Die Schmalspurbahn Poprad-Tatry–Štrbské Pleso ist eine regionale Eisenbahnverbindung in der Slowakei, die ursprünglich von der Tátrafüredi Helyiérdekű Villamos Vasutak (T.H.É.V.V.) erbaut und betrieben wurde. Sie zweigt in Poprad (Deutschendorf) von der Bahnstrecke Košice–Žilina ab und führt in der Hohen Tatra über Starý Smokovec (Altschmecks, ungarisch Ótátrafüred) nach Štrbské Pleso (Tschirmer See; Csorbato), wo sie in die Zahnradbahn Štrba–Štrbské Pleso einmündet.
Die Strecke ist heute Teil der Elektrischen Tatrabahn (Tatranská elektrická železnica, kurz: TEŽ).
Geschichte
Die Entwicklung des Tourismus in der Hohen Tatra begann mit der Inbetriebnahme der Kaschau-Oderberger Bahn im Jahre 1871. Durch die Fertigstellung der Waagtalbahn 1878 rückte die Tatra noch näher an Pozsony (Pressburg) und Wien heran. Von Wien aus war der Reiseweg zur Tatra nun kürzer als der nach Tirol. Ab 1896 führte eine Zahnradbahn vom Bahnhof Csorba aus ins Gebirge. mini|links|Tatrabahn kurz nach der Eröffnung (um 1908) Zur Verbindung der Kurorte am Südfuß der Tatra richtete man 1904 die Gleislose Bahn Poprad–Starý Smokovec, die aber wegen technischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten schon 1906 wieder eingestellt werden musste.
Im selben Jahr begann die Tátrai Villamos HÉV von Poprad aus mit dem Bau einer meterspurigen elektrischen Lokalbahn und Csorbato. Der Linienverkehr mit Triebwagen begann am 20. Dezember 1908 auf der 13,6 km langen Teilstrecke von Poprad nach Starý Smokovec. Ursprünglich war für diesen ersten Abschnitt eine Fahrdrahtspannung von 550 V Gleichspannung gewählt worden. Die abzweigende Strecke nach Tatra Lomnitz wurde am 16. Dezember 1911, die Erweiterung nach Štrbské Pleso am 13. Dezember 1912 eröffnet.Vlaky.net: ŽSR 183: Poprad-Tatry - Starý Smokovec - Štrbské Pleso Abgerufen am 21. Januar 2022. Ab dieser Zeit wurden die elektrischen Anlagen modernisiert und mit einer Einspeisung von 1500 V Gleichspannung betrieben. Die Trennstelle der Einspeisung war in Starý Smokovec. Mit elektrischer Energie versorgt wurde die Bahn von einem Dampfkraftwerk in Poprad.Jindřich Bek, Josef Janata, Jaroslav Veverka: Malý atlas lokomotiv 2. Elektrická a motorová trakce. Nadas-Verlag, Prag 1969, S. 94. mini|links|Reisezug am Fuß der Hohen Tatra bei Mlynica (2018) In den Jahren 1965–1969 wurden die Strecke umfassend modernisiert.
Ende der 1980er Jahre wurde die Strecke im Stadtgebiet von Poprad neu trassiert. Seitdem mündet die Strecke rechtwinklig von Norden kommend in den Bahnhof Poprad-Tatry ein und endet an einem Hochbahnsteig über den normalspurigen Gleisen der Hauptstrecke Žilina–Košice.
Am 19. November 2004 zerstörte ein Orkan große Teile der Waldgebiete im Süden der Hohen Tatra. Dabei wurden durch umgestürzte Bäume alle in den Waldgebieten gelegenen Streckenabschnitte unbefahrbar. Erst zu Ostern 2005 konnte im Abschnitt Poprad–Starý Smokovec der Zugverkehr wieder aufgenommen werden. Am 27. Mai 2005 waren alle Streckenabschnitte wieder instand gesetzt. Dabei mussten insgesamt über 300 Fahrleitungsmasten provisorisch wieder aufgerichtet oder neu aufgebaut werden.
Fahrzeugeinsatz
Im Reisezugverkehr kamen ab 1969 18 neue elektrische Gelenktriebwagen der Baureihe 420.95 zum Einsatz, die von ČKD Tatra in Prag geliefert wurden.
Mit der Indienststellung von 15 Fahrzeugen der Baureihe 425.95 (Typ Stadler GTW) wurden die alten Fahrzeuge Baureihe 420.95 ab 2000 ausgemustert und verschrottet.
Im Herbst 2018 wurden bei Stadler in der Schweiz fünf neue Fahrzeuge der Baureihe 495.95 bestellt, die sowohl für die Zahnradbahn Štrba–Štrbské Pleso als auch für das im Adhäsionsbetrieb befahrene Netz genutzt werden können. Sie basieren ebenfalls auf dem Stadler GTW.
Weblinks
„Po stopách Tatranských elektrických železníc – I. časť “ auf railpage.net (slowakisch) „Po stopách Tatranských elektrických železníc – II. časť “ auf railpage.net (slowakisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Bahnstrecke in der Slowakei Tatrabahn Kategorie:Bauwerk in der Hohen Tatra Kategorie:Verkehr (Vysoké Tatry) Kategorie:Verkehr (Karpaten)