Heimatdichter Peter Rosegger aus, mit dem Stocker befreundet war.
Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg begann die Verlagsproduktion mit landwirtschaftlicher Fachliteratur und politisierenden Schriften, die sich mit den Kriegsfolgen angesichts des Untergangs der k.u.k Monarchie Österreich-Ungarn beschäftigten. 1918 veröffentlichte Stocker neben Titeln wie Die Rindviehzucht Steiermarks und ihre Förderung nach dem KriegeFritz Schneiter: Die Rindviehzucht Steiermarks und ihre Förderung nach dem Kriege. Stocker, Graz 1918. auch Bodenreform heraus!Rudolf Jugoviz: Bodenreform heraus! Stocker, Graz 1918. und 65000 Millionen Kriegsschulden.Hugo Gerbers: 65000 Millionen Kriegsschulden: Wie werden wir am besten mit ihnen fertig? Stocker, Graz 1918. 1919 folgten Grundregeln der Saatgutgewinnung,Franz Witzany: Grundregeln der Saatgutgewinnung. 4. Auflage. Stocker, Graz 1919. Einträglicher FeldgemüsebauOtto Brüders: Einträglicher Feldgemüsebau: Eine Anleitung für die Gärtner und Landwirte. 2. Auflage. Stocker, Graz 1919. sowie Boden, Pflanze, Düngung,Harry Lipschütz: Boden, Pflanze, Düngung: Ein Merkbüchlein für den Landwirt. Stocker, Graz 1919. von Beginn an aber auch politische Tendenzliteratur wie etwa die Ziele deutscher AgrarpolitikLois Plechinger: Ziele deutscher Agrarpolitik. Stocker, Graz 1919. oder Was nun? Zeitgemäße Betrachtungen über die nächste Zukunft des deutschen Volkes.Adolf Kickh: Was nun? Zeitgemäße Betrachtungen über die nächste Zukunft des deutschen Volkes. Stocker, Graz 1919.
Ab 1920 betonte Stocker zunehmend das deutschvölkische Verlagsprofil. 1921 gab er den Vornamen-Ratgeber Gebt den Kindern deutsche Namen!Ferdinand Khull: Gebt den Kindern deutsche Namen! Mit einem Geleitwort von Ottokar Kernstock. Heimatverlag L. Stocker, Graz 1921. des Germanisten Ferdinand Khull-Kholwald (1854–1942) heraus und 1924 Otto Jaukers Deutsche Geschichte.Otto Jauker: Deutsche Geschichte: Von altgerman. Zeit bis zur Gegenwart. Heimatverlag Stocker, Graz / Leipzig 1924. Vor allem wurde er jedoch zum Hausverleger des fanatischen Antisemiten Karl Huffnagl, der sich des Pseudonyms Karl Paumgartten bediente. Paumgartten publizierte bei Leopold Stocker 1920 das Pamphlet Judentum und Sozialdemokratie,Karl Paumgartten: Judentum und Sozialdemokratie. Stocker, Graz 1920. 1921 Juda. Kritische Betrachtungen über Wesen und Wirken des Judentums,Karl Paumgartten: Juda: Kritische Betrachtungen über das Wesen und Wirken des Judentums. Heimatverlag L. Stocker, Graz 1921. 1924 die Hetzschrift Juden-FibelKarl Paumgartten: Juden-Fibel: Das ABC der viertausendjährigen Judenfrage. Heimatverlag L. Stocker, Graz 1924. und im selben Jahr die republikfeindliche Polemik Repablick.Karl Paumgartten: Repablick: Eine galgenfröhliche Wiener Legende aus der Zeit der gelben Pest und des roten Todes. Heimatverlag L. Stocker, Graz 1924. In einer Verlagsanzeige vom 30. November 1921 bewarb Leopold Stocker Paumgarttens rassistisches Werk Juda mit den Worten: „Bestellen Sie reichlich! (…) Sie verdienen dabei und helfen mit, das deutsche Volk von seinem Krebsschaden befreien“.Österreichisch-ungarische Buchhändler-Correspondenz, Nr. 48–49, 30. November 1921, S. 366; zitiert nach: Murray G. Hall: Österreichische Verlagsgeschichte 1918–1938. Böhlau, Wien u. a. 1985. Band 1: Geschichte des österreichischen Verlagswesens. Band 2: Belletristische Verlage der Ersten Republik. ISBN 3-205-07258-8, ISBN 3-412-05585-9. 1929 gab Stocker die antipazifistische Streitschrift Im Westen nichts Neues und sein wahrer SinnGottfried Nickl: Im Westen nichts Neues und sein wahrer Sinn: Eine Betrachtg über den Pazifismus und Antwort an Remarque. Heimatverlag L. Stocker, Graz 1929. des deutschnationalen Arztes Gottfried Nickl heraus und 1938 den Gedichtband Deutschland, wir glaubten an dichGottfried Nickl: Deutschland, wir glaubten an dich: Gedichte aus Deutschösterreichs Not-, Verbots- u. Befreiungszeit. Stocker, Graz / Leipzig 1938. desselben Autors. Leopold Stocker kündigte die Neuerscheinung am 23. Juni 1938 im Börsenblatt an:
Etwa 1930 benannte der Firmengründer sein Unternehmen in Leopold Stocker Verlag um. In den 1930er Jahren verlegte Leopold Stocker die Romantrilogie Ein Volk steht auf!Karl Itzinger: Ein Volk steht auf! Eine Romantrilogie, 3 Bände. Stocker, Graz / Leipzig 1933–1937. des oberösterreichischen Heimatdichters Karl Itzinger. Der erste Teil (Das Blutgericht am Haushamerfeld), den Stocker bereits 1925 unter anderem Titel herausgebracht hatte (Der Bauerntod), war 16 Monate lang unter der austrofaschistischen Regierung Kurt Schuschniggs verboten. Sieben Tage nachdem Adolf Hitler am 15. März 1938 auf dem Wiener Heldenplatz „vor der Geschichte nunmehr den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich“Zitiert nach: meldete, schrieb Stocker im Börsenblatt:
Neben Romanen wie Ein Rufer in deutscher NotRichard Neudorfer: Ein Rufer in deutscher Not: Grenzlandroman aus d. dt. Ostmark. Stocker, Leipzig / Graz 1937. (1937) und Unterm FronjochRichard Neudorfer: Unterm Fronjoch: Ein Ringen um d. Freiheit v. Leib u. Seele. Roman. Stocker, Leipzig / Graz 1939. (1939) von Richard NeudorferAm 24. März 1949 wurde der Fall Richard Neudorfer vor der Zentralkommission zur Bekämpfung der NS-Literatur verhandelt: „Dr. Kothny erstattete das Referat und teilte zunächst mit, dass Neudorfer illegales Parteimitglied und somit belastet wäre. Er wäre wegen Falschregistrierung und Denunziation zu drei Jahren Kerker verurteilt worden.“ Einige seiner Bücher wurden beanstandet und auf die so genannte Ablieferungsliste gesetzt. (Claudia Wagner: Die Zentralkommission zur Bekämpfung der NS-Literatur: Literaturreinigung auf Österreichisch. Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie aus der Studienrichtung Deutsche Philologie (Lehramt), Universität Wien, 2005, siehe (PDF; 2,8 MB) ). Erratum: Neudorfers Geburtsort ist das oberösterreichische Rüstorf, nicht Rüsdorf. (1900–1977), einem Hauptschullehrer aus Wels, oder Du sollst mein Zeuge seinEgon Hajek: Du sollst mein Zeuge sein: Lebenswege e. dt. Bekenners; Roman. Stocker, Graz / Leipzig 1938. (1938) des Kronstädter Pfarrers Egon Hajek (1888–1963) erschien im Leopold Stocker Verlag auch politische Propagandaliteratur wie Anton Steiningers (1898–1968) Ostmark-TrilogieAnton Steininger: Die Ostmark-Trilogie. Österreichs Freiheitskampf im Erlebnis. Eine Romandreiheit über d. illegalen Kampf d. Nationalsozialismus um Österreichs deutsche Freiheit. Stocker, Graz / Leipzig / Wien 1938–1939. (Band 1: Trotz Verbot nicht tot. 1938; Band 2: Rebellen für Deutschland. 1939; Band 3: Aufbruch ins Reich. 1939) (1938/1939) oder Otto Hermann Reich von Rohrwigs Der Freiheitskampf der Ostmark-DeutschenReich von Rohrwig, Otto Hermann: Der Freiheitskampf der Ostmark-Deutschen: Von St. Germain bis Adolf Hitler. Mit zahlreichen Bildern aus dem Hauptarchiv und den ostmärkischen Gauarchiven der Partei über den Werdegang der NSDAP in der Ostmark. Stocker, Graz / Wien / Leipzig 1942; Nachweis im Nominalkatalog 1930–1991. (1942).
Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschen Reiches setzte die Verlagsproduktion nach einer kurzen Unterbrechung 1946 wieder ein. Zunächst wurden belletristische Werke unter neuen Titeln wiederaufgelegt, wie z. B. MirabellaRudolf von Schnehen: Mirabella: Salzburger Geschichten. Stocker, Graz / Wien 1946. von Rudolf Schnehen (1868–1932), einem Oberförster aus dem steirischen Städtchen Eisenerz, das bereits 1925 als Unter dem Salzburger Krummstab erschienen war, oder der Roman Der stille FreundFritz Stüber-Gunther: Der stille Freund: Roman. Mit einem Anhang Fritz Stüber-Gunther, sein Leben und Werk / von Franz Karl Ginzkey. Stocker, Graz / Wien 1946; Nachweis im . von Fritz Stüber-Gunther (1872–1922), einem Wiener Finanzbeamten, dessen satirische Kurzgeschichten über die k.u.k.-Metropole sich Anfang des 20. Jahrhunderts einiger Beliebtheit erfreuten. Sein Roman war bereits 1919 in einem Stuttgarter Verlag herausgekommen. Aber auch politische Schriften gehörten rasch wieder zum Programm, wie etwa Die Lebensfähigkeit ÖsterreichsAnton Tautscher, Ernst Kübler: Die Lebensfähigkeit Österreichs. Untersuchungen und Ausblick. Stocker, Wien / Graz 1946. von Anton Tautscher (1906–1976) und Ernst Kübler.
Nationalsozialistische Bekenntnisromane wie Neudorfers Unterm Fronjoch wurden unter harmlos klingenden Titeln (Das neue Wesen,Richard Neudorfer: Das neue Wesen. Roman. Stocker, Graz / Wien 1950. 1950) in Neuauflagen produziert. Ab 1919 hatte Leopold Stocker die Zeitschrift Deutsche Landheimat (Untertitel: Zeitschrift für Landwirtschaft, Volkswohl und Heimat) herausgegeben, die ab 1921 unter dem Titel Landheimat (Wochenschrift für neuzeitliche Landwirtschaft und Landvolk) und von 1927 bis 1944 als Der fortschrittliche Landwirt erschien (Untertitel: Fachzeitschrift für die bäuerliche Familie). Es folgte eine fünfjährige Unterbrechung, ab Oktober 1949 wurde das Blatt wieder halbmonatlich hergestellt.
Seit 1950 Nach dem Tod Leopold Stockers im Dezember 1950 führte seine Tochter Ilse Dvorak-Stocker (1922–2011) – zunächst gemeinsam mit ihrer Mutter Marianne Stocker – das Verlagshaus.
Seit 1959 erscheint im Leopold Stocker Verlag die Bienenwelt: das Fachblatt für den zeitgemäßen Imker, seit 1971 das traditionsreiche Vereinsblatt Alpenländische Bienenzeitung, seit 1985 das Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft österreichischer Fleckviehzüchter Fleckviehzucht in Österreich (seit 2005 Fleckvieh Austria) und seit 1991 die Fachzeitschrift für Schaf- und Ziegenbauern Schafe aktuell (seit 2001 Schafe und Ziegen aktuell).
Seit 1995 Seit 1995 ist ihr Sohn Wolfgang Dvorak-Stocker Geschäftsführer und Inhaber des Verlags. 2001 übernahm Dvorak-Stocker den ebenfalls in Graz ansässigen Verlag für Sammler, der Regional- und Kochbücher herstellte, um „die Stellung am heimischen Markt aus(zu)bauen“, und Ende 2004 gründete er für sein politisch-historisches Programm den Ares-Verlag. Anfang 2005 nahm er eine Umgründung des Verlagshauses vor, weil es „im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte eine dynamische Entwicklung erfahren“ habe. Der Leopold Stocker Verlag firmiert seitdem als Leopold Stocker Verlag GmbH und der Zeitschriftenbereich wurde als Landwirt Agrarmedien GmbH gesellschaftsrechtlich selbständig. Die Landwirt Agrarmedien GmbH ist außerdem Inhaberin der Grazer Werbeagentur Indesign, die Alexandra Neuhold im Jahr 2000 ins Leben gerufen hatte. Zum Spin-off des Ares-Verlags erklärte Dvorak-Stocker:
Ab Ende 1999 verlegte der Leopold Stocker Verlag (bzw. seit 2005 Ares) die Quartalszeitschrift Neue Ordnung, die 1958 von Ernst Strachwitz und Franz Frank (* 24. Februar 1919 in Graz; † 5. September 1999) gegründet wurde.
Öffentliche Wahrnehmung Verwendung des Steirischen Landeswappens