Der Landkreis Münchberg lag im Norden Bayerns und gehörte zum Regierungsbezirk Oberfranken. Er wurde 1972 bei der Gebietsreform aufgelöst und sein Gebiet überwiegend dem Landkreis Hof zugeordnet.

Geographie Der Landkreis grenzte 1972 im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend, an die Landkreise Naila, Hof, Rehau, Wunsiedel i. Fichtelgebirge, Bayreuth, Kulmbach und Stadtsteinach.

Geschichte

Vor 1862 Die Urzelle des Landkreises Münchberg war der Halsgerichtsbezirk Münchberg. Seine Entstehung fiel in das 11. und 12. Jahrhundert, als das Gebirgsland vom Westen her besiedelt wurde.Zwischen Waldstein und Döbra - Die geschichtliche Entwicklung des Landkreises Münchberg von Karl Dietel – Herausgegeben vom Bezirksschulamt Münchberg, Schulrat Heinrich Geiling

Nachdem Markgraf Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach am 28. Januar 1792 seine beiden fränkischen Fürstentümer Brandenburg-Ansbach und Brandenburg-Bayreuth für 300.000 Gulden Jahresrente an Friedrich Wilhelm II. von Preußen veräußert hatte, stellte dieser sein neues Gebiet unter die Verwaltung von Karl August von Hardenberg. Hardenberg gestaltete die Landesverwaltung nach preußischem Muster um. Am 29. November 1795 wurden sämtliche bisherige Landes- und Amtshauptmannschaften, Oberämter und Vogteien aufgehoben, das Fürstentum Bayreuth wurde in sechs Kreisdirektionen gegliedert, wobei Münchberg zum Hofer Kreis gehörte. Jeder dieser Kreise setzte sich aus Kammerämtern zusammen, denen die Finanz-, Polizei- und allgemeine Verwaltung zustand. Der Rechtspflege dienten fortan besondere Justizämter. Es wurde das Kammeramt Münchberg gebildet.

Die Zeit der preußischen Herrschaft dauerte nicht lange. Während des Vierten Koalitionskriegs drangen am 7. Oktober 1806 Napoléons Truppen nach Abzug der Preußen unter General Bogislav von Tauentzien auf ihrem Vormarsch nach Nordosten ins Münchberger Gebiet ein. Ab dem 9. Oktober des gleichen Jahres stand das Fürstentum Bayreuth unter französischer Militärverwaltung. Das Königreich Preußen wurde im Frieden von Tilsit zum endgültigen Verzicht auf seine fränkischen Fürstentümer gezwungen. Am 28. Februar 1810 wurde die ehemals preußische Provinz Bayreuth durch einen Staatsvertrag zwischen Frankreich und dem Königreich Bayern politisch, wirtschaftlich und finanziell zum 1. Juli 1810 in Bayern eingegliedert.

1811 wurden Rentämter gebildet, die an die Stelle der Kammerämter traten.

Bezirksamt Das Bezirksamt Münchberg folgte im Jahr 1862 dem flächengleichen Landgericht Münchberg.

Bei der Auflösung des Bezirksamtes Berneck, die am 1. Oktober 1929 wirksam wurde, wurden die Gemeinden Falls, Kornbach, Streitau, Walpenreuth, Witzleshofen und Zettlitz dem Bezirksamt Münchberg zugeschlagen.Bekanntmachung über die Auflösung des Bezirksamts Berneck vom 21. September 1929 Am 1. Juli 1931 trat das Bezirksamt Bayreuth die Stadt Gefrees sowie die Gemeinden Lützenreuth und Metzlersreuth an das Bezirksamt Münchberg ab.Stadtgeschichte Gefrees auf fichtelgebirge.Bayern-online.de

Landkreis Am 1. Januar 1939 wurde die reichseinheitliche Bezeichnung Landkreis eingeführt. So wurde aus dem Bezirksamt der Landkreis Münchberg.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden jüdische Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald sowie sowjetische und britische Kriegsgefangene und weitere Personen auf 14 Todesmärschen durch den Landkreis Münchberg getrieben. Viele von ihnen starben an Entkräftung, wer nicht mehr laufen konnte, wurde ermordet. 1947 entdeckte die US-Militärregierung unter anderem ein Massengrab von 45 bis 48 russischen Soldaten auf dem alten Friedhof von Gefrees.Die unbekannten Russengräber in: Nordbayerischer Kurier vom 16. April 2019, S. 17.

Am 1. Juli 1972 wurde der Landkreis Münchberg im Zuge der Gebietsreform in Bayern aufgelöst. Zusammen mit Gemeinden der damaligen Landkreise Naila und Rehau wurden die meisten Gemeinden dem Landkreis Hof zugeordnet. Die Gemeinden Falls, Gefrees, Kornbach, Metzlersreuth, Streitau und Witzleshofen, die früher zum Bezirksamt Berneck gehörten, wurden dem Landkreis Bayreuth zugeschlagen.Verordnung zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte vom 27. Dezember 1971

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1864 24.206 1885 25.988 1900 27.319 1910 28.311 1925 26.821 Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern, nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 1939 32.660 Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich 1940 1950 44.929 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1952 1960 41.600 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1961 1966 41.234 Amtsblatt des Landkreises Hof 37/1966 Seite 135 1971 40.200 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1973

Politik Bezirksamtsvorstände (bis 1938) und Landräte (ab 1939) Amtszeit Bezirks(ober)amtmannLandrat Bemerkungen 1. November 1911 – 30. September 1933 Richard Schleußinger 1. Dezember 1933 – 1942 Julius Burger 15. April 1942 – April 1945 Hermann Finckvertretungsweise Mai 1945 – 6. August 1945 Gundermann Rechtsanwaltvon der Militärregierung ein- und abgesetzt 6. August 1945 – 10. November 1945 Gustav Jodleder Fabrikdirektorvon der Militärregierung ein- und abgesetzt 10. November 1945 – 3. Februar 1946 Leopold Werkmeister Landwirtschaftsdirektorvon der Militärregierung ein- und abgesetzt 13. Februar 1946 – 28. Mai 1946 Franz Schuberth Von der Militärregierung ein- und abgesetzt 28. Mai 1946 – 1. Juni 1948 Friedrich Zietsch * 26. November 1903 in Heidelberg; † 21. September 1976 in München, SPDvon der Militärregierung eingesetzt und am 28. Mai 1946 vom Kreistag mit22 zu 19 Stimmen gegen Franz Schuberth zum Landrat gewählt.Später von 1951-1957 war Zietsch Bayerischer Finanzminister. 1. Juni 1948 – 15. Juli 1948 Julius Burger * 1883, überparteilichJulius Burger war bereits vom 1. Dezember 1933 bis 31. Dezember 1938 Bezirksamtmannund vom 1. Januar 1939 bis 15. April 1942 Landrat des Landkreises Münchberg, in dieser Zeit für die NSDAP.Zur Wahl am 1. Juni 1948 wurde Burger von der CSU vorgeschlagen und mit 25 zu 19 Stimmen gegen Friedrich Zietsch gewählt.Nach massiven Protesten der SPD trat Burger am 15. Juli 1948 wieder zurück. 15. Juli 1948 – 3. April 1953 Karl Röder * 1894 in Kulmbach; † 3. April 1953, CSUvom Kreistag mit 23 zu 16 Stimmen gegen Hans Schmidt gewählt.Vorher vom 28. Mai 1946 bis November 1946 Landrat des Landkreises KulmbachNovember 1946–15. Juli 1948 Schulrat von Münchbergvon Beruf Hauptlehrer 23. Juni 1953 – 30. Juni 1972 Erwin Dietel * 14. März 1913 in Gottersdorf; † 26. Juni 1997 in Münchberg, CSU von Beruf Richter/Landgerichtsrat a. D. Stellvertretende Landräte Am 14. Juni 1948 beschloss der Kreistag mit 23 zu 20 Stimmen, einen Ersten und Zweiten Stellvertreter zu wählen. Gewählt wurde Georg Frauß (FDP) zum Ersten Stellvertreter und Felix Krämer (CSU) zum Zweiten Stellvertreter. Georg Krauß schied am 31. Oktober 1948 aufgrund einer neuen gesetzlichen Lage als Stellvertretender Landrat aus dem Amt aus, da er als Mitläufer der Nationalsozialisten galt. Bis zur Wahl am 7. Dezember führte das Amt der älteste Kreistagsabgeordnete Otto Kalbskopf aus. Am 7. Dezember 1948 wurde Pfarrer Franz Blaschke zum neuen Stellvertreter gewählt (bis April 1952). Ab der Wahlperiode 1952 übernahm Emil Kreibich aus Münchberg das Amt des Stellvertretenden Landrats, der von Helmut Scholz aus Stammbach im Jahre 1960 abgelöst wurde. Dieser übte dieses Amt bis zur Auflösung des Landkreises 1972 aus.

Kreistag Die Kommunalwahlen bis zur Gebietsreform 1972 führten zu den folgenden Sitzverteilungen der Kreisräte: Parteien und Wählergruppen 1946 1948 1952 1956 1960 1966 SPD191415181819 CSU20131014 Wählergemeinschaft der Berufsständischen und Erwerbstätigen19107 Gesamtdeutsche Partei(Block)/Wahlgemeinschaft der Heimatvertriebenen642 KPD2211 Bayernpartei5 BHE4 Vereinigung der Flüchtliche, Ausgewiesenen und Evakuierten33 FDP8 Union der Ausgewiesenen4 Sonstige17 Summe414445444242 Berichtigung zur Kreistagswahl 1946: Das Bayerische Staatsministerium des Innern gab am 3. Mai 1946 bekannt, dass für die Feststellung der Anzahl der in den Kreistag zu wählenden Mitglieder nicht die Einwohnerzahl nach der Volkszählung vom Jahre 1939 zugrunde zu legen ist, sondern die Einwohnerzahl nach der Fortschreibung der Bevölkerung für die 85. Lebensmittelversorgungsperiode. Der Kreistag für den Landkreis Münchberg hatte deshalb nicht aus 33, sondern aus 41 Sitzen zu bestehen. Die CSU erhielt nun 20 anstatt 16 und die SPD 19 anstatt 15 Sitze.Amtsblatt des Landkreises Münchberg 25/1946 vom 25. Mai 1946

Gemeinden Vor dem Beginn der bayerischen Gebietsreform am Anfang der 1970er Jahre umfasste der Landkreis 29 Gemeinden.Amtsblatt des Landkreises Münchberg 17/1972 Die einwohnerstärksten Gemeinden waren die Kreisstadt Münchberg sowie die Städte Helmbrechts und Gefrees. mini|375px|Landkreis Münchberg, Gemeindegrenzenkarte von 1961

Gemeinde Einwohner am 10.12.1945Amtsblatt des Landkreises Münchberg 5/1946 Seite 30 Bürgermeister am 01.05.1948Amtsblatt des Landkreises Münchberg 22/1948 Seite 57 Einwohner am 31.12.1971 Bürgermeister am 30.06.1972 Ahornberg 1.158 Hans Mehringer 696 Hans Mehringer Falls (1929 Umgliederung aus dem aufgelösten Bezirksamt Berneck) 272 Johann Ott 156 Johann Ott Förstenreuth 552 Hans Schwappacher 392 Süß Friedmannsdorf 270 Ernst Dörfler 214 Tröger Gefrees (1931 aus dem Bezirksamt Bayreuth umgegliedert) 2.865 Ludwig Wolfrum 3.550 Robert Brey Gundlitz 346 Wilhelm Schramm 292 Otto Steinlein Hallerstein 789 Karl Vates 492 Hans Lang Helmbrechts 8.006 Hans Michel 7.777 Walter Keimel Kleinlosnitz 426 Adolf Peetz 270 Adolf Peetz Kleinschwarzenbach 439 Adolf Hofmann 360 Adolf Hofmann Kornbach (1929 Umgliederung aus dem aufgelösten Bezirksamt Berneck) 281 Johann Schörner 231 Schöffel Markersreuth 833 Georg Groh 517 Fuchs Mechlenreuth 528 Karl Gräf 587 Alfred Lottes Meierhof 1.397 Karl Ludwig 694 Baier Metzlersreuth (1931 aus dem Bezirksamt Bayreuth umgegliedert) 498 Johann Albrecht Vogel 376 Peter Panzer Münchberg 9.547 Max Sprecht 10.299 Ewald Zuber Oberweißenbach 1.295 Johann Buchta 1.165 Greim Poppenreuth 786 Hans Klößel 584 Karl Schramm Sauerhof 402 Hans Goller 265 Brey Seulbitz a. d. sächs. Saale (Name bis 1927: Seulbitz) 549 Karl Puchta 337 Max Ott Sparneck 1.779 Hans Schlegel 2.241 Sonntag Stammbach 2.764 Georg Knopf 2.414 Schramm Straas 1.046 Hans Künzel 935 Fiedler Streitau (1929 Umgliederung aus dem aufgelösten Bezirksamt Berneck) 689 Martin Vattes 640 Benker Walpenreuth (1929 Umgliederung aus dem aufgelösten Bezirksamt Berneck) 229 Karl Walther 160 Karl Walther Weißdorf 1.358 Heinrich Kauffenstein 1.220 Grenz Witzleshofen (1929 Umgliederung aus dem aufgelösten Bezirksamt Berneck) 286 Heinrich Fischer 190 Georg Petzold Wüstenselbitz 1.477 Richard Peetz 1.313 Hoh Zell (seit 2007: Zell im Fichtelgebirge) 1.314 Karl Schneider 1.812 Karl Schneider Summe 42.966 40.179 Eingemeindungen vor der Gebietsreform:

Gemeinde letzter Bürgermeister Bug (1938 nach Weißdorf eingemeindet) Grossenau Hahn Fleisnitz (Schreibweise bis 1870: Fleißnitz; 1938 nach Stammbach eingemeindet) Lützenreuth (1931 aus dem Bezirksamt Bayreuth umgegliedert) Zettlitz (1929 Umgliederung aus dem aufgelösten Bezirksamt Berneck im Fichtelgebirge) Benker

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen MÜB zugewiesen. Es wurde bis zum 28. April 1973 ausgegeben. Seit dem 10. Juli 2013 ist es aufgrund der Kennzeichenliberalisierung im Landkreis Bayreuth seit dem 4. August 2014 auch im Landkreis Hof wieder erhältlich.

Literatur

Karl Dietel: Zwischen Waldstein und Döbraberg. Die geschichtliche Entwicklung des Landkreises Münchberg (= Heimatkundliche Schriftenreihe über den Landkreis Münchberg. Bd. 4, ). Bezirksschulamt, Münchberg 1965.

Einzelnachweise

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