mini|Będzin, mittelalterliche Burg mini|Sosnowiec, Jägerschloss Sielce - Zamek Sielecki mini|Zagłębie Dąbrowskie (gelb) auf moderner Karte im Hintergrund Zagłębie Dąbrowskie ([], deutsch Polnisches Kohlebecken, Dombrowaer Kohlebecken) ist eine Industrieregion in Polen in der Woiwodschaft Schlesien. Sie befindet sich östlich der Bezirkshauptstadt Katowice am Rande des Oberschlesischen Steinkohlebeckens, historisch ist sie aber Teil der Region Kleinpolen, obwohl einige Male politisch mit Schlesien vereinigt. Die größten Städte sind Sosnowiec und das namensgebende Dąbrowa Górnicza, die historisch bedeutendsten Będzin und Czeladź im Süden des ehemaligen Herzogtums Siewierz. Die Stadtgrenzen sind dabei kaum zu erkennen, so stark zusammengewachsen sind die Ortschaften.
Historische Region
Historisch gesehen ist Zagłębie nicht schlesisch, die gemeinsame industrielle Entwicklung ließ die Region jedoch mit Oberschlesien zusammenwachsen, wenn auch die Unterschiede bis heute zu einigen Animositäten unter den Einwohnern der Region beiderseits des historischen Grenzstromes Brynica führen und Vorurteile fortbestehen lassen: In Oberschlesien bleibe man unter sich, die Leute seien eher einfache Arbeiter, stark konfessionell (katholisch oder evangelisch) geprägt, eifrig und warschaufeindlich. Die Einwohner des Zagłębie, Zagłębiacy, seien dagegen die cleveren Karrieretypen, atheistisch, Kommunisten bzw. Sozialisten und warschautreu. Einiges an den Vorurteilen stimmt jedoch: In Oberschlesien wird meist Schlesisch (polnischer Dialekt) gesprochen, in Zagłębie aufgrund des starken Zuzugs aus allen Gebieten Polens Standardpolnisch (bis auf den Jargon der Arbeiter). Der ursprüngliche lokale kleinpolnische Dialekt ist ausgestorben. Auch in Sachen Glauben ist ein Unterschied zu Schlesien merkbar. Die Zahl der Katholiken in Sonntagsmessen ist in Sosnowiec die niedrigste in Polen. Die gute Verkehrsanbindung an Warschau erlaubt den Zagłębiacy den schnellen Kontakt zur Hauptstadt des Landes, während sich Oberschlesien als Konkurrent und industrieller Lieferant des polnischen Machtzentrums empfindet. So werden die Zagłębiacy in Schlesien als Fremdlinge angesehen, während sie in ganz Polen für Schlesier gehalten werden. mini|Zagłębie Dąbrowskie in der Woiwodschaft Schlesien 1999: Sosnowiec, Dąbrowa Górnicza, Landkreis Będzin (ohne Sławków)
Gebiet Zagłębie hat keine offiziellen Grenzen, historisch umfasst es: Sosnowiec – kreisfreie Stadt mit 241.100 Einwohnern, Dąbrowa Górnicza – kreisfreie Stadt mit 130.600 Einwohnern, Landkreis Będzin mit: Będzin – Stadt mit 62.000 Einwohnern, Czeladź – Stadt mit 35.000 Einwohnern, Wojkowice – Stadt mit 9900 Einwohnern, Sławków – Stadt mit 6800 Einwohnern (vor 2002 zu Kleinpolen), Stadt und Gemeinde Siewierz mit 12.100 Einwohnern, Gemeinde Psary – 10.800 Einwohnern, Gemeinde Bobrowniki – 11.300 Einwohnern, Gemeinde Mierzęcice – 7200 Einwohnern.
Die historisch zu Kleinpolen gehörende Kleinstadt Sławków, die noch in den 70er ein Stadtteil von Dąbrowa Górnicza war, wurde 1999 der Woiwodschaft Kleinpolen im Powiat Olkuski zugeteilt, womit die Einwohner nicht einverstanden waren. Wegen der jahrelangen wirtschaftlichen Beziehungen und Verkehrsanknüpfung entschieden die Einwohner, in die Woiwodschaft Schlesien zu wechseln (2002). Als selbständige Stadt konnte Sławków jedoch nicht in die kreisfreie Stadt Dąbrowa Górnicza eingegliedert werden, so ging sie in den Landkreis Będzin als dessen Exklave im Zagłębie.
Neben Brynica durchfließen zwei andere Flüsse Zagłębie: Czarna Przemsza und Biała Przemsza, die am historischen Dreikaisereck zusammentreffen und weiter als Przemsza in die Weichsel münden. Die Region ist hügelig und wegen des steinigen Bodens landwirtschaftlich uninteressant.
Manchmal werden auch entfernter gelegene Ortschaften und Landkreise zum Gebiet des Zagłębie gezählt, etwa die Städte Olkusz oder Zawiercie, was aber umstritten ist, da diese eine andere historische Entwicklung hinter sich haben und heute Zentren der jeweiligen Landkreise sind. Sie haben etwa eigene lokale Presse. Die Stadt Olkusz kehrte auch zur Region Kleinpolen nach der Verwaltungsreform von 1999 zurück.
Name „Zagłębie“ ([]) bedeutet auf Polnisch so viel wie Revier, (Kohle)becken. Das Wort wurde vor 1850 in den geologischen Wortschatz von einem der berühmtesten polnischen Bergleute und Oberbeaufsichtiger der staatlichen Gruben und Hütten, Józef Patrycjusz Cieszkowski (1798–1867), eingebracht. Als Vorbild diente hier das französische Wort bassin für ein Gebiet, in dem Erze abgebaut werden.
Man musste im 19. Jahrhundert einen Namen für die sich im von Russland besetzen Teil Polens entwickelnde Region finden, die historisch nur zeitweilig zu Schlesien gehörte. Cieszkowski nannte es Zagłębie Węglowe w Królestwie Polskim (Kohlebecken im Königreich Polen). Da es auch andere Industriegebiete („zagłębie“) gab, wurde der Name um das Adjektiv „Dąbrowskie“ ergänzt (Dombrowaer Kohlebecken), was vom Namen der Arbeitergemeinde Dąbrowa – heute der Stadt Dąbrowa Górnicza abgeleitet wurde, obwohl die Hauptstadt der Region Sosnowiec und die historisch bedeutendste die Stadt Będzin sind. Dies geschah deshalb, weil in Dąbrowa die erste Steinkohlegrube entstand (1796). Da dieses Revier immer wichtiger und die anderen unwichtiger wurden, stand das Wort „Zagłębie“ immer öfter für die Region um Dąbrowa – so kann der Name Zagłębie auch ohne die Bezeichnung „Dąbrowskie“ gebraucht werden. Um Verwechslungen zu meiden, wird der ganze Name ausgeschrieben. Ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Gebiet in der deutschsprachigen Fachliteratur das Polnische Kohle(n)becken benannt. Die Bezeichnung Zagłębie Dąbrowskie wurde 1887 von Stanisław Kątkiewicz in einem Artikel der Warschauer Zeitung „Wszechświat“ erstmals benutzt.Marek Edward Nita: Od Nowego Śląska do Zagłębia Dąbrowskiego. Historia podziałów, Nowe Zagłębie, 2009, S. 26 (polnisch) mini|Zagłębie Sosnowiec – Zagłębie Dąbrowskie – Zawsze polskie!!! Nigdy śląskie!!!: Zagłębie (...) immer polnisch, nie schlesisch Der Fußballverein Zagłębie Sosnowiec, dessen Fans oft separate regionale Identität von Oberschlesien betonen, ist ab dem Jahr 1962 nach dem Gebiet benannt.
Geschichte mini| Erste Ansiedlungen gab es hier schon im 9. Jahrhundert. In der heutigen Stadt Będzin wurde auf einem Hügel eine Burg errichtet, um die eine Siedlung entstand. Die Gebiete um Siewierz, sowie um Bytom (Beuthen), Pszczyna (Pless) und Oświęcim (Auschwitz) übertrug es 1178 der damalige Senior Kasimir II. „der Gerechte“ dem Ratiborer Herzog Mieszko I. „Kreuzbein“, der es seinem Herzogtum Ratibor und 1202 mit diesem zusammen dem Herzogtum Oppeln inkorporierte. Die neue schlesisch-kleinpolnische Grenze lag unmittelbar westlich von Będzin. 1327 wurden die oberschlesischen Herzogtümer zum Lehen des Königreichs Böhmen. Die Bedeutung von Będzin stieg weiter, die Burg in Będzin wurde manchmals als eine der Adlerhorst-Burgen betrachtet. Spätestens 1349 erhielt der Ort das Stadtrecht nach polnischem Recht. Die Burg sollte die Grenzen Polens vor den Angriffen der schlesischen (Oppelner) Piasten schützen.
1228 wurden die anderen Städte der Region, Sosnowiec (als ein Dorf) und Czeladź (als Chelad), das erste Mal urkundlich erwähnt (Die vierte Stadt Dąbrowa Górnicza wurde erst 1755 urkundlich erwähnt). Auch die Namen der Ortschaften Zagórze, Sławków, Grodziec, Poręby (später Porąbka), Klimontów, Wojkowice waren im 13./14. Jh. bereits bekannt. Hier muss gesagt werden, dass Zagłębie heute kaum in Verbindung mit diesen mittelalterlichen Ortschaften gebracht wird, verbreitet ist die Meinung, dass sich die Region erst im 19. Jahrhundert entwickelte.
Im 14. Jahrhundert übergab Herzog Kasimir II. einen Teil des heutigen Zagłębie (Czeladź, Wojkowice) an Kasimir, den Sohn des Herzogs von Ratibor. In den Jahren 1313–1337 war diese Landschaft Teil des Fürstentums Beuthen, später gehörte sie den Fürsten von Teschen. 1442 kehrte die Gegend mit dem Fürstentum Siewierz zum Krakauer Land zurück, diesmal jedoch nicht dem König untertan, sondern als Eigentum der Krakauer Bischöfe. Den schlesischen Piasten wurde das Land durch den Bischof Zbigniew Oleśnicki abgekauft, einem Heldenritter, der 1410 bei Tannenberg das Leben dem König Władysław II. Jagiełło rettete. Erst 1790 entschied der Große Sejm, dass das Fürstentum zum Eigentum der Königsrepublik wird und administrativ an die Woiwodschau Krakau angeschlossen wurde, die aber 1795 geteilt wurde. So entwickelte sich Zagłębie langsam an der Grenze zu Oberschlesien und Galizien. Diese Lage bestimmte auch sein späteres Schicksal.
Neuschlesien mini|Neuschlesien im Jahr 1799 1785 wurden in Dąbrowa reiche Schichten an Steinkohle geortet, die leicht zu fördern war. Bergbau und Schwerindustrie sollten von nun an das Bild der Region prägen. 1788 entstand zwischen den Ortschaften Strzyżowice und Psary die erste, noch namenlose, Grube, die 1797 den Anfang für die Zeche Hoym gab.
Infolge der Dritten Teilung Polens wurde Zagłębie 1795 ein Teil des sog. Neuschlesiens (Nowy Śląsk) in Preußen. Die Steinkohle, die die Bürger von Będzin zum Heizen nutzten, sollte nun industriell genutzt werden. Neuschlesien eröffnete Tor für das westliche Kapital. Aus dieser Zeit stammt der Name des Stadtteils Reden in Dąbrowa Górnicza, denn die erste Zeche wurde (1796) nach dem Oberberghauptmann Friedrich Wilhelm von Reden benannt. Eine andere Grube an der Grenze zwischen Dąbrowa und Będzin bekam einige Dutzend Jahre später den Namen „Paryż“ (Paris-Grube) wegen der französischen Investoren, heute Kopalnia Węgla Kamiennego Paryż. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon wurde Zagłębie 1807 Teil des von Napoleon gegründeten Herzogtums Warschau. Seit dem Vertrag von Kalisch (antinapoleonische Übereinkunft zwischen Preußen und Russland) von 1813 war Zagłębie wie der Rest des Herzogtums faktisch russisch.
Ringen um Zagłębie mini|Woiwodschaft Krakau im Jahr 1827 in Kongresspolen mini|Das Gebiet auf einer russischen Karte aus dem Jahr 1843, noch in der frühen Phase der Entwicklung, vor der Eröffnung der Warschau-Wiener Eisenbahn mini|links|Powiat Będziński in 1907, in den Grenzen aus 1867–1914 Der Wiener Kongress 1815 gab die Landschaft an das neu gegründete Kongresspolen. 1823 wird eine Zeche in Grodziec bei Będzin eröffnet, 1825 die nächste: Ksawery-Zeche zwischen Będzin und Dąbrowa (benannt nach dem Minister Ksawery Lubecki).
In dieser Zeit erlebte die Region dank der Industrialisierung einen rasanten Aufschwung, bekam den Namen Zagłębie Dąbrowskie und wurde Konkurrent des preußischen Oberschlesischen Industriegebietes. Deutsche und Franzosen investierten in dem Kohlebecken, das ein Tor zum russischen Imperium war und wegen zollfreier Geschäfte Fortune bringen konnte. Was Krupp für das Ruhrgebiet war, das waren für Zagłębie die Namen der Deutschen Dietl und Schön. Neben den Zechen und Stahlwerken wurden auch andere Betriebe wie z. B. Spinnereien aufgebaut. Allein in Będzin waren Ende des 19. Jahrhunderts 11 Zechen in Betrieb.
Zur schnellen Entwicklung von Zagłębie zum wichtigsten Industriezentrum im Königreich Polen trug die 1859 eröffnete Warschau-Wiener Eisenbahn bei, die erste Bahnlinie in Polen. Die Gleise lieferte die größte und modernste Stahlhütte Kongresspolens – die „Bankowa-Hütte“, die um 1850 in Dąbrowa mit Hilfe der Polnischen Bank entstand. Eine vergleichbare Entwicklung erlebte sonst nur noch Łódź, ein auch im russisch besetzen Teil an der Grenze zu Preußen gelegenes Dorf. Hier war jedoch die Textilindustrie der Auslöser des Aufschwungs, der Łódź zur zweitgrößten Stadt Polens machte. Wären die Kerngemeinden in Zagłębie damals zu einer Stadt verschmolzen, würde diese heute 0,5 Mio. Einwohner zählen (Dąbrowa, Sosnowiec, Czeladź und Będzin).