mini|rechts|Stammwappen der Herren, Grafen und Fürsten von bzw. zu Erbach

Die Grafen von Erbach (nach der Mediatisierung 1806 vornehmlich: Grafen zu Erbach) gehören zum rheinfränkischen Uradel und waren zunächst Ministeriale, die das Amt des Vogtes der Abtei Lorsch innehatten. Ihr Versuch, sich als Reichsministerialen der Staufer zu halten, wurde durch die Wittelsbacher Pfalzgrafen bei Rhein verhindert, die die Herren von Erbach um 1226 als Schenken von Erbach zu ihren Erbschenken machten. Das seit 1532 reichsgräfliche Geschlecht regierte bis zur Mediatisierung 1806 die in mehrere Teilgrafschaften aufgeteilte, zum fränkischen Reichskreis gehörende Grafschaft Erbach und zählte daher zum Hohen Adel. Zwei Linien der Familie sind bis heute auf Schloss Erbach und Schloss Fürstenau im Odenwald ansässig.

Geschichte Herrschaft Erbach Ältere Darstellungen sahen Einhard, den Chronisten Karls des Großen, als Stammvater der Erbacher Grafen an. Als Ahnherr der Erbacher könnte allerdings auch der Meier des späteren Kaisers Otto I., Wetti, der in einer Urkunde vom 14. Februar 947 benannt wird, betrachtet werden.Karl Gruber: Minzinberg, Burg-Stadt-Kirche. Zweite Auflage. Graphische Druckanstalt W. Herr, Gießen 1973, S. 80 ff, Stammtafel.Regesta Imperii Regestendatenbank: RI II,1 n. 147, in: Regesta Imperii Online (online, abgerufen am 8. Dezember 2012). Darin schenkt Otto I. seinem „nostro villico“ Wetti eine königliche Hufe als Eigengut zu Seckbach. Auch die Adelsgeschlechter Hagen-Münzenberg, Heusenstamm und Dornberg gehen vermutlich auf diese eine Ur-Familie zurück.Wilhelm E. Heupel: Der Sizilische Grosshof unter Kaiser Friedrich II. Bände 10–11, S. 300.Thomas Steinmetz: Die Schenken von Erbach. Breuberg-Neustadt 2000, S. 29.

Das Geschlecht der Herren zu Erbach erscheint urkundlich erstmals im Jahr 1148 mit Eberhard I. von Erbach.Codex Laureshamensis I, Mannheim, Ausg. von 1768, S. 254 und Guden, Sylloge, S. 34. Eberhard I. von Erbach, wahrscheinlich geboren als Eberhard II. von Hagen,Th. Steinmetz: Die Schenken von Erbach. 2000, S. 29. wird um 1165/70 im Lorscher Codex als Vogt über Gebiete im Odenwald erwähnt. Um 1200 erscheinen die Erbach als Reichsdienstmannen, etwas später als Schenken der Kurfürsten von der Pfalz. Im 13. Jahrhundert teilen sie sich in die Linien Erbach-Erbach mit Konrad I. und Erbach-Reichenberg mit Eberhard III. auf. Unter den Söhnen Eberhards III. entstehen dann die Linien Erbach-Reichenberg und Erbach-Reichenberg-Michelstadt.

Ihre Erbacher Burg wird urkundlich um 1303 ersterwähnt. Die Gründung dieser Wasserburg in Erbach im Odenwald ist aber höchstwahrscheinlich schon auf den Stammvater Eberhard I. zurückzuführen. Um 1140 wurde dazu wohl der Baumeister Cementarius Wichmann mit deren Errichtung beauftragt. Wichmann hatte als Norddeutscher auch die Erfahrung im Bau von Niederungsburgen.Th. Steinmetz: Die Schenken von Erbach. 2000, S. 80. 1422 erlangen die Schenken von Erbach die Reichsstandschaft.

Als Lehensleute der Herrn zu Erbach traten u. a. die Edelknechte Albrecht d. Ä. von Echter, Stammvater der Herren von Echter, und Wortwin von Ungelaube 1335 und 1336 urkundlich auf. Sie erwarben darin den Zehnt zu Beerfurth und wurden von Schenk Konrad, Herr zu Erbach, damit belehnt.Simon (1858), 3. Teil, S. 29., Urkunde XXVII.Simon (1858), 3. Teil, S. 29 f., Urkunde XXVIII.

Grafschaft Erbach mini|300px|Karte der Grafschaft Erbach 1645

1532 erfolgte die Erhebung in den Reichsgrafenstand und damit in den Hochadel, nachdem die Erbacher bereits seit dem 13./14. Jahrhundert trotz der Herkunft aus der Reichsministerialität als Angehörige des hochadeligen Herrenstandes gegolten hatten.

Ab 1544 war in der gesamten Grafschaft Erbach die Reformation eingeführt. Erst 1761 setzten für den Bergbau und die Verhüttung zugewanderte Fachleute aus katholischen Gebieten wie Tirol, der Steiermark oder dem Erzgebirge durch, dass sie wieder in Michelstadt einen katholischen Gottesdienst abhalten durften. Auch in Erbach ist 40 Jahre später – 1802 – eine katholische Messe nachgewiesen.

Im Grundriß der Staatskunde des deutschen Reichs in ihrem ganzen Umfange schrieb 1796 Friedrich Leopold Brunn zur Grafschaft Erbach:

Die zum Fränkischen Reichskreis gehörende Grafschaft hatte um 1800 etwa 526 km² mit ca. 33.000 Einwohnern. Infolge der Rheinbundakte (Artikel 24) fiel 1806 der Großteil der Grafschaft an das Großherzogtum Hessen, der Rest an das Königreich Bayern.

Besitzungen und Linien Die gegen Ende des 12. Jahrhunderts entstandene Burg in Erbach im Odenwald wurde im 13. Jahrhundert gezwungenermaßen den Pfalzgrafen bei Rhein zu Lehen aufgetragen. Die Güter der Erbacher stammten überwiegend aus dem ehemaligen Besitz des Klosters Lorsch um Michelstadt, das 1232 an Kurmainz gefallen war, sowie Beerfelden, ein Pfälzer Lehen, und Reichelsheim.

Ab 1314 war der gesamte Erbachische Besitz pfälzisches Lehen. Das Haus Erbach hatte vorher oft in Kämpfen mit der Kurpfalz gestanden. 1556 kam durch Erbschaft die halbe Herrschaft Breuberg zur Grafschaft.

Im Jahre 1270 erfolgte die erste Teilung der Erbacher, aus der die folgenden Linien hervorgingen: Ältere Linie Erbach-Erbach (bis 1503) Mittlere Linie Erbach-Reichenberg (Fürstenau) Jüngere Linie Erbach-Michelstadt (bis 1531)

Es folgten danach weitere Teilungen, bei denen die Namen der erloschenen Linien immer wiedergewählt wurden. Als letzte entstanden 1717/1718 die folgenden Linien bei der Erbteilung aus der einzig verbliebenen sukzedierten Linie Erbach-Fürstenau; sie existierten am Ende des Alten Reichs noch als reichsunmittelbare Territorien in Nutzteilung ohne Grundteilung der Grafschaft Erbach:Thomas Gehrlein: Das Haus Erbach mit seinen Linien Fürstenau, Erbach und Schönberg: über 800 Jahre Gesamtgeschichte mit Stammfolge. 2012, ISBN 978-3-9814458-5-5. Ältere Linie Erbach-Fürstenau mit den Ämtern Michelstadt, Freienstein, Fürstenau und Rothenberg (letztgenanntes Amt erst seit 1797 durch Kauf; s. unten Nebentitel). Mittlere Linie Erbach-Erbach (aus einer jüngeren Linie Erbach-Reichenberg nach Aussterben der älteren Linie Erbach-Erbach 1731) mit den Ämtern Erbach, Reichenberg und Wildenstein; später zugleich Grafen von Wartenberg-Roth (s. unten Nebentitel). Jüngere Linie Erbach-Schönberg mit den Ämtern Schönberg und König und der Hälfte der Herrschaft Breuberg.

Schlösser und Burgen des Hauses Erbach Die nachfolgende Galerie vereinigt Abbildungen von Repräsentativbauten, die zum historischen Besitz einer Familie der drei Zweige des Hauses Erbach gehörten bzw. noch immer gehören. Während die Grafenhäuser in Erbach und Fürstenau bis heute bedeutende Teile ihrer historischen Besitzungen bewirtschaften, geriet die gefürstete Linie Schönberg unter Fürst Georg Ludwig (1903–1971) in Vermögensverfall., abgerufen am 15. April 2013.

Linie Erbach-Fürstenau

Linie Erbach-Erbach

Linie Erbach-Schönberg

Münzprägestätte des Hauses Erbach

Die Grafschaft hatte von 1545 bis 1691 eine eigene Münzprägung.

Symbole und Titulaturen Wappen und Rangsybole

Geführte Titel Seit 1226 waren die Herren von Erbach Erbschenken der Pfalzgrafen bei Rhein und nannten sich Schenken von Erbach, seit 1532 sind sie Grafen des Heiligen Römischen Reichs. Das Prädikat Erlaucht wurde 1820 dem Chef des Hauses durch den Großherzog von Hessen und bei Rhein und 1829 durch den König von Bayern verliehen. 1914 wurde das Prädikat auf alle Mitglieder des Hauses erstreckt.Hartmut Platte: Deutsche Fürstenhäuser. Heft 8: Das Gräfliche Haus Erbach-Erbach. 2. Auflage. Werl 2004, ISBN 3-9807740-6-6.

1903 wurde Graf Gustav Ernst zu Erbach-Schönberg durch den Großherzog von Hessen und bei Rhein mit dem Titel und Namen Fürst und Graf zu Erbach-Schönberg (auch für seine Nachfolger in Besitz und Rolle des Haupts der Standesherrschaft) und mit dem Prädikat Durchlaucht in den erblichen hessischen Fürstenstand erhoben; die Nachgeborenen der Linie Schönberg erhielten den Titel Prinz bzw. Prinzessin zu Erbach-Schönberg und ebenfalls das Prädikat Durchlaucht. Der überkommene (Reichs-)Grafentitel wurde neben dem hessischen Fürstentitel beibehalten, um die ungeteilte Zugehörigkeit aller drei Standesherrschaftslinien des Hauses Erbach zur mediatisierten ehemals reichsunmittelbaren Grafschaft Erbach zu dokumentieren. (Ein „Fürstentum Erbach-Schönberg“ gab es nie.) Durch seine Heirat 1871 mit Marie Prinzessin von Battenberg (einer Nichte des Großherzogs von Hessen) ist Gustav Ernst in verwandtschaftliche Beziehung zu den Königshäusern von Großbritannien, Schweden, Griechenland und Spanien sowie zum russischen Zarenhaus getreten.

Geistliche Titel

Angehörige des Hauses Erbach trugen im Mittelalter verschiedene auf geistliche Ämter und Territorien bezogene Funktionstitel, die aufgrund des Zölibats nicht in die Haustitel eingingen. Zu nennen sind hier Gerlach von Erbach († 1332), Domherr zu Würzburg und Speyer und 1329 bis 1332 erwählter Fürstbischof von Worms, sowie die Brüder Dietrich von Erbach (1390–1459), von 1434 bis 1459 Erzbischof von Mainz und als solcher Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches, Philipp von Erbach († 1467), von 1434 bis 1467 Fürstabt des Benediktinerklosters Weißenburg im Elsass, und Dieter Schenk von Erbach († 1347) als Würzburger Domherr.

Weitere hohe kirchliche Ämter inne hatten Jutta von Erbach, Tochter des Schenken Eberhard VII. von Erbach († 1337) und der Ymagina von Sponheim († 1341) als Äbtissin im Kloster Seligenstadt von 1354 bis 1357 und die Kinder des Schenken Georg I. von Erbach (* 1438; † 17.3.1481): Sohn Georg von Erbach (* 1476; † 16.2.1509) war Domherr zu Speyer, eine Tochter, Maria von Erbach († 2.12.1541), wurde 1466 Äbtissin des Klosters Schmerlenbach im Spessart, eine andere, Magdalene von Erbach, war 1508–1512 Priorin des Klosters Clarenthal im Rheingau.

„Weltliche“ Nebentitel

Durch Ernennung, Kauf, Heirat, Erbschaft oder Adoption erwarb das Haus Erbach adelsrechtlich teils relevante Nebentitel, welche die unterschiedlichen Linien zeitweise oder fortwährend führten und zum Teil heute noch namensrechtlich verwenden:

Herr zu Breuberg

Seit 1399/1400 waren die Schenken und Grafen von Erbach – mit einer Unterbrechung zwischen 1497 und 1556 – im Mitbesitz der Burg und der Herrschaft Breuberg, zuletzt (neben den Grafen bzw. Fürsten zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg) hälftig durch die Linie Erbach-Schönberg. Alle drei Linien des Hauses Erbach führen den Titel Herr zu Breuberg, ausgewiesen auch im gemehrten Wappen der Häuser (in Silber zwei rote Balken).

Burggraf zu Miltenberg

Otto Schenk von Erbach (erstbelegt 1422, † 1468), ein Sohn Eberhards X. Schenk von Erbach und der Maria von Bickenbach, wurde von seinem Bruder Dietrich Schenk von Erbach (1390–1459, s. oben) als Kurfürst und Erzbischof von Mainz im Jahr 1439 zum kurmainzischen Burggrafen zu Miltenberg ernannt.Simon (1858), S. 364 Als solche erscheinen auch Konrad von Erbach (bereits 1438) und Philipp von Erbach (um 1500). Dabei handelt es sich bei „Burggraf“ um den Titel eines Amtsverwalters, nicht um einen mit Souveränitätsrechten verbundenen eigentlichen Adelstitel, wiewohl er dies im Laufe der Zeit in anderen Adelsfamilien wurde.

Herr zu Bickenbach

1484 erwarb Schenk Erasmus von Erbach (1466–1503) den größten Teil des ehemaligen Besitzes der Herren von Bickenbach von deren Erben und nannte sich ab 1488 Schenk Erasmus, Herr zu Erbach und Bickenbach. Nach dem Verlust der Stammburg der Bickenbacher bereits wenige Jahre später im Zuge der sog. „Bayrischen Fehde“ an Hessen wurde der Titel von seinem Erben Eberhard XIII. nicht weiter verwendet. 1714 verkauften die Erbacher Grafen ihren Besitz im Ort Bickenbach an den Landgrafen von Hessen-Darmstadt.

Herr zu Wildenstein