mini|„Hans Maikowsky“, Gemälde von Robert Balcke (1933) nach einer Fotografie von Maikowski bei einer Geländeübung bei Lehnin im Oktober 1932. Der nicht korrekt gemalte Gegenstand in Maikowskis Händen lässt sich anhand der Fotografie als Fernglas identifizieren, vor der dazugehörigen Umhängetasche.

Hans Maikowski (* 23. Februar 1908 in CharlottenburgGeburtsurkunde Nr. 395/1908 StA Charlottenburg II als Hans Eberhard Maikowsky; † 31. Januar 1933 in BerlinTotenschein im Landesarchiv Berlin, A Rep. 358-01 Nr. 7086), auch Hanne Maiko genannt, war ein führender Angehöriger der Sturmabteilung (SA), der paramilitärischen Kampforganisation der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).

Maikowski war maßgeblich an schweren Straßenschlachten zwischen Anhängern der Kommunisten und Nationalsozialisten beteiligt, welche die Endphase der Weimarer Republik prägten. Seit Anfang 1931 war Maikowski der Führer des berüchtigten SA-Sturms 33 in Berlin-Charlottenburg. 1933 wurde Maikowski in der Nacht nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler, der sogenannten Machtergreifung, bei einem Provokationsmarsch durch ein Charlottenburger Arbeiterviertel erschossen. Von der nationalsozialistischen Propaganda wurde Maikowski daraufhin als „Horst Wessel des Berliner Westens“ zum „Blutopfer und Märtyrer“ (sogenannter Blutzeuge) des NS-Staates hochstilisiert, obwohl staatlichen Stellen durch Augenzeugenberichte von Angehörigen des SA-Sturmes 33 kurz danach bekannt wurde, dass Maikowski von einem seiner eigenen Leute getötet wurde. Aufgrund von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin in den 1960er Jahren und Forschungen im Zusammenhang mit den Entschädigungsforderungen der Hohenzollern aus dem Jahr 2019, kann als erwiesen gelten, dass Maikowski vom SA-Angehörigen Alfred Buske (1912–1934) gezielt getötet wurde, was vermutlich im Auftrag des damaligen Berliner Gauleiters Joseph Goebbels geschah.

Leben Herkunft und Ausbildung Maikowski wurde in der Charlottenburger Wohnung seiner Eltern in der Guerickestraße in eine gutbürgerlichen Familie geboren. Über seinen vermeintlich früh verstorbenen Vater, den Kaufmann Max Robert Hellmuth Maikowsky (* 24. Juli 1873 in Friedrichsfelde bei Berlin), hatte Maikowski russisch-polnische Vorfahren. Seine Mutter, die Erzieherin Marie Augustine Maikowsky, geb. Anthonnet (* 23. Juni 1873 in Vevey, Schweiz), entstammte einer französisch-schweizerischen Hugenottenfamilie. Bekannt ist sein Bruder René Maikowski (* 11. März 1900 in Berlin als Curt Helmuth René Maikowsky – 25. Januar 1992 in Oyten), der durch Maikowski zur Anthroposophie fand und als Schüler Rudolf Steiners ein einflussreicher Waldorfpädagoge wurde. Daneben die Brüder Alexander Karl Helmuth Maikowsky (* 22. Oktober 1904) und Heinz Viktor Alexander Maikowsky (* 27. Januar 1909).

Die offizielle Schreibweise des Familiennamens war Maikowsky und wurde durch Ermächtigung des Preußischen Ministeriums des Innern vom 10. September 1934 in Maikowski geändert.Ancestry: Heiratsurkunde des Standesamtes Berlin XII B Nr. 184/1899 und Randvermerk auf der Heiratsurkunde vom 24. Oktober 1934. Besonders in der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Menschen mit slawisch klingenden Familiennamen durch behördlichen Druck oder gesellschaftliche Stigmatisierung dazu bewegt diese einzudeutschen. Die Endung -sky wurde dabei oft durch die vermeintlich germanischere -ski ersetzt.

Nach Abbruch seiner Schulausbildung am Schiller-Realgymnasium in Charlottenburg zog Maikowski 1923 nach Stuttgart und besuchte dort vom 19. Mai 1923 bis 5. April 1924 die 10. Klasse der Freien Waldorfschule, die ihn „u. a. wegen seiner antisemitischen Haltung“ relegierte. Dort erreichte er die Primareife. Im Abschlusszeugnis wurden Maikowskis Leistungen zumeist mit „genügend“ oder „mangelhaft“ benotet und sein Klassenlehrer merkte darin an: „Eberhard hat sich bisher in den Geist der Waldorfschule nicht recht hineinfinden können.“ Von Juni bis September 1924 war Maikowski Zeitfreiwilliger in der Reichswehr um Offizier zu werden, was aufgrund fehlender Stellen scheiterte. Von 1924 bis 1925 arbeitete er als kaufmännischer Volontär. Ab 1926 begann Maikowski eine Lehre als Gärtner beim Charlottenburger Gartenbauamt und besuchte daneben die Gärtnerfachschule in Dahlem um Gartenbauarchitekt zu werden, verließ diese 1928 jedoch ohne Abschluss. Von 1929 bis 1932 war Maikowski fast ununterbrochen arbeitslos.

Politische Tätigkeit Bereits 1923 hatte Maikowski erste Kontakte zur NSDAP. Nachdem er 1924 nach Berlin zurückgekehrt war, schloss er sich dem als Sportverein getarnten Wehrverband Olympia an. Nach dessen Auflösung trat Maikowski 1925 dem von Ernst Röhm begründeten Frontbann (Gruppe Nord, Berlin) bei, der als Auffangorganisation für die nach dem Hitler-Putsch verbotene SA fungierte. Nach Überführung eines Großteils der Frontbann-Gruppe in die zur Jahreswende 1925/1926 erstmals in Berlin aufgestellte SA, wurde Maikowski im Frühjahr 1926 Angehöriger der SA. Am 6. Februar 1926 wurde er zudem Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 29.799).Bundesarchiv Berlin: BArch NS 26/323: Auszug aus dem Lebenslauf des SA-Sturmführers 33 Hans Maikowski, Berlin (online verfügbar). Er gehörte dem Sturm 33 in Berlin-Charlottenburg an, welcher Teil der SA-Standarte I bzw. 1 (Charlottenburg) der SA-Gruppe Berlin-Brandenburg war. Am 9. Dezember 1927 wurde Maikowski auf dem Heimweg von einer Parteiveranstaltung von Kommunisten zusammengeschlagen und durch drei Messerstiche lebensgefährlich verletzt.

Zusammen mit dem am 1. Februar 1928 zum Führer des Sturms 33 ernannten Fritz Hahn konnte Maikowski die Charlottenburger SA in den Jahren 1928 bis 1931 von 20 auf über 300 Angehörige vergrößern. Das organisatorische Zentrum des Sturms etablierten Hahn und Maikowski dabei in den Sturmlokalen „Zur Altstadt“ in der Hebbelstraße 20, dem Lokal des Wirtes Krösler in der RöntgenstraßeStephan Brandt: Die Charlottenburger Altstadt, Sutton Verlag, Erfurt 2011. ISBN 978-3-86680-861-4. S. 99 und 127. und in einem SA-Heim am Tegeler Weg. Angehörige des SA-Sturms 33, sogenannte 33er, verübten in den frühen 1930er Jahren zahlreiche schwere Gewalttaten bis hin zum Mord an politischen Gegnern, sodass die Einheit von diesen auch „Mordsturm 33“ oder „Mördersturm 33“ genannt wurde. Nach eigenen Angaben zählte der Sturm 33 im Jahr 1933 insgesamt 13 rechtskräftig verurteilte Angehörige mit Strafen von insgesamt 7 Jahren und 8 Monaten Zuchthaus sowie 33 Jahren und 6 Monaten Gefängnis. Weiterhin 12 Angehörige mit insgesamt 39 Monaten Untersuchungshaft. Daneben zählte der Sturm 27 Verwundete, darunter Maikowski.

Ab August 1929 war Maikowski 1. Fahnenträger der Charlottenburger SA. Im selben Jahr gründete er die „Arbeiterjugend Charlottenburg“,Maikowski, Hans Eberhard, in: Marcus Weidner: Die Straßenbenennungspraxis in Westfalen und Lippe während des Nationalsozialismus. Datenbank der Straßenbenennungen 1933-1945, Münster 2013 ff. auf dem Internet-Portal „Westfälische Geschichte“, Stand: 12. Dezember 2013 ein Tarnname für die damals verbotene Hitlerjugend. Nachdem Hahn wegen des Überfalls auf die sozialdemokratischen Brüder Erich und Robert Riemenschneider kurzzeitig wegen Landfriedensbruchs in Untersuchungshaft genommen worden war und noch während seiner Haft am 10. Februar 1931 zum Führer des Sturmbannes II/1 befördert worden war, wurde Maikowski am 20. Februar 1931 zum Führer des SA-Sturms 33 ernannt. Am 9. Dezember 1931 tötete Maikowski im Verlauf einer Straßenschlacht in der Berliner Straße (heute Otto-Suhr-Allee) nahe der Lohmeyerstraße den Arbeiter Walter Kusche (* 1910) durch einen Halsschuss, angeblich in Nothilfe für Karl Deh (1910–?), einen Angehörigen seines SA-Sturms. Nachdem SA-Angehörige dafür verhaftet worden waren, bekannte sich Maikowski mittels eidesstattlicher Erklärung über einen Rechtsanwalt schuldig und flüchtete nach Braunschweig, München und später in die italienischen Städte Bozen und Meran, zu dortigen NSDAP-Ortsgruppen. Abgesehen von kurzzeitigen Besuchen in Berlin kehrte Maikowski schließlich im März 1932 vor der anstehenden Reichstagswahl nach Deutschland zurück und wurde unter Decknamen bei NSDAP-Vereinigungen in Schleswig-Holstein aktiv.Sozialdemokratischer Pressedienst vom 4. Februar 1933 (PDF; 2,7 MB) bei der Friedrich-Ebert-Stiftung Nachdem am 30. August 1932 mit Herbert Gatschke ein Angehöriger seines Sturms erschossen worden war, kehrte Maikowski aus dem Untergrund zurück um seine SA-Leute in einem kaum verhohlenen Mordaufruf öffentlich zu Gewalttaten gegen den politischen Gegner aufzufordern. Gatschke war bei einer Auseinandersetzung mit Kommunisten vor einem SA-Sturmlokal in der Röntgenstraße umgekommen. Die SA machte die Kommunisten für den Tod verantwortlich, jedoch ergab die Gerichtsverhandlung, dass Gatschke versehentlich von einem SA-Angehörigen erschossen wurde. Im Oktober 1932 wurde Maikowski in Braunschweig verhaftet. Als politisch motiviert eingestuft, fiel seine Tat unter die sogenannte Schleicher-Amnestie, sodass Maikowski am 23. Dezember 1932 ohne Gerichtsprozess freigelassen wurde. Ab Januar 1933 war er beim Völkischen Beobachter beschäftigt, der NSDAP-Parteizeitung.

Tod Am 30. Januar 1933 nahm Maikowski mit seinem SA-Sturm am Fackelzug zur Feier der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler in der Wilhelmstraße teil. Auf dem Rückmarsch nach Berlin-Charlottenburg in ihr sogenanntes Sturmlokal „Zur Altstadt“, machte der von Maikowski angeführte Sturm 33 in provokatorischer Absicht einen Umweg durch die vorwiegend von KPD-Anhängern bewohnte Wallstraße, die heutige Zillestraße (seit 1947). Dort wurde der Schutzpolizist Josef Zauritz gegen 22.30 Uhr gezielt und aus nächster Entfernung durch einen Brustschuss getötet. Er begleitete als aufsichtführender Polizeibeamter des Polizeireviers 131 im Bezirk Charlottenburg den Rückmarsch. Maikowski wurde durch einen Bauchschuss so schwer verletzt, dass er noch in der Nacht im Krankenhaus Westend starb.Bernhard Sauer: „Goebbels Rabauken“ (PDF; 1,7 MB). In: Landesarchiv Berlin: Berlin in Geschichte und Gegenwart. 2006, S. 107–164; hier S. 139.

Propaganda mini|Göring, Heß und Hitler (Mitte, von links nach rechts) beim Staatsbegräbnis für Maikowski am 5. Februar 1933 vor dem Berliner Dom.