Unter einem Papiertiger versteht man einen sich machtvoll bzw. einflussreich gebenden Menschen, eine Organisation oder Schriftstücke, die bei genauer Betrachtung in Wahrheit keine Bedeutung oder Macht haben bzw. sich selbst handlungsunfähig machen, was jedoch teils erst nach einer längeren Zeit der Beobachtung erkannt werden kann.

Verwendung In der Politik werden Behörden oder internationale Organisationen oftmals als Papiertiger bezeichnet, die aufgrund von Bürokratismus nicht mehr zu Ergebnissen gelangen, sondern lediglich vorgeben, ein Ergebnis erreichen zu wollen. Weiterhin werden z. B. technische Gegenstände als Papiertiger bezeichnet, die im buchstäblichen Sinn „auf dem Papier“ über eine Leistung verfügen, die sie real aus verschiedenen Gründen nicht aufbringen können.

Ursprung Der Begriff beruht auf dem chinesischen Ausdruck 紙老虎 (zhǐlǎohǔ), der wiederum ein Kompositum aus 纸 (zhǐ) ‚Papier‘ und 老虎 (lǎohǔ) ‚Tiger‘ ist. Seit dem 19. Jahrhundert ist er als Lehnwort auch in europäischen Sprachen nachgewiesen. So übersetzte Robert Morrison die Phrase 1828 mit ins Englische.Robert Morrison: Vocabulary of the Canton Dialect. Vol. I. East India Company's Press, Macao 1828, S. 536; . Auch John Francis Davis übersetzte 1836 in einem Buch über chinesische Geschichte die Phrase mit ;John Francis Davis: The Chinese: A General Description of the Empire of China and Its Inhabitants. Vol. II. Charles Knight & Co., London 1836, S. 163; . dies wurde 1848 als „Papiertiger“ auch in die deutsche Übersetzung des Buches übernommen.John F. Davis: China und die Chinesen: eine allgemeine Beschreibung von China und dessen Bewohnern. Band 2. Expedition der Wochenbände, Stuttgart 1848, S. 212; . Ab etwa 1838 findet sich der Begriff häufig auch in deutschsprachigen Quellen.Johann G. Flügel: A Complete Dictionary of the English and German and English Languages: Containing All the Words in General Use : in Two Volumes. English and German, Band 1. 2. Auflage. Liebeskind, Leipzig 1838, S. XXII; .Lesefrüchte. In: Allgemeine Theaterzeitung und Originalblatt. Wien, 21. Juli 1838, S. 643; Mannigfaltiges. In: Regensburger Conversations-Blatt. 6. März 1842; .

Popularisierung durch Mao mini|alternativtext=Wand mit dem portugiesischen Schriftzug: O imperialismo é um tigre de papel|„Der Imperialismus ist ein Papiertiger!“ – Graffiti in Porto Alegre (Brasilien) Häufig gebraucht hat diesen Begriff Mao Zedong, der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas.Cay Rademacher: In: GEO Epoche Nr. 51 – 10/11, Das China des Mao Zedong, S. 134 In dem Buch Worte des Vorsitzenden Mao Tsetung wird der Papiertiger folgendermaßen erwähnt: „Der Imperialismus und alle Reaktionäre sind Papiertiger.“ (一切反动派都是纸老虎. Yīqiè fǎndòngpài doū shì zhǐ lǎohǔ.)

Klaus Mehnert nennt den Begriff als Beispiel für das „Parteichinesisch“ der KPCh, aber auch für ihre Einschätzung, dem „Papiertiger Amerika“ tatsächlich überlegen zu sein.Klaus Mehnert: Peking und Moskau. Deutscher Bücherbund, Stuttgart und Hamburg 1963. S. 282, 482.

Varia Papiertiger Archiv & Bibliothek der Sozialen Bewegungen Berlinhttp://www.archivtiger.de/wir.html „Die Gruppe 47 ist ein Papiertiger“

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Redewendung Kategorie:Politisches Schlagwort Kategorie:Tiger in der Kultur