mini|hochkant|Wappen der Podewils
Podewils ist ein hinterpommersches Adelsgeschlecht mit gleichnamigem Stammhaus Podewils (heute Podwilcze) im ehemaligen Landkreis Belgard. Die Namensform wechselte im Laufe der Zeit zwischen Padewelsch, Podwils, Pudewelcz, Pudewels, Pudewils, Pudewilz, Pudwyls etc. Die Familie breitete sich stark aus, zunächst als Pudwels herb Pudwels (Podewils mit Wappen Podewils) nach Polen und ins Herzogtum Preußen, später auch in die Mark Brandenburg, nach Mecklenburg, Holstein und Dänemark, sowie ins Fürstentum Bayreuth, die bayerische Oberpfalz und schließlich nach Württemberg. Zweige der Familie bestehen bis heute.
Geschichte Das Geschlecht wurde am 11. Januar 1347 mit Venzeke Pudwilz erstmals urkundlich erwähnt.Original ursprünglich (bis 1945) im Staatsarchiv Stettin, Bistum Cammin, Nr. 88a; abgedruckt (mit Fehlern) bei Johann Christian Schöttgen: Altes und neues Pommerland. Das Dritte Stück, Johann Gottfried Conradi, Stargard 1721, S. 394–397. 1362 schlichteten die Herzöge von Pommern, Bogislaw, Barnim und Wartislaw einen Streit zwischen dem Bischof von Cammin Johann I., den Kameke, den Bulgrin, den Podewils und der Stadt Köslin. 1387 verglich sich Reymer Podewils mit Henning Radeke. 1388 waren Raymarus Pudewilsch, Reymer Pudwelch und Michel Pudewels an dem Überfall auf den Herzog von Geldern beteiligt.Ernst Hubert von Michaelis (Heimatkreisausschuss Schlawe, Hrsg.): Kirchspiel Wusterwitz Kreis Schlawe in Pommern. Band 19 der Schriften der Herder J. G. Bibliothek Siegerland e. V., im Selbstverlag, Siegen 1988, S. 25–38.
Die durchgängige Stammreihe der Familie beginnt mit Ventz von Podewils, 1402 Erbherr auf Podewils und Landvogt zu Stolp. Bereits unter seinen Söhnen teilte sich die Familie ein erstes Mal. Während sich die von Wulff Podwyls to Podwils († nach 1458) gestiftete Linie auf dem Stammgut hielt, sowie u. a. nach Glötzin (bis nach 1780) und Friedland in Polen ausbreitete, mit Christoph von Podewils († nach 1586/1589) einen Hofmarschall zu Kolbatz hervorbrachte, jedoch zu Beginn des 18. Jahrhunderts erlosch,Lars A. Severin: Drei erloschene Linien der Familie v. Podewils. In: Der Herold. Viertieljahresschrift für Heraldik, Genealogie und verwandte Wissenschaften. Neue Folge, Band 18, Jahrgang 54, Heft 4, Berlin 2011, S. 249–264. setzte Ventz von Podewils auf Podewils († nach 1476) mit seinen drei Söhnen die Stammreihe fort. Wobei die von Hans von Podewils auf Podewils († nach 1487) gestiftete Linie sich u. a. Mallow, Karvin, Glötzin, Körlin ausbreitete, auch einige namhafte Offiziere hervorbrachte, insbesondere in Polen mit Georg von Podewils auf Gronowo und Marienfelde († 1625/1626) zu einigem Ansehen gelangte, zu Beginn des 18. Jahrhunderts aber auf allen Zweigen ihren Ausgang fand. Auch die von Peter von Podewils auf Coseeger und Zietlow († nach 1480) gestiftete Linie, der auch Nicolaus Heinrich von Podewils († 1643), Kanzler und Stiftsvogt in Köslin und nachmaliger Dekan des Kolberger Doms, angehörte, ist um die Mitte des 19. Jahrhunderts erloschen.Albrecht Elzow: Pommerscher Adelsspiegel von Albrecht Elzow aus dem 17. Jahrhundert, ergänzt, berichtigt und erweitert durch Christoph v. Heydebreck und Friedrich Wilhelm v. der Osten-Plathe im 18. Jahrhundert. Landesarchiv Greifswald Signatur: Rep. 41 v. d. Osten-Plathe Ost 11/I. Abteilung Podewils.
Der dritte Bruder Adam von Podewils († 1503), Amtshauptmann zu Zanow und Belgard, war die erste herausragende Persönlichkeit des Geschlechts und gleichzeitig Stammvater aller bis in die Gegenwart bestehenden Zweige, derer von Podewils. Unter seinen Söhnen, Peter von Podewils († vor 1522) und Ventz von Podewils († nach 1516), teilte sich die Familie erneut. Die drei kamen 1495 in den Pfandbesitz von Haus Demmin.Dirk Schleinert: Die Gutswirtschaft im Herzogtum Pommern-Wolgast im 16. und frühen 17. Jahrhundert. In: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Reihe 5, Forschungen zur pommerschen Geschichte. Bd. 36, Böhlau, Köln Weimar 2001, ISBN 3-412-10401-9. (S. 176–178.) 1490 nahm er an der Gesandtschaft nach Polen teil, die 1491 Anna von Polen (1476–1503), Tochter König Kasimirs IV., als herzogliche Braut nach Pommern führte.Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Band 1, Universitätsdruckerei Dalkovski, Königsberg 1858, S. 168.
Peter von Podewils († vor 1522) war Hofmarschall, Vogt und Amtshauptmann von Loitz. Er begleitete Herzog Bogislaw X. auf seiner Kreuzfahrt nach Palästina und wurde 1497 in Jerusalem zum Ritter geschlagen. Er war auch Stifter der Demminer Linie u. a. auf Haus Demmin, Vorwerk und Sanzkow (von 1515 bis 1861).Dirk Schleinert: Der Demminer Raum zwischen 1500 und 1630. In: Hans Joachim von Oertzen (Hrsg.): Grenzregion zwischen Pommern und Mecklenburg. Vorträge 1999–2000. in: Schriften des Fördervereins Kreisheimatmuseum Demmin. Band 2, Thomas Helms Verlag, Schwerin 2001, S. 63 f. ISBN 3-931185-86-9.
mini|Schloss Krangen, Hinterpommern
Joachim von Podewils († 1551) Erbherr auf Demmin und Krangen (von 1506 bis 1860 im Familienbesitz), Landvogt in Stolp, Hauptmann in Gartz und fürstlich pommerscher Rat, setzte die Linie fort. Dessen Sohn Felix von Podewils (1525–1597), war ebenfalls Erbherr auf Krangen und Demmin, sowie pommerscher Landrat. Dessen Sohn Joachim von Podewils (1578–1619), Erbherr auf Krangen und Demmin, war königlich dänischer Rat.
Mit seinen vier Söhnen teilt sich die Linie erneut: dem königlich schwedischen Oberst, Landrat in Vorpommern und Erbherrn auf Demmin, Felix von Podewils (1611–1686), von dem die bis in die Gegenwart blühende württembergische freiherrliche Linie Leinstetten abstammt (siehe unten), dem hannoverschen Generalfeldzeugmeister, Geheimen Kriegsrat und Gouverneur von Hannover, Heinrich von Podewils (1615–1696), der kinderlos blieb, dem kurfürstlich brandenburgischen Landrat und Erbherrn auf Krangen, Zirchow und Kummerow, Gerd von Podewils (1616–1676), sowie Adam von Podewils (1617–1697), brandenburgischen Geheimen Staatsrat, pommerschen Regierungsrat und Kammerpräsidenten, Schlosshauptmann von Hinterpommern und Domdechant von Kolberg, zudem Erbherrn auf Krangen, Wusterwitz, Wintershagen, Jannewitz und Suckow.
Die Enkel des zuletzt Genannten, die Brüder Heinrich von Podewils (1696–1760), Erbherr auf Krangen und königlich preußischer Wirklicher Geheimer Staatsminister (Außenminister Friedrichs des Großen), Adam Joachim von Podewils (1697–1764), Erbherr auf Varzin und nachmaliger königlich preußischer Generalmajor und Otto Friedrich Christoph von Podewils (1702–1760), Erbherr auf Wussow, sowie der Urenkel bzw. Vetter der obigen Otto Christoph von Podewils (1719–1781), Erbherr auf Gusow und nachmaliger königlich preußischer Gesandter am Wiener Hof, wurden 1741 anlässlich der Huldigung Friedrichs des Großen durch die schlesischen Stände in Breslau, in den erblichen preußischen Grafenstand erhoben.Maximilian Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preußischen Standeserhöhungen und Gnadenakte von 1600-1873. Mitscher & Roestell, Berlin 1874, S. 24. Diese preußischen Grafen von Podewils finden jedoch bereits in den beiden Folgegenerationen ihren Ausgang im Mannesstamm.Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser 1912, Jahrgang 13, Justus Perthes, Gotha 1911, S. 613–626.
Ventz von Podewils († nach 1516), der zweite Sohn des obigen Adam von Podewils († 1503), war Erbherr auf Podewils und Rarfin. Wie sein Bruder nahm er an der herzoglichen Kreuzfahrt nach Palästina teil und wurde ebenfalls in Jerusalem zum Ritter geschlagen. Sein einziger Sohn Paul von Podewils († 1562) dehnte den Besitz auf Lantow, Schwartow und Latzig aus, hatte zudem das Patronat der Kirche in Suckow inne. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts blühte die Linie in Pommern. Mit dem letztgenannten SohnDiese Einordnung wird nicht durchgängig geteilt, weswegen andererseits auch zwei Stämme, deren Zusammenhang nicht völlig gesichert ist, dargestellt werden. Matthias von Podewils († 1586), Erbherr auf Battin und Rarfin in Pommern, welcher Markgraf Albrecht nach Preußen folgte und dort die Linie Penken stiftete, verpflanzte sich das Geschlecht nach Ostpreußen. Auch die ostpreußische Linie fand in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Ausgang.
mini|hochkant|Schloss Wildenreuth, Oberpfalz
Hans von Podewils (1570–1647), ein Enkel des obigen Matthias war Geheimer Rat, Oberwachtmeister und Hofmarschall des hohenzollernschen Markgrafen Christian von Brandenburg-Bayreuth, sowie Amtmann zu Bayreuth und Kulmbach. Er wurde von seinem Herrn 1611 für geleistete Dienste mit Schloss Wildenreuth belehnt. Er war damit Stifter der in der Oberpfalz beheimateten bayerischen Freiherren von Podewils, die bis heute auf Schloss Wildenreuth und seit 1933 auf Schloss Reuth ansässig sind. Christoph Erdmann von Pudewels wurde 1715 in den kurfürstlich bayerischen Freiherrenstand gehoben. Der königlich-bayerische Major im 2. Kürassierregiment in Freising, Franz Friedrich Jakob Freiherr von Podewils (1779–1842), Erbherr auf Kalmreuth wurde 1817, die Brüder a.d.H. Weißdorf (†) Friedrich Ludwig Ernst Freiherr von Podewils (1777–1837), der königlich-bayerischer Hauptmann Wilhelm Erdmann Ernst Freiherr von Podewils (1781–1848), der k.u.k. Oberst Friedrich Karl Ernst Freiherr von Podewils (1782–1848), und der königlich-bayerischer Major Ludwig Heinrich Friedrich Freiherr von Podewils (1787–1838), wurden 1819 bei der Freiherrenklasse des Adels im Königreich Bayern immatrikuliert.
Infolge der Heirat des Constantin Carl Friedrich Freiherr von Podewils (1820–1887) aus der bayerischen Linie mit Philippine Amalie Freiin von Junker-Bigatto (1822–1900) im Jahre 1848 kam es zur Namensvereinigung mit den Freiherren von Juncker-Bigatto als Podewils-Juncker-Bigatto. Im Jahre 1878 erfolgte eine Namen- und Wappenvereinigung mit den Freiherren von Dürniz für Clemens Freiherr von Podewils-Juncker-Bigatto (1850–1922), Sohn der beiden zuletzt Genannten, der 1874 Friederike Freiin von Dürniz (* 1856), die letzte ihres Geschlechts, geheiratet hatte, als von Podewils-Dürniz.Maximilian Gritzner: Standes-Erhebungen und Gnaden-Acte deutscher Landesfürsten während der letzten drei Jahrhunderte. Band 1 (Anhalt/Bayern), C. A. Starke Verlag, Görlitz 1881, S. 283. Derselbe, inzwischen königlich bayerischer Kämmerer, Staatsrat, Staatsminister des Königlichen Hauses und des Äußeren und Vorsitzender des Ministerrats, wurde 1911 in den königlich bayerischen Grafenstand gehoben. Noch im selben Jahr erfolgte die Immatrikulation bei der Grafenklasse des Adels im Königreich Bayern. Der von ihm gestiftete Zweig der bayerischen Grafen von Podewils hat bis in die Gegenwart Bestand. 1935 erbte Clemens Graf von Podewils-Juncker-Bigatto (1905–1978), Enkel des Ministerpräsidenten Graf Clemens von Podewils-Dürniz, die Herrschaft Schweißing in Böhmen, welche bis 1945 Lebensmittelpunkt seiner Familie war.
Ein Zweig der oberpfälzischen Podewils aus Reuth führt seit jüngster Zeit als Nachfolger der von und zu Aufseß auf Elmischwang den Namen Freiherr von und zu Aufsess-von Podewils.
mini|hochkant|Schloss Leinstetten, Württemberg
Für Edwin Karl Friedrich Bogislaw von Podewils (1819–1869), Erbherr auf Leinstetten (seit 1847 im Besitz) und Oberamtmann in Sulz am Neckar erfolgte im Jahre 1854 die Hebung in den württembergischen Freiherrenstand. Der von ihm gestiftete Zweig der württembergischen Freiherren von Podewils hat bis in die Gegenwart Bestand und ist auf Schloss Leinstetten ansässig.Christoph Franke, Moritz Graf Strachwitz von Groß Zauche und Camminnetz: GHdA, Adelslexikon, Band X, Band 119 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1999, S. 436–438. ISBN 3-7980-0819-1.
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