mini|Freundschaftsgalerie von Friedrich Boser Einzelbildnis 21 (von 57) Rudolf Wiegmann, Selbstporträt 1841 mini|330px|Rom, Aussicht auf den Tiber nach Süden mit dem Kastell S. Angelo und der Basilika St. Peter, Ölgemälde 1834.

Rudolf Wiegmann (* 17. April 1804 in Adensen, jetzt Gemeindeteil von Nordstemmen; † 17. April 1865 in Düsseldorf; alternative Vornamens-Schreibweise: Rudolph Wiegmann; vollständiger Name: Heinrich Ernst Gottfried Rudolf Wiegmann) war ein deutscher Archäologe, Kunsthistoriker, Maler, Zeichner und Architekt am Übergang vom Klassizismus zum Romantischen Historismus. Er wurde als Architekturmaler von Veduten in Ölbildern, Aquarellen und Zeichnungen bekannt. Er wirkte als Grafiker, Radierer, Lithograf, Illustrator und Kunstschriftsteller.

Wiegmann arbeitete als Professor und Sekretär an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er gehörte zum Milieu der Düsseldorfer Malerschule, war Mitglied des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten und wirkte als Sekretär des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen.

Er war Ehemann der Malerin Marie Wiegmann geb. Hancke.

Leben

mini|Auf dieser Gedenktafel wird auch der Vater von Rudolf Wiegmann genannt. mini|Blick auf das Forum Romanum, Aquarell von Rudolf Wiegmann 1832 mini|Das Schloss zu Herrenhausen. Kolorierte Lithografie von Rudolf Wiegmann 1834.

mini|Der Wasserturm in Hannover. Lithografie „Der Wasserthurm“ von Rudolf Wiegmann 1835. mini|Das Grab des Lederfabrikanten Söhlmann auf dem St.-Nicolai-Kirchhof in Hannover. In dem Aquarell von 1835 zeigt Rudolf Wiegmann seinen eigenen klassizistischen Entwurf für den Überbau des Grabgewölbes, der unter seiner Aufsicht gebaut wurde. Das Aquarell vermittelt die romantische Auffassung vom Friedhof als einem Ort, an dem sich der Mensch des nahenden Todes bewusst wird (Memento Mori). mini|Gebäude der früheren London-Schenke. Lithografie von Rudolf Wiegmann 1835.

mini|Paestum. Ölgemälde (?) von Rudolf Wiegmann 1832. Zum Zeitpunkt 1932 befand es sich in der Sammlung der Familie Blumenbach, Hannover.

Rudolf Wiegmann war Sohn des Leutnants Heinrich Wiegmann vom zehnten InfanterieregimentDies war sein Dienstgrad in der Armee des Kurfürstentums Hannover, die am 5. Juli 1803 aufgelöst worden war. und seiner Ehefrau Johanne Dorothee Wiegmann geb. Becker(n), die zuvor am 7. August 1803 in Adensen geheiratet hatten.Diese Angaben sind der Kirchenbucheintragung im Trauregister von Adensen Nr. 7/1803 vom 7. August 1803 entnommen. Rudolf Wiegmann wurde am 4. Mai 1804 in Adensen getauft. Die Paten waren sein Großvater Hauptmann Wiegmann,Der Großvater überlebte die Schlacht bei Waterloo, überbrachte am 22. Juni 1814 die Siegesbotschaft von Brüssel nach Hannover und war später förderndes Mitglied des King’s German Legion Unterstützungs-Committee. Bernhard Hausmann schreibt in seinen Erinnerungen aus dem achtzigjährigen Leben (Hannover 1873) auf S. 105: Es war nämlich der Hauptmann Wichmann, Adjutant des Generals von Alten, von Brüssel eben mit dieser Siegesbotschaft in Monbrillant eingetroffen, und der Herzog von Cambridge sogleich zu Pferde gestiegen, um diese selbst der alten Ministerin von der Decken, wie der ganzen Stadt, zu verkünden. der Hauptmann Hamelberg,Er fiel als Hauptmann (Capitain) vom 5. Linienbataillon der Königlich Deutschen Legion am 28. Juli 1809 in der Schlacht von Talavera. der Senator Toppius aus Eldagsen und der älteste Bruder seiner Mutter Friederich Becker. Der Großvater Johann Christoph Becker war 1773–1815 Besitzer der Rosenmühle in Adensen; dort wohnten auch die Großeltern Wiegmann.

Als Kind besuchte Rudolf Wiegmann mit seinen Eltern und Großeltern sonntags den Gottesdienst in Adensen in der St.-Dionysius-Kirche. Der gotische Baustil dieser Kirche hinterließ bei ihm in seiner Kindheit einen tiefen Eindruck. Jahre später studierte er Architektur, und in den Jahren 1829 bis 1842 veröffentlichte er verschiedene Werke über den gotischen Baustil und den zugehörigen Spitzbogenstil. Sein Jugend- und Studienfreund war der spätere Hannoversche Maler und Stadtarchitekt August Heinrich Andreae (* 4. Dezember 1804; † 6. Januar 1846), den er schon als Kind kennenlernte. Heinrich Wiegmann baute den beiden eine kleine Sternwarte, damit die Freunde Sterne beobachten und ihre Bahn berechnen konnten.

Sein Vater Heinrich Wiegmann schloss sich nach der am 5. Juli 1803 erfolgten Auflösung der Armee des Kurfürstentums Hannover dem 2. leichten Bataillons der Königlich Deutschen Legion in England an, wo er den Rang eines Hauptmanns (Brigade-Major, Capitain) erreichte.Bernhard Hausmann schreibt über Rudolf Wiegmann, er sei Sohn des in den Kriegen der englisch-deutschen Legion gebliebenen Hauptmanns gewesen. Quelle: Katalog der Sonderausstellung des Kestner-Museum Hannover 12. Februar bis 18. März 1992 mit dem Titel Handzeichnungen des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung Bernhard Hausmann, Text zu Bild 97 (Verzeichnis Hausmann 54). In der Schlacht bei Waterloo fiel er am 18. Juni 1815 als Adjutant des Brigade-Kommandeurs Georg Carl August du Plat.Adolf Pfannkuche schreibt in dem Buch Die Königlich Deutsche Legion 1803–1816 (2. Auflage, Hannover 1926, S. 250): Die Brigade du Plat war zum Schutze Hougoumonts beordert. Schon auf dem Wege dorthin wurden sämtlichen berittenen Offizieren die Pferde unter dem Leibe erschossen. Du Plat selbst fiel, ebenso sein Adjutant Kapitän Wiegmann und mehrere andere Offiziere. In den amtlichen Bekanntmachungen der Hannoverschen Anzeigen wurde mitgeteilt, dass Heinrich Wiegmann dort verwundet, vermisst und gestorben ist. In dem Buch der Gefallenen der Kirchengemeinde Adensen steht, dass der Brigademajor Heinrich Wiegmann am 18. Juni 1815 in der Schlacht bei Waterloo gefallen ist. Eine hölzerne Gedenktafel des 19. Jahrhunderts, die im Buch der Gefallenen der Kirchengemeinde Adensen abgebildet ist, trug den folgenden Text: Unseren bey Waterloo am 18ten Junius 1815 gefallenen Brüdern dem Brigademajor Heinerich Wiegmann dem Lieutenant Christoph von Jeinsen dem Soldaten Friedrich Matthies zu dankbarer Erinnerung gewidmet von der Gemeine Adensen und Hallerburg. Seine Witwe erhielt von dem King’s German Legion Unterstützungs-Committee eine monatliche Witwenrente.Siehe S. 45 und 111 in Otto Puffahrt: In der Schlacht von Waterloo gefallene, verwundete und vermisste Soldaten aus der Hannoverschen Armee. (Lüneburg 2004) und In der Schlacht von Waterloo gefallene, verwundete und vermißte Soldaten aus der Hannoverschen Armee. In: denkmalprojekt.org, abgerufen am 25. August 2017. Seinerzeit war Rudolf Wiegmann elf Jahre alt.

Da Rudolf WiegmannWeil seinerzeit beim Sprechen des Namens Wiegmann das g ebenso wie ein ch gesprochen wurde, gibt es bei Heinrich Wiegmann ebenso wie auch bei Rudolf Wiegmann die abweichende Namensschreibung Wichmann. nicht in Adensen konfirmiert wurde, muss die Familie Wiegmann während seiner Kindheit aus Adensen fortgezogen sein. Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass sein Großvater Johann Christoph Becker im Jahr 1815 die Rosenmühle mit ihren Wohnhäusern verkauft hat und die Familienmitglieder daraufhin ihren Wohnsitz wechseln mussten.

Schon früh interessierte sich Rudolf Wiegmann für Architektur, Mathematik und Astronomie. Er besuchte das Ratsgymnasium (damals Lyceum genannt) in Hannover.Georg Kaspar Nagler schreibt: „Später besuchte er auch die Akademie in Düsseldorf, wo nicht allein die Baukunst seine Zeit in Anspruch nahm, sondern auch die Malerei, welche er mit eben so grossem Glücke übt, als die Architektur.“ (Neues allgemeines Künstler-Lexicon. München 1851, S. 391). Kein anderer Biograf, Rudolf Wiegmann eingeschlossen, spricht von dieser Ausbildung an der Kunstakademie in Düsseldorf. Deshalb ist diese Information nicht zutreffend.

Rudolf Wiegmann erhielt in Hannover bei dem Oberlandbaumeister Conrad Friedrich Wedekind eine erste Unterweisung in der Architektur. Durch Privatunterricht erweiterte er seine mathematischen Kenntnisse. Ab 1823 besuchte er zusammen mit August Heinrich Andreae die Georg-August-Universität Göttingen und studierte Geschichte, Naturwissenschaft, Kunstwissenschaft und Archäologie. Er schreibt, dass ihn vor allem die begeisternden Vorlesungen von Karl Otfried Müller anzogen und ihn mit regem Interesse an der Geschichte der antiken Kunst erfüllten. Seine eigentliche künstlerische Ausbildung erhielt er nach dem Studium in Darmstadt bei dem Oberbaurat Georg Moller.

Seinerzeit galt ein mehrjähriger Studienaufenthalt in Rom als wesentliche Ergänzung zum Hochschulstudium und als wichtige Vorbereitung für den beruflichen Aufstieg. Friedrich Noack berichtete in seinem Buch Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters, dass in der Zeit der Romantik, die 35 Jahre dauerte, allein etwa 1200 deutsche Künstler eine solche Studienreise nach Rom angetreten haben. Damals war die deutsche Künstlerkolonie in Rom ein wesentliches Zentrum der deutschen Forschung und ein wichtiger Treffpunkt der deutschen Künstler, Architekten und Wissenschaftler und ermöglichte so das Kennenlernen der bedeutenden Persönlichkeiten, die in den deutschen Kleinstaaten Rang und Namen besaßen.

Georg Moller hatte in den Jahren 1807–1809 eine solche Studienreise nach Rom unternommen und bestärkte Rudolf Wiegmann in der Absicht, sein Wissen über die Antike durch praktische Studien in Rom zu ergänzen, zumal das Deutsche Archäologische Institut Instituto di Corrispondenza Archeologica am 2. Januar 1829 in Rom zu arbeiten beginnen sollte und ihm bei seinen archäologischen Forschungen und Ausgrabungen behilflich sein konnte. Eine der Hauptaufgaben sollte für Rudolf Wiegmann die Erforschung der vor kurzem bei den Ausgrabungen in Pompeji entdeckten antiken Wandmalereien sein, die 1826 durch das Buch Neu entdeckte Wandgemälde in Pompeji in 40 Steinabdrücken von Wilhelm Zahn in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses getreten waren.

Deshalb unternahm Rudolf Wiegmann eine Studienreise in die deutsche Künstlerkolonie von Rom. Von 1828 bis Sommer 1832Friedrich Noack: Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1927, Band 2, S. 643 studierte er dort die Architektur des Altertums und späterer Epochen. Auch beschäftigte er sich mit den Wandmalereien in Pompeji und widmete sich archäologischen Ausgrabungen. August Kestner, Gesandter des Königreichs Hannover in Rom, gestattete seinem Landsmann Wiegmann, zu Forschungs- und Übungszwecken ein Zimmer seiner Dienstwohnung im pompejanischen Stil auszumalen.August Kestner (1777–1853), Diplomat und Sammler, Webseite im Portal nds.museum-digital.de, abgerufen am 16. April 2022 Andreas Andresen schrieb 1872: Das Ergebnis seiner Studien in Pompeji beschrieb er 1836 in dem Buch Die Malerei der Alten in ihrer Anwendung und Technik: insbesondere als Decorationsmalerei.

Nach seiner Rückkehr nach Hannover im Jahr 1832 malte er Veduten in Öl mit Motiven aus Italien und detailgenaue Aquarelle von Bauwerken. Die einzige architektonische Arbeit von ihm, die er in Hannover hinterließ, ist der Überbau eines Grabgewölbes für den reichen Bürger Söhlmann auf dem St. Nicolai-Kirchhof. Außerdem schuf er Ansichten von Hannover und Herrenhausen in Zeichnungen, Aquarellen, Lithografien, Radierungen und Ölgemälden. Im Jahr 1835 gab er ein Album von Hannover mit romantischen Ansichten auf sechs Lithographien und einem Umschlagbild heraus, die er von 1834 bis 1835 gezeichnet und lithographiert hatte.

Er beteiligte sich an dem von seinem Freund Bernhard Hausmann am 3. Mai 1832 gegründeten Kunstverein Hannover und in den Jahren 1834–1838 und manchmal auch später an dessen Ausstellungen. Zusammen mit seinem Freund August Heinrich Andreä war er Mitglied im Schiedsgericht für die Zulassung von Werken zur Ausstellung des Kunstvereins.