mini|300px|Klosteranlage Breitenau mini|Ansicht der Klosteranlage und des Ortsteils Breitenau von Guxhagen aus Das Kloster Breitenau war eine Benediktinerabtei in der Ortslage Breitenau der Gemeinde Guxhagen bei Kassel, in der damaligen „Breiten Aue“ am Zusammenfluss von Eder und Fulda. Ab dem 19. Jahrhundert wurde die Anlage als „Besserungsanstalt“ genutzt, ab 1974 als psychiatrisches Krankenhaus. Während der Zeit des Nationalsozialismus war im Kloster das KZ Breitenau untergebracht.
Baulich ist die romanische Anlage ein wichtiges Beispiel der Hirsauer Bauschule in Hessen.
Geschichte Benediktinerkloster mini|Klosterkirche Breitenau Die Gründung des Klosters Breitenau geht auf den hessischen Gaugrafen Werner IV. von Maden und dessen Frau Gisela um das Jahr 1113 zurück.Haas, S. 228, stützt sich dabei auf Trithemius, doch dessen Quelle bezüglich des Klosters Breitenau ist nicht bekannt (Müller); vgl. Trithemius, Annalium Hirsaugiensium, S. 367 f., 373, 272, sowie Chronicon Insigne Monasterii Hirsaugiensis, S. 141, 143. Tatsächlich ist das Gründungsjahr nicht beurkundet und alte Chroniken schwanken zwischen den Jahren 1110 und 1117; vgl. Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, Welche bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden. Band 4, Leipzig 1733, Sp. 1227. Werner hatte von seinem Vater Werner III. das bedeutende Amt des primicerius et signifer regis (Vorstreiter und Bannerträger des Königs) geerbt und war dadurch auch Graf von Grüningen, außerdem war er mit dem Abt Bruno von Beutelsbach des Klosters Hirsau im Schwarzwald verwandt. An diesen wandte sich Werner wegen der Klostergründung, nachdem er eine Lichterscheinung am Himmel als Zeichen Gottes verstanden habe.„Newes Gedicht von dem Uffkommen des Closters Breidenaw“, verfasst von einem Breitenauer Mönch zwischen 1502 und 1527; siehe Ev. Pfarramt Guxhagen-Breitenau, S. 54. Am 17. November 1119 sollen Drutwin und zwölf weitere Benediktinermönche aus dem Kloster Hirsau die ersten Klostergebäude in der „Breiten Aue“ bezogen haben. Der Erzbischof von Mainz, Adalbert I., setzte Drutwin als ersten Abt des Klosters ein, das St. Peter und Paul geweiht wurde. Wohl schon im Frühjahr 1120 begannen die Mönche mit dem Bau einer großen Klosterkirche.
Werner IV., der am 22. Februar 1121 ohne männlichen Erben verstarb, vermachte dem Kloster sein gesamtes Privatvermögen zwischen Werra, Rhein und Main. Davon ausgenommen war bis zu ihrem Tod nur das Wittum seiner Frau, die offenbar erst kurz vor dem 4. Februar 1155 verstarb.Lange; vgl. Schmincke, S. 658 f. Werner wurde im Chor der noch im Bau befindlichen Kirche beigesetzt.Wilhelm Dilich: Hessische Chronica. Ander Theil. Dilich u. a., Cassel 1605/06, S. 124 f. Am 7. Juli 1123 unterstellten seine Witwe Gisela und sein Vasall Engelbold das Kloster St. Martin (Patron des Mainzer Doms) und, befreit von allen Archidiakonatsgewalten, direkt dem Erzbischof von Mainz. Es erhielt zudem Privilegien, wie das Seelsorge-, das Tauf- und das Begräbnisrecht sowie die freie Wahl eines Abtes und die Zollfreiheit innerhalb der mainzischen Landen. Auch fügte der Erzbischof weitere Ländereien den schon reichen Besitzungen des Klosters hinzu. Die Vogtei über das junge Kloster behielt der Gaugraf von Hessen, bis der Hessengau 1137 an die Ludowinger Landgrafen von Thüringen fiel. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Ludowinger im Jahre 1247 wurde deren hessischer Besitz nach dem Thüringisch-Hessischen Erbfolgekrieg als Landgrafschaft Hessen eigenständig und Landgraf Heinrich I. wurde Schirmvogt des Klosters Breitenau.
Nach dem Tod Drutwins wurde 1132 der gelehrte und als besonders heilig bekannte Hirsauer Mönch Heinrich neuer Abt. Ihm soll 1144 im Traum ein Papst und der Märtyrer FelixTrithemius, Annalium Hirsaugiensium, S. 412; siehe auch Zedler, Band 4, Sp. 1227. Vermutlich war damit Felix III. gemeint, denn unter diesem Papst gründete Benedikt von Nursia die Abtei Montecassino. erschienen sein und ihm sein verborgen gelegenes Haupt gezeigt haben, das zu einer Reliquie des Klosters wurde. Ebenso sollen Abt Heinrich vom Erzbischof von Köln, Arnold II. (1151–1156), vier Leiber der 11.000 Jungfrauen für die Kirche übergeben worden sein.Trithemius, Annalium Hirsaugiensium, S. 410, datiert die Übergabe bereits ins Jahr 1142, doch dies beruht wohl auf einer Verwechslung mit Erzbischof Arnold I. von Köln (1137–1151) (Noll, Burkardt, S. 94 f.). Abt Heinrich hatte für Arnold, als dieser noch Propst des St. Georgstiftes in Limburg an der Lahn war (1122–1152), versucht, einen extremen Limburger Kanoniker zu bessern.Noll, Burkardt, S. 94.
Die Klosterkirche war eine 54 Meter lange und 18 Meter breite kreuzförmige, dreischiffige und flachgedeckte romanische Pfeilerbasilika im Stil der „Hirsauer Bauschule“ mit fünf Apsiden für den Hauptaltar und die Nebenaltäre. Chor und Querschiff der großen Kirche waren wahrscheinlich zwischen 1142 und 1145 fertig und wurden unter das Patrozinium der Mutter Jesu gestellt. Langschiff und Seitenschiffe sollen in der Zeit von 1160 bis 1180, das Westwerk ohne seinen Oberbau Ende des 12. Jahrhunderts bis Mitte des 13. Jahrhunderts entstanden sein. Vor allem das Mittelschiff wurde mit aufwendigen Ornamenten geschmückt, von denen viele noch heute zu sehen sind.
Die gesamte Klosteranlage war nahezu kreisförmig von einer noch heute vorhandenen Mauer umschlossen, in der sich zwei Tortürme befanden, das noch erhaltene „Grifter-Tor“ und das einstige „Fulda-Tor“. Die eigentlichen Klostergebäude schlossen mit dem Kreuzgang an die Nordseite der Kirche an, vom ehemaligen Klausurgebäude sind heute nur noch Reste erhalten. Die steinerne Zehntscheune wurde im 15. Jahrhundert erbaut. Im Süden des Areals befand sich der Klosterfriedhof mit der im Jahre 1321 erstmals erwähnten Nikolauskirche, die als Pfarrkirche diente. Am westlichen Ende des Geländes standen Scheunen und Stallungen, und am Fuldaufer befand sich die Breitenauer Klostermühle. Auf dem Klostergelände wurden Obst, Gemüse und Wein angebaut, und an und auf der Fulda wurde Fischfang betrieben.
Die Blütezeit des Klosters lag wohl zwischen der Mitte des 12. Jahrhunderts und dem Anfang des 14. Jahrhunderts. Es besaß die Dörfer Guxhagen, Ellenberg und später auch Büchenwerra, über die es mit dem Gericht Breitenau auch die Niedere Gerichtsbarkeit und bis 1357 auch die Blutgerichtsbarkeit ausübte,Die Blutgerichtsbarkeit musste 1357 an die Landgrafschaft Hessen abgetreten werden. sowie Felder, Wiesen, Wälder, Weinberge und Gewässer in fast 100 anderen Orten der näheren und weiteren Umgebung. Erzbischof Siegfried III. von Mainz verlieh im Jahr 1239 Abt Widekind und dessen Nachfolgern das Recht, eine Inful zu tragen. Mit zunehmendem Reichtum verfielen die Sitten. Dadurch gab es immer weniger Schenkungen an das Kloster, und durch unordentliche Haushaltsführung sowie durch „Habsucht der Nachbarn“ verlor das Kloster wieder an Besitz. Die Ländereien waren schließlich so sehr zersplittert, dass im Jahr 1324 Papst Johannes XXII. einen Kommissar ernannte, der sich um die Missstände kümmern sollte.
1339 verbanden sich die Äbtissin des Klosters Kaufungen und die Äbte der Klöster Hasungen, Breitenau und Spieskappel mit dem Stift St. Petri in Fritzlar zur gemeinsamen Abwehr aller gegen sie gerichteten ungerechten Angriffe (1386 erneuert). Im 15. Jahrhundert folgte aber auch schon der allgemeine Niedergang des Benediktinerordens, sowohl in wirtschaftlicher als auch in moralischer und geistlicher Hinsicht. Der im Jahre 1496 erfolgte Anschluss Breitenaus an die Bursfelder Kongregation, eine vom Kloster Bursfelde an der Weser ausgehende Reformbewegung, brachte für das Kloster noch einmal einen kurzen Aufschwung, der dann mit der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen sein Ende fand. Äußerliches Zeichen des Reformwillens war in den Jahren 1502 bis 1509 der Umbau von Chor und Querschiff im gotischen Stil und die dabei 1508 erfolgte Ausmalung des Chorschiffs.
Äbte des Klosters Die Äbte des Klosters und deren Amtszeiten sind nicht lückenlos überliefert. Die Liste zeigt daher die namentlich bekannten Äbte und die Jahre ihrer urkundlichen Erwähnung.
Drutwin 1123 (1119–1132) Heinrich I. (1132), 1144, 1150, 1155 Kuno 1162 Heinrich II. 1170, 1171 Eilbert 1196 Giso 1215, 1235, 1236Abt Giso könnte identisch sein mit dem gleichnamigen Sohn des Grafen Rudolf II. von Ziegenhain. Widekind 1239, 1246 Si(g)frid 1255 Hermann von Wolfershausen 1260 (Gegenabt) Heinrich III. 1261, 1268, 1282 Isfrid 1263, 1264 Bodo 1289, 1291, 1294 Johann(es) 1295, 1305 Si(g)frid 1307, 1309 Werner von Elben 1314, 1316, 1323, 1339 Albert (Gegenabt) 1342 Heinrich IV. von Wallenstein 1346, 1348 Reinhard 1355, 1357, 1368 Johann von Wolfershausen 1377, 1380 Hermann von Gilsa 1383, 1386, 1392, 1399, 1407 Heinrich V. von Wolfershausen 1407, 1412, 1414 Hermann von S(ch)lutwinsdorf 1416, 1417, 1436, 1440, 1443 Werner 1419 (Gegenabt) Konrad/Kurd von Herzenrode (1434), 1436, 1438 Kurt Platzfuß 1439 (Oberster des Konvents, Gegenabt) Johan(n) Goßel 1444, 1453, 1459 Nikolaus Merlen 1458 (Gegenabt) Nikolaus/Klaus Ratzenberge 1464, 1465, 1469 Dithmar Uttershausen 1471, 1477 Johann Storen 1485, 1488, 1497 Konrad 1494 (Gegenabt) Nikolaus 1499 (Gegenabt) Johann(es) Meyer (1502), 1503, 1525 (1497?–1527, † 1529)
Säkularisation Im Oktober 1527 wurde der Klosterbetrieb im Zuge der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen durch Landgraf Philipp eingestellt. Abt Johann Meyer (Maier), Prior Theobald Zabel (Cabel) und die 16 verbliebenen Mönche traten zum Protestantismus über. Sie wurden mit einer Fruchtrente abgefunden und fast alle verließen den Konvent. Zabel, ein Holländer von der Insel Texel, wurde nun der erste evangelische Pfarrer von Guxhagen. Er hatte sich um den Weinbau sehr verdient gemacht; so erntete er im Jahr 1527 6½ Fuder (etwa 6240 Liter) roten und weißen Wein. Der Weinberg in der Breitenau reichte vom Kloster bis zur Fulda, gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde der Weinbau jedoch aufgegeben und an Stelle der Reben Obstbäume gepflanzt.
Die gesamte Klosteranlage wurde zu einem landgräflichen Kammergut umgewandelt, und der Großteil der einst zum Kloster gehörenden und verstreut liegenden Ländereien wurde verpachtet. Die Einnahmen des Guts gingen an die fürstliche Rentkammer und dienten teilweise kirchlichen Zwecken wie der Besoldung der Pfarrer in Breitenau, Wollrode und in sechs weiteren Orten in der Umgebung sowie des Opfermannes in Guxhagen. Außerdem erhielt die 1527 gegründete Philipps-Universität Marburg Stipendiengelder für ärmere Studenten. Das Kirchengebäude wurde 1579 in einen Fruchtspeicher und einen Pferdestall umgebaut: die Fenster und die Arkaden wurden zugemauert, neue Luken gebrochen und im gesamten Kirchenschiff mehrere Zwischenböden eingezogen, die das Gebäude in fünf Geschosse aufteilten. Wahrscheinlich wurden dabei auch die Seitenschiffe abgerissen. Für den Gottesdienst gab es in der Breitenau nur noch die Nikolauskirche, die Pfarrkirche der Gemeinden Guxhagen, Ellenberg und Wollrode.
Landgraf Moritz von Hessen-Kassel plante 1606 die Gründung einer Stadt, doch der Versuch, kölnische Kaufleute zur Niederlassung in der Breitenau zu bewegen, scheiterte ebenso wie die Ansiedlung von 630 Bürgern aus verschiedenen hessischen Orten. Ab 1607/1608 ließ er das Gut nach eigenen Plänen zu einem „Lustaufenthalt“ umbauen. Das alte Priorat, das alte Vogteihaus und der zerfallene Kreuzgang wurden abgerissen. Baumeister Wiedekindt schloss 1622 den Bau eines Marstalls ab; es folgten noch ein Herrenhaus, eine Jägerei, mehrere Wirtschaftsgebäude, Lustgärten, Fischteiche und ein Springbrunnen.
Kriegszerstörungen