miniatur|250px|Tor des Vertrauens, 1974/76, MühlackerGerlinde Beck, geb. Übele (* 11. Juni 1930 in Stuttgart-Cannstatt; † 19. Februar 2006 in Mühlacker-Großglattbach) war eine deutsche Bildhauerin und Malerin.
Leben Gerlinde Beck war die jüngste Tochter von Gotthilf Übele und seiner Frau Maria, geborene Sommer. Diese führten ein Zimmerei- und Leitergeschäft, in dem die Tochter schon früh Erfahrungen mit dem Baustoff Holz sammeln konnte. Als das Geschäft beim Bombenangriff 1943 abgebrannt war, beging ihr Vater Selbstmord. Gerlinde Beck absolvierte zunächst parallel zur Schule ein Praktikum in einer Holzschnitzer-Werkstatt in ihrem Wohnort Stuttgart-Bad Cannstatt. Von 1949 bis 1956 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Karl Hils, Peter Otto Heim, Gerhard Gollwitzer und Willi Baumeister und absolvierte zudem eine Feinblechner-Lehre in der Süddeutschen Kühlerfabrik Behr in Stuttgart-Feuerbach.
Beck hat sich einen Namen mit Auftragsarbeiten für „Kunst am Bau“ und im öffentlichen Raum gemacht. Ihre Arbeiten wurden vielfach ausgestellt und sind in zahlreichen Museen zu sehen. Einem breiten Publikum wurde sie mit der zwischen 1973 und 1984 entstandenen „Klangstraße“ bekannt, einer Reihe von zwölf Einzelskulpturen aus verschiedenen Materialien, die zur Klangerzeugung benutzt wurden. Am Anfang dieser Arbeit stand ein Hörerlebnis, als Siegfried Fink im Rahmen einer Ausstellung im Heilbronner Kunstverein (1973) einige der Skulpturen von Gerlinde Beck bespielte: „Ein erstes Klopfen hat mich aufhorchen lassen, und danach sind eine ganze Reihe von Klangskulpturen entstanden“ (G.B.).Gerlinde Beck (Hg.): raumchoreografie; Katalog der Arbeiten von Gerlinde Beck, Bd.III (1992), S. 6 1985 wurden die zu einer „Klangstraße“ erweiterten Metallskulpturen im Rahmen der „Tage der Neuen Musik“ (Würzburg) als musikalische Klangquelle präsentiert. Dabei entstand eine 30-cm-LP"musique en tête"; Edition HKW 1985, produziert und vertrieben vom Label „Recommended Music“ (Würzburg) mit Kompositionen von Karlheinz Stockhausen, Klaus Hinrich Stahmer, Christoph Wünsch und Anestis Logothetis. 1992 stand die „Klangstraße“ im Mittelpunkt des Interesses bei einer Veranstaltung der Hochschule für Musik Trossingen. Für die Beschreibung ihrer in den Raum integrierten Skulpturen und Installationen fand die Künstlerin selbst den Begriff Raumchoreografie. Gerlinde Beck war Mitglied des Deutschen Künstlerbundes und der GEDOK.
1996 hat sie die Gerlinde-Beck-Stiftung gegründet, um vor allem junge Künstler zu fördern.
Gerlinde Beck war verheiratet mit dem Musiker Hans-Peter Beck.
Ausstellungen (Auswahl) 1962: Galerie Parnass, Wuppertal-Elberfeld 1965: Galerie De Mangelgang, Groningen (Holland) 1966: Pädagogische Hochschule, Dortmund 1966: Kunstverein Freiburg 1967: Kunstpreis der Böttcherstraße 1967, Paula-Becker-Modersohn-Haus, Bremen 1968: Kunsthalle Mannheim 1969: Wilhelm-Lehmbruck-Museum, Duisburg 1970: Prisma '70. 18. Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes, Rheinisches Landesmuseum Bonn, BonnAusstellungskatalog 1970: Abb. 30 (Gerlinde Beck: Raumartikulation (7 Teile), Entwurf, 1969, V2A-Stahl auf Holz, 215 × 200 × 80 cm) 1970: Kunstverein Oldenburg 1970: Kunsthalle Bremen 1971: Kunsthalle Wilhelmshaven 1971: Württembergischer Kunstverein, Stuttgart 1973: Kunstpavillon, Soest 1973: Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen 1973: Mannheimer Kunstverein 1974: Kunstverein Heilbronn 1977: Museum am Ostwall, Dortmund 1979: Stadthalle Göppingen 1985: Reuchlinhaus, Pforzheim 1985: Städtische Galerie Hornmoldhaus, Bietigheim 1986: gedok-Galerie, Stuttgart 1987: Kunstverein Augsburg, Holbein-Haus 1989: Märkisches Museum, Witten 1992: Städtisches Museum Schloss Salder, Salzgitter 1992: Edition Ritzi, Hochschule für Musik Trossingen 1997: Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl 1998: Kirche zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit, Fellbach-Schmiden 2001: Palazzo Magnani, Reggio Emilia (Italien) 2006: Galerie Schlichtenmaier, Schloss Dätzingen 2016: Raumchoreographien. Tanz, Klang und Raum in der Skulptur von Gerlinde Beck, Museum Ettlingen, Schloss
Auszeichnungen und Preise 1961 Hugo-von-Montfort-Preis 1962 Zweiter Preis beim 3. Grand Prix International de Sculpture in Monaco 1967 Kunstpreis der Böttcherstraße in Bremen 1977 Stipendium der Cité Internationale des Arts Paris 1984 Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland 1989 Verleihung der Professoren-Titel 1995 Enzkreis-Medaille 2001 Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland
Galerie
Zitate „Mit ihrem bestechenden handwerklichen Können und ihrem sensiblen Gefühl für Techniken und Material hat Gerlinde Beck immer wieder ganz eigene Akzente gesetzt und damit Kunst und Kultur in der Bundesrepublik Deutschland entscheidend mitgeprägt“ (Ministerpräsident Lothar Späth bei der Verleihung des Professorentitels am 18. April 1989) „Sie beherrschte die Kunst, das Material Stahl tanzen zu lassen.“ (Nachruf stimme.de 24. Februar 2006)
Siehe auch Liste von Bildhauerinnen
Literatur Wilhelm Nettmann: Gerlinde Beck, 1975, ISBN 3-7647-0271-0. Gerlinde Beck: Werkverzeichnis, Hatje Cantz, ISBN 3-89322-780-6. Kuno Schlichtenmaier: Gerlinde Beck. Skulpturen, Handzeichnungen, Collagen, Druckgrafik, Edition Schlichtenmaier 1995, ISBN 3-89298-103-5. Christiane Dressler: Gerlinde Beck, geb. Übele. Bildhauerin am Schweißgerät. Raumchoreografin. In: „Und die Frauen?“ Cannstatter Frauengeschichte(n) aus zehn Jahrhunderten. Nikros-Verlag, Ludwigsburg 2021, ISBN 978-3-943688-09-2, S. 294–299.
Weblinks
Webseite Gerlinde Beck Kunstplattform: Biografie Gerlinde Beck
Einzelnachweise
Kategorie:Maler der Moderne Kategorie:Bildhauer (Baden-Württemberg) Kategorie:Mitglied im Deutschen Künstlerbund Kategorie:Künstler (Kunst am Bau) Kategorie:Klangkünstler Kategorie:Ehrenprofessor des Landes Baden-Württemberg Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1930 Kategorie:Gestorben 2006 Kategorie:Frau