Marianne „Manni“ Sayn-Wittgenstein-Sayn (eigentlich Maria Anna Sayn-Wittgenstein, geb. Mayr-Melnhof; * 9. Dezember 1919 in Salzburg; † 4. Mai 2025 in München) war eine österreichische Fotografin, bekannt als Mamarazza sowie als Fürstin zu Sayn-Wittgenstein(-Sayn).

Leben Maria Anna „Marianne“ Mathilde Theodora Ladislaja Theresia Mayr-Melnhof, spätere Sayn-Wittgenstein,Meldeauskunft aus dem Zentralen Melderegister (ZMR) am 16. Dezember 2018. Hierin: mit damaligem Hauptwohnsitz Fuschl am See.Pfarre St. Andrä, Taufbuch TFB19, 1916-1920, S. 141, abgerufen am 7. Juli 2024. wurde im Dezember 1919 in Salzburg als ältestes von neun Kindern des Friedrich Mayr-Melnhof (1892–1956, bis April 1919 Freiherr Mayr von Melnhof) und seiner Gattin Maria-Anna (1897–1983), einer geborenen Gräfin von Meran aus einer morganatischen Nebenlinie des Hauses Habsburg-Lothringen, geboren. Ihr Vater war im Land Salzburg Großgrundbesitzer. Ihre Mutter war eine Tochter des Geheimrats und erblichen Mitglieds des Herrenhauses des österreichischen Reichsrats, des Grafen Johann von Meran (1867–1947),Genealogisches Handbuch des Adels. Gesamtreihe Band 118, Limburg an der Lahn 1999, S. 250. eines Sohnes des Grafen Franz von Meran (1839–1891). Somit war ihre Mutter eine Urenkelin des Erzherzogs Johann von Österreich und der Anna Plochl, Gräfin von Meran.Real Academia Matritense de Heráldica y Genealogía (Hrsg.): Anales de la Real Academia Matritense de Heráldica y Genealogía. Band I, Madrid 1991, S. 185 (Google Buch). Über ihre Mutter war sie als Ururururenkelin eine direkte Nachfahrin von Kaiserin Maria Theresia. Zu ihren Geschwistern gehörte der Politiker, Land- und Forstwirt Friedrich Mayr-Melnhof (1924–2020).„Mamarazza“ Sayn-Wittgenstein ist 100. In: salzburg.ORF.at, 9. Dezember 2019, abgerufen am 14. April 2020.

Bereits mit neun Jahren machte sie die ersten Fotos. Nach Schulbesuch und Matura 1938 studierte sie 1941 an der Münchner Blocherer-Kunstschule. Am 11. März 1942 heiratete sie Ludwig Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Sayn (1915–1962), damals Leutnant in einer Aufklärungsabteilung der Wehrmacht, den sie in München bei ihren Gasteltern kennengelernt hatte.

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs, als ihr Mann an der Ostfront eingesetzt war, lebte sie häufig in Salzburg bei ihren Eltern und brachte dort ihre beiden ersten Kinder zu Welt. Als 1945 deutsche Truppen beim Rückzug die Brücke vor dem Schloss Sayn sprengten und es dadurch erheblich beschädigten, befand sie sich mit ihrer Familie bei den Eltern in Österreich. Als ihr Mann 1946 aus britischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, war das Schloss, das durch Artilleriebeschuss weitere Zerstörungen erlitten hatte, eine Ruine. Mit ihrem Mann kümmerte sie sich in den Nachkriegsjahren um den Wiederaufbau der Schlossgärtnerei Sayn und der zugehörigen Landwirtschaft. Die inzwischen auf vier Kinder angewachsene Familie bezog 1952 ein eigenes Haus in Sayn bei Bendorf, das als „Landhaus am Friedrichsberg“ bekannt wurde.Joseph Kleine: Das Haus Sayn-Wittgenstein-Sayn. Börde-Verlag, Werl 2013, S. 22. Als Stanislaus Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, der Onkel ihres Mannes, im Jahre 1958 ohne Nachkommen verstarb, wurde ihr Mann neuer Chef und nach traditionellem Verständnis somit Fürst zu Sayn-Wittgenstein-Sayn. Dies erklärt ihren Anspruch, seitdem als dessen Ehefrau mit dem Namen Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn in Erscheinung zu treten.

Als ihr Mann 1962 Hans-Bruno Kammertöns: Die Mamarazza. In: Die Zeit, Nr. 39, 22. September 2011, Beilage Zeit-Magazin, S. 33 f., abgerufen am 30. Jänner 2020: wurde und starb, übernahm sie gemeinsam mit einem Vormund die Verwaltung in Sayn, bis ihr Sohn Alexander volljährig wurde.

Sie begann eine Karriere als Berufsfotografin und archivierte bis zu ihrem 100. Geburtstag im Dezember 2019 etwa 300.000 ihrer Fotos. Sie fotografierte Prominente von Maria Callas über Gianni Agnelli bis zu Luciano Pavarotti und legte Reisereportagen vor.

Die Bezeichnung „Mamarazza“ erhielt sie in Anlehnung an das Wort „Paparazzo“ als Necknamen von Prinzessin Caroline von Monaco, die einmal zu ihr sagte: „Manni, Du bist eine richtige Mamarazza.“ In: SWR.de, Reihe SWR-Aktion: Die Größten des Landes. 14. August 2007, abgerufen am 30. Jänner 2020.Gabriela Walde: So jagt Mamarazza schöne Menschen. Ausstellung der Gesellschaftsfotografin Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn in der Galerie Picture Show. In: Welt Online, 5. Jänner 2001, abgerufen am 30. Jänner 2020. Im Unterschied zu Paparazzi zeigt sie aber nie indiskrete oder herabwürdigende Fotos:

Von den 1970er-Jahren an, bis 2009, lud sie anlässlich der jährlichen Salzburger Festspiele in ihr Jagdhaus im Ellmautal (Fuschl am See) zu „ländlichen Mittagessen“ für je 100 Gäste ein. Im Lauf der Zeit waren tausende Prominente, darunter viele bei den Festspielen auftretende Künstler, bei ihr zu Gast. Besonders eng befreundet war sie mit Gunter Sachs.

Nachdem Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn noch etwa Ende der 2010er Jahre in ihrem Jagdhaus in Fuschl am See ihren Hauptwohnsitz hatte, lebte sie zuletzt in ihrer Münchner Wohnung. Am 4. Mai 2025 starb sie in München im Alter von 105 Jahren. Sie wurde in der Sayner Schlosskapelle beigesetzt.

Nachkommen Aus der Ehe mit Ludwig zu Sayn-Wittgenstein-Sayn gingen fünf Kinder hervor: (Marie) Yvonne Bolzano (* 1942), geschiedene Coreth, in zweiter Ehe ab 1976 verheiratet mit Klaus Bolzano (er entstammte der Familie Bolzano, Edle von Kronstätt,Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA/AVA Adel HAA AR 90.11, Bolzano, Johann Baptist, Bürger und Handelsmann zu Prag, Adelsstand, „Edler von Kronstätt”, 22. Juli 1777 (Abgerufen am 6. Mai 2025.) daher sie als Autorin auch als Yvonne von BolzanoKlaus und Yvonne von Bolzano: Das andere Rhodos, Salzburg 1977 bzw. Yvonne Bolzano von KronstättEine Bürgerliche unter der Krone. Anna Plochl und das weibliche Universum im 19. Jahrhundert, 2004, S. 6. bekannt wurde; * 1936, Universitätsdozent i.R., Facharzt für Innere Medizin;Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser , Band 133 der Gesamtreihe, Limburg an der Lahn 2004, S. 310. † 2025 [geschieden nach 2004; vor 2025])Traueranzeige; Gedenkseite (Abgerufen am 6. Mai 2025.) Alexander (* 1943), seit 1962 Chef des Hauses Sayn-Wittgenstein-Sayn, verheiratet seit 1969 mit Gabriela Gräfin von Schönborn-Wiesentheid Elisabeth „Li“ Freifrau Schuler von Senden (1948–1997), verheiratet mit Hasso Freiherr Schuler von SendenDoris Banuscher: In: Die Welt, 25. Mai 2002: Teresa Gräfin von Kageneck (* 1952), geschiedene de Figueroa, Conde de Quintanilla, in zweiter Ehe seit 1983 verheiratet mit Karl-Erbo Graf von Kageneck Peter (* 1954), verheiratet seit 1993 mit der Schauspielerin Sunnyi Melles

Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn war 20-fache Großmutter, 31-fache Urgroßmutter und dreifache Ur-Urgroßmutter (Stand: Dezember 2019).9. Dezember 1919 – Marianne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn wird geboren. In: WDR, Sendereihe WDR 2 Stichtag am 9. Dezember 2019, aufgerufen am 30. Jänner 2020. Als sie starb, hatte sie durch ihre fünf Kinder, Enkel, Urenkel und Ururenkel mehr als 60 Nachkommen.

Vorfahren

Ahnentafel von Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn UrurgroßelternFranz Mayr (1779–1847) ⚭ 1810 Josephine Stumpf (1786–1840)Ferdinand von Hittnern (1800–1849) ⚭ 1825 Maria Anne Lamberger (1806–1883)Karl Valentin von Tinti (1801–1852) ⚭ 1828 Anna von Keeß (1806–1877)Karl August Joseph von Lederer-Trattnern (1797–1888) ⚭ Marie von Lederer-Trattnern (1806–1878)Erzherzog Johann von Österreich (1782–1859) ⚭ 1829 Anna Plochl (1804–1885)Franz Philipp von Lamberg (1791–1848) ⚭ 1828 Caroline von Hoyos-Stichsenstein (1811–1875)Franz Philipp von Lamberg (1791–1848) ⚭ 1828 Caroline von Hoyos-Stichsenstein (1811–1875)Ladislaus von Wenckheim (1814–1879) ⚭ 1845 Franciska Szápáry (1825–1891) UrgroßelternFranz Mayr von Melnhof (Franz II.) (1810–1889) ⚭ 1853 Theodora Hittner von Hittnern (1828–1857)Karl Wilhelm von Tinti (1829–1884)

⚭ 1855 Mathilde von Lederer-Trattnern (1838–1900)Franz von Meran (1839–1891) ⚭ 1862 Theresia von Lamberg (1836–1913)Philipp Karl von Lamberg (1838–1874) ⚭ 1869 Freiin Marie von Wenckheim (1848–1900) GroßelternFranz Mayr von Melnhof (Franz III.) (1854–1893) ⚭ 1883 Mathilde von Tinti (1863–1927)Johann von Meran (1867–1947) ⚭ 1891 Gräfin Ladislaja von Lamberg (1870–1952) ElternFriedrich Mayr-Melnhof (1892–1956) ⚭ 1919 Maria-Anna Meran (1897–1983)Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn (1919–2025)

Auszeichnungen Am 27. Juli 2010 erhielt Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn von der Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Claudia Schmied, in der Salzburger Residenz das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich überreicht. Die Laudatio hielt Landeshauptfrau-Stellvertreter Wilfried Haslauer.BM Claudia Schmied verleiht Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich. APA-OTS-Aussendung des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK), 27. Juli 2010, abgerufen am 28. Juli 2010.

Werke Private Gartenkunst in Deutschland. Busse Seewald, Stuttgart 1986, ISBN 3-512-00755-4; mit Ursula Gräfin zu Dohna und Philipp Graf Schönborn. (Weitere Ausgaben in Englisch, London 1986 und New York 1987.) Mamarazza. (Bildband: Gesellschaftsfotografie von 1950–2000.) Steidl, Göttingen 2000, ISBN 3-88243-641-7 (englisch).Mamarazza. Die Website zum Buch, Steidl (Hrsg.), abgerufen am 30. Jänner 2020. Sayner Zeit. Kulturverlag Polzer, Salzburg 2005, ISBN 3-9501388-1-1. Sayn-Wittgenstein Collection. Photographs by Princess Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn. teNeues Media, Kempen/Düsseldorf/u. a. 2006, ISBN 978-3-8327-9128-5 (fünfsprachig; mit Vorwort von Beate Reifenscheid und Texten von Gunter Sachs und Sean Connery; weitere Ausgabe als Das legendäre Fotoalbum ebd. 2015, ISBN 978-3-8327-3320-9). ManniFeste. Fuschler Mittagessen 1974–2009. Bildband. Kulturverlag Polzer, Salzburg 2010, ISBN 978-3-902658-23-4. Stars & Sportscars: Gentlemen-Racer, Jetset, Rennsport-Adel. Bildband. Delius Klasing, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-7688-3871-9; mit Jürgen Lewandowski.

Ausstellungen Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn hatte zahlreiche Ausstellungen, u. a. in Berlin, Salzburg, München, Frankfurt, New York, Wien und auf Schloss Sayn. Seit 2003 wird The Sayn-Wittgenstein-Collection in der Galerie Artmosphere in Salzburg als Dauerausstellung gezeigt, u. a. mit Fotografien von Besuchen bei Andy Warhol und Salvador Dalí.

Literatur Claus Jacobi: Zum Nachdenken: Die „Mamarazza“. In: Tendenzen, Nr. 4/1999 (Artikel Online auf der Website Mamarazza, Steidl (Hrsg.), abgerufen am 30. Jänner 2020). Elisabeth Binder: Mamarazza: Mit Queen Mum auf Stromsuche. In: Der Tagesspiegel, 8. Dezember 2000 (Artikel Online, abgerufen am 30. Jänner 2020). Joseph Kleine: Das Haus Sayn-Wittgenstein-Sayn. Börde-Verlag, Werl 2013, ISBN 978-3-9815864-1-1, S. 22 f.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Fotograf (20. Jahrhundert) Kategorie:Porträtfotograf Kategorie:Fotograf (Salzburg) Kategorie:Person (Fuschl am See) ⚭Marianne Marianne Kategorie:Hundertjähriger Kategorie:Träger des Großen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich (1952) Kategorie:Ehrenringträger der Stadt Salzburg Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1919 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Frau