mini|hochkant=1.5|Offizielles Logo des Standards
MSX ist ein offener 8-Bit-Heimcomputer-Standard, der seit 1982 hauptsächlich von japanischen und südkoreanischen Firmen verfolgt wurde. Das Betriebssystem war ein Microsoft BASIC. Der Standard durchlief verschiedene Iterationen, bis er Anfang der 90er Jahre mit dem MSX turboR seinen technischen Höhepunkt erreichte.
Spielereihen wie Gradius und Metal Gear, Bomberman nahmen auf diesem System ihren Anfang, doch auch im Homeoffice-, im semi- und professionellen Bereich und in der Musiksparte wurden Anwendungen entwickelt und angeboten. In Japan und den Niederlanden war MSX in der Homecomputersparte zeitweise marktführend, später entwickelte sich noch ein bedeutender Markt in Südamerika, vor allem in Brasilien.
Name Der Mitinitiator Kazuhiko Nishi vertritt seit 2001 die Aussage, MSX sei die Abkürzung für „Machines with Software eXchangeability“. Eine frühe Erklärung des Gründers erwähnte jedoch die MX-Rakete als Namensgeber. Die Einbeziehung der großen Gründerfirmen Matsushita und Sony in die Bezeichnung ist ebenso nicht von der Hand zu weisen. Wahrscheinlich ist, dass der Mitbegründer Microsoft als Namensgeber in Frage kommt, lieferte die Softwareschmiede damals doch ihr Extended BASIC mit den Rechnern aus und nutzte damals häufig die Initialen M.S. für ihre Produkte. Diese Erklärung wurde auch auf den ersten Seiten der Betriebsanleitung des Sanyo PHC-28 von 1984 erwähnt.
Geschichte mini|300px|MSX-1-Computer von Sony (1984) 300px|mini|Philips MSX 1, Modell VG-8020 MSX ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen dem japanischen Unternehmen ASCII und dem US-amerikanischen Unternehmen Microsoft. Eine Reihe von kompatiblen Mikrocomputern zu schaffen, um die heimischen Märkte zu erschließen und einen einheitlichen Standard ins Leben zu rufen, war das Ziel. Der Wettbewerb unter verschiedenen Systemen ähnlich der Videoformate sollte für heimische Unternehmen entschieden werden.
Zu diesem Zweck wurde die gleiche Hard- und Softwarebasis verwendet. Z80A-Mikroprozessor mit mindestens 8 KB RAM VDP Texas Instruments TMS-9918 mit einer maximalen Auflösung von 256 × 192 Pixel in 15 Farben und 32 Sprites 16 KB Video-RAM Yamaha-Soundprozessor AY-36-8910 mit 3 Stimmen und 8 Oktaven Centronics-Schnittstelle Kassettenrekorderanschluss mindestens ein Joystick-Anschluss 1 Erweiterungsanschluss eine Tastatur mit mindestens 70 Tasten 5 programmierbare Funktionstasten und 4 Pfeiltasten für einen Cursor ein 32 KB ROM mit Microsofts erweiterter Version von BASIC.
1976 war Kazuhiko Nishi Student an der renommierten Waseda-Universität in Tokio. Zusammen mit Freunden machte er sich daran, ein Spiel zu entwickeln, das auf den neuen Modellen des auf dem “Pong”-Prozessor basierenden General Instrument AY-3-8500 läuft, der in der Odyssey-300-Konsole und Coleco Telstar zum Einsatz kam. Nishi plante, mit diesem Spiel selbst eine Konsole zu produzieren und diese zu vertreiben. Der Chiphersteller General Instrument verweigerte ihm jedoch die Abgabe von Kleinstmengen, also beschloss er, seine Ideen und Informationen zu veröffentlichen. Dieser Artikel stellte sich als großer Erfolg heraus, Nishi brachte bald selbst eine PC-Zeitschrift, die I/O, auf den Markt und veröffentlichte Bücher. Daraufhin publizierte er die für den professionellen Markt gedachte Zeitschrift ASCII.
Für Softwareprojekte des Verlages wurde eine Programmiersprache benötigt, die einfach zu erlernen war. Da Microsoft zu diesem Zeitpunkt sein BASIC schon an zahlreiche Computerhersteller lizenziert hatte, bemühte Nishi sich um ein Treffen mit Bill Gates. Aus diesem Treffen resultierte die Microsoftvertretung Japans durch Nishis ASCII Corporation während der folgenden Jahre. Nishi avancierte zum Vizepräsidenten von Microsoft. NEC war von dem Konzept der Herstellung eines Computers in Zusammenarbeit mit ASCII und Microsoft überzeugt, daraus entstand der erste japanische Computer, der NEC PC 8000. Dieser war ein kommerzieller Erfolg und eine großartige Gelegenheit für Microsoft und ASCII, ihr Know-how unter Beweis zu stellen. Aus der Kooperation beider Firmen heraus entwickelte sich noch der portable Computer Radio Shack 10, der von Kyocera produziert wurde. Indes, angekurbelt durch den PC-Markt im Westen, beschleunigte sich Microsofts Wachstum und die Idee entstand, parallel zum PC auch einen Computerstandard für den Heimbedarf zu entwickeln.
Die von den Schweizer Uhrmachern Harry Fox und Alex Weiss gegründete Firma Spectravision war zunächst im Uhrhandel tätig, beschloss jedoch, in den lukrativen Markt für Spielkonsolen zu investieren und das Unternehmen in Spectravideo umzubenennen. Zunächst vertrieben sie QuickShot-Joysticks und einen Atari-2600-Zusatz, der die Spielkonsole in einen Mikrocomputer mit Tastatur und Programmiermöglichkeit verwandelte. Bald entwickelten sie mit Hilfe von Tony Law, einem Unternehmer aus Hongkong, mit der Firma Bondwell eine Computerarchitektur, die darauf ausgelegt war, möglichst günstig in der Produktion zu sein.
Das Konzept wurde um einen Z80-Prozessor, einen Texas-Instruments-VDP und einen Yamaha-Soundchip herum entwickelt. Software für die neue Plattform sollte Microsoft liefern, die diese Aufgabe jedoch an Nishis Entwicklungsabteilung weiterreichte. Nishi verstand, dass die von Harry Fox vorgeschlagene Konfiguration äußerst flexibel war und sogar mit teureren Desktop-Konfigurationen konkurrieren konnte, durchaus mit besseren Fähigkeiten als sie der IBM-PC für Sounds und Grafiken zu bieten hatte. ASCII überarbeitete das Konzept gründlich, orderte mehr Speicher und fügte einen Cartridgeport für zukünftige Erweiterungen hinzu. Microsoft stellte ein leistungsfähiges BASIC, und Spectravideo hatte seinen Computer. Der SVI-318 wurde im Januar 1983 auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas mit einem Einführungspreis von 600 US-Dollar vorgestellt.
Spectravideo lizenzierte Anfang 1982 sein Hardware-Design und bereitete so den Gedanken eines IBM-ähnlichen Konzeptes für den Homecomputersektor vor.
Etwa zur gleichen Zeit bereitete die Firma Coleco die Veröffentlichung einer revolutionären Konsole im August 1982 vor, der ColecoVision. Das Hardware-Design der Konsole wurde von Eric Bromley entworfen, einem Ingenieur, der in der Spielhallenindustrie bei Midway Games gearbeitet hatte und von Coleco angeheuert wurde.
Die Architektur der ColecoVision-Konsole basierte ebenfalls auf dem Z80-Prozessor und einem Texas-Instruments-VDP, die den Spezifikationen des Spectravideo-Computers sehr nahe kamen – so nahe, dass mit einem einfachen Adapter Coleco-Spielmodule auf dem Spectravideo-Computer abgespielt werden konnten.
Während Spectravideo damit beschäftigt war, ihren Heimcomputer zu bauen und zu vermarkten, hatte Kazuhiko die führenden japanischen Elektronikunternehmen besucht. Er hatte ein Mockup der Spectravideo SV-328 mitgebracht und zeigte die verschiedenen Funktionen. Er wusste, dass die Plattform ideal war, um einen “Standard”-Heimcomputer auf den Markt zu bringen. Zahlreiche japanische Firmen, darunter Casio, Canon, Fujitsu, Hitachi, Kyocera, Mitsubishi, NEC, Yamaha, Pioneer, Sanyo, Sharp, Sony und Toshiba ließen sich von dem Konzept überzeugen, auch Koreas Unternehmen GoldStar (jetzt LG Group), Samsung, Daewoo und der europäische Elektronikkonzern Philips unterstützten den neuen Standard von Beginn an. Fox hingegen glaubte erst noch an das Design des von ihm verkauften Computers und lieferte lediglich einen Adapter, um Programmmodule des MSX-Standards auch auf den ursprünglichen Spectravideo-Computern lauffähig zu machen. Später produzierte Spectravideo dann ebenfalls vollständige MSX-Computer.
Die Kooperation mit MSX wurde der Presse am 27. Juni 1983 offiziell bekannt gegeben. Tatsächlich war das Projekt immer eher ein Projekt der in Tokio ansässigen ASCII-Microsoft-Tochtergesellschaft als ein echtes Microsoft-Projekt gewesen.
Der MSX2, der 1985 eingeführt wurde, war keine wesentliche Weiterentwicklung des Originals. Während 1984 eine 16-Bit-Evolution des MSX vorgesehen war, basierte diese neue Generation noch immer auf dem in die Jahre gekommenen Z80-Prozessor.
Der minimale Arbeitsspeicher wurde auf 64 KB erhöht und die Extended-Basic-Version wurde auf Version 2.0 verbessert. Auch das Video-RAM wurde von 16 KB auf 64 KB erhöht, aber die meisten Modelle waren mit 128 KB VRAM ausgestattet.
Während der Soundprozessor derselbe blieb, war die wichtigste Verbesserung der von Yamaha entworfene Grafikprozessor (der V9938), der eine Bildschirmauflösung von 512 × 212 in 16 Farben oder 256 × 212 in 256 Farben haben sollte. Dieser neue Grafikprozessor war auch vollständig abwärtskompatibel mit dem MSX 1 VDP. Dieser neue VDP wurde von ASCII entworfen, und das US-Patent dafür wurde am 19. Dezember 1984 eingetragen.
Das System Die Hardware besteht zum großen Teil aus Standard-Komponenten ihrer Zeit: Ein Z80-Prozessor mit 3,58 MHz, der Grafikchip TMS9918 von Texas Instruments (den auch der Texas Instruments TI-99/4A verwendete) und ein Soundchip von General Instrument (AY-3-8910). Diese Komponenten waren damals nicht herausragend, aber konkurrenzfähig.
Ein aufgesetztes DOS namens MSX-DOS ist Datei-kompatibel mit MS-DOS und unterstützt MS-DOS-ähnliche Befehle. So konnte Microsoft den MSX für Heimcomputer bewerben und MS-DOS für Personal Computer.
Der integrierte BASIC-Dialekt ist mit seinem umfangreichen Befehlssatz (auch für Sound, Grafiken und Sprites) dem vergleichbarer Computern (wie dem des C64) überlegen.Der MSX-Standard
Eine Besonderheit der MSX-Heimcomputer ist es, dass die einzelnen Hersteller eigene Erweiterungen (Software und/oder Hardware) in ihre MSX-Heimcomputer einbauten. So ist zum Beispiel der CX5-M von Yamaha zusätzlich mit einem leistungsfähigeren Soundsystem ausgestattet (8-fach polyphoner, DX7-ähnlicher FM-Synthesizer mit 4 Operatoren), das zum Beispiel eine MIDI-Schnittstelle und die Anschlussmöglichkeit für ein externes Keyboard mitbringt. Sony baute in seinen HitBit eine Datenbankanwendung ein.
Verbreitung
Japan Auf dem japanischen Markt kamen MSX-Computer von Sony, Yamaha, Matsushita, Sanyo und anderen führenden japanischen Elektronikunternehmen nur vier Monate nach der ersten Ankündigung des Standards in die japanischen Geschäfte. Und die Unterstützung eines so breiten Spektrums japanischer Hardwarefirmen verlieh dem MSX-Standard schnell eine Fähigkeit, die kein anderer Computer für sich beanspruchen konnte.
Der von Nishi definierte Standard erforderte eine vollständige Kompatibilität zwischen den verschiedenen MSX-Computern, hielt die Hersteller jedoch nicht davon ab, zusätzliche Funktionen hinzuzufügen, solange diese die Kompatibilität nicht beeinträchtigten. Yamaha produzierte zum Beispiel eine Reihe von MSX-Computern, die mit eingebauten Synthesizern für die Musik bestimmt waren. Pioneer produzierte MSX-Computer mit eingebauter Laserdisc-Schnittstelle, während sich JVC andererseits auf Modelle mit Überlagerungsfunktionen für die Videobearbeitung konzentrierte.
Einige Hersteller boten mehrere Modelle an, etwa Sony, das MSX-Computer in vielen verschiedenen Gehäuseformen und -farben auf den Markt brachte.
Zwischen Oktober 1983 und Sommer 1984 wurden in Japan von den 12 Herstellern etwa 265.000 Einheiten verkauft. Es war nicht der große Erfolg, den sie sich erhofften, aber er war bedeutend genug, um den Heimcomputer- und Softwaremarkt in Japan anzukurbeln.
MSX wurde in der Folge meist zu Discountpreisen als Spielkonsole und als Lernhilfe für Kinder verkauft. Die meisten Softwarefirmen in Japan produzierten Titel für den Standard. MSX wurde auch zu einer beliebten Plattform für Rollenspielserien, wie Final Fantasy, YS, XAK oder Dragon Slayer.
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