Die Milchsterne (Ornithogalum) sind eine Pflanzengattung der Tribus der Ornithogaleae in der Unterfamilie der Scilloideae innerhalb der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae). Einige Arten werden als Zierpflanzen verwendet, diese werden auch Vogelmilch, Stern von Bethlehem, Gärtnertod oder Gärtnerschreck genannt; der deutsche Trivialname Gärtnertod oder Gärtnerschreck beschreibt ihre lange Haltbarkeit als Schnittblume. Sie sind von Europa über Westasien bis Afghanistan, in Afrika und Madagaskar verbreitet.
Beschreibung mini|links|Illustration des Nickenden Milchsterns (Ornithogalum nutans) mini|Illustration von Ornithogalum princeps mini|links|Kapselfrüchte und Samen von Ornithogalum candicans mini|Illustration des Kap-Milchsterns (Ornithogalum thyrsoides) mini|Illustration des Orangefarbenen Milchsterns (Ornithogalum dubium) aus Curtis’s Botanical Magazine, Volume 6, 1793, Tafel 190 mini|Illustration des Gefransten Milchsterns (Ornithogalum fimbriatum) aus Curtis’s Botanical Magazine, Volume 58, 1831, Tafel 3077
Vegetative Merkmale Die Milchstern-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Diese Geophyten bilden eiförmige Zwiebeln als Überdauerungsorgane aus. Ihre papierartige Tunika = Außenhaut ist weiß bis hellbraun.
Die wenigen bis einigen Laubblätter sind nur grundständig angeordnet. Die einfachen Blattspreiten sind linealisch bis lanzettlich. Die Blattränder sind glatt oder behaart.
Generative Merkmale Auf mehr oder weniger langen Blütenstandsschäften befinden sich die Blütenstände. Zwei bis viele Blüten befinden sich in doldentraubigen oder in traubigen Blütenständen. Im Blütenstand befinden sich kleine häutige Tragblätter und Deckblätter.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig. Die sechs gleichgestaltigen bis leicht ungleichen Blütenhüllblätter sind frei und weit ausgebreitet. Die Farben der Blütenhüllblätter sind meist weiß, zuweilen gelb-grün oder grün gestreift, selten orangefarben. Am oberen Ende der freien Staubfäden der sechs Staubblätter sind die Staubbeutel an den Rückseiten (dorsifix) befestigt. Die Staubfäden sind flach, meist breit, manchmal blumenblattartig und laufen auf der Höhe der Staubbeutel auf beiden Seiten in je einen Zahn aus. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, dreikammerigen Fruchtknoten verwachsen; er ist zylindrisch bis kugelförmig und sechskantig. Es sind Septalnektarien vorhanden. Der einzige Griffel ist kurz und endet mit einer einfachen oder undeutlich dreilappigen Narbe.
Die kantigen Kapselfrüchte sind bei Reife papierartig, öffnen sich lokulizid = fachspaltig und enthalten viele Samen. Die Samen sind kugelig bis eiförmig.
Chromosomensätze Die Chromosomengrundzahlen betragen x = 3, 5, 6, 7, 8, 9, 11.
Inhaltsstoffe Die Pflanzenteile vieler Ornithogalum-Arten sind giftig, besonders die Zwiebeln durch Cardenolide (Convallatoxin und Convallosid).
mini|Arabischer Milchstern (Ornithogalum arabicum) mini|Ornithogalum arcuatum mini|Ornithogalum balansae mini|Grüner Milchstern (Ornithogalum boucheanum) mini|Ornithogalum candicans mini|Ornithogalum chionophilum mini|Radiärsymmetrische Blüte von Ornithogalum divergens mini|Ornithogalum dubium wird als Zierpflanze in Töpfen angeboten mini|Ornithogalum gracillimum mini|Ornithogalum lanceolatum mini|Ornithogalum maculatum mini|Ornithogalum montanum mini|Narbonne-Milchstern (Ornithogalum narbonense) mini|Nickender Milchstern (Ornithogalum nutans) mini|Ornithogalum orthophyllum subsp. kochii mini|Ornithogalum pedicellare mini|Pyramiden-Milchstern (Ornithogalum pyramidale) mini|Pyrenäen-Milchstern (Ornithogalum pyrenaicum) mini|Ornithogalum refractum mini|Ornithogalum reverchonii mini|Blütenstand von Ornithogalum saundersiae mini|Ornithogalum sintenisii mini|Ornithogalum sphaerocarpum mini|Unter- und oberirdische Pflanzenteile von Ornithogalum televrinum mini|Blütenstand des Kap-Milchstern (Ornithogalum thyrsoides) mini|Ornithogalum trichophyllum mini|Dolden-Milchstern (Ornithogalum umbellatum) mini|Ornithogalum wiedemannii mini|Ornithogalum woronowii
Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Ornithogalum wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 306 aufgestellt. Typusart ist Ornithogalum umbellatum Der Name Ornithogalum umbellatum und der Typus wurden konserviert in Taxon, Volume 44, 1995, S. 611–612. Der botanische Gattungsname Ornithogalum leitet sich von den altgriechischen Wörtern ornis für „Vogel“ und gala für „Milch“ her und bezieht sich auf die Farbe der Blüten der damals bekannten Arten. Ornithogalum ist die namensgebende Gattung der Tribus Ornithogaleae.
Botanische Geschichte Die systematische Einordnung der Gattung Ornithogalum hat öfters gewechselt. Waren sie früher den Liliaceae zugeordnet, stehen sie nach Franz Speta als eigene Tribus Ornithogaleae in der Unterfamilie Scilloideae.
Die Gattung Ornithogalum s. l. mit ihren in diesem Umfang etwa 300 Arten wurde in viele Untergattungen gegliedert. In der Flora Europaea wurden 15 Untergattungen gelistet, viele davon wurden in Publikationen von unterschiedlichen Autoren mehrmals zu eigenständigen Gattungen aufgewertet. Bei Manning et al. 2004 werden wieder alle Gattungen der Tribus Ornithogaleae in die Gattung Ornithogalum s. l. eingegliedert. Diese Verwandtschaftsgruppe wird kontrovers diskutiert. Martínez-Azorin et al. 2011 favorisieren ein engeres Gattungskonzept innerhalb der Tribus Ornithogaleae mit 19 Gattungen.
Nach Manning et al. 2009 werden Albuca, Pseudogaltonia und Dipcadi von Ornithogalum abgetrennt. Es wird nach Manning et al. 2009 Ornithogalum s. str. in vier Untergattungen gegliedert:
Untergattung Avonsera : Sie enthält nur die Art Ornithogalum convallarioides. Untergattung Galtonia : Sie enthält etwa sieben Arten. Untergattung Aspasia : Sie enthält etwa 30 Arten. Untergattung Ornithogalum: Sie wird in sieben Sektionen gegliedert und enthält etwa 120 Arten.
Der Umfang der Gattung Ornithogalum wird je nach Autor unterschiedlich weit gehandhabt. In weiter Gattungsauffassung werden 200 bis 300 Arten dazugerechnet, in enger Gattungsauffassung verbleiben etwa 50 Arten. In Mitteleuropa sind bei weiter Fassung der Gattung zehn Arten heimisch, bei enger Fassung verbleiben sechs in der Gattung. Seit 2009 wurden viele Arten neu beschrieben.
Die Gattung Ornithogalum ist in Eurasien und Afrika sowie Madagaskar weitbreitet. Etwa 73 Arten kommen in Südafrika vor. Viele Arten sind in Roten Listen gefährdeter Pflanzenarten aufgeführt.
Arten und ihre Verbreitung Die Gattung Ornithogalum s. str. enthält 160 bis 200 Arten: Ornithogalum abyssinicum : Sie kommt in Äthiopien vor. Ornithogalum adanense : Sie wurde 2014 aus der Türkei erstbeschrieben. Ornithogalum adseptentrionesvergentulum : Sie kommt in der südafrikanischen Provinz Westkap vor. Sie gilt als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“. Ornithogalum aetfatense : Sie kommt in der südafrikanischen Provinz Mpumalanga vor. Sie gilt als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“. Ornithogalum alatepense : Sie wurde 2016 aus der Türkei erstbeschrieben. Ornithogalum alatum : Sie kommt auf der östlichen Balkanhalbinsel vor. Ornithogalum alpigenum : Sie kommt nur in der südwestlichen bis südlichen Türkei vor. Ornithogalum amblyocarpum : Dieser Endemit kommt nur im westlichen Transkaukasien vor. Ornithogalum amphibolum : Sie kommt von Bulgarien bis zum südlichen Teil der Republik Moldau und zum nördlichen Griechenland vor. Ornithogalum amplificatum: Sie wurde 2012 aus der Türkei erstbeschrieben. Ornithogalum anamurense : Sie kommt in der Türkei vor. Ornithogalum anatolicum : Sie kommt in der Türkei vor. Ornithogalum anguinum : Sie kommt in der südafrikanischen Provinz Ostkap vor. Sie gilt als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“. Ornithogalum annae-ameliae : Sie kommt in Eswatini vor. Ornithogalum apiculatum : Sie kommt in Syrien vor. Arabischer Milchstern (Ornithogalum arabicum ): Er kommt im Mittelmeerraum und im westlichen Sudan vor. Ornithogalum arcuatum : Sie kommt von der östlichen Türkei bis zum nördlichen Iran vor. Ornithogalum arianum : Sie kommt vom südlichen Turkmenistan bis zum nordwestlichen Afghanistan vor. Ornithogalum armeniacum : Sie kommt von Nordmazedonien bis zur südlichen und westlichen Türkei vor. Ornithogalum atticum : Sie kommt im südöstlichen Griechenland und auf Euböa vor. Ornithogalum balansae : Sie kommt von der Türkei bis zum Kaukasusraum vor. Ornithogalum baeticum : Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Portugal und Spanien vor. Ornithogalum benguellense : Sie kommt in Angola vor. Ornithogalum beyazoglui : Sie wurde 2011 aus der Türkei erstbeschrieben. Ornithogalum bicornutum : Sie kommt in der südafrikanischen Provinz Nordkap vor. Sie gilt als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“. Ornithogalum boissieri : Sie wurde 2016 aus dem Iran erstbeschrieben. Grüner Milchstern (Ornithogalum boucheanum ) Ornithogalum bourgaeanum : Sie kommt in Portugal, Spanien, auf den Balearen, in Frankreich und Italien vor. Ornithogalum brevipedicellatum : Dieser Endemit kommt nur in der südwestlichen Türkei vor. Ornithogalum britteniae : Von diesem Endemiten ist nur ein Fundort auf der Table Farm nahe Grahamstown im Ostkap bekannt. Dieser Bestand ist durch Trittschäden von Weidevieh fortlaufend beeinträchtigt. Sie gilt als „Vulnerable“ = gefährdet. Ornithogalum broteroi : Sie kommt in Portugal, im westlichen Spanien und westlichen Marokko vor. Ornithogalum bungei : Sie kommt im Iran vor. Ornithogalum campanulatum : Sie kommt im Nordkap vor. Sie gilt als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“. Ornithogalum candicans : Es gibt viele Fundorte in den Drakensbergen in Lesotho, südlichen Mpumalanga, Free State und KwaZulu-Natal. Sie gilt als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“. Ornithogalum capillare : Sie ist im südlichen Afrika verbreitet, beispielsweise in Südafrika in KwaZulu-Natal sowie Mpumalanga. Sie gilt als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“. Ornithogalum capillifolium : Über diese Art ist wenig bekannt. Es sind keine weiteren Herbarbelege bekannt als diejenigen, die in der Erstbeschreibung 1934 genannt werden. Die beiden Fundorte, die dort genannt werden, sind die Tsitsikamma- und Kouga-Berge in der Provinzen Ost- sowie Westkap. Ornithogalum ceresianum : Dieser Endemit ist nur noch von zwei oder vielleicht drei Fundorten in Warm Bokkeveld östliche von Ceres im Westkap bekannt. Es gab nur wenige Aufsammlungen. Die Bestände nehmen durch menschlichen Einfluss fortlaufend ab. Sie gilt als „Endangered“ = stark gefährdet. Ornithogalum cernuum : Sie kommt im südlichen tropischen Afrika vor. Ornithogalum chetikianum : Sie wurde 2005 aus der Türkei erstbeschrieben. Ornithogalum chionophilum : Dieser Endemit kommt nur im Troodos-Gebirge auf Zypern vor. Ornithogalum ciliiferum : Sie kommt in den südafrikanischen Provinzen Nord- sowie Westkap vor. Sie gilt als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“. Ornithogalum comptonii : Sie kommt von Matjiesfontein bis Prince Albert sowie Barrydale im Westkap vor. Sie ist nur von sieben Fundorten bekannt, dort ist sie häufig, vielleicht wurde sie an anderen Standorten übersehen und deshalb wird sie nicht als vom Aussterben bedroht bewertet; sie gilt als „Least Concern“ = „nicht gefährdet“. Ornithogalum collinum : Es gibt etwa zwei Unterarten: Ornithogalum collinum subsp. collinum: Sie kommt in Südeuropa vor. Ornithogalum collinum subsp. rhodium : Dieser Endemit kommt nur auf Rhodos vor. Ornithogalum comosum (Syn.: Ornithogalum pannonicum ): Sie kommt von Mittel- und Südosteuropa bis zur Türkei vor. Ornithogalum concinnum : Sie kommt in Portugal und im westlichen Spanien vor.