Das Schloss Blankenburg ist eine barocke Schlossanlage in der Stadt Blankenburg im Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt). In Abgrenzung zum Kleinen Schloss, dem fürstlichen Gartenhaus, wird es auch als Großes Schloss bezeichnet.

Ab dem 12. Jahrhundert diente die als Höhenburg erbaute Anlage den Grafen von Blankenburg-Regenstein, die es später zu einem Renaissance-Schloss erweiterten, bis zu ihrem Aussterben 1599 als Wohnsitz. Danach fiel das Bauwerk an die Lehnsherren, die Welfen, zurück. Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel (1671–1735) baute das Schloss schließlich von 1705 bis 1731 zu einer barocken Anlage um, die heute noch im Wesentlichen vorhanden ist. Das Bauwerk gilt als größtes erhaltenes Welfenschloss. Nach Besitzerwechseln, unterschiedlichen Nutzungsphasen und langjährigem Leerstand wird das Schloss Blankenburg heute vom Rettung Schloss Blankenburg e. V. schrittweise instand gesetzt und wiederbelebt.

Lage Es wurde auf dem hohen Kalksteinberg Blankenstein erbaut und befindet sich südlich der Blankenburger Altstadt in Spornlage. Im Süden des Schlosses befinden sich wiederum die höheren Gipfel des Calvinusbergs () und des Lutherbergs (). Schloss und Altstadt sind von der in Teilen erhaltenen Stadtbefestigung Blankenburg umgeben. In der Nähe liegen das Kleine Schloss und die Schlossgärten in Blankenburg (Harz).

Geschichte Burganlage und Renaissance-Schloss der Grafen von Blankenburg-Regenstein mini|Namensgebender Blankenstein, auf dem die mittelalterliche Burg stand und aus dem Kalkstein für den Schlossumbau im 18. Jahrhundert gebrochen wurde mini|Das Schloss Blankenburg in seiner Renaissance-Gestalt noch 1654 mit dem Blankenstein im Innenhof, auf dem sich Reste der 1546 abgebrannten Burganlage befinden Im Jahresübergang 1122/23 griff Sachsenherzog Lothar von Süpplingenburg, der spätere römisch-deutsche König Lothar III., von der Blankenburg aus die Heimburg an, so berichtet der Annalista Saxo. Dieses Ereignis gilt als Ersterwähnung der Anlage. 1123 und 1129 wurden in Urkunden von Lothar von Süpplingburg als Zeugen auch die Brüder Friedrich und Bernhard von Blankenburg erwähnt. Im Jahre 1128 erhielt schließlich Poppo aus dem fränkischen Adelsgeschlecht der Reginbodonen die Grafschaft Blankenburg als Lehen und benannte sich nach dieser. Die Lehnshoheit durch Lothar III. fiel später über dessen Schwiegersohn Heinrich den Stolzen, Vater Heinrichs des Löwen, an die Welfen.

1181 begann unter der Regie des Bischofs Dietrich von Halberstadt die Belagerung der Burg und der Stadt Blankenburg durch kaiserliche Heere. Kaiser Friedrich Barbarossa übernahm die Regierung. 1182 wurde Blankenburg erobert und schließlich zur Plünderung freigegeben. Die Brüder Heinrich und Siegfried II. gingen in Gefangenschaft, erhielten aber nach wiederhergestelltem Frieden die Grafschaft zurück. Der Neubau und eine großzügige Erweiterung der Burg begann.

Ab dem 12. Jahrhundert waren die Grafen von Blankenburg-Regenstein Lehnsträger der Welfen und damit Burgherren Blankenburgs. Das Geschlecht der Grafen teilte sich jedoch in unterschiedliche Linien und hatte zeitweise neben der Blankenburg auch den Regenstein und die Heimburg als Hauptwohnsitze jeweils eines Zweiges inne. Graf Heinrich I. (Regenstein-Blankenburg) übernahm 1190 die „erledigten“ Güter der Regensteiner und Siegfried II. behielt die Grafschaft Blankenburg, dessen Nachkommen bis 1343 die Blankenburg in ihrem Besitz hielten. Danach fielen die Blankenburg und die Burg Regenstein zurück an die jüngere Heimburger Linie der Regensteiner, die erstmals wieder alle drei Burgen in einem Besitz vereinte.

Ab 1199 wird erstmals eine Schwesternschaft als Zisterzienserinnenkloster Blankenburg (Harz) direkt bei der Burgkapelle erwähnt, die 1252 zur Kirche St. Bartholomäus zieht und dort bis zur Auflösung 1532 verbleibt.

Am 19. November 1546 brach noch vor Bezug des renaissancezeitlichen Neubaus nachts ein Brand aus, der große Teile der alten Burganlage auf dem Kalksteinfelsen zerstörte. Der Legende nach wurde das Feuer durch den Einheizer des Schlosses unter der Treppe des alten Schlosses mit trockenem Reisig entfacht, nachdem dieser von Papisten mit Gold bezahlt worden war. Die schlafenden Bewohner bemerkten erst spät den Brand, so dass die Kinder der Grafenfamilie knapp gerettet werden konnten. Die schwangere Gräfin Magdalena von Regenstein wurde von den Flammen eingeschlossen. Der Graf rettete sich durch das Abortfenster und hing von außen hinunter.

1599 starb das Blankenburg-Regensteiner Grafengeschlecht aus und das Schloss ging als erledigtes Lehen zurück an die welfischen Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Barocke Welfenresidenz im 18. Jahrhundert mini|Luftaufnahme des Blankenburger großen Schlosses mit der davor stehenden Bergkirche St. Bartholomäus Im 17. Jahrhundert wurde das Blankenburger Schloss nach dem Aussterben der Blankenburger Grafenfamilie vernachlässigt und nur gelegentlich zu Jagdzwecken durch die Braunschweiger Herzöge, insbesondere von Rudolf August von Braunschweig-Wolfenbüttel, genutzt. Der Renaissance-Charakter der Anlage blieb, wie in der Topographia Germaniae des Verlegers Matthäus Merian von 1654 beschrieben, erhalten.

Ludwig Rudolf von Braunschweig-Wolfenbüttel erhielt das Schloss und die Grafschaft 1690 als Apanage, die 1707 zum Fürstentum erhoben wurde. 1705 begann der Umbau des Renaissanceschlosses zur barocken Residenz durch den Landesbaumeister Hermann Korb. Die Umbauten sahen eine schlichtere und klarere Gliederung der äußeren Form vor und dauerten bis 1731. Repräsentationsräume (Grauer Saal, Redoutensaal, Kaisersaal) im Innern und eine Hofkirche als mehrgeschossiges Oktogon entstanden. Berühmt wurde der Hof Blankenburgs durch glänzende Feste, Jagden und Theateraufführungen sowie durch die Anlage der Schlossgärten mit dem Kleinen Schloss und der Luisenburg. Die äußere Gestalt dieser Bauphase ist bis heute im Wesentlichen erhalten. Ab 1731, als Ludwig Rudolf durch den Tod seines Bruders regierender Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel wurde, war das Fürstentum wieder mit dem Teilherzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel verbunden. Ludwig Rudolf residierte nun in Wolfenbüttel.

Nach 1735 war das Schloss Blankenburg Witwensitz der Fürstin Christine Luise von Oettingen-Oettingen sowie eine Sommerresidenz der Regenten.

Sommerresidenz und Wohnsitz der braunschweigischen Herzöge bis 1945 mini|Ernst August von Hannover und Viktoria Luise von Preußen bewohnten das Schloss Blankenburg von 1914 bis zur Abdankung 1918 als Sommerresidenz und von 1930 bis zur Flucht 1945 als Hauptwohnsitz Nach jahrelanger Vernachlässigung setzte Herzog Wilhelm in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Gebäude wieder instand und ließ einige Räumlichkeiten im Stile des Historismus ausgestalten. Bekannt wurde das Schloss, das auch jetzt vornehmlich als Sommerresidenz diente, durch die Veranstaltung regelmäßiger Kaiserjagden, an der die deutschen Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. teilnahmen. Nach dem Aussterben der Braunschweiger Welfenlinie 1884 nutzten die Regenten Albrecht von Preußen und Johann Albrecht zu Mecklenburg das Schloss.

Die Familie des Herzogs Ernst August von Braunschweig und seiner Gattin Herzogin Viktoria Luise von Preußen erhielt das Schloss im Zuge der Einsetzung Ernst Augusts als Herzog des Herzogtums Braunschweig. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs unterbrach begonnene Bauarbeiten und nach der Novemberrevolution verlor die Familie ihren braunschweigischen Besitz und ging nach Schloss Cumberland ins Exil. Da Ernst August im Zuge der Fürstenentschädigung 1924 das Schloss als Privateigentum zugesprochen worden war, bewohnte die Familie dieses von 1930 bis zur Flucht und Enteignung im Jahre 1945 als Hauptwohnsitz. In diesen Zeitraum fallen umfassende Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen. 1938 fanden hier die Hochzeitsfeierlichkeiten anlässlich der Heirat von Tochter Friederike von Hannover mit Prinz Paul von Griechenland, dem späteren König, statt.

In den letzten Kriegswochen ließ der braunschweigische Landeskonservator Kurt Seeleke rund 100 Kisten mit den Werken Cranachs, Rembrandts, van Dykes, Rubens’, Giorgiones, Vermeers und anderer Künstler per LKW in das 50 km entfernte Schloss Blankenburg abtransportieren, um sie in das dortige Gewölbe einzulagern.

Genesungsheim und Fachschule für Binnenhandel in der DDR Die Herzogsfamilie flüchtete 1945, als Blankenburg der Sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen wurde. Das historische Inventar gelangte 1945 nahezu vollständig mit der Flucht auf das Schloss Marienburg bei Hildesheim. Ein großer Teil dieser Objekte wurden 2005 in der sogenannten Welfenauktion versteigert und ist somit in seiner Gesamtheit verloren gegangen. Ehemaliges Inventar aus der Zeit vor 1945 ist heute u. a. auf der Marienburg, im Braunschweigischen Landesmuseum oder im Herzog Anton Ulrich-Museum zu finden.

Nach der Flucht der Herzogsfamilie wurde das Schloss von 1947 bis 1957 von der Sozialversicherung als Genesungsheim genutzt. Ab 1959 war die Fachschule für Binnenhandel für den Verband deutscher Konsumgenossenschaften im Schloss untergebracht. Während dieser Nutzung wurde das Gebäude baulich instand gehalten, jedoch leicht verändert. Schmuckelemente wurden übermalt oder verhängt. Die Lehrer und Studenten bewohnten die Gebäude als Internat.

Umbruchszeiten nach der Wiedervereinigung Nach der Wiedervereinigung waren die Besitzverhältnisse unklar. Die Fachschule für Binnenhandel bestand bis zum Jahr 1991. Das Haus Hannover erhielt die Gebäude sowie Land- und forstwirtschaftliche Flächen um Blankenburg nicht zurück. Rückgabeforderungen der Erben des Alteigentümers, repräsentiert durch Ernst August von Hannover, wurden nach der Wiedervereinigung in Bezug auf das bewegliche Inventar geltend gemacht und 1998 vom Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen in Halle erstmals abgelehnt. Es folgten weitere Rückforderungsversuche.

Der Münchner Unternehmer Wilfried Hampe erwarb 1996 das Gebäude von der Treuhandanstalt, um ein über das Objekt hinausgehendes Tourismusprojekt namens Planet Harz zu initiieren. Im Jahr 1997 erfolgte der Spatenstich für ein Hotel mit angrenzendem Golfplatz, Jugendhotel und Ökohof sowie weiteren Veranstaltungsorten für Musicals, eine Wildwasserbahn, ein Spaßbad, Bungeejumping und eine Skateboard-Arena erfolgen. Als Eröffnungsjahr wurde 1999 anvisiert. Die Pläne wurden jedoch nicht weiter realisiert und scheiterten an einem überzeugenden Finanzierungsplan, so dass eine Förderung in Höhe von 200 Millionen Mark aus Landes-, Bundes- und EU-Mitteln nicht erfolgen konnte. Das Projekt galt seit 1999 als gescheitert, wurde nach Aussagen des Unternehmers jedoch nicht aufgegeben. Die Kommunalpolitik priorisierte das Vorhaben ab 2001 nicht mehr.

Daraufhin stand das Schloss ungenutzt leer und nahm durch Wettereinflüsse großen Schaden, dessen Folgen undichte Dächer, dauernde Durchfeuchtung des Gebäudes und Befall mit Hausschwamm waren und zur Gefahr des Einsturzes führten. Vandalismus- und Diebstahlsschäden sorgten für weiteren Niedergang.Frankfurter Allgemeine Zeitung. 31. Dezember 2013, S. 34. Im Jahr 2008 erwarb die Großes Schloss Blankenburg GmbH, ein Unternehmen des 2004 gegründeten Vereins Rettung Schloss Blankenburg e. V., das Schloss in einer Zwangsversteigerung. Nach dem Entschädigungs- und Ausgleichsgesetz ist das bewegliche Inventar an die Familie der Altbesitzer zurückzugeben, während das Grundstück Eigentum des Vereins ist.

Sicherung, Sanierung und Wiederbelebung seit 2005 mini|Bei der Dachsanierung wurden historische Strukturen erhalten und ergänzt. (2. Obergeschoss, Kapellenflügel 2023)