mini|Die Axpo produziert Strom im Klöntalersee… mini|… und mit Kernkraft

Die Axpo Holding AG mit Sitz in Baden, Kanton Aargau, bildet zusammen mit ihren Tochtergesellschaften den Energiekonzern Axpo. Das Unternehmen wurde 2001 gegründet und ist aus der früheren Nordostschweizerischen Kraftwerke AG, NOK, hervorgegangen; es ist zu 100 Prozent in öffentlicher Hand. Axpo produziert, verteilt und vertreibt Strom und ist im internationalen Energiehandel tätig sowie im Geschäft für Energie-Dienstleistungen. Axpo ist in über 30 Ländern in Europa, Nordamerika und Asien präsent.

Aktivitäten Axpo ist das grösste EnergieunternehmenAxpo kann endlich wieder investieren, in: NZZ, 11. Dezember 2019, abgerufen am 27. April 2020. der Schweiz und deckt rund 40 % des Schweizer Strombedarfs ab. Gemäss eigenen Angaben aus dem Jahr 2025 ist Axpo mit Abstand der grösste Schweizer Produzent von Strom aus erneuerbaren Energien. Das Unternehmen ist in Europa zudem vor allem im Geschäft mit Onshore-Wind- und grossen Solaranlagen sowie im internationalen Energiehandel präsent. Ein grosser Teil der inländischen Stromerzeugung fällt auf Wasserkraft und Kernenergie. Hinzu kommen Biomasse, Solar- und Windenergie. Im Ausland stehen Wind- und Solarenergie im Vordergrund. Zudem besitzt Axpo in Italien Gas- und Dampfkombikraftwerke (GuD). Der Konzern investiert vermehrt in grosse Batteriespeicher und Wasserstoff, der mit Strom aus erneuerbaren Energien generiert wird (grüner Wasserstoff). Axpo beschäftigte 2025 rund 7500 Personen und gilt als systemrelevant.

In der Schweiz versorgt Axpo die Nordostschweiz vorwiegend im Business-to-Business-Bereich mit Strom. Die grössten Kunden sind Kantons- und Stadtwerke. Die Tochtergesellschaft CKW versorgt in der Zentralschweiz rund 200'000 Kundinnen und Kunden mit Strom und Fernwärme. In Italien, Spanien, Portugal und Polen verfügt Axpo direkt sowie über ihre Vertriebspartner über insgesamt rund 400'000 Lieferpunkte im Stromvertrieb und über rund 45'000 Lieferpunkte im Gasvertrieb.

Laut Unternehmensstrategie setzt Axpo auf erneuerbare Energien. In den letzten drei Jahren baute der Konzern 1'000 Megawatt (MW) an Wind- und Solarkraft zu, dies aber vor allem im Ausland. Bis 2030 sollen international 10 Gigawatt (GW) an Solarkraft sowie 3 GW an Windkraft zugebaut werden, wobei die Anlagen nach Fertigstellung in der Regel verkauft werden. Teil der Strategie ist es zudem, zur Energieversorgung der Schweiz beizutragen. So fielen in den letzten 10 Jahren 60 % der Investitionen von Axpo auf die Schweiz, was rund CHF 5 Mrd. entspricht. Für ihren Beitrag an die Versorgungssicherheit des europäischen Auslands verweist Axpo auf ihre Pumpspeicherkraftwerke wie Limmern oder den Transport von Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG). Das Kunden- und Handelsgeschäft soll ebenfalls ausgebaut werden.

Geschichte mini|Früheres Logo

Die Wurzeln der Axpo gehen auf die Anfänge der Elektrifizierung der Schweiz vor über 100 Jahren zurück.Geschichte der Axpo, in: Chronik NOK / Axpo, PDF, abgerufen am

1908 verband die damalige Motor AG ihr Niederdruckwasserkraftwerk in der Beznau, Aargau, mit dem Speicherkraftwerk an der Löntsch, Glarus, durch eine 100 Kilometer lange 27-Kilovolt (kV)-Leitung zum Stromverbund. Gründer der Motor AG war Walter Boveri, der auch Mitgründer der Brown, Boveri & Cie. war, die 1988 mit der schwedischen ASEA zur ABB fusionierte. Die Motor AG gliederte die beiden Kraftwerke noch im selben Jahr in die Tochtergesellschaft Kraftwerke Beznau-Löntsch AG aus. Zum Versorgungsgebiet der Gesellschaft gehörte auch Schaffhausen.

Die sichere Stromversorgung gewann früh an Bedeutung und damit stieg politisch der Druck, sie von privater in die öffentliche Hand zu überführen. 1914 schlossen sich die Kantone Aargau, Glarus, Zürich, Thurgau, Schaffhausen und Zug zur Gründung der Nordostschweizerischen Kraftwerke AG,, in: www.ag.ch, Kanton Aargau, abgerufen am 27. April 2020. kurz NOK, zusammen und übernahmen die Kraftwerke Beznau-Löntsch. Später folgten Schaffhausen und Appenzell Innerrhoden. Ihr erstes eigenes Wasserkraftwerk stellte die NOK 1920 bei Eglisau am Rhein fertig. Die Anlage ist seit 1979 denkmalgeschützt.

1958 wurden Deutschland, Frankreich und die Schweiz mit einem 220-kV-Netz verbunden, das 1967 auf die 380-kV-Spannungsebene ausgebaut wurde. Das zentrale Schaltfeld erlangte unter dem Namen «Stern von Laufenburg»Stern von Laufenburg, in. swissgrid.ch, abgerufen am 27. April 2020.Der Stern von Laufenburg, in: Aargauer Zeitung, 16. Mai 2018, abgerufen am 27. April 2020. Bekanntheit und legte die Basis für einen internationalen Verbundnetzbetrieb. Weil die Nachfrage nach Strom stetig und die Produktion aus Wasserkraft gleichzeitig an ihre Grenzen stiess, sollte die Atomkraft zum zweiten Pfeiler der Stromversorgung werden. In den 1960er Jahren war diese Forderung politisch noch breit abgestützt. SP-Bundesrat Willi Ritschard oder der Naturschutzbund, die Vorläuferorganisation von Pro Natura, sprachen sich für Atomkraftwerke aus.Eine vergessene Erfolgsgeschichte, in: Die Weltwoche, 18. August 2011, online nicht verfügbar Im Dezember 1969 wurde der erste Block des Kernkraftwerks Beznau nach einer Bauzeit von vier Jahren kommerziell in Betrieb genommen. 1971 ging der Schwesterblock Beznau 2 in Betrieb.

Neben der Aare-Insel Beznau auf Böttsteiner Boden richtete die NOK 1973 die schweizweit erste Energiedialogstätte mit der Bevölkerung ein. Das Axporama wurde als Informationszentrum für das Kernkraftwerk Beznau erstellt, 2006 mit weiteren Themenbereichen ergänzt und Ende 2020 dauerhaft geschlossen.

Die Europäische Union leitet Ende der 1990er die schrittweise Liberalisierung des Strommarkts ein. Um aus der NOK ein europafähiges Stromunternehmen zu machen, gründeten die NOK sowie die beteiligten Kantone und ihre Kantonswerke 2001 die Axpo Holding AG. Sie umfasste unter ihrem Dach die NOK, die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) und die EGL AG, der späteren Axpo Solutions AG. 2009 wird aus der traditionsreichen NOK die Axpo AG und schliesslich folgt drei Jahre später deren Umfirmierung in die heutige Axpo Power AG.Eine Idee nimmt Unternehmensform an. In: Aargauer Zeitung. 19. Dezember 2000. 2005 startete Axpo (damals noch als NOK) das Grossprojekt «Linthal2015» in den Glarner Alpen. Auf Höhe Limmernsee wurde die Stufe Muttsee-Limmernsee mit einem Pumpspeicherwerk von 1000 Megawatt (MW) Leistung ausgebaut. Rund zehn Jahre dauerten die Planung und der Ausbau. Die Kosten beliefen sich auf 2,1 Mrd. Franken.Pumpspeicherwerk Limmern, in: axpo.com / energiewissen, abgerufen am 27. April 2020.

Als Reaktion auf das Reaktorunglück in Fukushima in Japan von 2011 beschloss der Schweizer Bundesrat den Verzicht auf den Bau neuer Kernkraftwerke. Deutschland wollte bis 2022 aus der Atomkraft aussteigen und nahm ältere AKWs vom Netz, während stillgelegte Kohlekraftwerke wieder hochgefahren wurden.Kohle erlebt nach Atomausstieg eine Renaissance, in: welt.de, 12. März 2012, abgerufen am 27. April 2020. Die Folge waren massiv fallende Öl- und Gaspreise, während CO2-ZertifikateWas sind CO2-Zertifikate?, in: myclimate.org, abgerufen am 27. April 2020. aufgrund des nicht funktionierenden Handels zu günstig waren. Gleichzeitig förderte namentlich Deutschland den subventionierten Zubau von Wind- und Solaranlagen stark. In der Folge kam es an den Strombörsen zum Zerfall der Grosshandelspreise. Die Einnahmen für stromproduzierende Unternehmen wie die Axpo brachen ein.Schweizer «Kollateralschaden» der deutschen Energiepolitik, in: NZZ, 21. Dezember 2013, abgerufen am 27. April 2020.Alle Jahre wieder – Axpo mit milliardenschweren Abschreibungen, in: NZZ, 19. September 2016, abgerufen am 27. April 2020. Ende 2016 setzte die UBS das Kreditrating der Axpo auf «BBB+» herunter, mit Ausblick «negativ».handelszeitung.ch vom 22. Dezember 2016: Nach Rekordminus: UBS stuft Axpo zurück Aktuell bewertet UBS den Ausblick «stabil» bei gleichbleibendem Rating, die ZKB mit «A-, stabil» (siehe aktuelle KreditratingsRatings zu ausstehenden Anleihen, axpo.com / investor relations, abgerufen am 27. April 2020.)

2017 verwarf das Schweizer Stimmvolk die Atomausstiegsinitiative an der Urne. AKW sollten so lange betrieben werden, wie sie sicher sind und die Lücke überbrücken helfen, bis die Energiestrategie 2050 des BundesEnergiestrategie 2050 des Bundes, in: uvek.admin.ch, abgerufen am 27. April 2020. greifen kann. Das Nein wurde indes nicht als Ja zur Atomkraft per se gewertet.Georg Lutz und Florence Lebert (2017). VOTO-Studie zur eidgenössischen Volksabstimmung vom 27. November 2016. FORS, ZDA, LINK: Lausanne/Aarau/Luzern, in: voto.swiss / uploads PDF

Seit dem Geschäftsjahr 2014/15 expandierte der Konzern in Wind- und Solarenergie. Namhafte Zukäufe waren die vollständige Übernahme der deutschen Volkswind (2015).Axpo übernimmt deutschen Windparkbetreiber, in: srf.ch, 16. Juli 2017, abgerufen am 27. April 2020. sowie der französischen Urbasolar (2019).Axpo übernimmt Volkswind, in: axpo.com / medienmitteilung, 16. Juli 2015 Des Weiteren hielt Axpo an Global Tech I eine Beteiligung von 24,1 %. Der Offshore-Windpark ist seit 2015 in Betrieb.Global Tech I in Betrieb genommen, in: n-tv.de, 2. September 2015 Gemäss eigener Aussage will der Konzern den Bereich erneuerbare Energie weiter ausbauen, inkl. dem Geschäft mit langfristigen Stromverträgen (Power Purchase Agreements).The Rise of Corporate PPAs 2.0 an Update – July 2018, in: Baker McKenzie 2018 Prozesse sollen vermehrt digitalisiert werden, um Synergien zu heben und an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen.

Aufgrund extremer Preissteigerungen auf den Energiemärkten im Jahr 2022 reichte die Axpo Holding beim Bundesrat ein Gesuch um temporäre Liquiditätsunterstützung ein. Dieser aktivierte, gestützt auf eine Notverordnung (Verordnung über subsidiäre Finanzhilfen zur Rettung systemkritischer Unternehmen der Elektrizitätswirtschaft), mit Bewilligung der dafür zuständigen Finanzdelegation der Bundesversammlung Anfang September 2022 einen Rettungsschirm und stellte der Axpo einen Kreditrahmen im Umfang von 4 Milliarden Franken zur Verfügung.https://www.news.admin.ch/de/nsb?id=90234 Auf Gesuch der Axpo hat das UVEK die dazugehörige Verfügung per 1. Dezember 2023 vollständig aufgehoben, ohne das der Kreditrahmen je beansprucht wurde.

2024 sollte die Axpo auf eine neue juristische Grundlage gestellt werden; der gültige Axpo-Aktionärsbindungsvertrag schützte die Axpo seit 1914 vor der Privatisierung.Keine Verscherbelung von Volksvermögen, Schaffhausen24, 19. März 2024 Nachdem acht Kantone einem neuen Vertragswerk zugestimmt hatten, verunmöglichte ein vom Volk abgelehntes Referendum im Kanton Schaffhausen die Einführung des vorgeschlagenen neuen Vertrags.Der neue Axpo-Vertrag ist gescheitert, SRF, 18. August 2024 Im Januar 2025 wurde im Zürcher Regierungsrat eine Interpellation eingereicht, die sich mit der aktuellen Situation und den künftigen Schritten bezüglich NOK-Gründervertrag befasst. Der Regierungsrat erkannte den rechtlichen Handlungsbedarf an und erachtet es als notwendig, eine Lösung zu finden, die den unterschiedlichen Anliegen gerecht wird.

Im Juli 2025 wurde bekannt, dass Axpo auch zukünftig die polnische Sokołów-Gruppe, einer der grössten Fleischproduzenten in Mittel- und Osteuropa, mit Strom beliefern wird.

Unternehmen Die Axpo-Gruppe versorgt in der Nordostschweiz und der Zentralschweiz rund 3 Millionen Menschen und mehrere tausend Industrie- und Gewerbebetriebe mit Energie und energienahen Dienstleistungen. Eigentümer der Axpo Holding sind die Nordostschweizer Kantone und deren Kantonswerke.

Aktionäre Die Aktien der Axpo Holding sind vollständig in der Hand der nordostschweizerischen Kantone bzw. Kantonswerke. Im Detail sind dies:

Elektrizitätswerke des Kantons Zürich mit 18,410 % Kanton Zürich mit 18,342 % AEW Energie mit 14,026 % Kanton Aargau mit 13,975 % St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke mit 12,501 % EKT Holding mit 12,251 %