U 99 war ein deutsches U-Boot vom Typ VII B, das im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Kriegsmarine eingesetzt wurde. Auf seinen acht Feindfahrten mit diesem Boot versenkte Kommandant Otto Kretschmer 38 Schiffe mit knapp einer Viertelmillion BRT. Damit gilt sein Boot nach U 48 als eines der erfolgreichsten Boote des Zweiten Weltkrieges. Mindestens 600 Menschen starben infolge der Kampfhandlungen. Am 17. März 1941 wurde das durch zwei britische Zerstörer schwer beschädigte U-Boot im Nordatlantik selbstversenkt. Von den 43 Besatzungsmitgliedern starben drei, während 40 überlebten und in britische Kriegsgefangenschaft gerieten.

Geschichte Der Auftrag für das Boot wurde am 15. Dezember 1937 an die Germaniawerft in Kiel vergeben. Der Bauauftrag umfasste vier Boote, bei denen es sich eigentlich um U 69 bis U 72 handelte, die aber bei Kriegsbeginn während des Baus neue Nummern erhielten, mit dem Ziel, den Gegner zu irritieren.Das eigentliche U 69 wurde ebenfalls auf der Kieler Germaniawerft gebaut und im November 1940 in Dienst gestellt. Die Kiellegung erfolgte am 31. März 1939 und der Stapellauf am 12. März 1940. Am 18. April 1940 wurde U 99 in Dienst gestellt.Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6, Seite 30 und Seite 342 Erster und einziger Kommandant war Kapitänleutnant Otto Kretschmer. Das Boot gehörte bis zum 30. Juni 1940 als Ausbildungsboot zur 7. U-Flottille in Kiel. Ab dem 1. Juli 1940 war es bis zu seiner Versenkung am 17. März 1941 als Frontboot bei der 7. U-Flottille in St. Nazaire. Wie die meisten U-Boote seiner Zeit, führte auch U 99 ein bootsspezifisches Zeichen am Turm, das zudem von der Besatzung als Emblem an Mützen und Schiffchen getragen wurde. Das Zeichen des Bootes war ein goldenes nach unten geöffnetes Hufeisen, das sich an beiden Seiten des Turms befand. Die Besatzung hatte sich für dieses Symbol entschieden, da zwei Hufeisen am Anker hängengeblieben waren, als das Boot nach verlassen der Germaniawerft in der Kieler Hörn geankert hatte.Georg Högel: Embleme, Wappen, Malings deutscher U-Boote 1939–1945. 5. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7822-1002-7, Seite 55

Einsatz und Geschichte U 99 absolvierte während seiner Dienstzeit acht Unternehmungen, auf denen 38 Schiffe mit insgesamt 244.749 BRT versenkt sowie fünf Schiffe mit 37.965 BRT beschädigt wurden. Ein weiteres Schiff mit 2.136 BRT wurde als Prise aufgebracht. Damit gehörte U 99 zu den erfolgreichsten U-Booten des Zweiten Weltkrieges. Kretschmers besondere Taktik beim Angriff auf Geleitzüge basierte darauf, mit dem Boot inmitten des Konvois zu operieren und einzelne Schiffe zu torpedieren.Melanie Wiggins, Davongekommen. Schicksale deutscher U-Boot-Fahrer im Zweiten Weltkrieg, E. S. Mittler & Sohn, in Lizenz Weltbild, Augsburg 2009, ISBN 978 3 8289 0907 6, Seite 36–45 Allerdings wurden sämtliche Erfolge von U 99 in der so genannten „Glücklichen Zeit“ des U-Boot-Krieges erzielt, als die alliierten Abwehrmaßnahmen noch nicht vollständig entwickelt waren. Der Kommandant, Otto Kretschmer, wurde für diese Erfolge zum Korvettenkapitän befördert und mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern ausgezeichnet.

Erste Unternehmung Das Boot lief am 18. Juni 1940 um 17.30 Uhr von Kiel aus und lief am 25. Juni 1940 um 5.20 Uhr in Wilhelmshaven ein.Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 2: Der U-Boot-Bau auf deutschen Werften. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg u. a. 1997, ISBN 3-8132-0512-6, Seite 445–446 Auf dieser sieben Tage dauernden und zirka 750 sm über und 130 sm unter Wasser langen Unternehmung in die Nordsee, dem Kattegat und dem Skagerrak, wurden keine Schiffe versenkt oder beschädigt.

Zweite Unternehmung Das Boot lief am 27. Juni 1940 um 8.30 Uhr von Wilhelmshaven aus und lief am 21. Juli 1940 um 9.08 Uhr in Lorient ein. Auf dieser 24 Tage dauernden und zirka 3.900 sm über und 159 sm unter Wasser langen Unternehmung in den Nordatlantik, der Biscaya und südlich sowie südwestlich von Irland, wurden sechs Schiffe mit 20.583 BRT versenkt und eine Prise mit 2.136 BRT eingebracht.Rainer Busch, Hans-Joachim Röll: Der U-Boot-Krieg 1939–1945. Band 3: Die deutschen U-Boot-Erfolge von September 1939 bis Mai 1945. E. S. Mittler und Sohn, Hamburg/Berlin/Bonn 2008, ISBN 3-8132-0513-4, Sete 85–87

5. Juli 1940: Versenkung des kanadischen Dampfers Magog () mit 2.053 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo und Artillerie versenkt. Er hatte 512 t Holz geladen und war auf dem Weg von Halifax nach Preston und war ein Nachzügler des Konvois HX-52 mit 29 Schiffen. Es gab keine Verluste, 23 Überlebende. 8. Juli 1940: Versenkung des britischen Dampfers Sea Glory mit 1.964 BRT. Der Dampfer wurde durch zwei Torpedos versenkt. Er hatte Kaolin geladen und war auf dem Weg von Fowey nach Philadelphia. Alle 29 Besatzungsmitglieder starben. 7. Juli 1940: Versenkung des schwedischen Dampfers Bissen () mit 1.514 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte Grubenholz und Papierbrei geladen und befand sich auf dem Weg von Saint John nach Ridham. Es gab keine Verluste. 8. Juli 1940: Versenkung des britischen Dampfers Humber Arm () mit 5.758 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte 1.000 t Stahl, 5.450 t Zeitungspapier, 300 t Holz sowie 450 t Papierbrei geladen und war auf dem Weg von Corner Brook über Halifax nach Ellesmere Port. Das Schiff gehörte zum Konvoi HX-53 mit 44 Schiffen. Es gab keine Verluste, 43 Überlebende. 12. Juli 1940: Versenkung des griechischen Dampfers Ia () mit 4.860 BRT. Der Dampfer wurde durch zwei Torpedos versenkt. Er hatte 6.666 t Weizen sowie 750 Säcke Kleie geladen und befand sich auf dem Weg von Rosario nach Cork. Es gab drei Tote und 27 Überlebende. 12. Juli 1940: Einbringung der estnischen Prise Merisaar mit 2.136 BRT. Das Schiff war auf dem Weg von New Orleans zum River Clyde.

Ein bemerkenswertes Ereignis, während der zweiten Fahrt des Bootes, war die Kaperung des estnischen Frachtschiffes Merisaar, welches Kretschmer zunächst nach Prisenrecht versenken wollte. Als zwei Torpedos versagten oder fehlgingen, befahl Kretschmer der Besatzung des Frachters, zurück an Bord zu gehen und den besetzten Hafen von Bordeaux anzulaufen. Unglücklicherweise wurde die Merisaar unterwegs von einem deutschen Flugzeug versenkt.

18. Juli 1940: Versenkung des britischen Dampfers Woodbury () mit 4.434 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte 3.000 t Dosenfleisch, 2.500 t Weizen sowie 2.500 t Stückgut geladen und war auf dem Weg von Uriburu in Argentinien nach Manchester. Es gab keine Verluste, 35 Überlebende.

Dritte Unternehmung Das Boot lief am 25. Juli 1940 um 20.00 Uhr von Lorient aus, und am 5. August 1940 um 9.24 Uhr wieder dort ein. Auf dieser elftägigen und zirka 2.000 sm über und 93 sm unter Wasser langen Unternehmung in den Nordatlantik, dem Nordkanal und westlich von Irland, wurden vier Schiffe mit 32.345 BRT versenkt und drei Schiffe mit 25.545 BRT beschädigt.

28. Juli 1940: Versenkung des britischen Motorschiffes Auckland Star () mit 13.212 BRT. Das Schiff wurde durch drei Torpedos versenkt. Es hatte 10.700 t Stückgut inklusive Stahl, Kühlwaren, Weizen, Felle sowie Blei geladen und war auf dem Weg von Townsville über Panama nach Liverpool. Es gab keine Verluste, 74 Überlebende. 29. Juli 1940: Versenkung des britischen Dampfers Clan Menzies () mit 7.336 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte 1.400 t Zinn, 2.000 t Trockenobst sowie 4.000 t Getreide geladen und befand sich auf dem Weg von Sydney und Melbourne über Panama nach Liverpool. Es gab sechs Tote und 88 Überlebende. 31. Juli 1940: Versenkung des britischen Dampfers Jamaica Progress () mit 5.475 BRT. Der Dampfer wurde durch zwei Torpedos versenkt. Er hatte 2.100 t Bananen, 5 t Kokosnüsse, 74 Kisten Zitrusfrüchte sowie vier Passagiere an Bord und war auf dem Weg von Kingston nach Avonmouth. Es gab sieben Tote und 42 Überlebende. 31. Juli 1940: Versenkung des britischen Dampfers Jersey City () mit 6.322 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg von Newport nach Baltimore. Das Schiff gehörte zum Konvoi OB-191 mit 29 Schiffen. Es gab zwei Tote und 43 Überlebende. 2. August 1940: Beschädigung des norwegischen Tankers Strinda mit 10.973 BRT. Der Tanker wurde durch einen Torpedo beschädigt. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg von Glasgow nach Südafrika. Er lief am 7. August 1940 in Greenock ein. Das Schiff gehörte zum Konvoi OB-191. 2. August 1940: Beschädigung des britischen Tankers Lucerna mit 6.556 BRT. Der Tanker wurde durch einen Torpedo beschädigt. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg von Swansea nach Abadan. Er lief am 4. August 1940 in Greenock ein. Das Schiff gehörte zum Konvoi OB-191. 2. August 1940: Beschädigung des britischen Tankers Alexia mit 8.016 BRT. Der Tanker wurde durch einen Torpedo beschädigt. Er fuhr in Ballast und war auf dem Weg von Liverpool nach Curaçao. Das Schiff gehörte zum Konvoi OB-191. mini|Großadmiral Raeder bei der Verleihung von Auszeichnungen an die Besatzung von U 99 (August 1940)

Vierte Unternehmung Das Boot lief am 4. September 1940 um 9.00 Uhr von Lorient aus und lief am 25. September 1940 um 10.09 Uhr wieder dort ein. U 99 hatte auf dieser Fahrt den italienischen U-Boot-Kommandanten Primo Longobardo zum Taktikstudium an Bord. Auf dieser 22 Tage dauernden und zirka 3.600 sm über und 137 sm unter Wasser langen Unternehmung in den Nordatlantik, der Biscaya, dem Nordkanal und westlich von Irland, wurden sieben Schiffe mit 25.925 BRT versenkt.

11. September 1940: Versenkung des britischen Dampfers Albionic mit 2.468 BRT. Das Schiff wurde durch einen Torpedo versenkt. Es hatte 3.500 t Eisenerz geladen und befand sich auf dem Weg von Wabana nach Liverpool. Es war ein Totalverlust mit 25 Toten. 16. September 1940: Versenkung des kanadischen Dampfers Kernordoc mit 1.780 BRT. Der Dampfer wurde durch Artillerie versenkt. Er hatte 2.000 t Bauholz geladen und befand sich auf dem Weg von Québec über Sydney (Nova Scotia) nach Bristol. Das Schiff war ein Nachzügler des Konvois SC-3 mit 47 Schiffen. 16. September 1940: Versenkung des norwegischen Dampfers Lotos mit 1.327 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte 500 Klafter Bauholz geladen und befand sich auf dem Weg von Dalhousie (Chamba Distrikt) nach Belfast. Es gab acht Überlebende. 17. September 1940: Versenkung des britischen Dampfers Crown Arun () mit 2.372 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo und 102 Schuss Artillerie versenkt. Er hatte 2.800 t Grubenholz geladen und befand sich auf dem Weg von Gaspé über Halifax (Nova Scotia) nach Hull. Das Schiff war ein Nachzügler des Konvois HX-71 mit 34 Schiffen. Es gab keine Verluste, 25 Überlebende. 21. September 1940: Versenkung des britischen Dampfers Baron Blythswood mit 3.668 BRT. Der Dampfer wurde durch einen Torpedo versenkt. Er hatte 5.450 t Eisenerz geladen und befand sich auf dem Weg von Wabana (Conception Bay) über Halifax (Nova Scotia) nach Port Talbot. Das Schiff gehörte zum Konvoi HX-72 mit 47 Schiffen. Es gab 35 Tote und einen Überlebenden. 21. September 1940: Versenkung des britischen Tankers Invershannon () mit 9.154 BRT. Der Tanker wurde durch zwei Torpedos versenkt. Er hatte 13.241 t Treibstoff geladen und befand sich auf dem Weg von Curaçao nach Scapa Flow. Das Schiff gehörte zum Konvoi HX-72 mit 47 Schiffen. Es gab 16 Tote und 31 Überlebende. 21. September 1940: Versenkung des britischen Dampfers Elmbank () mit 5.156 BRT. Der Dampfer wurde durch zwei Torpedos versenkt. Er hatte Holz und Metalle geladen und war auf dem Weg von Cowichan (British Columbia) über Panama und Halifax (Nova Scotia) nach Belfast. Das Schiff gehörte zum Konvoi HX-72 mit 47 Schiffen. Es gab zwei Tote und 54 Überlebende.