Edogawa Rampo (), eigentlich Hirai Tarō (; * 21. Oktober 1894 in Nabari, Honshū; † 28. Juli 1965) war ein bekannter japanischer Autor und Literaturkritiker. Er gilt als der Begründer des modernen japanischen Kriminalromans. Die Hauptperson in seinen Kriminalgeschichten war meist der von ihm erfundene Detektiv Akechi Kogoro ().
Leben Edogawa wurde als Sohn einer reichen Familie geboren. Sein Vater leitete eine große Firma, so dass er in seiner Jugend keine finanziellen Sorgen kannte. Von 1912 bis 1916 studierte er Volkswirtschaftslehre an der Waseda-Universität. Danach hielt er sich mit verschiedenen Jobs über Wasser. Später eröffnete er mit Freunden einen eigenen Bücherladen, in dieser Zeit heiratete er auch.
In seiner Jugend las Edogawa viele Romane und Geschichten und war ein großer Bewunderer von Edgar Allan Poe. Sein Pseudonym Edogawa Rampo ist an die japanische Aussprache von Edgar Allan Poe angelehnt – gleichzeitig können die verwendeten Schriftzeichen aber auch als „Spaziergang entlang des Edogawa“ verstanden werden. Neben Poe prägten ihn auch die Krimiautoren Maurice Leblanc und Arthur Conan Doyle. 1923 debütierte er mit seinem Roman „Zwei Groschen“ (, Nisen Dōka), der wenig später unter seinem Pseudonym Edogawa Rampo veröffentlicht wurde und die erste große Erfolgsära des japanischen Kriminalromans einleitete.
Ab den 1920ern begann er zunehmend bizarre Elemente in seine Handlungen einzubauen, wie in Der Sesselmann (, Ningen Isu) von 1925 über einen hässlichen Sesselmacher, der einen hohlen Sessel erschafft, in dessen Innerem er sich versteckt, um die Körper insbesondere von Frauen auf ihm zu fühlen, oder Mōjū (; verfilmt als Die blinde Bestie) von 1931 über einen blinden Bildhauer, der eine Sängerin entführt, in einem Kerker aus Menschenteilen einsperrt und zerstückelt. Mit derartigen Geschichten gehörte er zu den Begründern der literarischen Bewegung des eroguro nansensu (erotisch-grotesker Nonsense). Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs musste er das Schreiben derartiger Geschichten einstellen. Nach Kriegsende verfasste er hauptsächlich Detektivromane für Jugendliche.
Viele seiner Geschichten wurden ins Englische übersetzt; auf Deutsch erschienen acht davon in dem Band Spiegelhölle. Zu den bekanntesten darin enthaltenen Erzählungen zählen Der Sesselmann (auch Der menschliche Stuhl) sowie die in Japan zeitweise verbotene Geschichte Die Raupe. Mehrere seiner Romane wurden in Japan schon zu seinen Lebzeiten verfilmt.
Edogawa war zudem als Herausgeber der Zeitschrift „Hōseki“ ( Juwel), einer Zeitschrift für den Detektivroman, bekannt. Ihm zu Ehren wird auch alljährlich der Edogawa-Rampo-Preis für Kriminalliteratur verliehen.
Werke (Auswahl)
Spiegelhölle. Acht Erzählungen. JBOOK / MAAS Verlag. Berlin 2005. ISBN 3-929010-97-6. Enthält Zwei Versehrte (, nihaijin, 1924, übersetzt von Frank Böhling), Zwillinge (, sōseiji, 1924, übersetzt von Frank Böhling), Der psychologische Test (, shinri shiken, 1925, übersetzt von Frank Böhling), Das rote Zimmer (, akai heya, 1925, übersetzt von Reiko Sato und Ingrid Schuster)Erschien bereits in Japanische Kriminalgeschichten, ausgewählt und herausgegeben von Ingrid Schuster, Philipp Reclam jun., Stuttgart 1985, ISBN 3-15-008086-X., Der Sesselmann, (, ningen isu, 1925, übersetzt von Martina Berlin), Spiegelhölle (, kagami jigoku, 1926, übersetzt von Frank Böhling), Die Raupe (, imomushi, 1929, übersetzt von Martina Berlin) und Auf der Klippe (, dangai, 1950, übersetzt von Frank Böhling). Tokio bei Nacht. Kampa Verlag, Zürich 2026, ISBN 978-3-311-12147-3 (, In-jū, 1928, übersetzt von Samira Rafiq).
Schreibweise Der Name des Autors erscheint sowohl als Edogawa Rampo als auch als Edogawa Ranpo. Im Japanischen wird er 江戸川 乱歩 geschrieben. Das Zeichen ん steht für den Konsonanten n. Eine buchstabengetreue Umschrift ergibt daher Edogawa Ranpo. Die Form Edogawa Rampo entspricht jedoch der tatsächlichen Aussprache: Im Japanischen wird das n vor den Lippenlauten p, b und m als m‑Laut gesprochen. Da der Name folglich Rampo ausgesprochen wird, wird er im Westen (und auch von ihm selbst) sehr häufig so geschrieben. Zugleich ist der Name Edogawa Ranpo eine phonetische Anspielung auf Edgar Allan Poe.
Trivia Shin’ichi Kudō entlehnt in der Manga/Anime-Serie Detektiv Conan den Familiennamen seines Pseudonyms Conan Edogawa von Rampo Edogawa und den Vornamen von Sir Arthur Conan Doyle. Im Kinofilm Detektiv Conan – Die stahlblaue Faust gibt er sich zudem als anderes Kind aus und nennt sich aus Verlegenheit Arthur Hirai (der andere Vorname Doyles und von Edogawa Rampos bürgerlichem Namen). Darüber hinaus heißt der Detektiv, bei dem Conan lebt, Kogorō Mōri.
Nach dem Autor wurde der Hauptgürtelasteroid (10321) Rampo benannt.
Basierend auf Edogawas Werken entstand 2015 die Anime-Serie Rampo Kitan: Game of Laplace.
Literatur S. Noma (Hrsg.): Edogawa Rampo. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 316.
Weblinks
Ad Blankestijn: The “Ero-Guro” mysteries of Edogawa Ranpo (englisch) Edogawa Rampos Werke auf Aozora Bunko (japanisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Japanisch) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Kriminalliteratur Kategorie:Pseudonym Kategorie:Japaner Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1965 Kategorie:Mann