miniatur|Patriarch Neofit von Bulgarien (2013) 150px|mini|Kloster Trojan: Ikone der Gottesmutter 150px|mini|Kloster Trojan: Die Hl. Kyrill und Method von Zachari Zograf 150px|mini|Freskodarstellung aus der Kirche von Bojana 150px|mini|Allerheiligen Freskodarstellung aus dem Kloster Roschen.

Die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche () ist eine autokephale Kirche der christlichen, byzantinischen Orthodoxie. Im Jahr 927 wurde ihre Unabhängigkeit als orthodoxe Ortskirche auf dem europäischen Festland durch das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel anerkannt.

Im Jahr 2011 wurden 75 % der knapp 8 Millionen Bewohner Bulgariens der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche zugerechnet, außerdem hatte sie 2006 etwa 1,5 bis 2 Millionen über die Balkanhalbinsel, das übrige Europa und den Rest der Welt verteilte Mitglieder. Die Kirche wird von der Heiligen SynodeDie offizielle Website der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche geleitet, an deren Spitze der Patriarch steht. Seit dem 30. Juni 2024 ist dies Daniil, der frühere Metropolit von Widin.

Geschichte der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche Mittelalter (bis 1018) Die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche führt den Beginn ihres Entstehens auf die Missionsreisen des Apostels Paulus in die römischen Provinzen Thrakien und Mösien um das Jahr 50 zurück. Ab diesem Zeitpunkt begann die Christianisierung besonders in den Städten des Landes, welche durch das byzantinische Staatskirchentum besonders gefördert wurde. Als erster bulgarischer Herrscher, der das Christentum annahm, wird Khan Kubrat angeführt. Bis das Christentum Staatsreligion wurde, dauerte es bis zum achten Jahrhundert. Nach dem Eindringen der Protobulgaren auf den Balkan im 7. Jahrhundert erlangte Bulgarien die Unabhängigkeit, und es dauerte rund 200 Jahre, bis das Christentum die bulgarische Oberschicht durchdrungen hatte. Unter Zar Boris I., der bei seiner Taufe den Namen Knjaz Mihail annahm, wurde das Christentum zur Staatsreligion. Boris verstand es geschickt, die Differenzen zwischen Rom und Byzanz (Konstantinopel) zu nutzen, und erreichte einen unabhängigen Status für seine am orthodoxen Ritus ausgerichtete Kirche. Für sein Reich, das nicht nur den protobulgarischen, sondern auch slawischen und thrakischen Riten und Götterverehrungen nachging, suchte Boris ein bindendes Glied. Das sollte das Christentum werden. Für die Herausbildung eines homogenen Staatsgefüges sollte auch die Entwicklung der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche eine tragende Rolle spielen. Diese Aufgabe fiel in Bulgarien besonders den Klöstern zu. Die Christianisierung des bulgarischen Volkes begann im Jahr 864 durch Vertreter des Konstantinopeler Patriarchats.Comati, 2003, S. 88, S. 90, S. 93, S. 95 Ein Schiedsspruch der Vertreter der östlichen Patriarchate auf dem Konzil von Konstantinopel am 3. März 870 unterstellte die bulgarische Kirche dem ökumenischen Patriarchen.Hösch/Nehring/Sundhaussen, 2004, S. 496

Nach der Christianisierung des Landes wurden von 864 bis 870 die ersten christlichen sakralen Bauwerke in größerem Maßstab ausgeführt. Die bevorzugte Bauform war die Basilika, wie die Erzbischofskirche in Pliska (Preslaw) und die Sophienkirchen in Sofia und Ohrid; auch Kreuzkuppelkirchen wie die Bischofskirche zu Glawnica wurden errichtet. 886 gelang es den Schülern der Slawenapostel Kyrill und Methodius, nämlich Naum und Kliment, in Bulgarien die slawische Liturgie einzuführen. 893 wurde in einem Konzil der bulgarischen Kirche Altbulgarisch als Liturgiesprache eingeführt. Im bulgarischen Reich kam es zum Bau neuerer Kirchen und der Gründung von zwei literarischen und geistigen Zentren, eines in Ohrid und eines in Preslaw. Beide Zentren dienten auch als schriftliche und geistliche Schulen. Auf der Grundlage des Altbulgarischen wurden eine eigenständige bulgarische Literatur und eine christliche Zivilisation entwickelt.

Unter dem erstgeborenen Sohn und Thronfolger Knjaz Wladimir Rassate von Knjaz Boris kam es zu einer Rebellion von 50 Bojaren, die gemeinsam mit Rassate das Christentum ablehnten. Sie versuchten, das Heidentum der Vorfahren, den Glauben an den protobulgarischen Gott Tangra, wieder einzuführen. Die Revolte wurde durch Zar Boris I. niedergeschlagen, der sich zwischenzeitlich in ein Kloster zurückgezogen hatte. Er ließ seinen Sohn Knjaz Rassate hängen und alle beteiligten Bojaren und deren Familien töten. Sein dritter Sohn Simeon wurde 893 daraufhin Zar und blieb dem Christentum treu.

Zar Simeon I. stiftete 919 das Kloster Zografou der bulgarischen Kirche.Härtel/Schönfeld: Bulgarien, 1998, S. 41 Im selben Jahr ernannte Simeon I., der Große, auch die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche zur Patriarchats-Kirche. 927 wurde ihre Unabhängigkeit als orthodoxe Ortskirche auf dem europäischen Festland durch das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel anerkannt. Der bulgarische Erzbischof Damjan wurde auf Befehl des Kaisers Romanos I. Lakapenos vom byzantinischen Senat mit dem Patriarchen-Titel ausgezeichnet. In den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu Differenzen mit Byzanz (Konstantinopel).

Im Jahr 971 eroberte Byzanz Ost-Bulgarien, und die Hauptstadt wurde nacheinander nach Sofia, Skopje, Prespa, Bitola und Ohrid verlegt. Der bulgarische Patriarch Damjan flüchtete von der von den Byzantinern besetzten alten Hauptstadt Preslaw über Sredec und Bitola schließlich nach Ohrid. Dadurch verlagerte sich auch der Sitz der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche. Wahrscheinlich im Jahr 976 erhob Zar Samuil das Erzbistum von Ohrid zum Bulgarischen Patriarchat. Erster Patriarch wurde Germanus I. (976–1000).

links|mini|230px|Kloster Batschkowo Im Jahr 1018 eroberte der byzantinische Kaiser Basileios II. den Rest des bulgarischen Reiches. Nach der Eroberung wurde Ohrid„Lexikon zur Geschichte Südosteuropas“ S. 421, nach anderen Angaben SkopjeHärtel/Schönfeld: Bulgarien, 1998, Hauptstadt der byzantinischen Thema BulgariaHärtel/Schönfeld: Bulgarien, 1998, S. 44. Basileios II. reorganisierte die bulgarische Kirche, ohne die bestehende Autokephalie anzutasten. Das Patriarchat wurde wieder zu einem Bistum und in Erzbistum von Ohrid und ganz Bulgarien (hier Sp. 1378).Döpmann, 2006. umbenannt. Basileios II. schrieb den Jurisdiktionsbereich des Erzbistums um und versah die 54 Eparchien mit einer festgelegten Anzahl von halbfreien Bauern und Klerikern. Das Erzbistum blieb von der byzantinischen Reichskirche unabhängig, jedoch wurden die Bischöfe vom byzantinischen Kaiser ernannt. Der erste von Kaiser Basileios II. ernannte Erzbischof Johannes I. Debranin (1018–1037) war noch ein Slawe. Danach ernannten die byzantinischen Kaiser aber stets griechische Priester aus dem Klerus der hauptstädtischen Hagia Sophia zu Erzbischöfen. Damit begann eine Hellenisierung des alten Zentrums slawischer Kultur; Liturgie- und Amtssprache wurde das Griechische. Nur noch die einfachen Priester in den Landregionen waren Bulgaren. Vor allem aber erwiesen sich schon in dieser Epoche die Klöster (wie das Kloster Batschkowo) als Zufluchtsstätten und Horte des Bulgarentums.

Erzbischof Leo von Ohrid war 1054 einer der Mitunterzeichner der Urkunde des Patriarchen von Konstantinopel, das die Trennung von der lateinischen Kirche besiegelte. Er hatte vorher in seinen Schriften auch theologische Rechtfertigungen für diesen Schritt erarbeitet. Theophylact von Ohrid verteidigte 1078 die Autokephalie seines Erzbistums erfolgreich gegen die Ansprüche des Patriarchats. 1157 verwendete der Erzbischof Johannes-Adrian IV. Komnenos den Ehrentitel Erzbischof von Justiniana Prima und Bulgarien.Hösch/Nehring/Sundhaussen, 2004, S. 485Döpmann, 2006, S. 60 Er berief sich damit zum einen auf die antike, zum anderen auf die bulgarische Tradition, um die Bedeutung seines Erzbischofssitzes gegenüber Konstantinopel zu betonen. Das Erzbistum von Ohrid und ganz Bulgarien bestand immerhin fast 750 Jahre, bis es 1767/68 aufgehoben wurde.

Nach einem Niedergang während des 11. und 12. Jahrhunderts erlangte die bulgarische Kirche erst unter Zar Iwan Assen II. 1235 von Patriarch Germanos II. von Konstantinopel und den Patriarchen von Antiochien und Jerusalem die Erhebung zum Patriarchat.

Die Gemeinschaft der Bogomilen Siehe Hauptartikel zu diesem Thema Bogomilen

Die Kirche zwischen 1185 und 1393

Die Kirche während der osmanischen Herrschaft 1396 bis 1878 Abschaffung des Patriarchats und Eingliederung innerhalb des ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel Durch den Einmarsch der osmanischen Eroberer verlor auch die Bulgarisch-Orthodoxe Kirche ihre Eigenständigkeit und wurde dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstellt. Nach der Verbannung des letzten bulgarischen Patriarchen Euthymios von Tarnowo im Jahr 1393 beauftragte Patriarch Antonios IV. von Konstantinopel den Metropoliten Jeremias von Mauroblachia im August 1394 mit der Verwaltung der Diözese von Weliko Tarnowo. So wurde das bulgarische Patriarchat von Tarnowo in eine Diözese des Ökumenischen Patriarchats heruntergestuft. Bereits zuvor hatten die Herrscher des Königreichs Widin, des Despotats Welbaschd und des Despotats Dobrudscha ihre Kirchen dem Patriarchen von Konstantinopel unterstellt.

Die Rolle der bulgarischen Kirche während der osmanischen Herrschaft war anfangs auf ein Minimum reduziert, die Ausübung der christlichen Religion wurde der Bevölkerung erschwert, Neubauten von Kirchen wurden kaum erlaubt – im Gegenteil, einige Klöster und Kirchen wurden zerstört oder als Moscheen genutzt. Nur wenige bulgarische Klöster durften mit Erlaubnis des Sultans ihre Tätigkeit fortführen (z. B. das Kloster Rila, welches 1402 durch einen Erlass von Sultan Bajazid I. bestimmte Privilegien verliehen bekam). Gleichzeitig wurde sukzessive das Altbulgarische als liturgische Sprache durch das Griechische vom griechisch geprägten Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel ersetzt. Während der Herrschaft (1520–1566) von Süleyman I. existierte ein Bauverbot für christliche Kirchen. Das Osmanische Imperium erstarkte im 15. Jahrhundert, und erst nach der ersten türkischen Niederlage 1529 verbesserte sich die Lage der Bulgarisch-Orthodoxen Kirche wieder. Ihr wurde die Kirchenbautätigkeit in besonderem Ausmaß gestattet, so die Errichtung und Ausmalung einschiffiger gewölbter Klosterkirchen in den Klöstern Dragalewzi, Kremikowzi, Ilienci und dem Demetrios-Kloster.

Als im Verlauf des 17. Jahrhunderts die Osmanen in Mitteleuropa militärische Rückschläge erlitten und der bulgarische Widerstand erstarkte, reagierten sie gewaltsam. Das Rhodopengebirge wurde mit Gewalt islamisiert, 218 Kirchen und 33 Klöster wurden zwischen Stanimaka und Kostenez vernichtet. Ende des 17. Jahrhunderts wurden nach einem Aufstand im Raum Tarnowo 250 Kirchen zerstört.Gerhard Ecker: Bulgarien. Kunstdenkmäler aus vier Jahrtausenden von den Thrakern bis zur Gegenwart. DuMont Buchverlag, Köln 1984, S. 17. Solche Behauptungen wurden jedoch mehrfach von Historikern widerlegt.Antonina Zhelyazkova: Islamization in the Balkans as a Historiographical Problem: The South-East European Perspective In: Suraiya Faroqhi, Fikret Adanir (Hrsg.): The Ottomans and the Balkans (=The Ottoman Empire and its Heritage – Politics, Society and Economy. Band 25), Brill, 2002, S. 260. ISBN 978-90-04-11902-4