Rölsdorf ist ein Stadtteil der Stadt Düren im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen. Im Volksmund hat Rölsdorf wegen seiner einstmals zahlreichen französischsprachigen Einwohner den Beinamen „Klein-Frankreich“.

Lage Rölsdorf liegt im Westen des alten Stadtkerns, jenseits der Rur. Durch den Ort fließt der Lendersdorfer Mühlenteich und der von Birgel kommende und in die Rur mündende Birgeler Bach. Der Birgeler Bach, der heute in Höhe der Bahnstraße den Lendersdorfer Mühlenteich unterfließt, hatte zuvor als Wasserzufluss für den Mühlenteich gedient.

Eingemeindung Rölsdorf war bis zum 1. April 1937 eine eigenständige Gemeinde. Mit 2312 Einwohnern kam sie als erster Nachbarort zur Stadt Düren. Bei der Eingemeindung wurden die Namen folgender StraßenAdreßbuch von Stadt und Kreis Düren 1932/1933. Hamel’sche Druckerei und Verlagsgesellschaft, Düren, Rheinland, S. 29–34. geändert: Hoeschweg (Gürzenicher Straße), Lindenallee (Monschauer Straße zwischen der Straße Cornetzhof und Gürzenicher Straße), Oberstraße (Monschauer Straße zwischen Gürzenicher Straße und Monschauer Landstraße), Friedhofstraße (Am Schlagbaum), Eisenbahnstraße (Bahnstraße), Freiheitstraße (danach Schellartstraße,Josef Geuenich: Die Dürener Straßennamen. Düren 1965. heute An Sankt Nikolaus), Brückstraße (An der Ziegelei), Birgeler Landstraße (Monschauer Landstraße), Zum Burgacker, bis 6. September 1973 (heute An der Kette). Birgeler Weg bis 1973 (heute Dunantstraße). Bachstraße bis 1973 (heute In der Mühlenau). Burgstraße bis 1973 (heute Zum Volkspark). Lendersdorfer Weg bis 1973 (heute Dr.-Overhues-Allee).Eva Siebenherz: Umbenannte Straßen in Nordrhein-Westfalen: Bottrop bis Herford, Rölsdorf

In der Siedlung wurden die Straßen nach Flurnamen benannt: Eldernweg, An der Erk, Waidfeld, Auf dem Büchel, Blachweg, Hammerau, Pfennigsweide und Farbmühlenstraße.

Geschichte Rölsdorf war schon in römischer Zeit besiedelt.Das Dürener Land, Bildatlas der Kreissparkasse Düren. Düren, 1971, S. 20, Rölsdorf Beim Abbruch der alten Kirche (Standort des 2018 abgerissenen Pfarrheims, heute Wohnhaus, Monschauer Str. 175) entdeckte man Reste einer um 1200 dort erbauten romanischen Kapelle, in deren Mauerwerk römische Ziegel gefunden wurden. Zudem fanden sich römische Baureste im Gelände nach Gürzenich. Mehrere Brand- und Skelettgräber aus dieser Zeit, die 60 Meter von der alten Kirche und in südlicher Ortslage gefunden wurden, belegen die antike Besiedlung. 1957 fanden sich bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Grundstück Monschauer Straße 166 zudem runde Ziegel einer römischen Fußbodenheizung (Hypokaustum). Im anschließenden Gartengelände wurden Bauschutt und römische Scherben gefunden.Bonner Jahrbücher. Band 159, Verlag Butzon & Bercker, 1959, S. 370.

Erstmals erwähnt wird Rölsdorf auf einer Urkunde vom 18. Februar 1268, durch den Namen des Johannes de Rulstorp.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins. Erster Band, Druck: J. Wolf, Düsseldorf 1840, S. 343/344. Darin wird der Friede zwischen Dietrich I. Herr zu Heinsberg und dem Graf Adolf vom Berg, u. a. auch von Johannes de Rulstorp, besiegelt.Christoph Jakob Kremer: Akademische Beiträge zur Gülch- und Bergischen Geschichte, Band 1, Mannheim 1769, S. 9 Wie die Endung torp deutlich zeigt, handelte es sich im Ursprung wohl um einen Lehnshof, der der Selbstversorgung des Lehnsmann diente. 1357 wurde erstmals eine Kapelle erwähnt, die wahrscheinlich schon im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Auf einer Urkunde der Stadt Nideggen vom 25. März 1390 wird u. a. ein Henken van RuylstorpJörg Füchtner: Inventar des Archivs der Stadt Nideggen bis 1794. Rheinland Verlag, Bonn 1973, ISBN 3-7927-0164-2, S. 29. genannt. Am 6. März 1404 stellte Gerhard von Solre (Soller), Bürger zu Düren, einen Revers aus über seine Belehnung mit dem Hof zu Rolsdorf, gegen Jahrespacht von 16. Malter Roggen, 16. Malter Hafer und verschiedene Abgaben für die Altäre zu Rolsdorf und Leudersdorf (Lendersdorf).Karl Schorn: Eiflia sacra oder die Geschichte der Klöster und geistlichen Stiftungen der Eifel, Band 2, Verlag von P. Hanstein, Bonn 1889, S. 249P. Hanstein: Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Band 28, Ausgabe 2, Teil 1, 1986, S. 213 1416 wurde Reynart Schelart van Moetzenborn (Haus Mozenborn) mit Daems goet (Daems Gut) over dijek (Teich) mit sijnen tobehoren (Zubehören), to Roelstorp gelegen, tot eenen Gulixchen (Jülichen) rechte ontfinck, belehnt.P. Gouda Quint: Register op de leenaktenboeken van het Vorstendom Gelre en Graafschap Zutphen: 1917. Het Kwartier van Arnheim, 1912, S. 134 1543 wurde Düren von Rölsdorf aus von den Truppen Kaiser Karls V. belagert. Rölsdorf ging in Flammen auf. Anna van Roelstorff, verzichtete 1578 auf die Güter ihres verstorbenen Mannes, Abel van Wandloe (Wanlo) zugunsten ihrer Söhne Gottschalk und Matteis van Wandloe, nachdem sie zuvor mit Johann von Manheim (Monheim ?) eine neue Ehe eingegangen war.Das Hauptstaatsarchiv Düsseldorf und seine Bestände, Band 9, Teil 7, Respublica Verlag 1995, S. 528 1591 gab es Streit (Vindikation) um mehrere Grundstücke in Rölsdorf, gegen die Geschwister Maria und Goswin von Dommermont (Thummermuth) aus Rölsdorf. Gottschalk von Wandlo (Wanlo) Bürger aus Düren, forderte die Herausgabe der Grundstücke, welche seine Mutter Anna von Roelsdorf, in die Ehe mit Abel von Wandlo eingebracht hatte, die sich aber im Besitze der Familie Dommermont befanden.Aachener Geschichts-Verein: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins - Bände 18–19, 1896, S. 134 Im Jahre 1748 wurde die erste Steinbrücke über die Rur gebaut. Am Lendersdorfer Mühlenteich wurde zwischen 1785 und 1790 eine Farbmühle in Betrieb genommen. Die heute noch bestehende Gaststätte Gohr wurde am 1. März 1851 durch Peter Josef Gohr eröffnet. Am 31. Oktober 1866 wurde Rölsdorf zur Pfarre St. Nikolaus erhoben. 1890 erfolgte in Rölsdorf die Gründung des Vereins deutscher Lederleimfabrikanten.Industrieverband Klebstoffe e. V.: Auf der Höhe der Zeit: 70 Jahre Industrieverband Klebstoffe e. V., Verlag Springer Vieweg 2017, ISBN 978-3-658-14242-1, S. 179

mini|Eines der wenigen alten Häuser, 1865 erbaut, Monschauer Straße 235 Wie auf der zwischen 1801 und 1828 unter Jean Joseph Tranchot durchgeführten Topographische Aufnahme der Rheinlande zu sehen, war Rölsdorf um 1800 ein typisches Straßendorf. Bauernhöfe und Häuser, sowie die um 1200 errichtete Kapelle, fanden sich nur an der Monschauer Straße, zwischen der Einmündung der Gürzenicher Straße und der Kreuzung Monschauer Landstraße. Dieses Straßenstück lag mehrere Meter höher als der Lendersdorfer Mühlenteich und hieß bis zur Eingemeindung 1937: Oberstraße. 1823 lebten in Rölsdorf 221 Einwohner.Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des Preussischen Staats, Band 4, P-S, Halle 1823, Seite 157 1847 bestand Rölsdorf aus 59 Häusern in denen 380 Einwohner lebten.Eduard Messow: Topographisch-statistisches Handbuch des Preussischen Staats, Band 2, L-Z, 1847, Seite 221 Und 1871 wurden 719 Einwohner gezählt. Am 15. Juni 1887 erhielt Rölsdorf die erste eigene Poststelle, im Haus Monschauer Straße 146. 1901 wurde das Pfarrhaus Monschauer Straße 134 erbaut. Baubeginn war nur acht Monate vorher, nämlich am 3. Februar 1901. Die Kaplanei in der Monschauer Straße 98 wurde 1903 gebaut.

Das Jugendstadion, eingeweiht am 14. August 1921, erhielt zwei Jahre später eine Radrennbahn, auf der nach dem Kriege auch Motorradrennen gefahren wurden (Einweihung am 8. Juli 1923). Im Frühjahr 1932 kam es in Rölsdorf zur Gründung einer KPD-Gruppe, der 50 Mitglieder aus den Orten Birgel, Lendersdorf, Gürzenich und Rölsdorf angehörten. Günter Bers: Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) im Raum Köln-Aachen gegen Ende der Weimarer Republik: eine Dokumentation zum Jahr 1932, Einhorn-Presse 1993, ISBN 3-88756-029-9, ISBN 978-3-887-56029-4, Seite 131 Die Stadt Düren kaufte vom Kreis Düren am 19. Mai 1937 zum Preis von 380.000 RM das Gut Boisdorf.

Auch in Rölsdorf hat es bis 1941 jüdische Bürger gegeben. In Rölsdorf geboren und von den Nazis ermordet wurden: Eva Roer, Eleonore Fromm geb. Michel und ihr Ehemann Moses Fromm.Regina Müller: Um Heimat und Leben gebracht. Düren 1989, ISBN 3-927312-02-9, S. 106. Die Familie des Friedrich (Fritz) Roer, wohnte im abgerissenen Haus-Nr. 75, links neben dem Jägerhof (Rölsdorf). Die Familie des Moses Fromm wohnte Haus-Nr. 50, inzwischen abgerissenen, jetzt Monschauer Straße 183. Beide hatten Metzgerei und Viehhandel. Die ganze Woche stand ein Topf mit Rindfleischsuppe auf dem Herd, aus dem jeder Arme einen Teller bekam. Im Dorf waren sie alle beliebt.Pfarrbrief für die Pfarrfamilie „St. Nikolaus“ in Düren-Rölsdorf, Nr. 14/1958, S. 2, Die Rölsdorfer Juden. Die Gaststätte des Matthias Bonn, Oberstraße 76, (heute Monschauer Straße 217, Hotel Jägerhof) war nach dem Ersten Weltkrieg Stammlokal des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (RjF), Ortsgruppe Düren, Vorsitzender war der Kaufmann Kurt Hahn, Düren, Oberstr. 37.Adreßbuch von Stadt und Kreis Düren 1932/1933. Hamel’sche Druckerei und Verlagsgesellschaft, Düren, Rheinland, S. 67 Sonntags spielten diese auf der Wiese von Matthias Bonn in der Bachstraße Fußball. Wegen seiner Judenfreundlichkeit wurde die Gaststätte von 1934 bis 1945 boykottiert. Der damalige NSDAP-Ortsgruppenleiter und stellvertretende NSDAP-Kreisleiter, der Amtsbürgermeister Georg Logauer, hatte das Betreten der Gaststätte verboten. 1935 wurden die Fassade der Gaststätte, die Haustür und das Hoftor durch rote Farbmennige mit anti-jüdischen Parolen und Judennasen beschmiert, sowie die Fenster eingeworfen.Stadt- und Kreisarchiv Düren, Akte W-Düren 234

Am 9. Juni 1941 brannte das Straßenbahndepot in der Bahnstraße aus. Der Ort wurde als erster Stadtteil schon am 1. Juli 1945 mit Frischwasser aus dem Wasserwerk Birgel versorgt.

Bis 1944 gab es in folgenden Rölsdorfer Unternehmen Zivilarbeiterlager: Bauunternehmung Hermann Bock / ELINO Elektro-Industrie-Ofenbau Carl Hanf GmbH & Co. KG / Aug. Detombay / Zimmermann & Jansen GmbH / Gebr. Hannemann & Cie. GmbH / Leopold Schoeller & Söhne.Martin Weinmann: Das nationalsozialistische Lagersystem, Verlag: Zweitausendeins, 3. Auflage Juni 1998, 3. Teil, ISBN 3-86150-261-5, S. 122

Im Zweiten Weltkrieg besetzten die US-Amerikaner am 17. Dezember 1944 Rölsdorf und gingen von dort über die Rur in die Innenstadt.

Im Sommer 1945 gründeten Rölsdorf BürgerStadtarchiv Düren, Signatur: B 378, Blatt 117, Antifa-Ausschuss Rölsdorf an Bürgermeister, Liste Rölsdorfer Antifaschisten, 10. Oktober 1945. den Antifa-Ausschuss Düren-Rölsdorf.Stadtarchiv Düren, Signatur: B 1700: Antifa-Bürgerausschuß Düren an Bürgermeister Düren, 21. Oktober 1945. Unter Leitung dieses Ausschusses wurden ab September 1945 in Rölsdorf ehemalige Nazis zur Pflichtarbeit (Beseitigung von Kriegsschutt) herangezogen.

Von 1948 bis 1949 wurde die Glashüttensiedlung für die aus Penzig in Niederschlesien stammenden vertriebenen Glasarbeiter erbaut. 1955/56 wurde die Nebenerwerbssiedlung errichtet. Anfang 1957 wurde mit der Ortskanalisation begonnen. 1969 wurde der Engpass „Teichbrücke“ in der Monschauer Straße beseitigt.

Im April 1972 wurde das Altenheim St. Nikolaus in der Dr.-Overhues-Allee eingeweiht. Der Fußball-Verband Mittelrhein hat 1980 die Villa Mevis restauriert und für die Mitarbeiterschulungen hergerichtet.

Von 1966 bis 1990 befand sich in Rölsdorf das Gebäude des Amtes Birgel, später Außenstelle der Stadtverwaltung Düren. Danach wurde das Gebäude in das Rölsdorfer Vereinshaus umgewandelt.

Verkehr Schon im Jahre 1852 wurde auf der neuen Personenpoststrecke Düren–Monschau eine Haltestelle in Rölsdorf eingerichtet. Am 6. Oktober 1908 wurde die Straßenbahnstrecke Düren–Rölsdorf–Lendersdorf der Dürener Kreisbahn (DKB) eröffnet. Nach dem Krieg war die Straßenbahnstrecke Düren-Lendersdorf ab der Rurbrücke ab dem 27. Dezember 1947 wieder befahrbar. Der Straßenbahnverkehr wurde ab 1954 von Bussen übernommen.