mini|Siegel der Universität Zürich
Die Universität Zürich (kurz UZH) ist eine Universität in Zürich, in der Schweiz. Mit rund 28'000 Studierenden (Stand: Herbst 2022) ist sie die grösste der zwölf Schweizer Universitäten.
Sie war im Jahr 1833 die erste von einem demokratischen Staatswesen gegründete Universität Europas und ist bis dato mit insgesamt dreizehn Nobelpreisträgern assoziiert.
Als Volluniversität vereint sie unter ihrem Dach alle klassischen Fakultäten: Theologie (TRF), Rechtswissenschaften (RWF), Wirtschaftswissenschaften (WWF), Medizin (MeF), Veterinärmedizin (VSF), Philosophie (PhF; Philosophische Fakultät, mit etwa 34 Prozent aller Studierenden die grösste Fakultät) und Mathematik-Naturwissenschaften (MNF).
Das im Jahr 1914 fertiggestellte Hauptgebäude der Universität befindet sich am Fuss des Zürichbergs, unmittelbar neben dem Sitz der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH).
Überblick mini|hochkant|Hauptgebäude der Universität Zürich mini|Erstes Gebäude am Fröschengraben 1838–1864 mini|Turm der Universität (hinten links); rechts davor die Kuppel der ETH mini|Kollegienhaus mit Blick auf die Stadt mini|Ferdinand Sauerbruch beim Operieren im Hörsaal, um 1915 mini|Campus der Universität Zürich-Irchel mini|Lichthof ZentrumDie Universität Zürich bietet neben eigenen Einrichtungen, wie der Universitätsbibliothek Zürich, auch Zugang zu Archiven, Bibliotheken und Instituten der ETH Zürich sowie privater Institutionen. Ausserdem sind eine Reihe von Museen und Sammlungen innerhalb der Stadt Zürich, von der Anthropologie bis zur Zoologie, der Universität angegliedert, darunter das Völkerkundemuseum.
Bekannt ist die Universität Zürich durch Forschungserfolge in der Molekularbiologie, der Hirnforschung und Anthropologie, durch die Tätigkeit der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, des Universitäts- und des Tierspitals und durch ihr Bemühen, die Qualität der Lehre – zum Beispiel durch Einsatz von E-Learning – beständig zu verbessern.
Die Universität gehört zur League of European Research Universities (LERU) und zum Verbund Internationale Bodensee-Hochschule.
Geschichte Gründung Im Jahre 1832 beschloss der Regierungsrat des Kantons Zürich, in Zürich eine Universität zu gründen. Am 29. April 1833 war die Gründungsfeier. Die bereits bestehenden Höheren Schulen für Theologie (seit 1525), Jurisprudenz und Medizin wurden mit einer neu gegründeten Philosophischen Fakultät zur Universitas Turicensis zusammengefasst (Turicum ist der antike Name Zürichs). Die Höhere Schule für Theologie lässt sich bis zum Wirken Zwinglis zurück verfolgen.Ueli Greminger, Konrad Schmid: Vor 500 Jahren gründete Zwingli den Vorläufer der Universität Zürich / Anders als viele Klöster wurde das Grossmünsterstift mit der Reformation nicht aufgelöst – das wirkt sich bis heute aus In: Neue Zürcher Zeitung vom 18. Juni 2025, Seite 14 Am 19. Juni 1525 hatten die Geistlichen des fort bestehenden Chorherrenstifts unter der Leitung Zwinglis mit dem Studium des Buches Genesis begonnen, deshalb der Name Prophezei für diese Veranstaltungen. 1541 wurden diese Weiterbildungen um den Fächerkatalog Ethik, Naturphilosophie und Neues Testament erweitert. Nach einer Schulreform verfestigten sich die Vorlesungen zum Collegium Carolinum.Tobias Jammerthal: Die Grossmutter der Uni Zürich wird 500 Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 19. Juni 2025Ohne Zwingli keine Uni, Tagblatt Zürich, 23. April 2025Keimzelle der Universität, refortmiert.info, 26. Mai 2025
Die Universität Zürich war 1833 die erste Universität Europas, die von einem demokratischen Staatswesen gegründet wurde und nicht von der Kirche oder einem Landesfürsten. Sie wurde fast vierhundert Jahre nach der ersten Universität der Schweiz in Basel (1460) gegründet, die ihrerseits noch vor der Reformation durch eine päpstliche Bulle ins Leben gerufen worden war.
Das Siegel der Universität zeigt das Grossmünster mit Karl dem Grossen und bezieht sich damit auf die älteste höhere Schule in Zürich, das Collegium Carolinum.Johann Jacob Wirz: Historische Darstellung der urkundlichen Verordnungen: welche die Geschichte des Kirchen- und Schulwesens in Zürich wie auch die moralische und einiger Maßen die physische Wolfart unsers Volks betreffen. Zürich 1793, S. 217.
Erster Sitz der Universität war 1835 das umgebaute «Hinteramt» des ehemaligen Augustinerklosters. Im ersten Semester waren 161 Studenten immatrikuliert (16 Theologie, 26 Jurisprudenz, 98 Medizin und 21 Philosophie), die von 26 Professoren und 29 Privatdozenten unterrichtet wurden. Im Jahre 1840 bereits wurden die ersten Frauen als Hörer an der Philosophischen Fakultät zugelassen. Damit nahm die Universität Zürich eine Pionierrolle hinsichtlich des Frauenstudiums im deutschen Sprachraum ein. 1859 wurde die Philosophische Fakultät in zwei Abteilungen aufgespalten, in eine mit philosophischer, sprachlicher sowie historischer Ausrichtung (phil. I) und in eine mathematisch-naturwissenschaftliche Abteilung (phil. II).
Im Polytechnikum Im Jahre 1864 zog die Universität aus Platzgründen in den Südflügel des neu errichteten Polytechnikums um. 1867 wurde mit Nadeschda Suslowa (1843–1918)Manda Beck: Russische Vorreiterin. Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 11. Juni 2021, abgerufen am 2. März 2025. die erste Frau im deutschen Sprachraum an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich promoviert; Marie Heim-Vögtlin (1845–1916) war die erste Schweizerin, die an der Universität Zürich das Studium der Medizin absolvierte, 1874 ihre Promotion ablegte und 1889 das erste Schweizer Frauenspital mit der angegliederten «Pflägi» (1901) gründete.
1883, fünfzig Jahre nach der Gründung, wurden 463 Studenten von 91 Dozenten (davon 37 ordentliche Professoren) betreut. 1901 wurde die Veterinärmedizinische Fakultät gegründet. Zusammen mit derjenigen der Universität Bern gilt sie als älteste veterinärmedizinische Fakultät der Welt.
1908 regelte ein Aussonderungsvertrag zwischen dem Kanton Zürich und dem Bund die Besitzverhältnisse zwischen der Universität und der ETH. Dadurch wurde die Zusammenlegung gemeinsamer Institute und Sammlungen ermöglicht. Im gleichen Jahr stimmten Stadt und Kanton Zürich in einer Volksabstimmung einem Neubau für die Universität zu.
Ab 1909 war Albert Einstein für zwei Jahre als Dozent für Theoretische Physik an der Universität Zürich tätig.Universität Zürich: Geschichte.
Hauptgebäude Rämistrasse 1914 bezog die Universität ihr neues Hauptgebäude an der Rämistrasse. Dem Neubau und dem notwendigen Kredit hatten 1908 die Stimmberechtigten der Stadt und des Kantons Zürich in einer Volksabstimmung zugestimmt. 1917 wurde die Zentralbibliothek Zürich eröffnet, die gleichzeitig Stadt-, Kantons- und Universitätsbibliothek ist.
Im Jahre 1933, hundert Jahre nach der Gründung, zählte die Universität Zürich 2'033 Studierende.
1946 hielt Winston Churchill in der Aula der Universität Zürich seine bekannte Rede an die akademische Jugend der Welt. Die Rede gipfelte im bekannt gewordenen Aufruf an Europa: «Therefore I say to you: let Europe arise!» mini|Luftbild (1953)
Universität Zürich-Irchel Seit den 1950er Jahren nahm die Zahl der Studenten drastisch zu, und die Platzverhältnisse wurden immer knapper. 1962 schlug die Naturwissenschaftliche Fakultät vor, einen Teil der Universität in den Norden der Stadt zu verlegen. 1973 wurde mit den Bauarbeiten für die Universität Zürich-Irchel begonnen, die 1979 eingeweiht wurde (siehe auch: Irchelpark). In der Folge wurde der Campus Irchel schrittweise erweitert. 25 Jahre nach der Eröffnung suchten ihn rund 6000 Personen täglich auf.
1983, hundertfünfzig Jahre nach ihrer Gründung, zählte die Universität Zürich 15'000 Studierende. 1984 wurde die Universitätsleitung ausgebaut, indem das Rektorat zu einem Hauptamt aufgewertet und zwei Prorektorate geschaffen wurden. 1992 wurde die Rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät in eine Rechtswissenschaftliche und eine Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät aufgespalten.
Im Jahre 2016 wurde ein ganz der Muttermilchforschung gewidmeter Medizin-Lehrstuhl an der Universität Zürich geschaffen. Er ist der erste dieser Art weltweit.Weltweit erster Lehrstuhl für Muttermilchforschung In: Hamburger Abendblatt vom 8. Juli 2015, abgerufen am 10. Juli 2015.
Von 2024 bis 2033 werden hintereinander die Kantonsschule Zürich Nord, die Kantonsschule Rämibühl (MNG und RG) sowie die Kantonsschulen Enge und Freudenberg Gebäude auf dem Campus provisorisch als Ausweichstandort nutzen, während die Schulen renoviert werden.
Neues Universitätsgesetz 1998 stimmten die Stimmberechtigten des Kantons Zürich dem neuen Universitätsgesetz zu. Damit wurde der Universität Zürich der Status einer eigenständigen Rechtspersönlichkeit zuerkannt. Innerhalb eines Globalbudgets kann sie seither eigenständig über ihre finanziellen Mittel verfügen und sich selbständig organisieren.
2004 wurde die vom Architekten Santiago Calatrava geplante Bibliothek des Rechtswissenschaftlichen Instituts eröffnet.
2008 feierte die Universität ihr 175-Jahr-Jubiläum.Wissen teilen – 175 Jahre Universität Zürich.
Am 10. Oktober 2009 unterzeichneten die Aussenminister von Armenien und der Türkei in der Universität Zürich ein von der Schweiz vermitteltes Protokoll zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, die amerikanische Aussenministerin Hillary Clinton, der russische Aussenminister Sergei Lawrow, der französische Aussenminister Bernard Kouchner, der slowenische Aussenminister und Präsident des Ministerkomitees des Europarats Samuel Žbogar sowie der Generalsekretär des Rates der Europäischen Union Javier Solana wohnten der Zeremonie bei.
Im Herbstsemester 2009 waren erstmals mehr als 25'000 Studierende eingeschrieben., Medienmitteilung vom 8. September 2009., Medienmitteilung vom 15. Dezember 2009. Im August 2010 wurde die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich mit dem amerikanischen Gütesiegel AACSB ausgezeichnet., Medienmitteilung vom 3. August 2010. Somit ist die Universität Zürich neben der Hochschule St. Gallen und der Universität Mannheim als einzige deutschsprachige Universität sowohl beim EQUIS als auch beim AACSB akkreditiert.
Anfang 2011 wurde eine Neuorganisation der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät durchgeführt. Die ehemals acht Institute wurden zu vier neuen Instituten zusammengelegt (in Klammern der Name des Institutsdirektors): Betriebswirtschaftslehre (Dieter Pfaff), Volkswirtschaftslehre (Ernst Fehr), Banking und Finance (Thorsten Hens) sowie Informatik (Martin Glinz)., 21. Februar 2011.
Die Studierenden der Universität Zürich sind von Gesetzes wegen seit dem 1. Oktober 2012 im Verband der Studierenden der Universität Zürich organisiert.
Kontroversen
Mörgeli-Affäre Seit Herbst 2012 fanden im Zusammenhang mit der Entlassung des Konservators des Medizinhistorischen Museums Christoph Mörgeli im Fall MörgeliWalter Bernet: Die Universität kann nicht mehr punkten. In: Neue Zürcher Zeitung vom 31. Oktober 2013. öffentliche Auseinandersetzungen statt, wobei es Ende Oktober 2013 zu einer weiteren Entlassung kam. Am 29. Oktober 2013 wurde die Entlassung von Iris Ritzmann, der stellvertretenden Direktorin des Medizinhistorischen Instituts der Universität Zürich, bekannt.Pascal Hollenstein: Aufstand der Professoren. In: NZZ am Sonntag vom 3. November 2013. Infolge dieser Kritik gab Andreas Fischer am 6. November 2013 seinen sofortigen Rücktritt als Rektor der Universität bekannt.Fall Mörgeli: Rektor der Uni Zürich tritt zurück. In: tagesanzeiger.ch, 6. November 2013, abgerufen am 9. Februar 2019. Zu seinem Nachfolger war bereits im Juni 2013 der Molekularbiologe Michael Hengartner gewählt worden. Er trat sein Amt vorzeitig am 1. Februar 2014 an,Fall Mörgeli: Wie es nach dem Rücktritt des Rektors weitergeht. In: Tages-Anzeiger.ch/Newsnet vom 11. November 2013. in der Zwischenzeit leitete Prorektor Otfried Jarren die Universität interimistisch.