mini|Mützenabzeichen der Gebirgstruppe der Bundeswehr Die deutsche Gebirgstruppe ist der speziell für den Kampf in schwierigem Gelände und unter extremen klimatischen Bedingungen ausgebildete und ausgerüstete Teil deutscher Streitkräfte.
Das Deutsche Alpenkorps des deutschen Heeres war der erste größere Verband der deutschen Gebirgstruppe. Das 1915 nach österreichisch-ungarischem Vorbild aufgestellte Alpenkorps wurde im Ersten Weltkrieg vorrangig im Alpenraum zur Unterstützung der k.k. Gebirgstruppe und auf dem Balkan eingesetzt. Auch die Reichswehr, Wehrmacht und Waffen-SS stellten Gebirgstruppen auf. Die Gebirgstruppe zeichnete sich im Zweiten Weltkrieg meist durch eine hohe militärische Effektivität aus. Ihr Einsatzgebiet reichte von der subpolaren Tundra (Finnland, Norwegen) bis zum tunesischen Bergland. Einige Truppenteile verübten dabei eine Reihe von Kriegsverbrechen, wie u. a. das Massaker auf Kefalonia. Der Traditionspflege der Gebirgstruppe wird in diesem Zusammenhang eine fehlende Distanz zur eigenen Rolle im Dritten Reich vorgeworfen, was diese aufgrund ihres Statuts und ihrer gelebten internationalen Aktivitäten zur Versöhnung entschieden zurückweist.
Heute bildet im Heer der Bundeswehr die Gebirgsjägerbrigade 23 den Kern der deutschen Gebirgstruppe. Die Gebirgstruppe wird auch bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr herangezogen, so z. B. im Kosovo, in Afghanistan und in Mali.
Gebirgsschützen in Bayern Als Vorläufer können die bayerischen Gebirgsschützen angesehen werden. Um die bayerische Südgrenze vor österreichischen Übergriffen zu schützen, wurde 1805 ein Gebirgsschützen-Korps aufgestellt, dessen Vorgeschichte bis 1492 zurückreicht. 1869 wurden die Gebirgsschützen als staatliche Einrichtung der Armee aufgelöst, bestanden aber teilweise als private Traditionsverbände fort. Einen direkten Übergang von diesen Ur-Gebirgstruppen zu den modernen Gebirgstruppen wie in Österreich gab es im Deutschen Reich nicht.
Ihre Tradition wird heute von zivilen Vereinigungen weitergeführt. Sie spielen in ihren Heimatregionen eine große Rolle für das kulturelle Selbstverständnis und pflegen gewisse militärische Bräuche, sind aber kein Bestandteil regulärer Streitkräfte mehr, obwohl sie durchaus Verbindungen zu den in den jeweiligen Regionen stationierten Truppenteilen pflegen.
Gebirgstruppe der Armee des Deutschen Reiches
1892 wurde bei den Jäger-Bataillonen Nr. 8 in Schlettstadt und Nr. 10 in Goslar Skiausbildung durchgeführt. Eigene Schneeschuhtruppen stellte man erst auf, nachdem man zu Beginn des Ersten Weltkrieges in den Vogesen auf französische Chasseurs alpins traf. Am 21. November 1914 trat in München das Bayerische Schneeschuhbataillon Nr. 1 zusammen. Kurz darauf folgten die Württembergische Schneeschuhkompanie Nr. 1 sowie die Preußischen Schneeschuhbataillone Nr. 2 und Nr. 3.
Im Mai 1915 wurde das Deutsche Alpenkorps unter dem Kommando von Generalleutnant Konrad Krafft von Dellmensingen, der als Gründungsvater der deutschen Gebirgstruppen gilt, zu dem Zweck aufgestellt, Österreich-Ungarn bei der Verteidigung seiner bedrohten Grenze zu Italien zu unterstützen.
Es bestand aus der 1. bayerischen Jägerbrigade und der 2. Jägerbrigade, zu der auch die Schneeschuhbataillone gehörten. Hinzu traten noch Korpstruppen. Das Alpenkorps musste zunächst seine Soldaten auf schwierige Aufgaben vorbereiten: eine teils hochalpine Front und ein zahlenmäßig überlegener Gegner, der mit den Alpini über eine sehr gut ausgebildete Gebirgstruppe verfügte. Es wurde eine Verteidigungslinie mit zugehöriger Infrastruktur aufgebaut. Wertvolle Erfahrungen im Gebirgskampf konnten gesammelt werden, und das Alpenkorps wurde allmählich zu einer gefestigten Truppe. Die Gefechtstätigkeit selbst war eher gering, das Alpenkorps diente primär dazu, dem Verbündeten den Rücken zu stärken. Ohne die Mitwirkung des Deutschen Alpenkorps wäre jedoch ein italienischer Durchbruch im Dolomiten-Raum möglich gewesen.
Als das Deutsche Alpenkorps Mitte Oktober 1915 von der inzwischen gefestigten Tiroler Front zum Einsatz nach Serbien abrückte, wurde ihm das Edelweiß-Abzeichen der österreichischen Gebirgstruppe durch den Kommandierenden General der österreichischen Südwestfront, Erzherzog Eugen, im Hotel Elefant in Brixen als Anerkennung seiner Leistung zur Abwehr der italienischen Offensiven im österreichisch-ungarischen Alpenraum zuerkannt. Seitdem tragen Angehörige aller deutschen Gebirgstruppen dieses Emblem an der Mütze, allerdings anders als in Österreich mit dem Stiel nach vorne.
Ab 1916 war das Alpenkorps in der Schlacht um Verdun eingesetzt, 1916/17 kämpfte es in Siebenbürgen und Rumänien. Im Herbst 1917 wurde es während der Zwölften Isonzoschlacht wieder an der Adriafront eingesetzt, im Jahre 1918 in Flandern und an der Somme. Bei Kriegsende stand das Alpenkorps in Mazedonien.
Gebirgstruppe der Reichswehr Der Friedensvertrag von Versailles begrenzte die Stärke des Heeres der neuen deutschen Reichswehr auf 100.000 Mann. Trotz dieser geringen Stärke wollte man auf die sich im Ersten Weltkrieg bewährten Gebirgstruppen nicht verzichten. Der Versailler Vertrag verbot allerdings auch, Gebirgstruppen zu unterhalten. Dennoch wurde bei jeder Division ein Jägerbataillon aufgestellt und mit Gebirgsausrüstung versehen. Im Juli 1925 ist ein Teil dieser Bataillone als Gebirgstruppe mit Hochgebirgsausrüstung ausgestattet worden, ein anderer Teil erhielt eine Sonderausrüstung für Mittelgebirge.
Gebirgstruppe der Wehrmacht mini|Rekrutenangelobung beim Gebirgsjäger-Regiment 138 (3. Gebirgs-Division) in der Turba-Kaserne in Pinkafeld am 31. Mai 1939. mini|hochkant|Gebirgsjäger der Wehrmacht mit Narvikschild am Ärmel mini|Unteroffizier der Gebirgsjäger mit Infanterie-Sturmabzeichen, Eisernem Kreuz beider Klassen und Verwundetenabzeichen. Januar 1943. mini|Gebirgsjägermütze Formationsgeschichte Am 16. März 1935 wurden in Deutschland im Rahmen der Kriegsvorbereitungen die Rüstungsbeschränkungen des Versailler Vertrags für gegenstandslos erklärt und das „Gesetz über den Aufbau der Wehrmacht“ erlassen. Die Wehrpflicht wurde wieder eingeführt und die bestehende Reichswehr in Wehrmacht umbenannt. Die Aufstellung von 36 Heeresdivisionen war geplant. Aus den vorhandenen wenigen Gebirgseinheiten entstand zunächst eine Gebirgsbrigade, die durch Neuaufstellungen bis zum Spätherbst 1937 zur 1. Gebirgs-Division aufwuchs. Die Annexion Österreichs („Anschluss“) im März 1938 brachte eine Verstärkung durch die Gebirgstruppen des ehemaligen Bundesheeres, die bei Aufstellung der 2. und 3. Division als deren Kerntruppen verwendet wurden. Insgesamt stellte die Wehrmacht über elf Gebirgs-Divisionen auf: 1. Gebirgs-Division 2. Gebirgs-Division 3. Gebirgs-Division 4. Gebirgs-Division 5. Gebirgs-Division 6. Gebirgs-Division 7. Gebirgs-Division 8. Gebirgs-Division 9. Gebirgs-Division, vormals 9. Gebirgs-Division (Ost) 10. Gebirgs-Division vormals 9. Gebirgs-Division (Nord) 188. Gebirgs-Division vormals 188. Reserve-Gebirgs-Division Hinzu kamen die 1. Ski-Jäger-Division und einige außerhalb der Gebirgs-Divisionen verwendete Gebirgstruppenteile.
Übergeordnete Großverbände (20. Gebirgs-Armee, XV., XVIII., XIX., XXI., XXII., XXXVI., XXXXIX. und LI. Gebirgs-Armeekorps, Gebirgs-Korps Norwegen) konnten auch ganz oder teilweise aus Nicht-Gebirgstruppen bestehen.
Einsätze mini|Gebirgsjäger auf einem Flugfeld warten auf den Transport mit Ju 52 nach Kreta mini|Gebirgssanitäter der Gebirgstruppe 1940 Die Gebirgstruppe kämpfte nicht nur im Gebirge (z. B. Kaukasus, Karpaten, Alpen, Apennin), sondern auch in unwegsamen Gebieten wie in ausgedehnten Wald- und Sumpfgebieten (z. B in Russland) und unter arktischen Klimabedingungen (z. B. Nord-Norwegen und Nord-Finnland). Sie wurde auch nach Luftanlandung als Verstärkungskräfte der Fallschirmjäger eingesetzt, so in Norwegen und auf Kreta. Weitere Kampfräume waren in Polen, Frankreich, Italien, auf dem Balkan und in Nordafrika (Tunesien).
Auch bei Seelandeunternehmen wie der Invasion in Norwegen und Dänemark am 9. April 1940 sowie als luftbeweglich gemachte Kräfte bei der Einnahme von Narvik fand die Gebirgstruppe als lufttransportfähige leichte Infanterie Verwendung. Im Rahmen der Invasion Norwegens konnten während der Schlacht um Narvik 2000 Gebirgsjäger (zusammen mit weiteren 2000 Matrosen von versenkten Kriegsschiffen) das bergige Gelände um die Stadt gegen eine Übermacht von 24.500 alliierten Soldaten halten, um die strategisch wichtige Erzbahn zu sichern. Ab Juni 1941 waren Gebirgsjäger auch in der arktischen Tundra im äußersten Nordosten Norwegens und Finnlands gegen sowjetische Truppen im Einsatz. Die deutschen Gebirgstruppen wurden hierbei von der finnischen Armee unterstützt, die ihrerseits ausgezeichnete erfahrene Skijäger stellte.
Bei der Eroberung Kretas im Rahmen der Operation Merkur Ende Mai 1941 unterstützten Gebirgsjäger die Fallschirmjäger, die die Hauptlast des Angriffs zu tragen hatten. 2300 Gebirgsjäger wurden per Schiff nach Kreta gebracht, wobei ein Schiff von der britischen Flotte versenkt wurde und 300 Mann dabei den Tod fanden. Weitere 4000 Gebirgsjäger wurden nach Kreta eingeflogen (meist mit Ju 52-Maschinen), oft unter direktem Beschuss bei Landung, Ausstieg, Deckungssuche und Stellungsbezug. In dem gebirgigen Kreta konnten sich die leicht bewaffneten Gebirgsjäger schnell bewegen und erfolgreich die englischen, australischen, neuseeländischen und griechischen Verbände bezwingen. Die Insel konnte trotz alliierter Übermacht binnen zwölf Tagen erobert werden.
Im Rahmen der zweiten Sommeroffensive ("Unternehmen Blau") 1942 gegen die Sowjetunion rückten deutsche Gebirgstruppen auch in den Kaukasus vor. In den unzähligen Tälern und Schluchten dieses Gebirges wurden sie hierbei stellenweise von dort einheimischen Bergvölkern wie den Karatschaiern unterstützt. Die Gebirgsjäger nahmen die wichtigsten Passübergänge des Kaukasus ein, wobei es mitunter auch zu Kämpfen gegen sowjetische Soldaten kam. So konnte in den Karakara-Bergen um den Maruch-Pass (2748 m) eine sowjetische Brigade durch einen Überraschungsangriff aufgerieben werden. Maßgeblichen Anteil daran hatte der bekannte Himalaya-Bergsteiger und Gebirgsjäger-Offizier Paul Bauer. Auch wurde der Gipfel des Elbrus (5642 m) von einem Hochgebirgstrupp bestiegen.
Die beiden südlichsten Punkte des deutschen Vormarsches im Osten überhaupt wurden von Gebirgsjägern erreicht: zum einen der Kluchor-Pass (2781 m) direkt an der georgischen Grenze und zum anderen der Gudauta-Pass südlich der Ortschaft Pschu, bereits weit in Georgien gelegen.
Da in den von Deutschland besetzten Ländern Europas unwegsame Bergregionen das bevorzugte Operationsgebiet von Partisanen waren, wurde die Gebirgstruppe auch zur Partisanenbekämpfung eingesetzt (insbesondere auf dem Balkan).
Nationalsozialistische Propaganda Die Erfolge der Gebirgstruppe wurden vom NS-Regime bzw. der nationalsozialistischen Propaganda genutzt und zuweilen überbewertet oder übertrieben. So wurde Generaloberst Eduard Dietl (NSDAP-Mitglied seit 1921) von Propagandaminister Joseph Goebbels zum „Helden von Narvik“ stilisiert.
Der Major der Gebirgstruppe Albert Hohenester schuf propagandistische Karikaturen und Gemälde aus dem Alltag seiner Truppe.
Propagandistisch wurde von der damaligen Presse auch die Gipfelbesteigung am 21. August 1942 von Hochgebirgsjägern der „gemischten Elbruskompanie“ des Westgipfels des Elbrus – mit 5642 m der höchste Berg des Kaukasus- genutzt, die dort die Hakenkreuzfahne hissten, nachdem sie zuvor das in 4200 Meter Höhe gelegene Elbrus-Haus mit 80 Mann sowjetischer Besatzung erobert hatten.
Der am 15. März 1944 eingerichtete NS-Führungsstab des Heeres beim Oberkommando des Heeres stand mit Ferdinand Schörner bzw. ab 15. Mai 1944 mit Georg von Hengl unter dem Kommando eines Generals der Gebirgstruppe.
Kriegsverbrechen mini|Gebirgsjäger durchqueren während des Zweiten Weltkriegs einen Fluss an der albanisch-serbischen Grenze, Juli 1944