Geoffrey (deutsch Gottfried, * um 1151; † um 18. Dezember 1212) war ein anglonormannischer Geistlicher. Er war ein unehelicher Abkömmling des Hauses Plantagenet. Von 1173 bis 1181 war er Bischof der englischen Diözese Lincoln, dann diente er bis 1189 als königlicher Kanzler. Ab 1189 war er Erzbischof von York.
Herkunft und Jugend Geoffrey wurde vermutlich 1151 als unehelicher Sohn von Heinrich von Anjou geboren. Über seine Mutter ist nur wenig bekannt. Angeblich soll sie eine Prostituierte namens Ykenai gewesen sein, der es gelang, dem leichtgläubigen jungen Heinrich ihren Sohn unterzuschieben, als dieser 1154 englischer König wurde. Diese Angabe ist aber zweifelhaft, da sie nur von dem Geoffrey ablehnend gegenüberstehenden Chronisten Walter Map stammt. Jedenfalls wurde Geoffrey von seinem Vater anerkannt und vermutlich nach seinem Großvater, Heinrichs Vater Geoffrey of Anjou benannt. Heinrich ließ ihn gemeinsam mit den Kindern seiner Frau Eleonore erziehen.John T. Appleby: Johann »Ohneland«. König von England. Riederer, Stuttgart 1965, S. 49 Mit Eleonore hatte Heinrich einen Sohn, der ebenfalls Geoffrey hieß, jedoch später Herzog der Bretagne wurde.
Der König sorgte dafür, dass sein unehelicher Sohn eine kirchliche Laufbahn einschlug. Bereits vor 1170 wurde Geoffrey Archidiakon von Lincoln, dazu hielt er bis 1173 eine Pfründe an der St Paul’s Cathedral in London. Gelegentlich beauftragte ihn der Papst, um kirchliche Streitfälle zu untersuchen, doch ansonsten tritt Geoffrey zunächst kaum in Erscheinung. Möglicherweise erhielt er auch eine umfassende Ausbildung, denn Gerald of Wales bringt ihn mit einer juristischen Schule in Northampton in Verbindung und Egasse Du Boulay zählte ihn im 17. Jahrhundert zu den Gelehrten der Universität von Paris.
Bischof von Lincoln
Verzögerte Anerkennung als Bischof und Rolle während der Revolte von 1173 bis 1174 Auf Anordnung von Heinrich II. wurde Geoffrey um Mai 1173 zum Bischof der Diözese Lincoln gewählt, doch angesichts seiner Jugend bestätigte Papst Alexander III. die Wahl zunächst nicht. Deshalb konnte Geoffrey während der Revolte von 1173 bis 1174 sofort als Militär unterstützen. Dabei führte er äußerst geschickt ein Heer in Nordengland, während sein Vater gegen Geoffreys Halbbrüder in Frankreich vorging. Geoffrey krönte seinen Feldzug mit der Gefangennahme des schottischen Königs Wilhelm I., der in Nordengland eingefallen war. Anschließend zwang er den in seiner Loyalität schwankenden Hugh du Puiset, den Bischof von Durham, Heinrich II. die Treue zu schwören. Als sich Heinrich II. und Geoffrey 1174 nach der Niederschlagung der Revolte in Huntingdon trafen, soll der König Geoffrey herzlich umarmt und ihn als seinen einzig rechtmäßigen Sohn bezeichnet haben, da sich seine Halbbrüder gegen ihren Vater erhoben hatten. Im Oktober 1174 begleitete Geoffrey seinen Vater in die Normandie, und erst im Juli 1175, vielleicht nach einem Besuch des Königs bei Papst Alexander III., bestätigte Richard of Dover, Erzbischof von Canterbury, die Wahl von Geoffrey zum Bischof. Am 1. August 1175 zog Geoffrey feierlich in Lincoln ein.
Tätigkeit als Bischof Vermutlich weil sein Vater Geoffrey danach zur geistlichen Ausbildung nach Tours sandte, sind aus Geoffreys Amtszeit in Lincoln nur wenige Urkunden erhalten. Erst Weihnachten 1178 kehrte Geoffrey als Diakon nach Lincoln zurück und übernahm die Verwaltung der Temporalien des Bistums. Er besetzte die Ämter der Diözese mit studierten Geistlichen und zählte auch Petrus von Blois zu seinen persönlichen Freunden. Dazu stiftete er für die Kathedrale von Lincoln zwei Glocken, löste für £ 300 verpfändete Ausstattungsgegenstände der Kathedrale ein und erwarb Ländereien der Diözese zurück. Um 1180 erhob er jedoch eine hohe Abgabe in seiner Diözese, wofür ihn sein Vater scharf rügte. Dennoch behielt er weiter einen guten Kontakt zu Heinrich II. Im März 1178 war er zusammen mit seinem Halbbruder Johann Ohneland von Southampton in die Normandie gesegelt und Weihnachten 1178 verbrachte er zusammen mit seinem Vater in Winchester. Als Geoffrey Anfang 1181 zusammen mit seinem Vater in Argentan war, protestierte der Papst energisch gegen die Tatsache, dass Geoffrey noch immer nicht zum Bischof geweiht worden war und dass Lincoln seit fünfzehn Jahren ohne einen geweihten Bischof war. Geoffrey solle entweder sein Amt niederlegen oder endlich die Weihe empfangen. Obwohl der Papst letztlich einen weiteren Aufschub duldete, verzichtete Geoffrey auf sein Bischofsamt, als sein Vater ihn zum königlichen Kanzler ernannte. Im Februar 1181 legte Geoffrey in Frankreich öffentlich sein Amt als Bischof nieder. Dies wiederholte er am 6. Januar 1182 vor den versammelten englischen Bischöfen in Marlborough.
Dienst als königlicher Kanzler Erste Jahre als Kanzler Von seinem Vorgänger als Kanzler, Ralph de Warneville, übernahm Geoffrey auch das Amt des Archidiakons von Rouen und das des Schatzmeisters des Erzbistums York. Dazu übergab ihm sein Vater die Burgen von Baugé im Anjou und von Langeais im Touraine sowie Besitzungen in England und in der Normandie, aus denen er jährliche Einkünfte von 500 Mark hatte. Trotz dieser beachtlichen Ausstattung mit Besitzungen trat Geoffrey nur wenig als Kanzler in Erscheinung, während Walter de Coutances als sein Siegelbewahrer anscheinend den Großteil der Aufgaben des Amtes wahrnahm. Welche Dienste Geoffrey für den König übernahm, ist nicht geklärt, denn Geoffrey wird nur 1182 und 1185 sporadisch im Gefolge des Königs erwähnt. Möglicherweise war er zeitweise in Italien oder gar in Palästina, denn Barone aus dem Königreich Jerusalem boten Heinrich II. die Krone des Königreichs für einen seiner Söhne an. Nach einem Brief von Petrus von Blois war Geoffrey ein möglicher Kandidat für die Krone von Jerusalem. Für Geoffreys Aufenthalt in Frankreich spricht der aus Italien stammende Simon of Apulia, der später Kanzler des Erzbistums York und Dekan von York Minster wurde und erstmals 1189 im Dienst von Geoffrey in England auftaucht.
Rolle im Krieg mit Frankreich von 1187 bis 1189 Als es im Frühjahr 1187 zum Krieg zwischen Frankreich und England kam, ernannte Heinrich II. im Mai 1187 Geoffrey zu einem der Kommandanten seines Heeres, dem er etwa ein Viertel seiner Truppen unterstellte. Zusammen mit seinem Vater musste er im Juni 1189 vor den Franzosen Le Mans räumen. Auch Tours konnten sie nicht halten. Als der erkrankte Heinrich II. sich in Colombiers dem französischen König Philipp II. ergeben musste, war Geoffrey bei dieser Demütigung seines Vaters nicht zugegen. Er begleitete ihn aber anschließend zur Burg Chinon, wo er ihn bis zu seinem Tod pflegte. Vor seinem Tod übergab der König Geoffrey zwei seiner Ringe und erklärte in seinem letzten Willen, dass Geoffrey entweder Bischof von Winchester oder Erzbischof von York werden solle. Geoffrey bevorzugte offenbar das Amt des Erzbischofs, denn nach dem Tod des Königs am 6. Juli 1189 verwendete er widerrechtlich das königliche Siegel, um drei Ämtervergaben in York zu besiegeln. Anschließend überführte er den Leichnam seines Vaters zur Familiengrabstätte Fontevrault. Dort traf er seinen Halbbruder Richard, dem er das königliche Siegel übergab. Elf Tage später nominierte Richard, der nun als Erbe von Heinrich II. englischer König war, ihn als Kandidaten für das Amt des Erzbischofs von York. Am 10. August 1189 wurde Geoffrey vom Kathedralkapitel gewählt. mini|Die Krypta von York Minster ist der einzige Teil der Kirche, der aus der Zeit Geoffreys of York erhalten ist
Erzbischof von York Erste Streitigkeiten in York Die Berichte über Geoffreys weiteres Vorgehen sind widersprüchlich. Nach Gerald von Wales zögerte er, das Amt des Erzbischofs anzunehmen, während Benedict of Peterborough schreibt, dass er sofort seine Beamten nach York sandte, um dort die Besitzungen des Erzbischofs zu übernehmen. Eine Minderheit der Kanoniker des Kathedralkapitels von York, die bei der Wahl nicht anwesend waren, wandte sich an Papst Clemens III. mit der Bitte, die Wahl von Geoffrey nicht anzuerkennen, weil mehrere Kanoniker, aber auch der Dekan Hubert Walter und Bischof Hugh de Puiset von Durham bei der Wahl nicht anwesend gewesen waren. Richard I. unterstützte die Ambitionen seines Halbbruders in York nur halbherzig. Am 30. August übergab er in Windsor die Verwaltung des Erzbistums wieder an Hubert Walter, zog die Temporalien wieder ein und verzögerte die Bestätigung von Geoffreys Wahl. Erst auf der Ratsversammlung von Pipewell am 16. September 1189 bestätigte der König die Wahl. Er beanspruchte aber auch sein Recht, den Dekan von York zu ernennen und ernannte Henry Marshal zum Nachfolger von Hubert Walter, der zum Bischof von Salisbury gewählt wurde. Dazu ernannte er Burchard du Puiset, einen Neffen von Hugh de Puiset zum Schatzmeister und Roger of London zum Abt von Selby Abbey. Diese drei Amtsträger wurden alle erbitterte Gegner von Geoffrey. Als Geoffrey gegen die Ernennungen Einwände erhob, beschlagnahmte der König sowohl die erzbischöflichen Ländereien wie auch Geoffreys Besitzungen in Frankreich, so dass dieser gezwungen war, sich seinem Bruder zu unterwerfen und sich zum Priester weihen zu lassen. Dies setzte Geoffrey rasch um, indem er sich am 23. September von seinem gerade neu geweihten Suffraganbischof John von Whithorn in Southwell zum Priester weihen ließ. Damit brüskierte Geoffrey Erzbischof Balduin von Canterbury, der das Recht der Weihe des Erzbischofs von York für sich beanspruchte. Geoffrey reiste nun nach York, wo er mit Unterstützung zahlreicher Mitglieder des Kathedralkapitels die Einsetzung des von seinem Bruder nominierten Schatzmeisters Burchard du Puiset so lange verweigerte, bis seine eigene Wahl vom Papst bestätigt worden war.
Konflikt mit Richard I. vor dessen Aufbruch zum Kreuzzug Der König war darüber verärgert, dass die von ihm eingesetzten Amtsträger von Geoffrey nicht eingesetzt wurden, womit Geoffrey seine Autorität in Frage stellte. Er ließ Geoffreys drängende Briefe an den Papst abfangen und sandte ihn im November zunächst nach Nordengland. Von dort eskortierte Geoffrey den schottischen König Wilhelm I. nach Canterbury, wo dieser dem englischen König für seine englischen Besitzungen huldigte. In Canterbury traf Geoffrey auf seine Gegner Erzbischof Balduin, den ehemaligen Dekan von York und jetzigen Bischof Hubert Walter sowie Bischof Hugh de Puiset. Walter und Hugh Puiset erhoben vor dem päpstlichen Legaten Giovanni di Anagni zahlreiche Anschuldigungen gegen Geoffrey. Dennoch bestätigte Giovanni di Anagni die Wahl von Geoffrey zum Erzbischof, doch überließ er die endgültige Entscheidung dem Papst. Bevor der König nun Geoffrey seine Besitzungen zurückgab, musste er versprechen, ihm £ 2000 für die Finanzierung des Dritten Kreuzzugs zu zahlen, die Ernennungen des Königs in York zu bestätigen, die Privilegien der Diözese Durham zu bestätigen sowie die Weihe von Abt Roger of Selby zu akzeptieren. Geoffrey hatte in York weitere Schwierigkeiten. Nachdem es während der Vesper am Vorabend des Dreikönigstags 1190 zu einer unwürdigen Auseinandersetzung gekommen war, entließ Geoffrey am nächsten Tag mehrere Geistliche aus ihren Ämtern. Die Anstifter des Streits, Henry Marshal und Burchard du Puiset, exkommunizierte er dazu.