Iraklio ( , veraltet auch Iraklion, in seitens der Stadt selbst verwendeter Schreibung Heraklion, , Herakleion, im Mittelalter Chandakas, in der Zeit der venezianischen Herrschaft Candia, danach , kritikoi.gr) ist die größte Stadt der südgriechischen Insel Kreta und der Sitz der Verwaltungsregion Kreta. Der Name leitet sich etymologisch ab vom Namen des Heros Herakles (siehe Geschichte). In wissenschaftlicher Literatur wird (selbst in neueren Texten) auch der Name Hieraklion (ableitbar von Hieron) verwendet.Nikolaus Creutzburg: Die paläogeographische Entwicklung der Insel Kreta vom Miozän bis zur Gegenwart. In: Kretika Chronika. Hieraklion 1963 (als Literatur angeführt in: Leo Hautzinger: Genus Orchis L. (Orchidaceae); Sectio Robustocalcare Hautzinger. In: Annalen des Naturhistorischen Museums in Wien. 81, Wien 1978, S. 70, ).Holger Heinrich Dathe: Hylaeus (Spatularicella) longimaculus, Fundorte 1942 Hieraklion. 1981.Josef J. de Freina: P. minoica sp. n., Fundort nach REISSER 1958 und 1962 in Dorf etwa 25 km SW Hieraklion. In: Mitt. Münch. Ent. Ges. 96, München, 30. September 2006, S. 21–27, .Irina Laube u. a.: Niche availability in space and time: migration in Sylvia warblers. International conference of the International Biogeographic Society, 7.–11. Januar 2011, Hieraklion, Greece, S. 2, bik-f.de (PDF; 145 kB).
mini|Hafen von Iraklio
Bedeutung Iraklio ist mit offiziell 179.302 Einwohnern (2021) die viertgrößte Stadt Griechenlands und die größte nicht auf dem Festland gelegene Stadt des Landes. Iraklio ist Hauptstadt der Verwaltungsregion („Periferia“) Kreta und des Regionalbezirks Iraklio sowie neben Rethymno einer der beiden Standorte der Universität Kretas.
Geografie Lage Iraklio liegt etwa in der Mitte der Nordküste der insgesamt 250 km langen und bis zu 70 km breiten Insel Kreta. Sie ist in einer Küstenebene vor einem fruchtbaren Hügelland direkt an einer Bucht der Ägäis gelegen, etwa vier Kilometer nördlich der Ruinen der minoischen Palastanlage von Knossos.
Kreta und damit auch Iraklio ist von April bis Oktober ein hochfrequentiertes Touristenziel. Die Entfernung zu den anderen Städten Kretas beträgt 130 km nach Chania, nach Rethymno 75 km, nach Agios Nikolaos 60 km, nach Ierapetra 90 km und nach Sitia 120 km.
Stadtgliederung und Nachbargemeinden Iraklio gliedert sich in fünf Gemeindebezirke, die den Gebieten der 2011 zusammengeschlossenen Gemeinden entsprechen. Die zuvor bestehenden Gemeinden existieren als Stadtbezirke (bei über 2000 Einwohnern) oder Ortsgemeinschaften weiter fort und wählen lokale Vertretungen. Außerdem wurde die Kernstadt Iraklio 2014 in vier Stadtbezirke aufgeteilt.
Im Westen grenzt die Stadt jetzt an die Gemeinde Malevizi, im Süden an Gortyna, im Südosten an Archanes-Asterousia und im Osten an Chersonisos.
Klima Das Klima Kretas ist mediterran geprägt. Von Januar bis März ist das Wetter meist unbeständig. Oft fällt in den Bergen Schnee. Ein schneller Temperaturanstieg ist für die Monate April und Mai typisch, die meisten Pflanzen haben während dieser Zeit ihre Hauptblüteperiode. Sehr heiß und überwiegend trocken sind die Monate Juni bis August. Ab September setzt eine langsame Abkühlung ein, die bis in den Oktober andauert. Durch die hohen Berge Kretas wechseln Wetterlagen häufig schnell und Winde kommen auf, die sich auch zu orkanartigem Sturm verstärken.
Iraklio liegt an der Nordküste der Insel Kreta. Das Klima gilt hier als gemäßigt und trockenwarm. Von Mai bis September gibt es kaum Regenfälle, durchschnittlich scheint an 70 Prozent der Tage eines Jahres die Sonne. Seit Beginn der Messungen 1949 schwanken die Jahresmitteltemperaturen zwischen 17,5 °C und 20,5 °C.
Geschichte Altertum In minoischer Zeit lag in der Nähe der heutigen Stadt einer der vier Häfen von Knossos. Die Dorer nannten den Ort .Die antike griechische Stadt lag in Makedonien. Nach dem Mythos ging Herakles hier an Land, um den kretischen Stier zu fangen.
Araber und Byzantiner (824–1206) Bis zur arabischen Eroberung Kretas 824 teilte der Ort die Geschicke der übrigen Insel. Die Araber befestigten den Ort, den sie nannten, woraus griechisch bzw. wurde. Im Jahr 960 eroberte Nikephoros Phokas Chándax für das Byzantinische Reich und vertrieb die Araber aus Kreta. Der Bischofssitz Kretas wurde von Gortyn nach Chandax verlegt. Bis ins elfte Jahrhundert zogen viele Griechen vom Festland und aus Kleinasien in die aufstrebende Stadt, über deren Geschichte im 10. bis 12. Jahrhundert wenig bekannt ist.Ruti Gertwagen meint, die byzantinische Epoche sei „obscure“ (The Venetian Port of Candia, Crete (1299–1363): Construction and Maintenance. In: Irad Malkin, Robert L. Hohlfelder (Hrsg.): Mediterranean Cities. Historical Perspectives. London 1988, S. 141–158, hier: S. 141).
Venezianer (1206–1669) Bei der Zerschlagung des Byzantinischen Reiches durch den vierten Kreuzzug sollte Kreta zunächst an den lombardischen Markgrafen Bonifatius I. von Montferrat fallen. Der war jedoch an Saloniki mehr interessiert und tauschte es mit der Republik Venedig. Die unter den Venezianern italianisierte Version des Namens der Stadt, Candia, übertrug sich bald auf die ganze Insel Kreta. Die Stadt Candia wurde Residenz des von der Republik Venedig eingesetzten Duca, des „Herzogs von Kreta“. Erster Herzog war Jacopo Tiepolo. Die Stadt wurde zudem Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs. Die von der Markusrepublik neu zusammengesetzte grundbesitzende Aristokratie der Insel musste in der Stadt Candia präsent sein und standesgemäße Wohnsitze unterhalten. Die wichtigsten Handelsgüter, nämlich Eisen, Weizen und Olivenöl wurden zu Staatsmonopolen erklärt. Der Hafen wurde in den ersten sechs Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts erheblich ausgebaut, doch finanziert wurde dies 1359 partiell mit der Einführung des tornesello, einer künstlich überteuerten Münze, die nur in den östlichen Kolonien zirkulierte. Dennoch herrschte von 1229, als der letzte griechische Aufstand zusammenbrach, bis 1363 eine lange Phase der Prosperität und des relativen Friedens auf der Insel, sieht man vom Aufstand unter Alexios Kalergis (1283–1299) ab, der fast die gesamte Insel erfasste.
Als es dem Kaiserreich Nikaia 1261 gelang, Konstantinopel zurückzugewinnen, womit Venedig lange der Zugang zum dortigen Markt verwehrt blieb, wurde Candia zum wichtigsten venezianischen Hafen der Ägäis. Zugleich profitierte Venedig, allen voran sein Arsenal, von den einseitig diktierten Wirtschaftsbeziehungen. Candia, zu dessen Gebiet etwa 800 km² Ländereien gehörten, was fast einem Zehntel der Inselfläche entsprach, verschärfte dabei das Problem des Mangels an ländlicher Arbeitskraft, denn es zog geflohene Hörige an, indem man ihnen die Freiheit ermöglichte. Außerdem wurden die meist griechisch-orthodoxen Hörigen dort nicht zur Konversion zum römisch-katholischen Bekenntnis gedrängt. Dazu trieb Candia die Kolonisten in die Enge, indem sie 1302 verfügte, dass automatisch der Kommune Candia unterstehen sollte, wer seinen Lehnsherrn nicht kannte. Dabei bereitete der Hafen Candias enorme technische Probleme, zumal man, im Gegensatz zu den Römern, keine Technik kannte, um unter Wasser dauerhaft zu bauen. Leitender Ingenieur beim Hafenausbau war ab 1333 Francesco delle Barche von besagtem Arsenal, der für die mechanische Schaufel bekannt wurde, mit der man den Boden der Lagune von Venedig säubern konnte.Ruti Gertwagen: The Venetian Port of Candia, Crete (1299–1363): Construction and Maintenance. In: Irad Malkin, Robert L. Hohlfelder (Hrsg.): Mediterranean Cities. Historical Perspectives, London 1988, S. 141–158, hier: S. 142. Sein Bericht, der überaus schwierig zu deuten ist, ist erhalten. Die Mole war 270 m lang, die Durchfahrt zum Hafen war 60 m breit, wobei die Hafenmauer wegen der im Winter scharfen Winde aus Nordnordwest einen Verlauf von Südwest nach Nordost nahm, genauso wie am muslimischen Hafen zuvor. Dieser Hafen war jedoch zu klein geworden, so dass Francesco ihn um mehr als 26 m Richtung Nordost in einem Halbkreis erweitern ließ. Dazu wurde ein fast 140 m langer Wellenbrecher vorgelagert. Doch diese neue, nordöstliche Mole erwies sich als instabil, sie brach Mitte des 14. Jahrhunderts zusammen. Dabei musste Francesco gleichzeitig den Hafen, der durch Sand aus den zufließenden Bächen und durch Meeressand zu verlanden drohte, ständig ausbaggern. Der Sand wurde verkauft, doch den Sandzustrom aus der Dermata, einem der sechs Bäche im Umkreis Candias, unterschätzte er ebenso, wie dies die Muslime getan hatten. Im Gegenteil könnte diese Versandung erklären, warum Candia in der muslimischen Epoche keinen bedeutenden Hafen aufwies, und warum er während der kurzen Herrschaft des Piraten Enrico Pescatore von 1207 bis 1209 nicht in Gebrauch war. Sein Verbündeter, Alamanno da Corta ankerte in Faraskea bei Paleokastro oder nordwestlich von Candia. Diese Versandung war offenbar nicht aufzuhalten, denn von 1333 bis 1356 reduzierte sich dessen Tiefe von 4,86 m auf die Hälfte; allerdings warf man in Candia fast jeden Abfall in den Hafen, und dort wurden ganze Boote versenkt. Damit war der Hafen für die venezianischen Handelsschiffe mit ihrem Tiefgang von 3 bis 3,5 m unbrauchbar. Dennoch setzte man die Bemühungen fort, zumal seit 1325 im Hafen ein Arsenal zum Bau von Schiffen bestand, und die Stadt das Verwaltungszentrum der für Venedig bedeutendsten Insel war.
Durch drastische Steuererhöhungen, Beschränkungen des Handels der Kreter auf eigene Rechnung zugunsten der venezianischen Fernhändlerfamilien sowie durch aufwändige Dienste provozierte der Senat Aufstände auf der Insel, insbesondere den großen Aufstand der Jahre 1363 bis 1366. Nach der Rückeroberung der Hauptstadt, die in Candia am 10. Mai 1365 erstmals gefeiert wurde, wurde dieser Sieg fortan jedes Jahr mit Prozessionen und Pferderennen feierlich begangen. Der Aufstand schwächte langfristig den Einfluss des lokalen venezianischen Adels und stärkte die griechischen Familien. Die weiterhin aufrechterhaltenen Monopole Venedigs sorgten dafür, dass sich viele Milites auf andere Landprodukte verlegten, wie Wein, Zuckerrohr oder Käse, wovon Candia stark profitierte. 1407 erhielt, in Durchbrechung der Grundsätze der Serrata, mit der sich der venezianische Adel seit mehr als einem Jahrhundert nach unten gegen Aufsteiger abgeriegelt hatte, ein Angehöriger einer griechischen Adelsfamilie Sitz und Stimme im ansonsten nur venezianischen Adligen vorbehaltenen Großen Rat von Candia. Angesichts eines Eheverbots zwischen Venezianern und Kretern war dies ein bedeutender Schritt, der half die Assimilation der Venezianer an die griechischen Archontenfamilien zu fördern.
Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 wurde Candia ein geistig-kulturelles Zentrum im östlichen Mittelmeer. Die kretische Malerschule mit ihren bedeutendsten Vertretern Michail Damaskinos und Domenikos Theotokopoulos (El Greco) entstand. Ab 1462 wurden die Befestigungen der Stadt wegen der wachsenden osmanischen Bedrohung ständig erweitert.
mini|Hafen mit Festung Koules (Rocca al Mare) Ab 1648 belagerten die Osmanen die Stadt. Die 21 Jahre währende Belagerung von Candia ging als längste Belagerung in die Geschichte ein. Nach blutigen Kämpfen, bei denen die Venezianer 30.000 und die Osmanen 120.000 Mann verloren haben sollen, eroberten die Türken die Stadt und damit ganz Kreta.
Osmanen (1669–1913) Unter der türkischen Herrschaft verlor die nun Kandiye genannte Stadt viel von ihrer Bedeutung an Canea, das heutige Chania. Nach der Eroberung durch die Türken taucht neben der türkischen Form Kania der neugriechische Name auf (vom lateinischen entlehnt).