Die Bahnstrecke Nördlingen–Dombühl, nach dem angrenzenden Hesselberg auch Hesselbergbahn genannt, ist eine, teilweise stillgelegte, 54,441 Kilometer lange eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn in den bayerischen Regierungsbezirken Schwaben und Mittelfranken. Eine Reaktivierung des stillgelegten Abschnitts ist vorgesehen.

In Anlehnung an den parallel verlaufenden Abschnitt der Romantischen Straße wird auch die Bezeichnung Romantische Schiene verwendet. Nach dem Kauf des Teilstücks Nördlingen–Wilburgstetten durch Anliegergemeinden und die Gründung des Zweckverbandes Romantische Schiene wurde der Name rechtlich geschützt.

Geschichte Voraussetzungen Bereits 1857 bemühten sich die Städte Feuchtwangen und Herrieden in einer schriftlichen Bitte an den Bayerischen Landtag um Anschluss an das Eisenbahnnetz. Vorgesehen war eine Strecke von Ansbach über Herrieden und Feuchtwangen nach Crailsheim. Die geologischen Gegebenheiten haben diese Route – „viele Höhenzüge sowie Flusstäler müssten beim Bau bewältigt werden“ – als zu kostspielig erwiesen. Von staatlicher Seite wurde, aufgrund bestehender Geländevorteile, die Verbindung von Ansbach nach Crailsheim mit dem Bau einer Strecke über Leutershausen und Dombühl befürwortet, die später ausgeführt wurde. Der Entwurf einer weiteren Bittschrift für die Errichtung einer Eisenbahn an König Ludwig II. liegt im Feuchtwanger Stadtarchiv.

Das Pachtbahnsystem hatte sich spätestens seit den 1860er Jahren als untauglich erwiesen, denn es wurden keine pachtdeckenden Überschüsse erwirtschaftet (Strecke Ansbach–Gunzenhausen, eröffnet am 1. Juli 1859). Die Regierung hat deshalb ab 1864 alle Gesuche abgelehnt und auf die bestehenden Regelungen für den Bau von Vicinalstraßen verwiesen. Mit dem Gesetz (Vizinalbahngesetz: „Gesetz über Bau und Betrieb von Eisenbahnstrecken untergeordneter Bedeutung“, das sogenannte Dotationsgesetz) vom 29. April 1869 wurde der Bau von zehn neuen Staatsbahnstrecken festgelegt und sollte als Ergänzung des bayerischen Eisenbahnnetzes die Nebenbahnen fördern. Dafür wurden von staatlicher Seite die bedeutende Summe von 157.714.000 Mark für zehn sofort zu erbauende Bahnen bewilligt. Dieses Gesetz war sowohl nach der Zahl der Bahnen als der Größe der Bausumme das wichtigste, das je in Bayern über Eisenbahnen erlassen worden ist.

Das Charakteristikum der Vicinalbahn war, dass die Finanzierung von Grundstückerwerb und Unterbau nicht beim Staat lag, sondern von den Anliegergemeinden zu leisten war. Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen errichteten den Oberbau und führten den Betrieb. Das Vicinalbahngesetz von 1869 legte als Ausgangspunkt für die Stichbahn nach Feuchtwangen den Bahnhof Dombühl fest. In der Erweiterung des Vicinalbahngesetzes ist die Strecke von Wassertrüdingen nach Dinkelsbühl (später mit dem Ausgangspunkt Nördlingen statt Wassertrüdingen) festgeschrieben. Technisch wurden die Normen für Hauptbahnen vorgeschrieben.

Bau Durch die von vornherein geplante Weiterführung oder Verbindung der Stichbahnen wurden die Bahnhöfe in ihrer jetzigen Lage positioniert. Ansonsten wären die Endbahnhöfe wesentlich näher an die Stadtkerne herangeführt worden. In Dinkelsbühl war ursprünglich geplant, den Einschnitt mit einem Bogen zu vermeiden: die Trasse läge heute dort, wo jetzt das Brauhaus der Hauf-Bräu Dinkelsbühl steht. Nach unterschiedlichen Diskussionen fiel die Entscheidung für die ausgeführte Weise (mit zwei zusätzlichen Brücken). Beim Bau des Einschnittes wurde der alte Standort des letzten Dinkelsbühler Galgens beseitigt.

Die Kosten der Verbindung Dombühl–Feuchtwangen war für die Stadt Feuchtwangen mit 247.000 Mark veranschlagt (das waren 21 % des vorgesehenen Gesamtaufwandes von 1.189.000 Mark). Die Erstellung der Trasse, „für deren Kosten die Stadt Feuchtwangen zum Teil selbst aufkommen musste“, habe beinahe zwei Jahre bis zu ihrer Fertigstellung im April 1876 gedauert. Im Hinblick auf eine spätere Fortführung der Strecke in Richtung Dinkelsbühl wurde der Bahnhof in Feuchtwangen westlich der Sulzach errichtet, „womit allerdings eine beträchtliche Entfernung der Station vom Stadtmittelpunkt in Kauf genommen wurde“ (750 Meter). Die Gesamtkosten der Trasse hätten 770.000 Gulden betragen, wovon die Bahn 323.000 Gulden übernommen habe. Die Stadt Feuchtwangen musste also 124.000 Gulden mittels einer Anleihe von 120.000 Gulden und einem Restbetrag von 4.000 Gulden, den Feuchtwanger Bürger übernommen hatten, aufbringen.

Das fehlende Zwischenstück von Dinkelsbühl nach Feuchtwangen wurde 1879 von der Staatskammer in München genehmigt und das betreffende Gesetz von König Ludwig II. auf Schloss Neuschwanstein unterzeichnet. Die Kosten dafür beliefen sich auf 1,7 Millionen Mark. In den Gesetzen vom 14. Februar 1878 und vom 1. Februar 1880 wurden noch die Strecken Lohr–Wertheim (1881), Wiesau–Redwitz (1882), Dinkelsbühl–Feuchtwangen (1881), Stockheim–Ludwigsstadt–Grenze (1885), Neumarkt–Landshut (1883) und Gemünden–Hammelburg (1884) genehmigt. Die Strecken Lohr–Wertheim und Dinkelsbühl–Feuchtwangen wurden zwar noch als Hauptbahnen gebaut, jedoch im Betrieb als Nebeneisenbahnen eingerichtet.

Der Bau Nördlingen–Dinkelsbühl stellte keine großen Anforderungen, es waren keine größeren Steigungen zu überwinden (nur bei Marktoffingen über den Riesrand ins Tal der Mauch und bei Rühlingstetten der Wechsel aus dem Tal der Mauch in das Tal der Wörnitz). Es mussten keine Kurvenradien unter 600 Meter gewählt werden. Das größte Bauwerk dieses Abschnittes stellt die Wörnitzbrücke in Wilburgstetten dar.Bayern-Report 3, Hermann-Merker-Verlag GmbH 1995, ISBN 3-922404-62-6, Seite 10

Betrieb bis 1985 mini|links|Ausgangspunkt der Strecke ist der Bahnhof in Nördlingen links|mini|Schienenbus der BayernBahn auf der Fahrt von Schopfloch (Mittelfr) nach Feuchtwangen mini|links|hochkant|Fahrkarte vom 17. April 1975

Die Strecke wurde von den Bayerischen Staatseisenbahnen zwischen 1876 und 1881 in drei Abschnitten eröffnet. Von Dombühl bis Feuchtwangen begann der Betrieb am 15. April 1876 und von Nördlingen bis Dinkelsbühl am 2. Juli 1876. Das Zwischenstück folgte am 1. Juni 1881. Allein von April bis Dezember 1876 sind am Zielbahnhof Feuchtwangen über 20.000 Personen, 36.500 kg Gepäck, 427 Stück Großvieh und 330 Tonnen Frachtgut befördert worden.

1881 gab es einen Nachtzug, der gegen 22 Uhr in Feuchtwangen in Richtung München abfuhr. Er erreichte sein Ziel jedoch erst um 8.45 Uhr, hat also über zehn Stunden für diese Strecke gebraucht.

In den 1950er Jahren fuhr eine tägliche aus einer Schienenbus-Garnitur gebildete, anfangs zuschlagpflichtige Eilzugverbindung von Rothenburg ob der Tauber über Dombühl und Nördlingen bis nach München. Dieser Zug wurde Reichsstädtezug oder Reichsstädte-Express genannt, da er unter anderem die ehemaligen Reichsstädte Rothenburg, Feuchtwangen, Dinkelsbühl, Nördlingen, Donauwörth und Augsburg miteinander verband. Er durchfuhr die Strecke Dombühl–Nördlingen in rund 70 Minuten. Bei anderen Personenzügen und Schienenbussen (1954 etwa zehn bis zwölf Fahrtenpaare) betrug die Fahrzeit rund 90 Minuten, wobei oft noch 10 bis 15 Minuten Pause in Dinkelsbühl hinzukamen. Außerdem verkehrte parallel dazu der Touring-Bus „Romantische Straße“ von Würzburg nach Füssen.

Die Dampflok 64 348 (ausgemustert im Bw Augsburg am 22. Mai 1967) des Bw Nördlingen führte am 24. September 1966 als letzte ihrer Gattung den planmäßigen Dampfzug von Nördlingen nach Dombühl.

Bis zur Einstellung des Personenverkehrs wurden die Züge im Bahnhof Nördlingen auf dem Kopfgleis 3 und in Dombühl auf Gleis 5 bereitgestellt, als letzte Fahrzeuge waren ETA 150 des Bahnbetriebswerks Nördlingen im Personenverkehr eingesetzt. Am 1. Juni 1985 wurde die Strecke im planmäßigen Personenverkehr aufgegeben.

Restverkehr mini|Zugfahrt des Bayerischen Eisenbahnmuseums, 2015

Für den Bau der Bundesautobahn 7 transportierten 1987 Güterzüge Baumaterialien nach Schopfloch.

Der Museumsbahnbetrieb begann auf der Strecke Nördlingen–Dinkelsbühl am 3. September 1988. Der Güterverkehr Nördlingen–Wilburgstetten endete am 27. Mai 1998, während er auf dem Abschnitt Wilburgstetten–Dombühl noch bis zum 15. Dezember 2002 weitergeführt wurde. Den Abschnitt Feuchtwangen–Dombühl hielt das Bayerische Eisenbahnmuseum in betriebsbereitem Zustand, um zu verhindern, dass die Aufsichtsbehörde ein Stilllegungsverfahren fordert. (PDF-Datei) Das Bayerische Eisenbahnmuseum führte an einigen Sonntagen im Jahr Sonderfahrten mit einem historischen Schienenbus und mit Dampflokomotiven durch. Die Fahrten fanden seit 2006 auf dem Abschnitt Nördlingen–Dinkelsbühl–Feuchtwangen statt, zuvor auf dem Abschnitt Nördlingen–Dinkelsbühl.

An den Adventssonntagen konnte der Streckenabschnitt Dombühl–Feuchtwangen–Dinkelsbühl (mit einigen von / bis Nördlingen durchgebundenen Zügen) mit einem Schienenbus befahren werden. Diese Züge wurden hauptsächlich für Weihnachtsmarktbesucher von Dinkelsbühl (und Feuchtwangen) angeboten.

Ein von DB Netz vorgesehener Abbau der Verbindungsweiche im Bahnhof Dombühl, der die Abtrennung der Strecke von der Hauptbahn Nürnberg–Crailsheim bedeutet hätte, konnte 2003/2004 durch Intervention des Ansbacher Bundestagsabgeordneten Josef Göppel verhindert werden.

Der letzte planmäßige Museumszug befuhr die Strecke Nördlingen-Feuchtwangen am 23. Oktober 2016, Zuglok war 50 0072-4. Der letzte Dampf-Zug auf der Gesamtstrecke war der Einsatz der 44 546 mit einem Zug von der Anschlussstelle Rettenmeier nach Nördlingen am 3. Dezember 2018.

Des Weiteren fuhren auf der Strecke Holztransporte des Wilburgstettener Sägewerkes Rettenmeier und Düngemitteltransporte zur BayWa in Feuchtwangen bis Jahresende 2018.

Wiederaufnahme des Schienenverkehrs Die Anliegergemeinden bildeten einen Zweckverband Romantische Schiene, der 1999 den Abschnitt Nördlingen–Wilburgstetten von der Deutschen Bahn (DB) übernahm. Den Abschnitt Wilburgstetten–Dombühl pachtete die BayernBahn GmbH, eine Tochtergesellschaft des Bayerischen Eisenbahnmuseums (BEM), langfristig von der DB. Dadurch konnte nach Sanierungsarbeiten das BEM am 7. April 2001 den Betrieb auf dem Abschnitt Nördlingen–Dinkelsbühl eröffnen.Das Bayerischen Eisenbahnmuseum in Nördlingen – Allgemeine Presseinformation über das Bayerische Eisenbahnmuseum, 1. Mai 2004 ( im Internet Archive, PDF-Datei, 19,8 kB)

2006 wurde die Strecke zwischen dem Bahnübergang bei Knittelsbach und Wilburgstetten neu trassiert, damit das Großsägewerk der Firma Rettenmeier erweitert werden konnte. Der 1,6 Kilometer lange Neubauabschnitt verläuft an der Ostseite des Sägewerks vorbei und wurde am 8. Dezember 2006 nach viermonatiger Bauzeit in Betrieb genommen. Die bisherigen Gleise dienen im Werksgelände als eigener Werksbahnhof und teilweise als Rangiergleise; sie wurden für die Holzverladung zusätzlich erweitert.

Im Mai 2009 gaben die an der Strecke liegenden Landkreise eine Machbarkeitsstudie über die Wiederaufnahme des Personenverkehrs in Auftrag. Das Ergebnis lag im August 2012 vor und stellte fest, dass ein wirtschaftlicher Betrieb, der bei einem Fahrgastaufkommen von mehr als 1000 Personen pro Tag angenommen wurde, nur auf dem Abschnitt von Dinkelsbühl über Feuchtwangen nach Dombühl zu erwarten sei.

mini|Bahnhofsgebäude Dinkelsbühl 8. April 2013 Im April 2013 wurde das Bahnhofgebäude in Dinkelsbühl abgerissen. An seiner Stelle wurde ein Drogeriemarkt errichtet. Für eine Reaktivierung der Bahnstrecke nach Dombühl ist in unmittelbarer Nähe eine Bahnhaltestelle geplant. Es sind drei Zugänge zum Bahnsteig vorgesehen. Am 9. April 2013 verkündete die bayerische Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Katja Hessel, dass die Bayerische Eisenbahngesellschaft eine Bestellgarantie auf der Strecke Dombühl–Dinkelsbühl bis zum Jahr 2030 abgebe. Auf diesem Abschnitt sollen Regionalzüge verkehren, sobald die baulichen Voraussetzungen hierfür gegeben sind. Die Kosten der Reaktivierung wurden 2016 mit 21 Millionen Euro beziffert.

mini|Bahnstrecke bei Dinkelsbühl im Juni 2019