Dimethylquecksilber stellt eine Organometallverbindung des Quecksilbers und ein starkes Nervengift dar. Die Dämpfe riechen schwach süßlich.
Eigenschaften und Herstellung Dimethylquecksilber ist eine leicht flüchtige, farblose Flüssigkeit mit süßlichem Geruch, welche praktisch unlöslich in Wasser ist. Sie zersetzt sich beim Erhitzen, wobei Quecksilberdämpfe und leicht entzündliche Zersetzungsprodukte entstehen.
Dimethylquecksilber wurde zuerst von dem englischen Chemiker George Bowdler Buckton im Jahr 1857 hergestellt und zählt damit zu einer der ersten künstlich hergestellten metallorganischen Verbindungen. Die chemische Reaktion die Buckton nutzte ist eine Reaktion von Methylquecksilberiodid mit Kaliumcyanid:
Daneben bestehen verschiedene andere Synthesemöglichkeiten. Der Chemiker Edward Frankland entdeckte, dass sich Dimethylquecksilber auch ausgehend von Natriumamalgam bilden lässt, dabei entsteht zusätzlich Natriumiodid (NaI):
Auch durch die Reaktion von Quecksilber(II)-chlorid mit Methyllithium entsteht neben Lithiumchlorid auch Dimethylquecksilber:
Verwendung Reines Dimethylquecksilber wurde früher als Referenz in der Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) verwendet. Spektroskopische Untersuchungen von Quecksilberverbindungen mit der Methode basieren auf dem Isotop 199Hg, das etwa 17 % in natürlichem Quecksilber ausmacht. Reines Dimethylquecksilber eignet sich gut als Standard, da es eine stabile Flüssigkeit ist und eine hohe Konzentration an Quecksilber-Atomen enthält. Probleme durch Abhängigkeiten der spektroskopischen Eigenschaften vom Lösungsmittel, die bei metallischem 199Hg ausgeprägt ist, können so vermieden werden. Trotz der extremen Giftigkeit der Verbindung wird sie noch gelegentlich eingesetzt. Alternativ können in vielen Fällen Lösungen von Quecksilber(II)-chlorid oder Quecksilber(II)-perchlorat verwendet werden. Eine andere Möglichkeit ist die Verwendung der Unified Chemical-Shift Scale, bei der die chemische Verschiebung für beliebige Kerne auf den Standard von Tetramethylsilan in Deuterochloroform bezogen wird.
Sicherheitshinweise Dimethylquecksilber bildet giftige Dämpfe und kann beim Einatmen, aber auch bei Hautkontakt zu tödlichen Konzentrationen im Körper führen. Es kann die Blut-Hirn-Schranke (BHS) passieren und bildet vermutlich einen Komplex mit Cystein. Es wird angenommen, dass es vor dem Eindringen ins Zentrale Nervensystem zu Methylquecksilber metabolisiert wird. Neopren-, Latex- und Polyvinylchlorid-Handschuhe sind nicht geeignet zum Schutz, wie sich im Zusammenhang mit dem Tod der US-amerikanischen Chemikerin Karen Wetterhahn herausstellte. Bei nicht auszuschließendem Handkontakt werden für Arbeiten bis zu vier Schichten Nitrilkautschuk-Handschuhe über Handschuhen aus einem PE/Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer-Laminat (EVOH)Produktfamilie Silvershield der Firma Honeywell International Inc. empfohlen.Gefahrstoff-Information des GisChem zu Dimethylquecksilber.
Beim Auftreten von Vergiftungserscheinungen wie Schwindelanfällen oder Kopfschmerzen ist es häufig schon zu spät für eine effektive Therapie. Dimethylquecksilber wird im Körper nur langsam abgebaut, so dass es zu einer Akkumulation kommen kann. Der intraperitoneale LD50-Wert für Mäuse liegt bei 37,5 mg/kg Körpergewicht, jedoch kann die Exposition mit selbst kleinen Mengen (wie über die Hand verschütteter Flüssigkeit) zu starken Vergiftungen bis hin zum Tod führen. Eine effektive Behandlung der Vergiftung ist nicht bekannt.
Bekannte Todesfälle
Karen Wetterhahn, eine US-amerikanische Chemikerin, kam 1997 als Folge eines Laborunfalls mit Dimethylquecksilber ums Leben.
Christoph Bulwin, einem deutschen Informatiker, wurde 2011 bei einem Giftanschlag mit einer Spritze Dimethylquecksilber injiziert. Er starb 2012 an den Folgen.
Weblinks
Berufsgenossenschaft Chemie: Unfallbericht Dimethylquecksilber-Vergiftung
Einzelnachweise Received December 4, 1857.
Kategorie:Quecksilberorganische Verbindung Kategorie:Beschränkter Stoff nach REACH-Anhang XVII, Eintrag 18(a) Kategorie:Metallalkyl