Die Mindener Kreisbahnen GmbH (MKB) ist eine Eisenbahngesellschaft, die seit Ende des 19. Jahrhunderts das Gebiet des heutigen Kreises Minden-Lübbecke in der Region Ostwestfalen-Lippe in Nordrhein-Westfalen erschließt. Zunächst als meterspurige Eisenbahn der preußischen dritten Kategorie gebaut, hatte sie die Aufgabe, die wirtschaftlichen und personellen Transportleistungen in den damals noch eigenständigen Kreisen Minden und Lübbecke zu bewältigen und damit auch ein Stück Strukturförderung zu leisten. Im Volksmund ist die Bahn auch unter dem Namen Mindener Kleinbahn bekannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Mindener Kreisbahnen durch die starke Konkurrenz des individuellen Kraftfahrzeugverkehrs stark bedrängt und die Strecken zurückgebaut. Heute fährt sie auf einer Rumpfstrecke durch den Kreis, aber europaweit als Eisenbahnverkehrsunternehmen den Güterverkehr. Zudem betreibt ihre Tochtergesellschaft den regionalen Busverkehr.
Geschichte
Die Gründung der Mindener Kreisbahnen folgt dem Preußischen Kleinbahngesetz von 1892. Dies Konjunktur- und Strukturförderungsgesetz für bevölkerungsarme Regionen der preußischen Provinzen regelte in allen Einzelheiten die Verfahren und Zuständigkeiten für die Genehmigung von Bau und Betrieb von Kleinbahnen. Dieser dritte Wortbegriff neben Haupt- und Nebenbahnen entstand für Bahnen unter vereinfachten Verhältnissen, die überwiegend die Fläche erschlossen.
In Minden reagierte man besonders schnell. Schon 1893 wurde eine Dampfstraßenbahn nach Porta Westfalica angelegt, um das dort in Bau befindliche Kaiser-Wilhelm-Denkmal zu erschließen (Porta selbst hatte nur einen Bahnhof für den Personenzugverkehr).
Die weitere Erschließung des Mindener Landes nahm dann nicht die Mindener Straßenbahn, sondern eine vom Kreis gegründete Kleinbahngesellschaft vor, die 1898 die erste Strecke nach Uchte eröffnete. In den folgenden Jahren bis 1921 folgten die Strecken nach Lübbecke, Wegholm und schließlich nach Kleinenbremen (Erzbahn). Ab 1902 fuhren die Kleinbahnzüge nach Uchte, später auch nach Lübbecke vom Kreisbahnhof in unmittelbarer Nähe des Staatsbahnhofes Minden.
Die Verwaltung des Kreises Minden als Betreiber der MKB eröffnete folgende Strecken: Eröffnungsdatum Länge Strecke 1898 30,2 km Minden Übergabebahnhof (Friedrich-Wilhelm-Straße)–Stadtbahnhof–Kutenhausen–Petershagen–Uchte 1902 1,2 km Minden Staatsbahn–Minden Stadt 1903–1907 26,9 km Minden–Lübbecke, zunächst bis Eickhorst 1915 10,3 km Kutenhausen–Friedewalde–Wegholm 1918–1921 12,2 km Minden Übergabebahnhof–Kleinenbremen, zunächst bis Nammen
Der Personenbahnhof Friedrich-Wilhelm-Straße wurde im Zusammenhang mit der Aufnahme des Personenverkehrs auf der Strecke nach Nammen 1919 eröffnet. Wegen der Mitbenutzung dieser Strecke durch die normalspurige Bad Eilsener Kleinbahn (1919–1922) wurde der Abschnitt bis Notthorn bereits mit drei Schienen ausgestattet.Bau und Kunstdenkmäler von Westfalen, Band 50: Stadt Minden, Teil V Minden ausserhalb der Stadtmauern, S. 1726, 1731
Damit waren rund 80 km Strecke in der alten Spurweite 1000 mm gelegt worden, die günstigste Erschließungskosten durch kleinere Kurvenradien und damit weniger Landankauf und nicht so aufwändigen Bahndammbau versprach. Profitiert von der Kleinbahn hat in erster Linie die Landwirtschaft, kam doch jetzt der Kunstdünger kostengünstig ins Mindener Land und landwirtschaftliche Produkte zu den Endverbrauchern. Zudem hatten die Mindener Kreisbahnen Anschluss an die wichtigsten Staatsbahnstrecken in Minden, Lübbecke und Uchte und konnte über diese Verknüpfung weitere Kunden erreichen. In Uchte bestand darüber hinaus bis 1935 eine Verbindung zur ebenfalls meterspurigen Steinhuder Meer-Bahn.
In Minden gestaltete sich der direkte Anschluss an die Staatsbahn am Bahnhof Minden (Westfalen) von Anfang an als Problem. Nachdem die ersten Personenzüge im Bahnhof Minden Stadt auf dem linken Weserufer begannen, entstand 1902 der damals als „Kleinbahnhof“ bezeichnete Bahnhof Minden Staatsbahn (bzw. Reichsbahn) in Höhe des Gebäudes der ehemaligen Oberpostdirektion Minden in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof der Staatsbahn an der Kaiserstraße. Da die Strecke vom Stadtbahnhof zum Bahnhof Minden Staatsbahn nicht umgespurt wurde, konnten normalspurige Personenzüge, die es ab 1950 auch auf der Strecke nach Uchte gab, den Bahnhof an der Staatsbahn nicht mehr anfahren und endeten in Minden Stadt, zwischen den beiden Bahnhöfen verkehrten Omnibusse. Nachdem auch die Strecke nach Lübbecke umgespurt war, wurde der Kreisbahnhof am Staatsbahnhof 1956 aufgegeben.
Ab 1914 versuchten die Mindener Kreisbahnen mit dem Erwerb und Bau mehrerer Hafenbahnen die Verknüpfung zwischen Eisenbahn und Schiff zu erreichen. Die ansässige Industrie schloss sich mit Gleisanschlüssen an die MKB an, und gewann so den Anschluss an die Staatsbahn und damit an deutschlandweiten Verkehr. Die Haltepunkte Meißen-Notthorn (ab Dezember 1929) und Meißen (Dezember 1930) wurden bis 1956 von der Straßenbahn mitbenutzt.
Die Fahrzeit betrug 1939 laut KursbuchKursbuch Sommer 1939 ab Minden Reichsbahnhof bis Lübbecke oder Uchte etwa 70 bis 80 Minuten. Ab Minden Stadt brauchten die Züge bis Kleinenbremen rund 40 Minuten.
Die Meterspur erwies sich recht bald als Hindernis. Durch die Umladung in Wagen für normalspurige Gleise verlor der Transport der Güter Zeit. Daher wurde das Netz der MKB von 1924 bis 1957 etappenweise auf Normalspur umgestellt. Dazu wurde auf den Kernstrecken zunächst ein dreischieniger Betrieb eingerichtet.
Doch gleichzeitig nahm der Individualverkehr zu und die Nebenbahnen verloren gegenüber den damals als schneller, moderner und preisgünstiger betrachteten Überlandbussen an Ansehen. Zunächst wurden einzelne Fahrten der Kreisbahn durch Busse ersetzt, dann wurden nacheinander die Strecken für den Personenverkehr eingestellt. Einstellungsdatum Länge Strecke 1957 1,2 km Minden Bundesbahnhof–Minden Stadt (wurde nicht auf Normalspur umgestellt) 1959 10,3 km Kutenhausen–Wegholm 30.9.1962 14,0 km Minden–Kleinenbremen 02.10.1972 13,5 km Hille–Lübbecke 02.06.1973 16,2 km Petershagen–Uchte 26.5.1974 25,6 km Minden–Petershagen 29.9.1974 12,3 km Minden–Hille
Auch im Güterverkehr wurden Streckenabschnitte nicht mehr bedient und anschließend stillgelegt. Einstellungsdatum Länge Strecke 1957 1,2 km Minden Bundesbahnhof–Minden Stadt (wurde nicht auf Normalspur umgestellt) 1.10.1972 Hille–Lübbecke 30.9.1973 Petershagen–Uchte 1.12.1980 Kutenhausen–Petershagen 31.5.1999 Minden–Kutenhausen (offizielle Stilllegung 2007) Auf der Strecke Minden–Uchte verkehrten letztmals im September 1977 Personenzüge (Dampf) im Rahmen von Sonderfahrten. An vielen Orten wurden die Gleise entfernt. Teile der ehemaligen Trassen wurden für den Bau von Bahnradwegen verwendet, zum Beispiel im Bereich Petershagen (Strecke Minden–Uchte) für den Weserradweg und die Mühlenroute.
Im Gegensatz zu anderen Kleinbahnen bestehen die Mindener Kreisbahnen jedoch weiterhin, wenn auch zeitweise vor allem durch den Busverkehr.
Auf dem restlichen Schienennetz (2002: 48 km) der MKB wurde abschnittsweise noch Güterverkehr durchgeführt.
Seit 1977 verkehren in den Sommermonaten regelmäßig historische Züge der Museums-Eisenbahn Minden meist mit Dampfbespannung auf den Strecken der MKB. Aktuell (2026) wird nur noch die Strecke bis Hille befahren. Ihren Betriebsmittelpunkt hat die Museumsbahn im Bahnhof Minden Oberstadt.
Seit 1997 war es durch die Bahnreform für die MKB möglich, bundesweit Güterverkehr auf den Strecken der Deutschen Bahn durchzuführen.
Von Dezember 2007 bis Juli 2017 war es der Mindener Kreisbahn durch den Gewinn der Streckenausschreibung auf dem „Teutoburger-Wald-Netz“ und die Gründung der Westfalenbahn GmbH (mit drei Partnern) möglich, den Personenverkehr auf der Schiene wieder aufzunehmen. Im Juli 2017 wurde bekannt, dass das Unternehmen vollständig von Abellio übernommen wurde, da für die kommunalen Betriebe sonst eine Ausschreibungspflicht für Stadtverkehr bestehen würde.
2015 baute die Mindener Kreisbahnen auf ihrem Gelände an der Karlstraße eine neue Wartungshalle für die Züge der Westfalenbahn. Die Halle wird als Bahnbetriebswerk Minden II bezeichnet. Das Gebäude ist eine Erweiterung und Umbau des alten Lok- bzw. Busschuppens an der gleichen Stelle. Hier entstanden 15 Arbeitsplätze.Mindener Tageblatt: Neue Wartungshalle für die Westfalenbahn fast fertig gestellt Ausgabe vom 5. Mai 2015, abgerufen am 5. Mai 2015 Die Haupthalle ist 173 Meter lang und setzt sich aus einem Alt- und einem Neubau zusammen. Im Inneren befindet sich ein Grubengleis mit Dacharbeitsbühne sowie ein weiteres Instandhaltungs- und Messgleis.Neue Westfälische: Die Westfalenbahn fährt jetzt doppelstöckig. Ausgabe vom 8. August 2015, abgerufen am 12. Dezember 2015
Rechtsformen Nachdem die Mindener Kreisbahnen zunächst ein Eigenbetrieb des Kreises Minden war, wurde sie 1978 in eine GmbH umgewandelt, die damit auch eigenständig arbeitet. Durch die Gründung der zwei Tochtergesellschaften wurde es zur Unternehmensgruppe, die mit rund 100 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 12 Millionen Euro erwirtschaftet. Auf den Geschäftsbereich Eisenbahn entfallen dabei ein Transportaufkommen von 505.000 Tonnen bzw. eine Transportleistung von 89.530.000 Tonnenkilometern.
Streckennetz heute Das Streckennetz der Mindener Kreisbahnen wurde im Laufe der Jahre zunehmend reduziert: Aus dem rund 80 km langen Kleinbahnnetz wurde ein nur noch rund 40 km langes Netz, das im Wesentlichen aus den ehemaligen Stammstrecken nach Kleinenbremen und nach Hille besteht. Damit gibt es einen Streckenast östlich der Weser und einen Ast westlich der Weser. Über die Weser sind sie verbunden mit der Kleinbahnbrücke in Minden. Außerdem umfasst das Gleisnetz den kompletten Mindener Hafen. Es gibt Überlegungen eine neue Regionalbahn unter dem Namen RB 79 von Hille nach Minden zu führen.Mindener Tageblatt: Schnell von A nach B: Pläne für eine Bahnverbindung zwischen Minden und Hille, abgerufen am 2. Dezember 2024
Zukunft Nach einer neuen Machbarkeitsstudie, welche die rund 16 Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Minden und Hille untersucht, weisen drei von vier geprüften Varianten einen volkswirtschaftlichen Nutzen-Kosten-Indikator deutlich über dem Wert von 1,0 vor und gelten damit als förderfähig. Es soll sich dabei um einen Betrieb mit batterieelektrischen Triebzügen handeln, es wären Varianten mit einem 60- oder 30-Minuten-Takt zwischen Minden und Hille möglich. Ein Konfliktpunkt wäre die Anbindung an den Bahnhof Minden (Westf). Jetzt muss die Politik entscheiden, ob der nächste Planungsschritt eingeleitet wird.Mindener Tageblatt: Verkehrspolitik. Bahnreaktivierung Minden–Hille: Studie sieht gute Chancen, online Ausgabe vom 12. Januar 2026, abgerufen am 26. Januar 2026.
Schienenfahrzeuge In ihrer Geschichte hatte die Mindener Kreisbahn über 402 Schienenfahrzeuge: 30 Dampflokomotiven, 10 Triebwagen, 16 Dieselloks, 52 Personen- und Packwagen, 138 schmalspurige Güterwagen, 96 Rollböcke und 60 normalspurige Güterwagen.
Der normalspurige Dieseltriebwagen T 6 war durch Umbau aus einem Personenwagen entstanden, der von der Nebenbahn Heidenau–Altenberg stammte.Bahn Extra 3/2018: Nebenbahnen in den 1960er Jahren, S. 7.
Anfang 2020 bestellte die MKB bei der Siemens Mobility GmbH zwei Dual Mode-Lokomotiven des Typs Vectron, diese wurden am 20. Februar 2021 an die MKB ausgeliefert. Für die beiden Vectron Dual Mode-Lokomotiven wurde eine von zwei Elektrolokomotiven der Baureihe 185 ausgemustert.mkb.demkb.demkb.de Im September 2025 wurden die beiden Vectron Dual Mode-Lokomotiven im Rahmen einer Sale-and-lease-back-Vereinbarung an Northrail veräußert.
Historische Lokomotiven MKB 1 und 5 MKB 2...15 MKB 11, schmalspurige Tenderlokomotive für den schweren Güterzugbetrieb, von Arnold Jung Lokomotivfabrik 1911 hergestellt MKB 14, schmalspurige Tenderlokomotive für den Personenzugbetrieb, von Arnold Jung Lokomotivfabrik 1914 hergestellt