mini|Morane-Saulnier D-3801 J-276, Fliegermuseum Dübendorf

Die Morane-Saulnier MS.406 war ein französisches Jagdflugzeug, das 1938 von Morane-Saulnier entworfen wurde. Die MS.406 errang im Mai/Juni 1940 (als die Wehrmacht im Westfeldzug zunächst die Benelux-Staaten und kurz darauf auch Frankreich angriff) einen großen Teil der französischen Luftsiege.

Die Armée de l’air verfügte zu Beginn des Westfeldzugs über 2400Christienne/Lissaraque: Histoire de l’aviation militaire française. S. 373 ff. Jagdflugzeuge sowie 1160 Bomber und 1464 Aufklärer. 1000 davon waren MS.406, weitere etwa 1000 waren Jagdeinsitzer moderner Bauart.Dewoitine D.520: 351 bis zur Kapitulation produziert, Curtiss P-36: etwa 290, Bloch MB.152: etwa 500.

In der Schweiz bildeten die dort in Lizenz gebauten Flugzeuge der Serien D-3800/3801 ein Rückgrat der Flugwaffe.

Das Flugzeug hatte keine größeren Konstruktionsfehler. Allerdings war es verglichen mit gegnerischen Jägern etwas untermotorisiert. Während des Angriffs auf Frankreich im Mai 1940 war die Messerschmitt Bf 109E der MS.406 überlegen; die Morane war jedoch einer der wenigen modernen Jäger, von denen die Armée de l’air eine ausreichende Stückzahl besaß. Insgesamt gingen bei mindestens 175 eigenen Luftsiegen 400 Maschinen verloren. Viele Maschinen wurden aber am Boden zerstört.

Entwicklung Die französische Regierung legte 1934 eine Spezifikation für einen Sperrholz-Tiefdecker fest, die Morane-Saulnier erfüllen wollte. Der Erstflug des Vorgängers MS.405 erfolgte am 8. August 1935 mit dem Cheftestpiloten von Morane-Saulnier, Michel Détroyat. Damals galt das Modell als ausgezeichnetes Flugzeug. Es wurden zwei MS.405-Prototypen und 16 Vorserienflugzeuge hergestellt, die schließlich zur MS.406 führten. Die Produktion begann im Januar 1939, bereits im März wurde an die französische Luftwaffe geliefert. Allerdings verzögerte die Motorenknappheit die Produktion. Bei späteren Versionen, insbesondere der MS.410, wurden die Tragflächen verbessert, zusätzlich wurde sie besser bewaffnet.

Nach der Kapitulation Frankreichs übernahm das Deutsche Reich (bzw. die Luftwaffe) große Bestände an 406- und 410-Maschinen. Viele wurden für Trainingszwecke verwendet. Eine ganze Reihe wurde verbündeten Staaten (wie Italien und Kroatien) übergeben.

Die Luftstreitkräfte der Vichy-Regierung setzten sie unter anderem in Syrien gegen die Royal Air Force ein.

Die Luftstreitkräfte Finnlands erhielten im Februar 1940 30 MS.406-Flugzeuge, die im Winterkrieg eingesetzt wurden.siehe auch Kari Stenman: Morane-Saulnier MS.406 Aces. 2014, Kap. 4 (S. 60–73)

Später wurden in Finnland erbeutete sowjetische Motoren eingebaut. Auch die Schweizer Flugwaffe und die türkische Luftwaffe verwendeten diesen Typ.

MS.405 Die MS.405 wurde 1934 als Tiefdecker mit einziehbarem Fahrwerk entworfen. Sie besaß einen Sperrholzrumpf, ein Holz-Metall-Mittelteil sowie eine Duraluminiumnase und war der erste Tiefdecker mit geschlossenem Cockpit und Einziehfahrwerk.

Ein neuer, leistender V-Motor vom Typ Hispano-Suiza 12Ygrs trieb einen Chauvière-Zweiblattpropeller an. Der Erstflug des ersten Prototyps MS.405-01 fand am 8. August 1935 statt. Die Entwicklung ging sehr langsam voran. Der zweite Prototyp MS.405-02 mit dem starken HS-12Ycrs-Motor flog erst am 20. Januar 1937. Das Flugzeug erreichte 443 km/h; dies im März genügte zur Auftragserteilung über 16 Vorserienexemplare. Er stürzte am 29. Juli des Jahres ab; der Flugzeugführer Raoul Ribière kam dabei ums Leben. Die MS.405-01 wurde zu Testzwecken auch von ausländischen Piloten geflogen und machte am 18. Dezember 1937 eine Bruchlandung, wobei der litauische Flugzeugführer ums Leben kam. Die Entwicklung verzögerte sich weiterhin, so dass das erste Vorserienmuster erst am 3. Februar 1938 seinen Erstflug absolvierte und die Auslieferung der letzten MS.450 im Dezember des Jahres vollzogen wurde.

MS.406 mini|Morane-Saulnier MS.406 N° 847, Groupe de Chasse I/6, Mai 1940 mini|Morane-Saulnier MS 406 C1 Das Ergebnis war die MS.406. Die wichtigsten Änderungen umfassten die Form der Tragflächen und ein geringeres Gewicht. Sie war mit einem 860 PS (640 kW) leistenden HS-12Y-31-Motor ausgerüstet und erreichte 489 km/h. Die Bewaffnung bestand aus einer 20-mm-Kanone Hispano-Suiza HS 9 und zwei 7,5-mm-Maschinengewehren MAC-1934. Bei späteren Modellen wurde die HS 9 durch die verbesserte HS 404 ersetzt.

Die französische Luftwaffe bestellte 1938 1000 Maschinen, Morane-Saulnier hatte allerdings keine ausreichenden Kapazitäten für einen solchen Auftrag. Zusätzlich wurde deshalb die staatliche Fabrik SNCAO in Saint-Nazaire in die Fertigung eingebunden. Das erste Produktionsmuster flog am 29. Januar 1939. Aufgrund fehlender Motoren kam die Produktion jedoch zunehmend ins Stocken.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren 535 Maschinen in Dienst gestellt. Im März 1940 endete die Produktion mit 1000 Maschinen. Dazu kamen 77 Maschinen für das Ausland (Finnland 30 und die Türkei 45 Stück).

MS.410 Nach der Indienststellung der 406 wurde versucht, deren Design zu verbessern. So wurden die Tragflächen verstärkt sowie ein wirksamerer Kühler und vier MAC-Maschinengewehre eingebaut. Die Maschine erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 509 km/h. Bei Kriegsbeginn im Mai 1940 waren lediglich fünf Maschinen fertiggestellt. Die Deutschen modifizierten später eine Reihe MS.406 zu MS.410, dies betraf jedoch zumeist nur die Form der Tragflächen.

MS.411 und MS.412 Ein Exemplar der MS.411 wurde gebaut. Sie besaß einen HS-12Y-45-Motor mit einer Leistung von 1000 PS (750 kW). Die MS.412 mit 1050 PS (780 kW) leistendem HS-12Y-51-Motor wurde bis zum Kriegsende nicht mehr fertiggestellt.

D-3800 Die Schweiz erhielt 1938 zwei MS-406 C-1 zur Erprobung, im Ausland wurden diese Flugzeuge als Vorproduktions-MS.405, modifiziert zu MS.406H bezeichnet und besaßen noch einen Hecksporn anstelle des Heckrades aller folgenden Flugzeuge. Aufgrund der befriedigenden Resultate wurde noch im gleichen Jahr mit der Lizenzproduktion einer 0-Serie von acht Flugzeugen D-3800 begonnen.

Die acht Maschinen wurde bei der Eidgenössischen Konstruktionswerkstätte (K+W) Thun hergestellt, die Motoren bei der Adolph Saurer AG in Arbon und bei der SLM in Winterthur. Bemängelt wurden insbesondere die Verstell-Störungen beim Chauvière-Propeller. Es wurde darum ab 1940 bei der Vorserie und beim folgenden Serienbau ein EW-V3-Propeller von Escher-Wyss und auch schweizerische Instrumente und Waffen eingebaut. Nach der Vorproduktion folgten bis August 1940 74 Maschinen, die vom Eidgenössischen Flugzeugwerk Emmen, von den Dornierwerken Altenrhein sowie von der SWS in Schlieren hergestellt und ab Januar 1940 ausgeliefert wurden. Die Hispano-Suiza-Motoren wurden von Saurer und SLM geliefert. 1942 wurden zwei weitere Maschinen aus Restteilen zusammengesetzt. Ab 1941 wurde eine modifizierte Version mit einem stärkeren Motor als D-3801 produziert. Bei Kriegsende dienten die meisten D-3800 als Schulflugzeuge und wurden 1954 außer Dienst gestellt.

D-3801 mini|D-3801, Schweizer Weiterentwicklung der MS.406 mini|Eine noch erhaltene D-3801 im Musée de l’air et de l’espace in Le Bourget Das Flugzeug erhielt anstelle des 860 PS leistenden Motors HS-77-Ycrs der D-3800 den neu entwickelten HS-51 12 Y mit einer Leistung von 1000 PS. Damit erreichte die Maschine eine Ve max. horizontal von 535 km/h, die maximale Steigleistung betrug 16,2 m/s und die Dienstgipfelhöhe lag bei 10.800 m ü. M. Die Höchstflugdauer betrug 1 Std. 35 Min. und die Überführungsreichweite 600 km.

Bis 1945 wurden 207 Maschinen hergestellt. Diese Flugzeugflotte bildete während des Aktivdienstes 1939–1945 die Hauptstütze der schweizerischen Fliegertruppe. 17 Maschinen mit der Immatrikulation J-281 bis J-297 wurden zwischen 1947 und 1948 aus Restteilen montiert. Sie blieben bis 1959 als Schulflugzeuge im Einsatz.

D-3802/3803 Die D-3802 beruhte auf der MS.450 mit einem leistenden Saurer YS-2. Der Prototyp J-401 erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 638 km/h. Die elf danach gebauten Vorserienmaschinen blieben zwar neun Jahre im Einsatz, waren jedoch von Anfang an nicht komplett ausgereift, weswegen die weiterentwickelte D-3803 mit dem kW leistenden Saurer YS-3 und Rundsichtcockpit erprobt wurde. Als Bewaffnung trug sie drei 20-mm-Kanonen HS-404 und erreichte 664 km/h in 7000 m Höhe.

Die Entwicklung wurde eingestellt, als die Schweizer Flugwaffe gebrauchte P-51D Mustang erwerben konnte.

MS.450 1939 wurde in Spanien in einen Prototyp ein 1300 PS (970 kW) leistender Hispano-Suiza-12Z-Motor eingebaut (MS.410). Das Triebwerk bot merklich bessere Leistungen, insbesondere in der Flughöhe.

Einsatz in Finnland mini|MS.406 Nr. 325 der Einheit 2/LeLv 28 der Luftstreitkräfte Finnlands, die im Winter 1941/42 in Viitana stationiert war Im Januar 1940 erhielt Finnland 30 Maschinen aus Frankreich, denen im Juni 1941 weitere 30 folgten. Zusätzlich übergaben die Deutschen den Finnen weitere 27 erbeutete MS.406 und 11 MS.410. Damit verfügte Finnland über insgesamt 98 MS.406 bzw. MS.410, die vom Winterkrieg bis zum Kriegsende relativ erfolgreich gegen die Sowjetunion eingesetzt wurden und teilweise sogar danach noch in Dienst blieben.

Mörkö-Morane Die Finnen überarbeiteten einige Maschinen, das Resultat war die Mörkö-Morane (in manchen Quellen auch fälschlicherweise Mörkö-Moraani). Sie waren mit erbeuteten sowjetischen Klimow-M-105P-Motoren ausgestattet, die leisteten. Mit diesem Triebwerk hatte die Maschine herausragende Leistungen, sie flog erstmals im Februar 1943. Bis zum Kriegsende wurden nur 3 Maschinen umgebaut. Zum Ende ihrer Dienstzeit im September 1948 waren insgesamt 41 Flugzeuge modifiziert.

Einsatz in anderen Luftstreitkräften Die MS.406 kam nicht nur in Frankreich, der Schweiz und Finnland zum Einsatz.

Während des „Air Meetings“ in Le Bourget 1937 zeigten einige andere Länder großes Interesse an dem Typ. Polen hatte erkannt, dass es aus eigener Kraft seine Luftstreitkräfte nicht schnell genug modernisieren konnte, und strebte daher den Einkauf einer größeren Anzahl ausländischer Jagdflugzeuge an. Die Wahl fiel auf die MS.406. Polen bestellte 160 Stück, von denen die ersten 50 bis Ende September 1939 ausgeliefert werden sollten. Das Schiff mit den fertigen Flugzeugen lief kurz vor dem deutschen Überfall auf Polen aus. Auf Grund der schnellen Eroberung der polnischen Häfen durch die Deutschen wurde es aber nach Frankreich zurückbeordert.

Litauen bestellte 1937 13 MS.406, die in Villacoublay fertiggestellt und mit litauischen Kokarden versehen wurden. Am 8. Dezember 1937 kam es aber zu einem Unfall, bei dem der litauische Testpilot Mikewas getötet wurde. Daraufhin annullierte Litauen den Kaufvertrag und es kam nie zu einer Auslieferung.

Die Republik China hatte 1938 einen Vertrag zum Erwerb von zwölf MS.406 abgeschlossen, die in der Fabrik der SNCAO montiert wurden. Die Flugzeuge trafen im Dezember 1939 im Hafen von Haiphong ein. Auf Grund des eigenen Bedarfes entschieden sich die Franzosen aber dafür, die Maschinen nicht wie geplant an China auszuliefern. Stattdessen wurde mit ihnen eine neue Jagdstaffel in Indochina formiert, die zunächst gegen Japan und nach der Kapitulation in Europa noch beim Angriff Thailands auf die französische Kolonie Anfang 1941 zum Einsatz kam.

Die Türkei bestellte im Oktober 1939 30 MS.406. Diese Zahl wurde wenig später um weitere 15 erhöht. Alle 45 Maschinen konnten noch vor der französischen Kapitulation ausgeliefert werden.

Belgien war an dem Typ MS.406 bereits 1936 sehr interessiert und bemühte sich 1937 um den Erwerb einer Lizenz für die Produktion in heimischen Werken. Die Verhandlungen mit den französischen Herstellern scheiterten aber, so dass Belgien das Interesse an den Flugzeugen verlor.

Jugoslawien plante den Kauf von 25 MS.406, der aber auf Grund der Kapitulation Frankreichs nicht mehr zustande kam.