330px|Weinlese, im Hintergrund das Niederwalddenkmal DatenWeinbaugebiet: RheingauBundesland: HessenWeinanbau seit: mind. 8. JahrhundertFläche: 3211 Hektar (2018)kenndatenWeinproduktion: 276.294 hl (2008)Anteil Prädikatswein: ca. 35,9 %Anteil Qualitätswein: ca. 64,1 %Website: Rheingauer Weinbauverband Karte 330px|Deutsche Weinanbaugebiete

Der Rheingau ist nach Abs. 1 Nr. 9 Weingesetz eines von 13 Anbaugebieten für Qualitätswein in Deutschland. Es erstreckt sich hauptsächlich westlich des Rheinknies bei Wiesbaden auf einem schmalen Streifen zwischen dem hier nach Westen fließenden Rhein und den nördlich davon gelegenen Höhen des Taunus, schließt aber auch die Rebflächen in Wiesbaden und am nördlichen Mainufer zwischen Flörsheim und der Mainmündung ein.

Das Gebiet hat eine Fläche von ca. 3200 ha, auf der vorwiegend die Rebsorte Riesling angebaut wird.Deutscher Wein – Statistik 2019/2020.

Geographie Lage Im Rhein-Main-Gebiet reihen sich nördlich von Rhein und Main und südlich des Taunus die Weinorte von Lorchhausen im Westen bis Frankfurt am Main mit dem Lohrberger Hang im Osten. Hinzu kommt der nördlichste Weinberg Hessens, der Böddiger Berg in Felsberg an der Eder. Damit ist das als Rheingau bezeichnete Weinanbaugebiet größer als der Rheingau im geographischen und historischen Sinne.Dies ergibt sich aus dem Weingesetz. Da es in Hessen nur die beiden Weinbaugebiete Rheingau und Hessische Bergstraße gibt, müssen alle hessischen Weinberge einem von diesen zugeordnet werden. So werden z. B. die Weinberge bei Groß-Umstadt zur Hessischen Bergstraße gerechnet.

Das Anbaugebiet erweiterte sich auf das linke Mainufer, als 1980 in der ehemaligen Weinstadt Rüsselsheim durch Oberbürgermeister Storsberg mit Hilfe des Rheingauer Weinbauverbandes ein Gedächtnisweinberg angepflanzt wurde. An historischer Stätte an der Südseite der Festung erinnert er an die erste Erwähnung des Rieslings 1435 in den Regesten des Grafen Johann von Katzenelnbogen.

mini|Rüdesheimer Berg Schlossberg

Die Rebflächen sind: Eltville am Rhein Frankfurt am Main Felsberg Flörsheim am Main Geisenheim Hochheim am Main Kiedrich Lorch Lorchhausen Oestrich-Winkel Rüdesheim am Rhein Walluf Wiesbaden

Sie bilden das bestimmte Anbaugebiet für Qualitätswein Rheingau.Landesrechtliche Vorschriften über das bestimmte Anbaugebiet Rheingau, auf hessenrecht.de, abgerufen am 31. Mai 2016. Dabei liegen nur Eltville, Geisenheim, Kiedrich, Lorch, Lorchhausen, Oestrich-Winkel, Rüdesheim und Walluf in der historischen Landschaft Rheingau. Frankfurt am Main, Flörsheim, Hochheim und Wiesbaden liegen östlich davon im Main-Taunusvorland bzw. Vordertaunus, und Felsberg liegt ganz weit von den genannten Kommunen entfernt im Edertal in Nordhessen.

Klima Das Klima im Rheingau ist sehr mild. Er liegt im Regenschatten der bewaldeten Höhen des von Südwesten nach Nordosten ausgerichteten Rheingaugebirges, eines Teils des Hohen Taunus. Die Wälder hemmen den Abfluss nächtlicher Kaltluft in die darunter gelegenen Weinberge. Weil der Rhein bis Rüdesheim nach Westen verläuft, gibt es im Rheingau vorwiegend Südhänge, die einer starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind.

Im 30-jährigen Mittel (1981–2010) ergaben sich folgende Werte:Regierungspräsidium Darmstadt, Dezernat Weinbauamt Eltville: [Web|url=https://rp-darmstadt.hessen.de/umwelt/landwirtschaftfischereiweinbau/weinbau |text=Weinbauliche Kenndaten – Rheingau], Stand: 31. Juli 2018.

Niederschläge: 590 mm in 12 Monaten, 360 mm in der Vegetationszeit (Messstelle Eltville) Sonnenscheinstunden: 1.649 Stunden in 12 Monaten, 1.299 Stunden in der Vegetationszeit (Messstelle Geisenheim) Mittlere Jahrestemperatur: 10,7 °C, 15,7 °C in der Vegetationszeit (Messstelle Eltville)

Rebsorten mini|Die häufigste Rebsorte im Rheingau: der Riesling

Die bei weitem häufigste Rebsorte im Rheingau ist der Riesling (Weißwein). Er nimmt ca. 80 % der Anbaufläche und fast alle Spitzenlagen ein und besitzt eine sehr hohe Qualität. Eine Sonderstellung im Rheingau hat dabei der Weinort Assmannshausen. Hier wird auf 75 ha Spätburgunder (Rotwein) angebaut, womit dort die größte zusammenhängende Anbaufläche für Spätburgunder in Deutschland besteht.

Insgesamt ergibt sich folgende Verteilung: Riesling 78,0 % Spätburgunder 12,2 % Sonstige weiße Sorten 7,6 % Sonstige rote Sorten 2,2 %

Der Hektarhöchstertrag liegt gesetzlich geregelt bei ca. 100,0 hl/ha. In der Regel werden im Gebiets-Schnitt aber nur rund 67 hl/ha geerntet.

Der Rheingauer Wein braucht oft wegen seiner Säurestruktur und seiner Komplexität Lagerzeit zur Entwicklung der ihm eigenen geschmacklichen Eigenschaften. Je nach Jahrgang und Qualitätsstufe kann dies selbst bei trockenen Weinen zwei und mehr Jahre dauern. Der Trend geht zu Rieslingweinen, die mit Säurewerten von 6,5 bis knapp 8 g/l ausgebaut werden und so in den ersten beiden Jahren nach der Ernte am besten schmecken.

Geschichte des Weinbaus im Rheingau mini|Schloss Johannisberg mit seinem Weinberg

Die Geschichte des Weinbaus am Rhein reicht bis in die Römerzeit zurück. Der „Weinkaiser“ Probus (* 232, † 282) regte in der Pfalz den Weinbau an. Jedoch schien dieser sich auf das linke Rheinufer zu beschränken. Im Rheingau gibt es keine konkreten Hinweise hierauf und allenfalls vereinzelte Funde römischer Werkzeuge und Gerätschaften für den Weinbau. Möglicherweise lag das an dem nahe gelegenen Limes, der nur wenige Kilometer nördlich durch den Taunus verlief. Während der Völkerwanderung geriet der Weinbau dann weitgehend in Vergessenheit.

Erst Karl der Große brachte neue Impulse. Der Legende nach blickte er von seiner Pfalz in Ingelheim über den Rhein und bemerkte, dass der Schnee am Johannisberg (Schloss Johannisberg) früher schmolz als anderswo. Er ordnete deshalb an, hier Reben anzubauen. Durch ihn wurden die Weinanbauflächen erheblich ausgedehnt. Der erste Weinbau auf dem Johannisberg ist aus dem Jahr 817 überliefert, in Walluf sogar bereits aus dem Jahr 779. Zunächst trug der Berg jedoch noch die Bezeichnung Bischofsberg, welche vermutlich auf den Gelehrten Rabanus Maurus zurückgeht, der sich während seiner Zeit als Mainzer Erzbischof um 850 öfter im Rheingau aufhielt und auch dort starb. Durch eine Schenkung Kaiser Ottos II., welche als Veroneser Schenkung in die Geschichte einging, erlangte der Mainzer Erzbischof Willigis Lehensrechte im Rheingau. Im Jahr 1100 ging er an die Benediktinermönche des Stiftes St. Alban vor Mainz über, die hier ein Kloster gründeten. Die Abteikirche wurde im Jahr 1130 Johannes dem Täufer geweiht, was zur Umbenennung in Johannisberg führte.

Um diese Zeit erreichte der Weinbau in Deutschland einen Höhepunkt: Die Rebfläche war mit ca. 300.000 ha etwa dreimal so groß wie heute. An der Durchführung und Weiterentwicklung waren vor allem die Klöster beteiligt. Neben den Benediktinermönchen von Kloster Johannisberg waren dies im Rheingau besonders die Zisterzienser aus dem Kloster Eberbach, welches sich in den nächsten Jahrhunderten zu einem Zentrum des Weinbaus entwickelte. Ihr Weinhandel war hauptsächlich rheinabwärts gerichtet und florierte dank umfänglicher Zollbefreiungen der Grafen von Katzenelnbogen, die Kloster Eberbach zu ihrem Hauskloster machten. Während in Frankfurt Verbote für das Neuanlegen von Weinbergen erlassen wurden und die Herren in Mainz die Erträge ihrer Weinberge im Rheingau durch ein Gebot einschränkten, nur noch frenschen (guten und ertragreichen roten) Wein anbauen zu lassen, pflanzte Graf Johann von Katzenelnbogen im nahegelegenen Rüsselsheim eine neue weiße Rebsorte, den Riesling, an. Sein Besitz umfasste neben zahlreichen Weinbergen vom Neckar bis zur Mosel auch Weinberge in Rüdesheim am Rhein. In seinen Lehnsbriefen werden neben Weinbergen um die Stadt auch ein Weinberg im Geisenheimer Feld von 1346 erwähnt. In diesem Zeitraum des Spätmittelalters, einer Blütezeit der Entdeckungen von Wissenschaft und Kunst, aber auch der Dekadenz des geistlichen und weltlichen Fürstenstandes, entstand ein gesteigertes Bedürfnis an erlesenen Getränken. Während die Preise von Malvasier und anderen alkoholreichen Weinen aus dem Mittelmeerraum die lokalen Weine um das Vier- bis Fünffache übertrafen und Bier dem Wein starke Konkurrenz machte, löste der sortenreine Satz den traditionellen Gemischten Satz ab, was ein Aufkommen von Ersterwähnungen von Rebsorten nach dem Riesling u. a. in Hattenheim 1470 mit der Rebsorte Klebrot (Spätburgunder) oder 1476 der Rebsorte Grobrot in Kloster Eberbach bezeugt. Allerdings scheint auch der Begriff Rheingauer Wein schon ein geschätztes Qualitätsmerkmal gewesen zu sein, da Graf Philipp von Katzenelnbogen-Diez 1475 seinen Amtmann als Entlohnung zwischen Rheingauer und Bergsträßer Wein wählen ließ. Die Wirren der Reformation, in der auch die neugewonnenen Erkenntnisse verfielen, hemmten eine äußerst fruchtbare Entwicklung auf lange Zeit.

Entdeckungen und Neuzüchtungen im Rheingau Entstehung der Spätlese und Entdeckung der Edelfäule mini|Edelfäule beim Riesling

Bis ins 18. Jahrhundert war ein spätes Lesen in solch nördlichen Breitengraden wie im Rheingau nicht üblich, da die Winzer einen Fäulnisbefall der Trauben befürchteten. Die Zeit der Lese war deshalb auch von den Gemeinden vorgeschrieben.

Eine Ausnahme bildete das Schloss Johannisberg, welches dem Fürstbischof von Fulda gehörte. Bevor der Johannisberger Kellermeister alljährlich mit der Lese beginnen konnte, musste er zuerst die Erlaubnis aus Fulda einholen. Im Jahr 1775 verspätete sich jedoch der reitende Bote um 14 Tage. Über die Gründe gibt es mehrere Versionen; eine besagt, der Fürstbischof sei aufgrund eines Jagdausflugs nicht erreichbar gewesen, eine andere, dass der Bote von Räubern aufgehalten worden sei. Jedenfalls mussten die Mönche vom Kloster Johannisberg mit ansehen, wie ihre Reben von Fäulnis befallen wurden und zu schrumpfen anfingen. Geerntet wurde schließlich nach Eintreffen der Erlaubnis trotzdem, und wie sich zeigte, entstand zum Erstaunen der Kellermeister ein außergewöhnlich guter Wein. Durch dieses für den Weinbau epochale Ereignis war die Spätlese entdeckt und mit ihr die Tatsache, dass Wein aus edelfaulen Trauben von besonderer Güte sein kann. Diese Edelfäule war fortan verantwortlich für Raritäten mit Prädikatsbezeichnungen wie der Auslese, der Beerenauslese und der Trockenbeerenauslese.

Erstmals seit dem Jahrgang 1999 gibt es nur im Rheingau Weine aus wissenschaftlich klassifizierten Lagen, welche die Bezeichnung Erstes Gewächs tragen. Denn nur auf klimatisch begünstigten Standorten und besten Böden (Terroir) kann ein Wein von ganz besonderer Güte wachsen, dessen unverwechselbarer Bodencharakter im Vordergrund steht und sich im Weingenuss widerspiegelt.

mini|Weinbaukarte des nassauischen Rheingaus

Im Jahr 2011 wurde entdeckt, dass die Lagenklassifizierung im Rheingau schon eine 150-jährige Geschichte hat. Das 1867 von Friedrich Wilhelm Dünkelberg herausgegebene Werk Der nassauische Weinbau enthält eine Weinbau-Karte des nassauischen Rheingaus, in der alle damals vorhandenen Rebflächen farblich markiert sind, und zwar in drei verschiedenen Rottönen die Weinberge I. Klasse, die Weinberge II. Klasse und die übrigen Weinberge.Daniel Deckers 2011: (PDF; 92 kB).dilibri Rheinland-Pfalz: .

Zu den Weinbergen I. Klasse wurden im Jahr 1867 nur dreizehn Lagen in neun Gemarkungen gezählt:

Gemarkung Namen der Lage Rauenthal Gehren, Wieshell, Rothenberg Kiedrich Gräfenberg Erbach Marcobrunn Hattenheim Steinberg Johannisberg Schloss Johannisberg Geisenheim Rotheberg Rüdesheim Hinterhaus, Rottland, Berg Assmannshausen Hinterkirch (Rother Wein) Hochheim Hochheimer Dom-Dechanei