(1073) Gellivara ist ein Asteroid des äußeren Hauptgürtels, der am 14. September 1923 vom österreichischen Astronomen Johann Palisa an der Universitätssternwarte Wien bei einer Helligkeit von 13,8 mag entdeckt wurde. Es war seine letzte von insgesamt 122 Asteroidenentdeckungen, die er seit 1874 gemacht hatte.
Der Asteroid ist benannt nach dem Ort Gällivare im schwedischen Lappland, wo Astronomen aus verschiedenen Ländern die totale Sonnenfinsternis vom 29. Juni 1927 beobachten konnten. Die Benennung als Zeichen des Dankes an Schweden erfolgte nach dem Tod Palisas auf Wunsch des Astronomischen Rechen-Instituts durch den österreichischen Astronomen Joseph Rheden im Einverständnis mit Anna Palisa, der zweiten Ehefrau des Entdeckers.J. Rheden: Benennung von Kleinen Planeten. In: Astronomische Nachrichten. Band 240, Nr. 5753, 1930, Sp. 303–304, doi:10.1002/asna.19302401707.
Aufgrund ihrer Bahneigenschaften wird (1073) Gellivara zur Themis-Familie gezählt.
Wissenschaftliche Auswertung Aus Ergebnissen der IRAS Minor Planet Survey (IMPS) wurden 1992 erstmals Angaben zu Durchmesser und Albedo für zahlreiche Asteroiden abgeleitet, darunter auch (1073) Gellivara, für die damals Werte von 35,7 km bzw. 0,02 erhalten wurden.E. F. Tedesco, P. V. Noah, M. Noah, S. D. Price: The Supplemental IRAS Minor Planet Survey. In: The Astronomical Journal. Band 123, Nr. 2, 2002, S. 1056–1085, doi:10.1086/338320 (PDF; 398 kB). Eine Auswertung von Beobachtungen durch das Projekt NEOWISE im nahen Infrarot führte 2011 zu vorläufigen Werten für den Durchmesser und die Albedo im sichtbaren Bereich von 26,0 km bzw. 0,05.J. R. Masiero, A. K. Mainzer, T. Grav, J. M. Bauer, R. M. Cutri, J. Dailey, P. R. M. Eisenhardt, R. S. McMillan, T. B. Spahr, M. F. Skrutskie, D. Tholen, R. G. Walker, E. L. Wright, E. DeBaun, D. Elsbury, T. Gautier IV, S. Gomillion, A. Wilkins: Main Belt Asteroids with WISE/NEOWISE. I. Preliminary Albedos and Diameters. In: The Astrophysical Journal. Band 741, Nr. 2, 2011, S. 1–20, doi:10.1088/0004-637X/741/2/68 (PDF; 73,0 MB). Nach der Reaktivierung von NEOWISE im Jahr 2013 und Registrierung neuer Daten wurden die Werte 2015 zunächst mit 22,1 km bzw. 0,07 angegebenC. R. Nugent, A. Mainzer, J. Masiero, J. Bauer, R. M. Cutri, T. Grav, E. Kramer, S. Sonnett, R. Stevenson, E. L. Wright: NEOWISE Reactivation Mission Year One: Preliminary Asteroid Diameters and Albedos. In: The Astrophysical Journal. Band 814, Nr. 2, 2015, S. 1–13, doi:10.1088/0004-637X/814/2/117 (PDF; 1,07 MB). und dann 2016 korrigiert zu 22,7 km bzw. 0,07, diese Angaben beinhalten aber alle hohe Unsicherheiten.C. R. Nugent, A. Mainzer, J. Bauer, R. M. Cutri, E. A. Kramer, T. Grav, J. Masiero, S. Sonnett, E. L. Wright: NEOWISE Reactivation Mission Year Two: Asteroid Diameters and Albedos. In: The Astronomical Journal. Band 152, Nr. 3, 2016, S. 1–12, doi:10.3847/0004-6256/152/3/63 (PDF; 1,34 MB).
Photometrische Messungen des Asteroiden fanden erstmals statt am 8. und 9. Oktober 2008 an der Goat Mountain Astronomical Research Station (GMARS) in Kalifornien. Aus der lückenhaften Lichtkurve wurde zunächst eine Rotationsperiode von 11,32 h abgeleitet.R. D. Stephens: Asteroids Observed from GMARS and Santana Observatories. In: The Minor Planet Bulletin. Bulletin of the Minor Planets Section of the Association of Lunar and Planetary Observers, Band 36, Nr. 2, 2009, S. 59–62, (PDF; 1,04 MB).
Im Jahr 2019 wurde mit einer Auswertung von Daten des Lowell-Observatoriums in Arizona und von Gaia DR2 erstmals ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für eine Rotationsachse mit retrograder Rotation und einer Periode von 16,84716 h berechnet.J. Ďurech, J. Hanuš, R. Vančo: Inversion of asteroid photometry from Gaia DR2 and the Lowell Observatory photometric database. In: Astronomy & Astrophysics. Band 631, A2, 2019, S. 1–4, doi:10.1051/0004-6361/201936341 (PDF; 146 kB).
Eine Auswertung von Daten des Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System (ATLAS) aus dem Zeitraum 2015 bis 2018 ergab in einer Untersuchung von 2020 für den Asteroiden eine Rotationsperiode von 16,847 h, darüber hinaus konnte eine taxonomische Zuordnung mit einer Wahrscheinlichkeit von 58 % für einen C-Typ und 42 % für einen S-Typ angegeben werden.N. Erasmus, S. Navarro-Meza, A. McNeill, D. E. Trilling, A. A. Sickafoose, L. Denneau, H. Flewelling, A. Heinze, J. L. Tonry: Investigating Taxonomic Diversity within Asteroid Families through ATLAS Dual-band Photometry. In: The Astrophysical Journal Supplement Series. Band 247, Nr. 1, 2020, S. 1–7, doi:10.3847/1538-4365/ab5e88 (PDF; 14,3 MB).
Im Jahr 2023 wurde aus photometrischen Messungen von Gaia DR3 erneut ein dreidimensionales Gestaltmodell des Asteroiden für zwei alternative Rotationsachsen mit retrograder Rotation und einer Periode von 16,8471 h berechnet.J. Ďurech, J. Hanuš: Reconstruction of asteroid spin states from Gaia DR3 photometry. In: Astronomy & Astrophysics. Band 675, A24, 2023, S. 1–13, doi:10.1051/0004-6361/202345889 (PDF; 32,9 MB).
Siehe auch Liste der Asteroiden
Weblinks
(1073) Gellivara in der Database of Asteroid Models from Inversion Techniques (DAMIT, englisch).
Einzelnachweise