Die Klosterstraße ist eine der ältesten Berliner Straßen im Ortsteil Mitte und eine bedeutende Querung der historischen Mitte. Der heutige Name geht auf das Graue Kloster, ein ehemaliges Franziskanerkloster, in der Straße zurück, von dem heute nur die Ruine der Klosterkirche erhalten ist. Nach der Straße ist wiederum das Klosterviertel benannt, in dem sich zahlreiche Baudenkmäler befanden, die zum Teil noch erhalten sind.

Lage mini|links|Lage der Klosterstraße im Stadtgrundriss Berlins

Die Klosterstraße ist eine ruhige und etwa 430 Meter lange Querstraße der Grunerstraße. Sie verläuft in einem leichten Bogen nach Süden bis zur Spree, kreuzt dabei die Parochialstraße und die Stralauer Straße und geht bis zum Rolandufer.

Die Klosterstraße begann ursprünglich am Neuen Markt an der Marienkirche. Von dort aus lief sie in einem Bogen südostwärts parallel zur mittelalterlichen Stadtmauer bis zur Stralauer Straße. Das nördliche Ende bildete zunächst eine Sackgasse, die durch die Stadtmauer begrenzt wurde. Nach deren Abriss führte sie bis zur Neuen Friedrichstraße. Die Klosterstraße existiert nur noch auf dem südlichen Abschnitt ihres früheren Verlaufs.

Die Klosterstraße erhielt ihren Namen nach dem 1271 für die Grauen Mönche des Franziskanerordens gegründeten Grauen Kloster, das an dieser Straße lag. Die Straße hatte zuvor mehrere Bezeichnungen: zwischen Stralauer und Sieberstraße Gegen dem Grauen Kloster und Neben dem Grauen Kloster. Zwischen Sieber- und Königstraße als Am Jörgenthore und weiter bis zur Bischofstraße als Am Oderbergeer Thore. Zwischen Papen- und Bischofstraße hieß die zunächst unbebaute Seite Auf dem Neuen Markte, danach dann Gegen bzw. hinter der Marienkirche. Mit der vollständigen Bebauung des Straßenteils hieß die westliche Seite Neben der Kanzlei, nach dem kurfürstlichen Kanzleigebäude, und die Ostseite entsprechend Gegen der Kanzlei. Bis Ende des 18. Jahrhunderts hieß der weitere Teil von Papen- bis Neue Friedrichstraße noch Geckhol, eine Sackgasse die durch die Stadtmauer abgeschlossen war: gedeutet als „Geck halt!“.Hermann Vogt: Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins. Heft XXII, Die Straßen-Namen Berlins, Berlin 1885, S. 24. Verlag des Vereins für die Geschichte Berlins, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin

Geschichte

13.–16. Jahrhundert Die Klosterstraße ist annähernd so alt wie die Stadt Berlin selbst. Sie entstand bei der ersten Stadterweiterung Anfang des 13. Jahrhunderts, als das ursprüngliche Siedlungsgebiet um die Nikolaikirche vergrößert wurde. Der Name Klosterstraße wurde erst im beginnenden 18. Jahrhundert festgelegt.

Bereits im Mittelalter war die spätere Klosterstraße die vornehmste Straße von Alt-Berlin. Neben dem Berliner Sitz der brandenburgischen Markgrafen im Hof Nr. 35 befanden sich hier auch das namensgebende Franziskanerkloster sowie für kurze Zeit die Residenz der brandenburgischen Kurfürsten, genannt das Hohe Haus. Bemerkenswert, aber kaum bekannt ist, dass es am heutigen Standort des Gerichtsgebäudes zuerst ein Amphitheater nach alt-römischem Vorbild gegeben hat. Kurfürst Friedrich III. hatte 1693 den Baumeister Johann Arnold Nering mit dem Bau eines Hetzgartens beauftragt. Nehring ließ eine Arena mit einem auf der Westseite platzierten zweigeschossigen Halbring mit Pavillons darauf errichten. Dazu kam eine verdeckte Säulengalerie für die interessierte Hofgesellschaft. Die östliche Seite bot einfache nicht überdachte Sitzgelegenheiten für das Volk. Das Erdgeschoss des Ringgebäudes diente zur Unterbringung für die Wildtiere, die bei den Schaukämpfen eingesetzt wurden wie Bären, Wölfe, Füchse, Wild- und Stachelschweine sowie Löwen. Im selben Haus hielt man auch die lebende Nahrung dieser Tiere, also Rehe, Hirsche, Schafe. Die Herrscher ließen hier „Lustkampfjagden“ vor großem Publikum veranstalten, wozu alle tierischen Kämpfe genutzt wurden: Hunde zerrissen Rotwild, Büffel spießten Bären auf, Wölfe mussten sich gegen eine Hundemeute verteidigen – die Hauptsache war, dass es ordentlich blutig zuging. Ein Zeitgenosse vermerkte dazu: „Diese Lust dauerte von ein Uhr mittags bis fünf Uhr abends“. Als Friedrich verstorben war, wurde die Tierkampfarena schnell aufgelöst, weil sie hohe Kosten verursachte, viel Personal und große Mengen Frischfleisch benötigte. Die Hofadligen bekamen die Tiere geschenkt und verwendeten sie häufig anschließend zu ihrem eigenen ähnlichen Vergnügen.Winfried Löschburg: Ein Amphitheater in der Klosterstraße. Lustkampfjagden, Ringelstechen und andere feudale Vergnügen. In: Berliner Zeitung, 5. April 1983; aus der Reihe Spaziergänge durch die Berliner Geschichte Das später umgebaute Gebäude diente bis zu seinem Abriss 1776 als Kadettenanstalt.

17. Jahrhundert bis 1945 Später, im 17. und 18. Jahrhundert, entstanden dann vor allem zwei- bis dreigeschossige Bürgerhäuser in der Straße. Das Palais Podewils war eines von ihnen und fällt durch seine bemerkenswerte Architektur auf, die nach den Kriegszerstörungen des Zweiten Weltkriegs wiederhergestellt wurde. Aus der gleichen Zeit stammt die Parochialkirche, ein barockes Gotteshaus, das vor allem durch sein aus 37 Glocken bestehendes Glockenspiel bekannt war. mini|Klosterstraße mit Parochialkirche.Eduard Gaertner, 1828 Um 1690 wurden zunächst mehrere Straßenabschnitte unter dem Namen Klostergasse zusammengefasst, die Abschnitte umfassten dabei meist nur einen Block oder eine Straßenseite. Folgende Straßenabschnitte bildeten die Klostergasse:

Gegenüber dem Grauen Kloster (zwischen Stralauer und Sieberstraße – heute: etwa Verlauf der Grunerstraße –, gegenüberliegende Straßenseite vom Kloster) Neben dem Grauen Kloster (zwischen Stralauer und Sieberstraße, Straßenseite vom Kloster) Am Jörgenthore (Georgenthor) (zwischen Sieber- und Rathausstraße) Am Oderberger Tor (zwischen Rathaus- und Bischofstraße) Neben der Kanzlei (zwischen Bischof- und Papenstraße, westliche Straßenseite; von der kurfürstlichen Kanzlei) Gegen der Kanzlei (zwischen Bischof- und Papenstraße, gegenüberliegende Straßenseite von der kurfürstlichen Kanzlei) Geckhof (Bezeichnung eines Abschnitts, der zu einem nachts verschlossenen und bewachten Turm gehörte; Fremde wurden mit dem Zuruf „Geck hol“ bzw. „Geck halt“ vor dem Betreten gewarnt)Klosterstraße, Reihe Berliner ABC in der Berliner Zeitung, um 1971 (Datum auf dem vorliegenden Zeitungsausschnitt nicht vermerkt)

Etwa zehn Jahre später wurde die Klostergasse in Klosterstraße umbenannt, um der Bedeutung der Straße gerecht zu werden. Später wurde der Klosterstraße noch das kurze Stück nördlich des Neuen Marktes zugeschlagen. Dieser Abschnitt trug zuvor den Namen Geckhol. ‚Geckhol‘ (Geck halt) war in vielen Städten eine Bezeichnung für Sackgassen und sollte den Passanten davor warnen, die Straße unnütz zu betreten. Nach 1935 wurde die Klosterstraße schließlich im Zuge großflächiger Abrisse am Spreeufer und des Baus des heutigen Sitzes der Berliner Finanzverwaltung im Süden bis zur Spree verlängert.

mini|links|Klosterstraße.Eduard Gaertner, 1830, Öl auf Leinwand, 32 cm × 44 cm, Nationalgalerie Berlin

Seit 1945 Bei den alliierten Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde das Umfeld der Straße stark verwüstet. Die Klosterkirche als eines der bedeutenden Gebäude in der Straße wurde beinahe vollständig zerstört.

Nach Kriegsende blieb das Gelände, abgesehen von Beräumungen von kriegszerstörten Gebäuden, vorerst in seinem Zustand erhalten. In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wurde im Zuge der groß angelegten Bauarbeiten zur Umgestaltung des Alexanderplatzes und seines Umfeldes die Bebauung nördlich der Rathausstraße (ehemalige Königstraße) beseitigt; auf der großen entstandenen Freifläche wurde bis 1969 der Berliner Fernsehturm gebaut. Die Grunerstraße wurde nach Süden verlegt, verbreitert und als große Verkehrsschneise über die Klosterstraße hinaus bis zum Molkenmarkt verlängert, wodurch ein Teil des Klosterviertels verlorenging. Die Klosterstraße wurde bis zur Grunerstraße zurückgezogen, der abgetrennte Teil der Straße wurde durch die Rathauspassagen zugebaut. Dabei wurde die Straße in ihrer Länge um mehr als die Hälfte reduziert.

Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat 2019 damit begonnen, die Grunerstraße wieder nach Norden zu verlegen und die entstehenden Flächen entsprechend dem alten Straßenraster neu zu bebauen (Projekt Molkenmarkt).

Historische Gebäude

Hohes Haus mini|Entdeckung und Abbruch des Hohen Hauses in der Klosterstraße im Mai 1931

Das Hohe Haus, das auf dem Gelände der späteren Hausnummer 76 stand, hat seinen Namen daher, dass hier die höchsten Personen residierten, die Markgrafen und später auch die ersten Kurfürsten von Brandenburg. Letztere zogen später in das wesentlich größere neu erbaute Stadtschloss.

Das Haus entstand etwa gleichzeitig mit der Klosterstraße in der Mitte des 13. Jahrhunderts, vollendet wurde es jedoch erst um 1315. Sein Ursprung liegt wahrscheinlich vor der ersten Stadterweiterung. Das Gebäude soll einen rechteckigen Grundriss mit den Maßen 19,70 m × 17,50 m bei einer Höhe von knapp 10,50 m besessen haben. Trotz der Höhe hatte das Haus lediglich zwei Etagen, was einer Deckenhöhe von über fünf Metern pro Geschoss entsprach. Unter dem Gebäude befand sich zudem noch ein Kellergeschoss, das eine Einfahrt für kleinere Wagen besaß. An das Haus schloss sich ein Garten an.

Im Jahr 1451 verlieh der Kurfürst Friedrich II. seinem Geheimen Rat Ritter Jürg von Waldenfels, 1471 dem Geheimen Rat Ritter Nickel von Pfuel das Burglehen über seine ehemalige Residenz, mit der Verpflichtung, den Kurfürsten bei Gefahr zu verteidigen und bei seiner Abwesenheit das neu erbaute Stadtschloss zu verwalten. Anfang des 17. Jahrhunderts war das Hohe Haus baufällig geworden und wurde durch einen Neubau überformt. Dieser war zunächst die Residenz des Gouverneurs von Berlin, anschließend war er Waisenhaus, Ritterakademie und ab 1713 Wolllager und Wollmanufaktur. Nachdem die Manufaktur auszog, diente das Gebäude verschiedenen preußischen Behörden als Unterkunft. Ab 1819 nutzte es der Bildhauer Christian Daniel Rauch als Atelier. 1874 zog hier das Geheime Preußische Staatsarchiv ein, anschließend wurde es ab 1924 wieder ein Lager.

Das Gelände ging 1931 an den Wertheim-Konzern, der im gleichen Jahr das Gebäude abreißen ließ, um einen Anbau für sein Haus am Alexanderplatz zu errichten, der die Hausnummer 75 trug. Dabei wurden die Reste (u. a. ein gotisches Portal) des Hohen Hauses wiederentdeckt, die später im Märkischen Museum aufgestellt wurden. Der Wertheim-Bau diente in der DDR-Zeit bis zur Neubebauung des Areals um den Alexanderplatz als Daniel Rauch-Museum.

Ruine der Klosterkirche mini|Ruine der Klosterkirche

An der Ecke Grunerstraße steht die Ruine der ehemaligen Franziskaner-Klosterkirche von Berlin. Das Graue Kloster der Franziskaner (oder Grauen Brüder, nach der Farbe ihres Ordenshabits), 1249 entstanden, besaß um 1250 eine erste eigene Klosterkirche aus Feldsteinen, deren Mauern in der Nordwand der Kirchenruine noch teilweise erhalten sind. Etwa 50 Jahre später wurde die Kirche zu einer dreischiffigen Backsteinbasilika ausgebaut. Neben der eigentlichen gottesdienstlichen Nutzung fanden unter dem Mittelschiff auch die Askanier ihre letzte Ruhestätte. Bis 1519, kurz bevor die Reformation in Berlin Einzug hielt, wurde das Gelände noch mehrmals erweitert, so um den Kreuzgang, das Kapitelhaus und das Langhaus. 1539 wurde das Kloster infolge der Reformation geschlossen, der letzte Klosterbruder verstarb 1571.