mini|Norman Vincent Peale (1966) mini|alternativtext=Norman Vincent Peale hält in seinen beiden Händen das Buch Die Kraft positiven Denkens, 1986 fotografiert|Norman Vincent Peale mit seinem ersten Werk Die Kraft positiven Denkens (1986)

Norman Vincent Peale (* 31. Mai 1898 in Bowersville, Ohio, USA; † 24. Dezember 1993 in Pawling, Dutchess County, New York) war ein US-amerikanischer reformierter Pfarrer, Autor und Freimaurer. Sein 1952 erschienenes Buch The Power of Positive Thinking (deutsch: Die Kraft positiven Denkens) war für 186 Wochen ein Bestseller bei The New York TimesRon Elving: Norman Vincent Peale was a conservative Hero known well beyond his Era, Website npr.org (24. Juli 2020, amerikanisches Englisch, abgerufen am 24. Mai 2026), es wurde in 14 Sprachen übersetzt und mehr als 5 Millionen Mal verkauft.Ursula Kohler: Norman Vincent Peale: Die Kraft des positiven Denkens, Website moneymuseum.com (abgerufen am 24. Mai 2026)

Leben Vincent Norman Peale war der älteste Sohn des Arztes und Pastors Charles Clifford Peale (1870–1955) und seiner Frau Anna DeLaney Peale (1875–1939). Von seinen Geschwistern sind namentlich Robert Clifford Peale (1901–1970), Charles Nelson Peale (1910–1910), Anna Grace Peale (1910–1910) und Leonard Delaney Peale (1912–1983) bekannt. (19. Juli 2005, englisch, abgerufen am 24. Mai 2026) Die Familie gehörte einer methodistischen Kirche an.

Er studierte an der Ohio Wesleyan University und an der Boston University’s School of Theology und wurde als methodistischer Pfarrer ordiniert. Seine erste Pfarrstelle war an der Gemeinde der Methodist University in Syracuse, im Norden New Yorks. 1932 wechselte er zur Reformierten Kirche von Amerika und arbeitete für 52 Jahre als Pfarrer in der niederländisch−reformierten Marble Collegiate Church an der Fifth Avenue in Manhattan, New York City.Ron Elving: Norman Vincent Peale was a conservative Hero known well beyond his Era, Website npr.org (24. Juli 2020, amerikanisches Englisch, abgerufen am 24. Mai 2026) Dort wuchs durch ihn die Zahl der Kirchenmitglieder von 600 auf über 5.000, da er ein guter Prediger und motivierender Redner war. Eine gewisse Familie Trump von Fred C. Trump gehörte auch zu dieser Kirchengemeinde, sie besuchte Gottesdienste und empfing die Kasualien.Kurt Remele: Pastor Peale: Der Mann, der Trump religiös prägte, Website derstandard.de (4. Juli 2017, abgerufen am 24. Mai 2026)

Seine Lehre von der Kraft des „Positiven Denkens“ machte ihn zu einem der berühmtesten Pfarrer von New York. Er war Mitbegründer der Zeitschrift Guideposts und The Institutes of Religion and Health, der ersten Schule für Pastoralpsychologie. Ab 1935 ließ er 54 Jahre lang seine Radiosendung The Art of Living ausstrahlen.Dr. Norman Vincent Peale, Marble Collegiate Church, Website marblechurch.org (mit historischen Predigten in amerikanischem Englisch, abgerufen am 24. Mai 2026) Nach mehrmaliger Ablehnung erschien 1952 sein erstes Buch Die Kraft positiven Denkens, das 186 Wochen bei The New York Times auf der Bestsellerliste war und weltweit mehr als fünf Millionen Mal verkauft wurde.Ursula Kohler: Norman Vincent Peale: Die Kraft des positiven Denkens, Website moneymuseum.com (abgerufen am 24. Mai 2026) 1984 wurde Peale mit der Presidential Medal of Freedom für seine theologische Arbeit ausgezeichnet.Ron Elving: Norman Vincent Peale was a conservative Hero known well beyond his Era, Website npr.org (24. Juli 2020, amerikanisches Englisch, abgerufen am 24. Mai 2026)

Peale starb am 24. Dezember 1993 im Alter von 95 Jahren in Pawling. Er wurde auf dem dortigen Christ Church Cemetery bestattet. (19. Juli 2005, englisch, abgerufen am 24. Mai 2026)

Familie Norman Vincent Peale war seit 1930 bis zu seinem Tod 1993 mit Ruth Stafford Peale (1906–2008) verheiratet. (19. Juli 2005, englisch, abgerufen am 24. Mai 2026) Sie hatten drei Kinder; ein Sohn namens John ist Philosophieprofessor geworden.Kurt Remele: Pastor Peale: Der Mann, der Trump religiös prägte, Website derstandard.de (4. Juli 2017, abgerufen am 24. Mai 2026)

Praktische Theologie Peales Theologie sollte nach seiner eigenen Formulierung eine „praktisch anwendbare Theologie für den Menschen“ sein. Er schuf daher im Grunde eine Art christlich fundierte Lebenshilfe und kein spirituell-theologisches Werk im engeren Sinn. In seinem Buch The Tough-Minded Optimistdeutsch: Das Ja zum Leben, Zürich 1994, Oesch-Verlag, Seite 40. schrieb er in einem stark apologetisch formulierten Absatz, dass er auch Gedanken der Neugeist-Bewegung, insbesondere der Unity-Bewegung, und diverser Autoren im Umfeld der Neugeist-Bewegung in seinem Buch verarbeitet habe, aber dennoch am trinitarischen Gottesbild festhalte, da er ein echter Christ im Sinne seiner Kirche sei.

Peale empfahl das allgemeine Schutzgebet der Unity-Bewegung in einer eigenen Umformulierung, das er vielen Menschen abgeschrieben mitgab, wenn er um geistlichen Rat gefragt wurde: „Das Licht Gottes umgebe mich, die Liebe Gottes umhülle mich, die Macht Gottes beschütze mich, die Gegenwart Gottes wache über mir. Wo immer ich bin, sei Gott, und alles ist gut. Amen.“Norman Vincent Peale: Lebe positiv! Was die aktive Vorstellungskraft bewirkt, Bergisch Gladbach 1989, S. 39.

Schon in seinem Buch „Mut und Vertrauen durch positives Denken“ (The Power of Positive Living) äußerte sich Peale zur Kritik an seiner Art der Lebenshilfe.Vgl. Norman Vincent Peale: Mut und Vertrauen durch positives Denken, Zürich 1991, S. 28 ff. Er führte aus, dass ihm viele einfache Menschen dankbar geschrieben hätten, dass sie mit seinen Anregungen aus dem Buch „Die Kraft des positiven Denkens“ ihre Probleme lösen konnten. „Und das Wichtigste: Viele sagten, es habe ihnen geholfen, Gott zu finden.“Norman Vincent Peale: Mut und Vertrauen durch positives Denken, Zürich 1991, S. 29.

Kritik Peales Lebenshilfemethode gilt als eine bedeutende Grundströmung des Positiven Denkens. Von Seiten der Evangelikalen und Pietisten wurde Peales Ansatz von Anfang an als rein innerweltlich, esoterisch oder okkult abgelehnt. Vor allem Dave Hunt begründete die grundsätzliche Ablehnung von Peales Theologie in seinem Buch Die okkulte Invasion. Die okkulte Invasion. Die unterschwellige Verführung von Welt und Christenheit, CLV, Bielefeld 1999, ISBN 3-89397-272-2. In seinem zusammenfassenden Aufsatz Eine helle und eine dunkle Seite von Kraft? behauptete er, Peale wende sich aufgrund eines magischen Weltverständnisses an die „helle“ Seite der Kraft und kenne daher keinen persönlichen und gerechten Gott.

Auch von einigen Sektenexperten wird das Positive Denken nach Peale abgelehnt.Positives Denken, in: Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen, Herder, Freiburg-Basel-Wien, 1991, S. 821–822

Der katholische Theologe Kurt Remele vermerkte 2017 in seinem religionswissenschaftlichen Blog, dass sich Peale zu sehr auf das ungebundene Selbst des Einzelnen fokussiert habe. So sei das Individuum weitgehend auf sich allein gestellt geblieben. Zwischen 1946 und 1960 habe Peale kein einziges Mal den Holocaust, den amerikanischen Rassismus und die gesellschaftliche Segregation in seinen Predigten erwähnt. Seine Theologie verkomme daher zu einer therapeutisch-bürgerlichen Religion, bei der das persönliche Durchsetzungsvermögen beim alltäglichen Konkurrenzkampf noch gestärkt und gefördert werde.Kurt Remele: Pastor Peale: Der Mann, der Trump religiös prägte, Website derstandard.de (4. Juli 2017, abgerufen am 24. Mai 2026)

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Positiven Denken nimmt der Psychologe und Psychotherapeut Günter Scheich vor. Scheich untersucht die zweckgerichtete Vermengung von Religion und Psychologie. Peale verknüpft den Glauben an Gott auf „geradezu unerträgliche, blasphemische Art mit beruflichem und wirtschaftlichem Erfolg“.Günter Scheich: Positives Denken macht krank. Vom Schwindel mit gefährlichen Erfolgsversprechen. Dr. Scheich Verlag, 3., erw. Auflage, Oelde 2013, ISBN 978-3-943632-03-3, S. 50 f. Ursachen körperlicher Erkrankungen sieht Peale ursächlich im Geist. Mithin verharmlost er körperliche Ursachen und erweckt den Eindruck, medizinische Behandlung werde durch sein Verfahren des Positiven Denkens überflüssig, wenn man es richtig anwendet.

In den Lehren des Positiven Denkens, wie Peale sie vertritt, wird die „christliche Grundvorstellung von Glaube, Gebet oder Heilung zu angeblich unwiderstehlichen „Erfolgs“-Methoden verfälscht. Weil die Erfüllung christlicher Hoffnungen unter dem eschatologischen Vorbehalt steht, verbietet sich naiv-magisches Positives Denken.“Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Lexikon. Artikel Positives Denken.

Rezeption Nelson Mandela schrieb im April 1969 an seine Frau Winnie: „Die Bücher Die Kraft positiven Denkens & Die Wirksamkeit positiven Denkens des amerikanischen Psychologen Dr. Norman Vincent Peale sind wohl eine lohnende Lektüre. Die Stadtbücherei sollte sie anschaffen. Den metaphysischen Aspekten seiner Argumente messe ich keine Bedeutung bei, aber seine Ansichten zu physischen & psychologischen Fragen halte ich für brauchbar.“Nelson Mandela: Briefe aus dem Gefängnis. München 2018. S. 110.

Werke Die Kraft positiven Denkens. 1953; Oesch, Zürich 1960. Die Wirksamkeit positiven Denkens. So hilft positive Phantasie. Oesch Verlag. So hast du mehr vom Leben. Oesch Verlag. Trotzdem positiv. Oesch Verlag. Darum seid getröstet. Oesch Verlag. Lebe positiv! Wie die aktive Vorstellungskraft Dein Leben verändert. Heute fängt dein Leben an. Ein positives Wort für jeden Tag. Nimm das Glück in deine Hand. Was Begeisterung vermag. Leben kann Freude sein. Das Buch der Lebensfreude. Das Ja zum Leben. Oesch, Zürich 1994. Der Plus-Faktor. Heyne, München 1991.

Weblinks

Guideposts (englischsprachige Zeitschrift). Dr. Norman Vincent Peale, Marble Collegiate Church, Website marblechurch.org (mit historischen Predigten in amerikanischem Englisch). Ursula Kohler: Norman Vincent Peale: Die Kraft des positiven Denkens, Website moneymuseum.com. Ron Elving: Norman Vincent Peale was a conservative Hero known well beyond his Era, Website npr.org (24. Juli 2020, amerikanisches Englisch). Peale Foundation, Website pealefoundation.org (amerikanisches Englisch).

Kritik

Günter Scheich: „Positives Denken“ macht krank. Kurt Remele: Pastor Peale: Der Mann, der Trump religiös prägte, Website derstandard.de (4. Juli 2017).

Evangelikale Kritik Artikel im Handbuch Orientierung. Charismatischer und evangelikaler Okkultismus. Eine dunkle und eine helle Seite von Kraft? von Dave Hunt.

Einzelnachweise

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