mini|hochkant=1.5|Gebäudeseite an Ebertstraße und Behrenstraße
Die Botschaft der Vereinigten Staaten in Berlin ist der Sitz der Auslandsvertretung (Mission) der Vereinigten Staaten von Amerika (USA) in Deutschland. Der Behörde unterstehen die eigentliche Botschaft in Berlin sowie ihre Konsulate in Frankfurt, Düsseldorf, München, Leipzig und Hamburg. Die Kanzlei befindet sich in einem Neubau am Pariser Platz wenige Meter vom Brandenburger Tor entfernt und wurde am 4. Juli 2008 im Beisein des früheren US-Präsidenten George H. W. Bush und der Bundeskanzlerin Angela Merkel offiziell eröffnet, nachdem die Mitarbeiter bereits Ende Mai 2008 ihre Arbeit im neuen Gebäude aufgenommen hatten. Zuvor befand sich die Botschaft in einem Gebäude in der Neustädtischen Kirchstraße 4/5 in Berlin-Mitte.
Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und Deutschland gehen auf den Beginn des 19. Jahrhunderts zurück.
Botschafter war bis zu seiner Entlassung durch den US-Präsidenten Donald Trump im Januar 2017 John B. Emerson. Am 8. Mai 2018 übergab Emersons Nachfolger Richard Grenell sein Beglaubigungsschreiben an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Am 2. Juni 2020 trat Grenell zurück. Vom 17. Februar 2022 bis zu ihrem Rücktritt im Juli 2024 war Amy Gutmann Botschafterin der Vereinigten Staaten in Deutschland. Seit dem 26. Juli 2024 leitet Alan Meltzer als Geschäftsträger ad interim die Botschaft.
Geschichte mini|links|Ehemaliger Botschaftsstandort in der Neustädtischen Kirchstraße, erbaut 1886/1887 von den Architekten von der Hude & Hennicke
1797–1939: Wechselnde Botschaftsstandorte mini|hochkant|links|Botschaftsgebäude in der Bendlerstraße, 1928 mini|Amerikanische Botschaft, 1930Ansicht vom Tiergarten aus, links das Haus Sommer mini|links|US-amerikanische Botschaft 1932Ansicht vom Pariser Platz, rechts das Haus Sommer
Im Jahr 1797 wurde mit John Quincy Adams, dem späteren sechsten Präsidenten der USA, der erste Botschafter der USA in die damalige preußische Hauptstadt Berlin entsandt. Der Standort der Botschaft änderte sich in der folgenden Zeit mehrfach, da die Räumlichkeiten jeweils immer nur gemietet wurden. Im Jahr 1925 wurde beispielsweise die Voßstraße 12 als Sitz der diplomatischen Vertretung angegeben. Der letzte gemietete Botschaftsstandort nach dem Wilhelmplatz befand sich in der Bendlerstraße 39Die Verlegung der amerikanischen Botschaft. In: Vossische Zeitung, 2. April 1929, Abendausgabe, S. 3. (heutige Stauffenbergstraße) in Tiergarten.
1939–1941: Im Palais Blücher Seit 1924 interessierten sich die USA für ein eigenes Botschaftsgebäude in Berlin und unterschrieben 1930 einen Vorvertrag zum Kauf des Palais Blücher am Pariser Platz 2. Noch vor dem endgültigen Kauf der Immobilie zerstörte am 15. April 1931 ein Feuer das Palais – der Vertrag kam kurze Zeit später dennoch für 1,8 Millionen US-Dollar zustande. Der Wiederaufbau des Gebäudes verzögerte sich jedoch um mehrere Jahre. Gründe dafür waren zum einen die mit Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 herrschende Finanzknappheit der amerikanischen Regierung und andererseits, was der gewichtigere Grund war, die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 und die Abneigung des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt diesen gegenüber. Mit dem Botschafter William Edward Dodd, der an der Universität Leipzig studiert hatte, wählte Roosevelt einen Kenner Deutschlands aus. Dodd mochte Hitler nicht, vermied gemeinsame Dinners und lehnte es selbst zu den Olympischen Spielen 1936 ab, das an so prominenter Stelle gelegene Palais Blücher instand zu setzen, um Hitler damit zu ärgern.
Nachdem Albert Speer 1938 seine Pläne zum Umbau Berlins zur Welthauptstadt Germania vorgestellt hatte und sich abzeichnete, dass der Botschaftsstandort an der Bendlerstraße würde aufgegeben werden müssen, ließ Dodds Nachfolger Hugh Robert Wilson das Palais Blücher instand setzen.
Vom 1. April 1939 an nutzte man es als Botschaft, allerdings ohne einen offiziellen Botschafter, da am 16. November 1938 Roosevelt Wilson aus Protest gegen die Novemberpogrome von zurückbeordert hatte. Neben den beiden Wilson nachfolgenden Geschäftsträgern (Chargé d’Affaires) Alexander Comstock Kirk und Leland B. Morris arbeitete auch der später sehr bedeutende Historiker und Diplomat George F. Kennan als Legationssekretär in der Botschaft.
Im Zweiten Weltkrieg blieben die USA zunächst neutral. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den USA und dem Deutschen Reich endeten am 11. Dezember 1941, vier Tage nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor, durch Deutschlands Kriegserklärung an die USA. Die Botschaft wurde geschlossen und das Botschaftspersonal für fünfeinhalb Monate in einem ehemaligen Hotel in Bad Nauheim interniert.Michael S. Cullen: Kriegerische Idylle. In: Die Zeit, 7. März 2008, Nr. 28.
Während des Krieges verwaltete die Botschaft der neutralen Schweiz das US-Botschaftsgebäude, das zum Teil zerstört wurde.
mini|Ruine der Botschaft, März 1957
Nach dem Krieg war Berlin eine Viersektorenstadt. Die Amerikaner waren in ihrem Sektor mit der „Berlin Brigade“ präsent. Bedarf für eine Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland entstand erst 1955 als Nachfolgerin des bisherigen Hochkommissariats. Sie befand sich am Sitz Bundesregierung Bonn im Schloss Deichmannsaue. In Berlin waren die USA im Komplex des US-Hauptquartiers in Berlin-Dahlem konsularisch vertreten.
1977–2008: Im ehemaligen Warenhaus für Armee und Marine Nach der diplomatischen Anerkennung der DDR und dem Austausch von Botschaftern im Jahr 1974 eröffneten die USA 1977 ihre Botschaft bei der DDR (nicht: Botschaft der USA in der DDR, wegen des Viermächtestatus von Berlin) in Ost-Berlin in der Neustädtischen Kirchstraße 4/5 in Berlin-Mitte im Gebäude des ehemaligen Warenhauses für Armee und Marine, welches seit 1935 als Haus des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages gedient hatte. Das teilzerstörte Palais Blücher hatte in Ost-Berlin direkt der Sektorengrenze zu West-Berlin gelegen und war im April 1957 im Zuge der Abräumung des Gebiets zwischen Ebert- und Wilhelmstraße auf Anordnung des Ministerrats der DDR abgerissen worden.
mini|Amerikanische Botschaft im ehemaligen Warenhaus für Armee und Marine, 2008 Am 20. Januar 1984 baten sechs DDR-Bürger in der amerikanischen Botschaft in Ost-Berlin um politisches Asyl.
Nach der politischen Wende wurden die Botschaft in der DDR und die Vertretung im West-Berliner Dahlem zusammengefasst zur Außenstelle der Amerikanischen Botschaft in Berlin; die US-Botschaft für Deutschland befand sich weiterhin in Bonn.
Erst mit dem Hauptstadtbeschluss und dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin am 7. Juli 1999 wurde das Gebäude in der Neustädtischen Kirchstraße zum Sitz der US-Botschaft in Deutschland. Die Unterbringung dort war jedoch nur eine Übergangslösung bis zur Fertigstellung des Botschaftsneubaus am Pariser Platz. Nach dem Umzug gab es Überlegungen, das bundeseigene Gebäude in der Neustädtischen Kirchstraße der Tschechischen Republik zu übertragen und im Gegenzug das Palais Lobkowicz in Prag zu übernehmen.Ulrich Paul: Tausche US-Vertretung gegen Genscher-Balkon. In: Berliner Zeitung, 25. März 2009. Seit 2008 steht das Gebäude im Zentrum des ehemaligen Regierungsviertels leer.
Seit 2008: Neues Botschaftsgebäude am Pariser Platz Das Grundstück des früheren Palais Blücher am Pariser Platz 2 ging nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wieder in den Besitz der USA über, die immer Eigentümer geblieben waren. Die Regierung der USA beschloss 1992, ihre Botschaft an diesem historischen Standort wieder zu errichten. Eine 1993 dort aufgestellte Tafel verkündete den Neubau einer US-Botschaft auf diesem historischen Grundstück.
Der Gebäudeentwurf aus dem Jahr 1996 stammt vom kalifornischen Architekturbüro Moore Ruble Yudell. Wettbewerbsentwurf, Planung und Ausführung waren eine Zusammenarbeit von Moore Ruble Yudell mit dem Planungsbüro Gruen Associates.Gruen Associates wurde von dem Architekten Victor Gruen gegründet, der als Erfinder der modernen Shopping-Mall gilt.
Der Baubeginn verzögerte sich mehrere Jahre, da der Plan mehrfach überarbeitet werden musste. Schwierigkeiten bereiteten dabei die Vereinbarkeit von Sicherheitsbedürfnissen der Vereinigten Staaten mit dem Berliner Interesse, den Pariser Platz in seiner Gänze frei zugänglich zu belassen. Anlass für die verschärften Sicherheitsvorgaben der Amerikaner waren die Terroranschläge auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia am 7. August 1998 sowie die Anschläge am 11. September 2001. Für die 25 Meter breite Sicherheitszone an der Rückseite wurde die Behrenstraße für 1,8 Millionen Euro verschwenkt, woran sich die USA mit 1,5 Millionen Euro beteiligten. Des Weiteren wurden – wie bei der benachbarten Britischen Botschaft – versenkbare Betonpoller rund um das Gebäude errichtet, um Fahrzeuge auf Abstand zum Gebäude zu halten.
Am 6. Oktober 2004 machten der US-Botschafter Dan Coats, der deutsche Innenminister Otto Schily und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit gemeinsam den ersten Spatenstich. Richtfest konnte am 10. Oktober 2006 gefeiert werden.
mini|Botschaft der USA am Pariser Platz, rechts angeschnitten das neue Haus Sommer mini|links|Botschaft in Nachbarschaft zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas und dem Reichstagsgebäude
Der Neubau füllte die letzte Bebauungslücke am Pariser Platz. Für den Bau waren ursprünglich 180 Millionen US-Dollar geplant, der US-Kongress drückte jedoch die verfügbare Summe auf 120 Millionen US-Dollar (rund 95 Millionen Euro).
Das neue Botschaftsgebäude am Pariser Platz wurde am 4. Juli 2008, dem Nationalfeiertag der USA, im Beisein des früheren US-Präsidenten George Bush sr. offiziell eröffnet, die Diplomaten bezogen es allerdings bereits Ende Mai 2008.vgl. bei tagesschau.de, 4. Juli 2008 (aufgerufen am 4. Juli 2008). Damit löste das Berliner Gebäude das Schloss Deichmannsaue in Bonn ab, das seit 1955 Sitz der Botschaft der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland gewesen war. Zuvor befand sich dort der Sitz des Hohen Kommissars des Landes in der zu jenem Zeitpunkt nicht souveränen Bundesrepublik.
Neben der Kanzlei als Botschaft im engeren Sinne gehört auch das Konsulat an der Clayallee in Dahlem dazu, sowie die Residenz des Botschafters und Dienstwohnungen weiterer hochrangiger Diplomaten.
Von Juni 2020 bis Februar 2022, ab dem Abtritt von Richard Grenell, war die Botschaft ohne Botschafter und wurde von Geschäftsträgern geleitet – so lange wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Von Februar 2022 bis Juli 2024 vertrat mit Amy Gutmann erstmals eine Frau die Vereinigten Staaten im vereinten Deutschland. Seit dem 26. Juli 2024 hat Alan Meltzer das Amt des Geschäftsträgers ad interim (Chargé d’Affaires) inne.
Kontroversen
Architektur des Neubaus Das Gebäude ist viereinhalb Stockwerke hoch und orientiert sich architektonisch an den umgebenden Gebäuden. In deutschen Medien stieß der Neubau auf Ablehnung bis hin zu Entsetzen, bemängelt wurde vor allem der „Festungs“-Charakter sowie die „Banalität“ der Fassade.Provinztankstelle oder Flughafenhotel? ZDF aspekte, 30. Mai 2008Hans Stimmann: Hässlich aber sicher – die neue US-Botschaft. In: Die Welt, 23. Mai 2008.Sicherheit vor Freiheit. Martin Kröger findet die US-Botschaft abweisend. In: Neues Deutschland, 26. Mai 2008
Überwachung von Passanten mini|In der verblendeten Dachetage befinden sich mutmaßlich die Abhöreinrichtungen der NSA.
Nach einem Bericht der Berliner Zeitung vom November 2010 werden die Passanten der US-Botschaft in Berlin von einer Spezialeinheit ohne Wissen des Bundesinnenministeriums überwacht,Damir Fras, Hannes Gamillschegg: USA lassen in Deutschland überwachen. Geheimorganisation operiert ohne Wissen des Bundes. In: Berliner Zeitung, 6. November 2010. wie es auch bei anderen US-Botschaften in Europa geschieht.Bürger in Stockholm durch US-Botschaft ausspioniert. Bei: Tagesschau.de, 7. November 2010.