Tahiti, ältere Namen Otahaiti, Otaheiti oder Otaheite (auch King George Island, Isla de Amat und Sagittaria), ist eine Insel im Südpazifik, die politisch zum französischen Überseegebiet Französisch-Polynesien gehört. Sie hat eine Fläche von 1042 km² und 189.517 Einwohner (Stand: 2017).Institut Statistique de Polynésie Française (ISPF): Recensement de la population 2017 Hauptstadt und größte Stadt der Insel ist Papeete. Tahiti liegt in der Zeitzone UTC−10.
Geografie mini|links|Tahiti mit dem Hauptort Papeete mini|links|alt=idyllische Küstenlandschaft, mit kontrastreichen Farben und klaren Formen, im Vordergrund dominiert ein schwarzer, vulkanischer Sandstrand, der von sanften Wellen umspült wird, rechts steht eine einzelne Kokospalme, die sich leicht zum Meer neigt, üppige, grüne Vegetation am Strandrand kontrastiert mit dem azurblauen Meer und dem strahlend weißen Himmel, im Hintergrund sind zarte Wolkenformationen|Schwarzer Strand auf Tahiti
Tahiti zählt geografisch zu dem Archipel der Gesellschaftsinseln (), genauer zu den Inseln über dem Winde (). Sie ist die größte und bevölkerungsreichste Insel des Archipels. Tahiti ist eine Doppelinsel aus Tahiti Nui (Groß-Tahiti) und dem kleineren und dünner besiedelten Tahiti Iti (Klein-Tahiti), die durch den Isthmus von Taravao verbunden sind.
Das Landschaftsbild ist von steilen Gipfeln geprägt, deren höchster, der Mont Orohena auf Tahiti Nui, 2241 m emporragt. Die höchste Erhebung auf Tahiti Iti ist der Mont Ronui mit 1332 Metern. Fließgewässer haben tiefe Täler eingegraben, die von schroffen Felsgraten begrenzt werden. Das unbewohnte Inselinnere ist dicht mit tropischer Vegetation bewachsen und wird von unbefestigten Wegen und Fußpfaden nur stellenweise erschlossen. Die Siedlungen befinden sich in dem schmalen Küstenstreifen, der Norden und Westen von Tahiti ist am dichtesten besiedelt.
Entgegen der verbreiteten Meinung ist Tahiti keineswegs von weißen Stränden umgeben. Die Insel hat nur verhältnismäßig wenige natürliche Strände, die überwiegend aus schwarzem, basaltischem Sand bestehen und hauptsächlich entlang der Westküste verteilt sind. Die gepflegten weißen Hotelstrände sind in der Regel künstlich angelegt.
Geologie Tahiti wird aus zwei in nordwestlicher Richtung orientierten Schildvulkanen gebildet, die einst aus dem Society-Hotspot unter der Pazifischen Platte entstanden sind. Die beiden bereits erloschenen Vulkane haben die Inselteile Tahiti Nui und Tahiti Iti ausgebildet, die parallel zum allgemeinen Trend der Hotspot-Strecke der Gesellschaftsinseln ausgerichtet sind. Sie zeigen aus der Luft die Form einer Acht und bestehen aus magmatischen Gesteinen, im Wesentlichen aus Basalten und dem Basalt eng verwandten Eruptivgesteinen.Robert A. Duncan, Martin R. Fisk (et al.): Tahiti: Geochemical evolution of a French Polynesian Volcano. In: Journal of Geophysical Research, Volume 99, Dezember 1994, S. 341–357. Mit der Pazifischen Platte bewegt sich die Insel mit ca. 12,5 cm pro Jahr in Richtung Nordwest.National Geographic Map: The earth’s fractured surface. Washington, D.C., Beilage zum Aprilheft 1995.
Tahiti gehört geologisch zur Kette der Gesellschaftsinseln (Society Island chain), einer Reihe teils submariner Vulkane, die sich von Nordwest nach Südost im Südpazifik erstreckt und zu der auch die Atolle Bora Bora, Raiatea, Huahine, Moorea und Tetiaroa zählen. Die Inseln Tahiti und Mehetia sind, zusammen mit dem untermeerischen Vulkan Teahitia, die jüngsten dieses Archipels.Q.C. Cheng, J.D. Macdougall, G.W. Lugmair: Geochemical studies of Tahiti, Teahitia and Mehetia, Society Island chain. In: Journal of Volcanology and Geothermal Research, Volume 55 (1–2), Februar 1993, S. 155–184 Für die beiden Inselteile Tahitis wurde ein Alter von 0,5 bis 2 Millionen Jahre ermittelt, wobei Tahiti Iti deutlich jünger ist als Tahiti Nui.Valérie Clouard & Alain Bonneville: Ages of seamounts, islands and plateaus on the Pacific plate. In: Foulger, G. R., Natland, J. H., Presnall, D. C., and Anderson, D.L. (Hrsg.): Plates, plumes, and paradigms. Geological Society of America Special Paper No. 388 (PDF) Die Riffbildung des erdgeschichtlich recht jungen Atolls ist noch nicht fortgeschritten, das Saumriff um die Insel noch nicht vollständig geschlossen.
Klima Das Klima ist tropisch-feucht. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 26 °C, wobei sich die einzelnen Monate nur unwesentlich unterscheiden. Im Jahresmittel fallen 1761 mm Regen (zum Vergleich: Köln 797 mm). Die regenreichsten Monate sind Dezember und Januar mit mehr als 300 mm Regen. Die Regenfälle sind aber – wie in den Tropen üblich – heftig und nur von kurzer Dauer. Eher trocken sind die Monate August und September mit durchschnittlich weniger als 50 mm Regen.
Flora mini|Vegetation im Inselinnern mini|Traditionelles Haus mit Garten
Die Vegetation Französisch-Polynesiens ist von zwei Besonderheiten gekennzeichnet: einem hohen Anteil endemischer Pflanzen bei einer relativen Artenarmut. Die isolierte Lage der Inseln und die Tatsache, dass sie niemals mit einer kontinentalen Landmasse verbunden waren, erklärt die hohe Zahl endemischer Pflanzen. Im Südpazifik breiteten sich die Pflanzen von West nach Ost aus. Das führte dazu, dass die Biodiversität der Inseln nach Osten zu abnimmt. So weisen die im Westen gelegenen Inseln Neuguinea und Neukaledoniens gegenüber Tahiti eine weit höhere Anzahl von Arten auf. Deutlich artenärmer sind dagegen die Pitcairninseln und die Osterinsel im äußersten Osten des Pazifiks.
Die gebirgigen Teile Tahitis sind mit einem üppig wachsenden, größtenteils noch naturbelassenen Bergregenwald bedeckt. In den ständig feuchten und schattigen Tälern wachsen Farne, darunter zahlreiche endemische Arten. Die Farne haben einen Anteil von rund 30 % an den in Polynesien wachsenden Pflanzen.
Traditionell kultivierten die Polynesier zahlreiche Blütenpflanzen für die Ausgestaltung ihrer Feste und religiösen Zeremonien, darunter den Hibiskus, die Tiare (Gardenia tahitensis), aus der das Monoi-Öl oder Monoi Tiare de Tahiti hergestellt wird, die Bougainvillea und den duftenden Jasmin, die man auch heute noch in jedem Hausgarten finden kann.
Inzwischen hat der Mensch die Flora auf dem dicht besiedelten Tahiti entscheidend verändert. Bereits die ersten polynesischen Siedler führten ursprünglich nicht auf der Insel heimische Nutzpflanzen ein, zum Beispiel den Taro. Um die terrassierten Felder für den Nassfeldanbau des Taro (ähnlich wie in Asien für den Reis) anzulegen, wurde die Landschaft bereits in protohistorischer Zeit großflächig umgestaltet.
Weitere Pflanzen brachten die Europäer nach Tahiti, die sich teilweise ausgewildert und zu einem Problem für die einheimische Flora entwickelt haben. Ein Beispiel ist die ursprünglich aus Südamerika stammende Guave. Die Pflanze wurde wegen ihrer wohlschmeckenden Früchte eingeführt und fand auf Tahiti beste Wachstumsbedingungen vor. Mittlerweile überwuchern Guavenbüsche großflächig auch unzugängliche Inselbereiche und bedrohen so indigene Pflanzengemeinschaften.
Tropische Früchte werden überwiegend für den eigenen Bedarf angebaut, die Mitte des 19. Jahrhunderts von den Franzosen eingeführte Tahiti-Vanille wird hingegen exportiert und ist wegen ihrer hervorragenden Qualität sehr begehrt.
Fauna Die größeren Tiere Polynesiens wurden alle vom Menschen eingeführt. Bereits die ersten Siedler brachten Hunde, Schweine, Hühner und die Pazifische Ratte als Nahrungstiere mit, die Europäer führten Ziegen, Kühe, Schafe und Pferde ein. Autochthone Landtiere sind lediglich Insekten, Krebse, Schnecken und Eidechsen.
Endemische oder autochthone Landvogelarten wie die Rotschnabelralle, der Tahiti-Laufsittich oder die Tahititaube waren wenige Jahre nach Ankunft der Europäer auf Tahiti ausgestorben. Heutzutage kommen noch der sehr seltene Tahiti-Monarch (Pomarea nigra), die Purpurkappen-Fruchttaube (Ptilinopus purpuratus), die gefährdete Tahiti-Fruchttaube (Ducula aurorae) sowie der Tahitiliest (Todiramphus veneratus) vor.
Für den Menschen gefährliche Tiere gibt es auf Tahiti nicht, insbesondere keine Schlangen. Unangenehm sind Sandflöhe am Strand, eine giftige Hundertfüßerart aus der Familie der Scolopender und die im Landesinnern überall präsenten Stechmücken.
Die Meeresfauna des Korallenriffes ist sehr artenreich. Neben Hunderten verschiedenartiger Korallenfische sind zahlreiche Mollusken, Kraken, Stachelhäuter und Krebstiere des tropischen Meeres vorhanden. Hinter dem Riff gibt es Haie, Rochen, Schwertfische, Meeresschildkröten und, besonders von August bis November, gelegentlich auch Wale.
Forscher entdeckten im November 2021 im Zuge eines internationalen Projekts zur Meeresbodenerforschung und Biodiversität vor der Küste Tahitis ein drei Kilometer langes Korallenriff. Die Struktur befindet sich in 35 bis 70 Metern Tiefe und in einem guten Zustand.Großes intaktes Korallenriff vor der Küste Tahitis entdeckt. In: Die Zeit. 20. Januar 2022, abgerufen am 22. Januar 2022.
Geschichte Vorgeschichte mini|Kultplattform (Marae) im Arahurahu-Tal
Tahiti wurde – wie die anderen Gesellschaftsinseln auch – etwa um 200 v. Chr. von Tonga und Samoa aus besiedelt.Patrick Vinton Kirch: On the Road of the Winds – An Archaeological History of the Pacific Islands Before European Contact. University of California Press, Berkeley-Los Angeles-London 2002, ISBN 0-520-23461-8, S. 230–231. Spuren der ersten Siedler sind kaum vorhanden. Da natürliche Höhlen und Felsüberhänge, anders als zum Beispiel auf den Marquesas, auf Tahiti weitgehend fehlen, vermutete der amerikanische Anthropologe Kenneth P. Emory, dass die ersten Einwohner in strandnahen Kleinsiedlungen der Küstenebene lebten.Kenneth P. Emory: Report on Bishop Museum Archaeological Expedition to the Society Islands in 1960 and 1961. In: The Journal of the Polynesian Society, Vol. 71, Nr. 1, Wellington 1962, S. 119. Von der Geografie der Insel mit ihren abgeschlossenen, sich zum Meer hin öffnenden Tälern begünstigt, bildeten sich mit zunehmendem Bevölkerungswachstum alsbald unabhängige Stammesfürstentümer heraus, die sich wiederum in einzelne Clans aufspalteten. Die Stammesgesellschaft war streng hierarchisch gegliedert und in mehrere soziale Ebenen geschichtet.
Im Wesentlichen gab es drei Kasten:
der Adel, polynesisch ari’i oder ariki, an der Spitze der Gesellschaft. Sie stellten die großen Landbesitzer. Ganz oben standen die ariki rahi (deutsch: die großen Ariki), die Souveräne, die sich aus den alten Adelsfamilien rekrutierten. Auf Tahiti gab es deren acht, die jeweils einem Stamm vorstanden. Diese Familien stellten auch die höchsten Priester, in der Regel nachgeborene Söhne. die Freien, polynesisch raatira, das waren im Wesentlichen die Kleingrundbesitzer, Handwerker, Bootsbauer, Tätowierer und Künstler. Im Kriege waren sie die engsten Gefolgsleute der Ariki. Die Grenzen zwischen den Raatira und den untersten Stufen des Kleinadels waren fließend. die Hörigen, polynesisch manahune, die die Felder in Abhängigkeit von den Grundherren bestellten. Die Produkte mussten sie größtenteils abführen.
Das Herrschaftssystem Tahitis bezog sowohl Merkmale der mittelalterlich-europäischen Feudalgesellschaft als auch der Kastengesellschaft hinduistischer Prägung ein. Religiöse und weltliche Macht waren eng verzahnt, teilweise in denselben Personen vereint.
Eine besondere Rolle innerhalb der polynesischen Gesellschaft Tahitis nahm der Geheimbund der Arioi ein, der sowohl von religiöser als auch von machtpolitischer Bedeutung war, letzteres durch Repräsentation und Prachtentfaltung zum Ruhm der Herrscherhäuser.