Die Verwaltungsgliederung des im Jahr 1806 gegründeten Königreichs Bayern wurde zur Eingliederung der neu erworbenen Gebiete im Jahre 1808 völlig neu gestaltet. Mit dem Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 wurden auch die Gemeinden in Bayern eingerichtet. Bis dahin waren die Obmannschaften die Verwaltungseinheiten der untersten Ebene. Bayern wurde in 15 Kreise eingeteilt, deren Namen sich nach Flüssen richteten. 1810 wurden sechs Kreise, 1814 wurde ein weiterer Kreis aufgelöst. Nach dem Wiener Kongress wurde 1816 der Rheinkreis, die spätere Pfalz, als neuer Kreis gebildet und bis 1817 wurden aufgrund der Gebietsabtretungen weitere zwei Kreise aufgelöst, so dass bei der Verwaltungsneugliederung von 1817 nur noch acht Kreise bestanden. Diese erhielten 1838 anstelle der Flussnamen die Bezeichnungen nach den alten Herzogtümern. Diese Bezeichnungen wurden später in die noch heute bestehenden Regierungsbezirke geändert.
Die Kreise bzw. Regierungsbezirke waren und sind bis heute in untere Verwaltungsbehörden gegliedert, die im Laufe der Geschichte unterschiedliche Bezeichnungen hatten. Bis 1862 handelte es sich um die Landgerichte älterer Ordnung (LG), Herrschaftsgerichte (HG), Gerichts- und Polizeibehörden (GuP) und kreisunmittelbaren Städte. Die Landgerichte als Verwaltungseinheiten der unteren Ebene waren mit Verwaltungs- und Justizaufgaben betraut. Die Trennung der administrativen und juristischen Aufgaben in Bayern ließ 1862 die Bezirksämter entstehen. Die Umbenennung der Landgerichte (die ab 1862 nur noch Justizaufgaben hatten) in Amtsgerichte erfolgte 1879. Die unteren Verwaltungsbehörden waren ab 1862 die Bezirksämter und kreisunmittelbaren Städte, ab 1939 die Landkreise und Stadtkreise, dann kreisfreien Städte, und seit 1972 sind es die Landkreise und kreisfreien Städte.
Dieser Artikel stellt die Veränderungen bei den Kreisen/Regierungsbezirken bzw. unteren Verwaltungsbehörden (Gerichte/Bezirksämter/Landkreise/kreisfreie Städte) in Bayern von 1808 bis heute dar. Dabei werden auch die Gebiete berücksichtigt, die heute nicht mehr zu Bayern gehören.
Verwaltungsgliederung vor 1808 Die historische Gliederung Bayerns in die Rentämter München, Landshut, Straubing, Burghausen und Amberg wurde bereits 1802 durch den Minister Maximilian von Montgelas aufgehoben. Die nach 1802 bestehenden Rentämter sind die den einzelnen Landgerichtsbezirken zugeordneten Steuer- und Verwaltungsbehörden (ab 1919 die Reichsbehörde Finanzamt).
Ab 1799 wurden zwischenzeitlich Landesdirektionen als neue Mittelbehörden eingerichtet. Die Landesdirektion München (offiziell erst 1803 so bezeichnet) war für Ober- und Niederbayern zuständig. Die Umwandlung der Regierungen Amberg und Neuburg in die Landesdirektionen Amberg (für die Oberpfalz mit Sulzbach) und Neuburg (für Pfalz-Neuburg) erfolgte ebenfalls 1799. Mit den Erwerb neuer Gebiete wurden 1803 weitere Direktionen eingerichtet: Landesdirektion Schwaben in Ulm für das Hochstift Augsburg u. a. Landesdirektion Bamberg für das Hochstift Bamberg u. a. Landesdirektion Würzburg für das Hochstift Würzburg u. a. Diese Landesdirektionen wurden 1808 mit der Einrichtung der Kreise aufgelöst.
Verwaltungsgliederung 1808 bis 1817 mini|Verwaltungsgliederung 1808 Im Jahr 1808 kam es zu einer grundlegenden Neuordnung der Verwaltung Bayerns, die von Maximilian von Montgelas initiiert wurden.Peter Claus Hartmann: Bayerns Weg in die Gegenwart. Regensburg 1989, S. 372.Hans-Michael Körner: Geschichte des Königreichs Bayern. München 2006, S. 38. Montgelas war damals der leitende Minister des zwei Jahre zuvor gegründeten Königreichs Bayern.Wilhelm Volkert: Geschichte Bayerns. München 2001, S. 62. Im Rahmen dieser Reform wurde auch die mittlere Verwaltungsebene komplett umgestaltet, wobei die historisch gewachsenen Territorialeinheiten aufgelöst und stattdessen fünfzehn administrative Kreise geschaffen wurden.
Bei den im Jahr 1808 geschaffenen Kreisen handelte es sich um: Altmühlkreis (bis 1810): Der Altmühlkreis mit der Hauptstadt Eichstätt bestand zunächst aus 21 Landgerichten und ab 1809 aus drei unmittelbaren Städten und der Grafschaft Pappenheim. 1809 wurden einige Landgerichte zusammengelegt und 1810 wurde der Altmühlkreis wieder aufgelöst. Sein Gebiet wurde überwiegend dem Oberdonaukreis zugeordnet. Das Landgericht Riedenburg kam jedoch zum Regenkreis. Kreisunmittelbare Städte: Eichstätt, Ingolstadt, Neuburg an der Donau Landgerichte: Beilngries, Donauwörth, Eichstätt, Heidenheim, Hilpoltstein, Ingolstadt, Kipfenberg, Monheim, Neuburg an der Donau, Neumarkt, Pleinfeld, Rain, Raitenbuch, Riedenburg, Weißenburg Eisackkreis (bis 1810): Der Eisackkreis mit der Hauptstadt Brixen umfasste zunächst sieben Landgerichte und ab 1809 die kreisunmittelbaren Städte Bozen und Brixen. 1810 wurde der Eisackkreis unter Abtrennung der Landgerichte Bozen, Lienz und Sillian, die damals aus Bayern ausschieden, dem Innkreis zugeteilt. Kreisunmittelbare Städte: Bozen, Brixen Landgerichte: Bozen, Brixen, Bruneck, Klausen, Lienz, Meran, Sillian Etschkreis (bis 1810): Der Etschkreis mit der Hauptstadt Trient umfasste 14 Landgerichte und ab 1809 die kreisunmittelbaren Städte Rovereto und Trient. 1810 wurde der Etschkreis an das napoleonische Königreich Italien abgetreten. Kreisunmittelbare Städte: Rovereto, Trient Landgerichte: Cavalese, Civezzano, Cles, Condino, Levico, Malé, Mezzolombardo (Welschmez), Pergine, Riva, Rovereto, Stenico, Tione, Trient, Vezzano Illerkreis: Der Illerkreis mit der Hauptstadt Kempten umfasste zunächst 21 Landgerichte und seit 1809 die kreisunmittelbaren Städte Kempten und Lindau, ab 1810 auch Memmingen. 1810 kamen einige Landgerichte an das Königreich Württemberg, gleichzeitig wurde er um einige Landgerichte des Innkreises und des Lechkreises vergrößert, musste jedoch 1814 einige Landgerichte an Österreich abgeben. 1817 wurde der Illerkreis fast ganz dem Oberdonaukreis angegliedert, lediglich das Landgericht Schongau kam zum Isarkreis. Kreisunmittelbare Städte: Kempten, Lindau (Bodensee), Memmingen (ab 1810) Landgerichte: Babenhausen (Herrschaftsgericht, ab 1813), Bregenz, Buchhorn, Buchloe (ab 1810), Buxheim (Herrschaftsgericht, ab 1813), Dornbirn, Edelstetten (Herrschaftsgericht, ab 1816), Elchingen (ab 1810), Feldkirch, Füssen, Grönenbach, Günzburg (ab 1810), Illereichen (Herrschaftsgericht, ab 1814), Illertissen (ab 1810), Immenstadt, Inner-Bregenzer-Wald, Kaufbeuren (ab 1810), Kempten, Kirchheim (Herrschaftsgericht, ab 1814), Leutkirch, Lindau, Mindelheim (ab 1810), Montafon, Oberdorf (Marktoberdorf), Obergünzburg, Ottobeuren (ab 1810), Ravensburg, Reutte (ab 1810), Roggenburg (ab 1810), Schongau, Schwabmünchen (ab 1810), Sonnenberg, Sonthofen, Tettnang, Thannhausen (Herrschaftsgericht, ab 1814), Türkheim (ab 1810), Ursberg (ab 1810), Wangen, Weiler Innkreis (bis 1814): Der Innkreis mit der Hauptstadt Innsbruck umfasste zunächst nur acht Landgerichte und seit 1809 die kreisunmittelbare Stadt Innsbruck. Ab 1810 wurden 18 Landgerichte neu errichtet. Ab 1810 kamen Landgerichte zum Iller- und Salzachkreis. Im Gegenzug wurden Landgerichte des Isarkreises und der Rest des Eisackkreises, darunter die kreisunmittelbare Stadt Brixen, eingegliedert. 1814 wurde der Innkreis an Österreich abgegeben. Lediglich das Landgericht Werdenfels verblieb bei Bayern und wurde dem Isarkreis angegliedert. Kreisunmittelbare Städte: Brixen (ab 1810), Innsbruck Landgerichte: Brixen (ab 1810), Bruneck (ab 1810), Enneberg (ab 1810), Fürstenburg, Glurns, Hall, Imst, Innsbruck, Kastelruth (ab 1810), Kitzbühel, Klausen (ab 1810), Kufstein, Lana, Landeck, Meran (ab 1810), Mühlbach (ab 1810), Passeier (ab 1810), Rattenberg, Reutte, Ried (ab 1810), Sarntal (ab 1810), Schlandern (ab 1810), Schwaz, Silz, Steinach, Sterzing (ab 1810), Stubai (ab 1810), Taufers (ab 1810), Telfs, Welsberg (ab 1810), Werdenfels (ab 1810), Zell am Ziller (ab 1811) Isarkreis: Der Isarkreis mit der Hauptstadt München umfasste zunächst 14 Landgerichte und seit 1809 die kreisunmittelbaren Städte München und Landshut. 1810 wurde er erheblich vergrößert. 1817 wurde er erneut vergrößert, gab aber auch einige Landgerichte an den Oberdonaukreis ab. Kreisunmittelbare Städte: München, Landshut Landgerichte: Aichach (ab 1810), Brannenburg (Herrschaftsgericht, ab 1814), Dachau, Ebersberg (ab 1812) Erding, Freising, Friedberg (ab 1810), Landsberg (ab 1810), Landshut, Miesbach, Moosburg, Mühldorf (ab 1810), München, Neubeuern (Herrschaftsgericht, ab 1813), Pfaffenhofen, Prien (Herrschaftsgericht, ab 1813), Rosenheim (ab 1810), Schrobenhausen (ab 1810), Schwaben (bis 1812) Starnberg, Tegernsee (Herrschaftsgericht des General-Postdirektors Freiherr von Drechsel, ab 1814), Tölz, Trostberg (ab 1810), Vilsbiburg (ab 1810), Wasserburg (ab 1810), Weilheim, Werdenfels (bis 1810 und ab 1814), Wolfratshausen Lechkreis (bis 1810): Der Lechkreis mit der Hauptstadt Augsburg umfasste 13 Landgerichte und seit 1809 die kreisunmittelbaren Städte Augsburg und Memmingen. Bereits 1810 wurde der Lechkreis aufgelöst. Seine Landgerichte wurden auf den Iller-, Isar- und Oberdonaukreis aufgeteilt. Kreisunmittelbare Städte: Augsburg, Memmingen Landgerichte: Aichach, Buchloe, Friedberg, Göggingen, Kaufbeuren, Landsberg, Mindelheim, Ottobeuren, Schrobenhausen, Schwabmünchen, Türkheim, Ursberg, Zusmarshausen Mainkreis: Der Mainkreis mit der Hauptstadt Bamberg umfasste zunächst 18 Landgerichte und seit 1809 die kreisunmittelbaren Städte Bamberg und Schweinfurt. 1810 wurde er erheblich vergrößert. 1812 wurde er erneut vergrößert, indem er unter anderem zwölf Landgerichte des Fürstentums Bayreuth erhielt. Kreisstadt wurde dann Bayreuth. Kreisunmittelbare Städte: Bamberg, Bayreuth (ab 1812), Hof (ab 1812), Schweinfurt Landgerichte: Bamberg I, Bamberg II, Banz LG (ab 1813 HG), Bayreuth (ab 1812), Burgebrach, Ebermannstadt (ab 1804), Ebnath (Herrschaftsgericht, ab 1816), Ebrach (1808–1812), Eschenbach (ab 1810), Gefrees (ab 1812), Gleusdorf, Hallstadt, Heinersreuth (Herrschaftsgericht, ab 1816), Höchstadt (1803–1810), Hof (ab 1812), Hollfeld, Kemnath (ab 1810), Kirchenlamitz (ab 1812), Kronach, Kulmbach (ab 1812), Lauenstein, Lichtenfels, Mitwitz (Herrschaftsgericht, ab 1813), Münchberg (ab 1812), Naila (ab 1812), Neustadt an der Waldnaab (ab 1810), Pottenstein (ab 1810), Rehau (ab 1812), Scheßlitz, Schnabelwaid (ab 1812), Schweinfurt (1804–1806), Selb (ab 1812), Seßlach (ab 1812), Stadtsteinach, Tambach (Herrschaftsgericht, ab 1814), Teuschnitz, Tirschenreuth (ab 1810), Waldsassen (ab 1810), Weidenberg (ab 1812), Weismain, Wunsiedel (ab 1812) Naabkreis (bis 1810): Der Naabkreis mit der Hauptstadt Amberg umfasste 12 Landgerichte und seit 1809 die kreisunmittelbare Stadt Amberg. Bereits 1810 wurde er aufgelöst, der nördliche Teil wurde dem Mainkreis, der südliche Teil dem Regenkreis zugeteilt. Kreisunmittelbare Stadt: Amberg Landgerichte: Amberg, Eschenbach, Kastl, Kemnath, Nabburg, Neunburg vorm Wald, Neustadt an der Waldnaab, Pfaffenhofen, Sulzbach, Tirschenreuth, Treswitz, Vohenstrauß, Waldmünchen, Waldsassen Oberdonaukreis: Der Oberdonaukreis mit der Hauptstadt Ulm umfasste zunächst zwölf Landgerichte und seit 1809 die kreisunmittelbaren Städte Ulm und Nördlingen. Dann kamen verschiedene Herrschaftsgerichte dazu, so dass er 1810 erheblich vergrößert wurde. Er gab aber auch Gebiete an den Illerkreis und an Württemberg ab. Sitz des Generalkreiskommissariats wurde 1810 Eichstätt (ab 1817 dann Augsburg). Kreisunmittelbare Städte: Augsburg (ab 1810), Donauwörth (ab 1810), Eichstätt (ab 1810), Ingolstadt (ab 1810), Neuburg an der Donau (ab 1810), Nördlingen, Ulm (bis 1810)