Město Libavá (deutsch Stadt Liebau) ist eine Gemeinde im Okres Olomouc in Tschechien. Bis Ende 2015 war es eine militärische Siedlung auf dem Truppenübungsplatz Libavá.
Geographische Lage Město Libavá liegt in den Sudeten am Libavský potok in den Oderbergen, etwa 30 Kilometer nordöstlich von Olmütz.
Geschichte In Stadt Liebau befanden sich im Jahr 1929 345 Häuser mit 2237 Einwohnern. Davon galten 2181 als deutschsprachige Mährer und 21 als Tschechen.
Durch das Münchner Abkommen wurde Stadt Liebau dem Deutschen Reich zugesprochen: im Jahr 1945 gehörte die Stadt zum Landkreis Bärn im Regierungsbezirk Troppau im Reichsgau Sudetenland.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutschsprachige Bevölkerung nach Deutschland vertrieben. Gleich danach wurde das gesamte Gebiet um die Stadt für militärische Zwecke als Truppenübungsplatz genutzt.
Město Libavá war bis zu seiner Verkleinerung zum 1. Januar 2016 das Zentrum des militärischen Sperrgebietes. Die NATO-Truppen übten hier für verschiedene Einsatzarten. Die Verwaltung war militärisch, nicht bürgerlich.
Am 10. und 11. Februar 2012 fand in Město Libavá eine Enquete statt, die praktisch einem örtlichen Referendum gleichkam. Die Frage lautete, ob die Einwohner den Anschluss an eine Nachbargemeinde oder die Wiederentstehung einer selbständigen Gemeinde wünschen. An der Enquete nahmen 49,9 % der Berechtigten teil, und für die Entstehung einer selbständigen Gemeinde, die auch den Ortsteil Heroltovice mit einschließt, votierten 97,8 % der Teilnehmer. Dagegen stimmten nur 1,7 %. Das Resultat war rechtlich bindend., Pressemitteilung, 13. Februar 2012 (tschechisch)In Tschechien werden vier neue Gemeinden entstehen (tschechisch)
Im Zuge der Verkleinerung der Truppenübungsplätze und gemäß der Entscheidung der großen Mehrheit der Einwohner schied Město Libavá mit dem Ortsteil Heroltovice ab dem 1. Januar 2016 (nicht ab dem 1. Januar 2015, wie früher geplant) aus der militärischen Verwaltung aus und bildet seither eine selbständige Gemeinde mit dem alten Namen.https://zpravy.idnes.cz/v-cesku-vzniknou-ctyri-nove-obce-prvniho-starostu-si-zvoli-i-libava-11v-/domaci.aspx?c=A120213_120805_domaci_jw (tschechisch)
Auf einem Platz in der Ortsmitte erinnert ein Gedenkstein an die sogenannten „Schwarzen Barone“ („Černí baroni“), die zwischen 1950 und 1954 zu Zwangsarbeit in den Technischen Hilfsbataillonen verpflichtet waren.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1834 1522 Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren. Topographisch, statistisch und historisch geschildert. 2. Auflage, Band 1: Prerauer Kreis. Brünn 1846, S. 281–283. 1900 2483 deutsche EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 12, Leipzig und Wien 1908, S. 525–526. 1930 2113 1939 2185
1991 hatte Město Libavá 361 Einwohner. Im Jahre 2001 bestand Město Libavá aus 123 Wohnhäusern, in denen 585 Einwohner lebten.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Město Libavá besteht aus den Ortsteilen Heroltovice (Herlsdorf) und Město Libavá (Stadt Liebau).http://www.uir.cz/casti-obce-obec/500160/Obec-Mesto-Libava Grundsiedlungseinheiten sind Dřemovice (Drömsdorf), Heroltovice, Město Libavá und Stará Voda (Altwasser). Zu Město Libavá gehören außerdem die Ortslage Předměstí Libavá (Vorstadt Liebau) und die Wüstung Bělá (Seibersdorf).
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Město Libavá, Město Libavá I und Město Libavá II.
Söhne und Töchter der Gemeinde Johannes Oesterreicher (1904–1993), katholischer Theologe und Vertreter jüdisch-katholischer Verständigung Ignaz Czapka (1791–1881), Bürgermeister von Wien (1838–1848).
Einzelnachweise
Literatur Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren. Topographisch, statistisch und historisch geschildert. Band 1: Prerauer Kreis. 2. Auflage. Brünn 1846, S. 281–283.
Weblinks
Geschichte von Město Libavá Untergegangene und heutige Orte im Raum Město Libavá (deutsch und tschechisch) Private Homepage zur Geschichte (deutsch)
Kategorie:Gemeinde im Olomoucký kraj