mini|450px|Lebenserwartung (in Jahren) der Menschen zum Zeitpunkt der Geburt für das Jahr 2021
Der Begriff Lebenserwartung beschreibt die Zeit, die ein Lebewesen voraussichtlich leben wird. Diese Einschätzung kann zum Zeitpunkt der Geburt getroffen werden, oder zu jedem späteren Zeitpunkt. In die Beurteilung fließen verschiedene demografische Faktoren ein, wie auch das Geschlecht. Für die Bestimmung der Lebenserwartung werden bestimmte Annahmen über die Sterberaten zugrunde gelegt. Diese werden in der Regel mit Hilfe einer Sterbetafel ermittelt, die auf beobachteten Sterbehäufigkeiten der Vergangenheit und auf Modellannahmen für deren zukünftige Entwicklung basiert. Dabei werden gewöhnlich sämtliche Arten von Todesfällen eingeschlossen. Grundsätzlich kann der Zeitpunkt, ab dem die restliche Lebenserwartung ermittelt werden soll, beliebig gewählt werden; zum Beispiel die Lebenserwartung, die 90-Jährige an ihrem 90. Geburtstag haben. Dieser Artikel beschreibt die Lebenserwartung ab dem Beginn des eigenständigen Lebens, beim Menschen und den meisten Säugetieren also ab der Geburt.
Die Lebenserwartung von Menschen bei Geburt stieg seit 1950 jedes Jahr an, bis zu einem Höchststand 2019. Damals lag der weltweite Durchschnitt bei 73,4 Lebensjahren.Global Health Observatory (GHO) data – Life expectancy bei WHO, Abruf 25. November 2019. 2020 fiel die Lebenserwartung allerdings erstmals, 2021 erneut auf nur noch 71,4 Jahre, Grund dafür ist die COVID-19-Pandemie.
Für die Zeitdauer von Entstehung bzw. Geburt bis zum Tod ist die Bezeichnung Lebensspanne üblich.Lebensspanne im Kompaktlexikon der Biologie In der Psychologie, insbesondere der Entwicklungspsychologie befasst sich die Lebensspannenpsychologie mit den verschiedenen Lebensphasen und deren Dynamiken, auch unter dem Gesichtspunkt von Gesundheit und Wohlbefinden.Lebensspannenpsychologie in: Dorsch Lexikon der Psychologie Die Medizin orientiert sich ebenfalls an der Lebensspanne und hat z. B. entsprechende Fachdisziplinen (von Neonatologie bis Geriatrie). Sie beschäftigt sich beispielsweise damit, die Gesundheitsspanne (engl. healthspan) an die Lebensspanne (engl. lifespan) anzupassen.Der Unterschied zwischen Lebensspanne und Gesundheitsspanne und warum wir unseren Fokus auf die Gesundheitsspanne legen sollten dnaforum vom 5. Oktober 2022
Berechnung der Lebenserwartung Am häufigsten wird die Lebenserwartung ab der Geburt berechnet. Die Lebenserwartung bei der Geburt gibt das Alter an, das die Neugeborenen eines bestimmten Jahrgangs durchschnittlich erreichen würden, wenn die altersspezifische Mortalität künftig konstant bleibt. Häufig wird dabei nicht die Gesamtpopulation der Neugeborenen betrachtet, sondern eine nach gewissen Kriterien ausgewählte Teilpopulation (etwa nach Wohnort, Geschlecht). Interessant sind dabei Angaben über die statistische Streuung der Lebenserwartung.
Menschliche Lebenserwartung mini|Durchschnittliche Lebensdauer seit 1875 bei der Geburt in den D-A-CH Ländern im Vergleich inklusive USA, China, Spanien und Japan mini|Lebenserwartung der Männer bei der Geburt 2006 mini|Lebenserwartung der Frauen bei der Geburt 2006 Allgemeines Die menschliche Lebenserwartung wird von verschiedenen Einflussfaktoren bestimmt. Statistische Verzerrungen können sich durch die Säuglings- und Kindersterblichkeit und weitere Mortalitätsdaten ergeben. So lag die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr in der Zentralafrikanischen Republik 2010–2015 nach Angaben der UNO bei rund 8,2 Prozent. Die weitere oder durchschnittliche weitere Lebenserwartung gibt an, wie viele weitere Lebensjahre Menschen eines bestimmten Alters nach den in der aktuellen Berichtsperiode geltenden Sterblichkeitsverhältnissen durchschnittlich noch weiterleben.Durchschnittliche weitere Lebenserwartung nach Altersgruppen in Jahren, statista.com (benötigt Flash-Player) (Die Seite ist anmelde-/kostenpflichtig).
Die weitere Lebenserwartung wächst mit dem Lebensalter an, da verschiedene Sterberisiken bereits überlebt wurden. Ein neugeborener Junge hat, nach Daten aus 2021/2023, in Deutschland eine Lebenserwartung von gerundet 78 Jahren, im Alter von 5 Jahren sind es auch 78 Jahre (5+73), im Alter von 50 sind es 80 Jahre, mit 60 sind es 81, mit 70 sind es 84, mit 80 sind es 88 und mit 85 sind es 90 Jahre. Ein neugeborenes Mädchen hat in Deutschland eine Lebenserwartung von gerundet 83 Jahren, also 5 Jahre mehr als ein Junge. Dieser Abstand verringert sich im Laufe des Lebens. Im Alter von 50 beträgt die Lebenserwartung 84 Jahre (50+34) (also noch 4 Jahre mehr als Männer), mit 70 sind es 87 Jahre (3 Jahre mehr), mit 80 sind es 89 Jahre (1 Jahr mehr) und mit 85 sind es 91 Jahre (ein Jahr mehr als Männer).
Die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und sauberem Wasser, gute Wohn- und Lebensbedingungen, die öffentliche Gesundheit und Zugang zu medizinischer Versorgung – kurz: gute Lebensbedingungen – führen zur höheren Lebenserwartung einer Bevölkerung. Krieg, Genozid, Naturkatastrophen, Völkerwanderungen, Seuchen, Hungersnöte haben den gegenteiligen Effekt. Der größte Teil der Unterschiede innerhalb einer Bevölkerung werden durch soziale Ungleichheit, Bildung, Gesundheitskompetenz und materielle Sicherheit beeinflusst, das sind die wichtigsten Determinanten des individuellen Lebensstils. Man schätzt, dass 25 Prozent der individuellen Unterschiede in der menschlichen Lebensspanne durch die Gene bestimmt werden, aber welche Gene und wie sie zur Langlebigkeit beitragen, ist unklar. Wissenschaftler vermuten, dass in den ersten sieben oder acht Lebensjahrzehnten der Lebensstil einen stärkeren Einfluss auf die Gesundheit und die Lebensspanne hat als die Gene. Sich gesund zu ernähren, nicht zu viel Alkohol zu trinken, Tabak zu meiden und körperlich aktiv zu bleiben, ermöglicht es Menschen, bis ins Alter gesund zu bleiben; die Genetik scheint dann zunehmend eine wichtige Rolle zu spielen, wenn es darum geht, in den Achtzigern und darüber hinaus gesund zu bleiben. Viele sehr alte Menschen können bis in die letzten Jahre ihres Lebens unabhängig leben und inaktivitätsbedingte Krankheiten vermeiden. Die biologische Zellalterung ist allerdings unvermeidbar. Ein Unfall und seine Folgen können im Einzelfall ein Leben stark verkürzen.
Unter guten Rahmenbedingungen können Menschen 100 Jahre und älter werden. Der bisher älteste Mensch (Jeanne Calment) erreichte ein Lebensalter von 122 Jahren. Die maximale Lebenserwartung von Menschen wird unter Forschern seit vielen Jahren kontrovers diskutiert: Während die einen die Ansicht vertreten, dass Menschen (und die meisten Tiere) theoretisch unbegrenzt leben können, sind viele davon überzeugt, dass es eine natürliche Obergrenze für die maximale Lebenszeit gibt. In Nature: Human age limit claim sparks debate In: Nature | News 5. Oktober 2016. Statistische Untersuchungen legen nahe, dass eher Letzteres zutrifft und Menschen – unter natürlichen Umständen – selbst unter optimalen Bedingungen nicht älter als durchschnittlich 115 bis maximal 125 Jahre alt werden können.G. Dong, X. Milholland, B. Vijg, J.: Evidence for a limit to human lifespan. In: Nature online veröffentlicht, 05/10/2016. Als Grund nennen die Forscher in erster Linie die kontinuierliche Anhäufung von DNA-Schäden im Laufe des Lebens eines Menschen – mit der Folge von schädlichen Mutationen und zunehmend defekten Proteinen und Enzymen. Durch eine gesunde Lebensweise, bestimmte Medikamente und mit Hilfe der körpereigenen Reparatursysteme kann dieser Prozess zwar verlangsamt, aber letztendlich nicht aufgehalten werden: Überschreiten die akkumulierten Zellschäden einen bestimmten Schwellenwert, ist der Tod des Individuums unausweichlich. Dies trifft auch dann zu, wenn zuvor keine zwangsläufig zum Tode führende Erkrankung, wie z. B. eine bösartige Krebskrankheit vorhanden war. Im Jahr 2021 berichteten Wissenschaftler, dass die intrinsische maximale menschliche biologische Lebensspanne laut Blutmarkern 120–150 Jahre beträgt.
Die Angaben zur Lebenserwartung in den Ländern weltweit unterscheiden sich je nach Quelle. Gemäß dem CIA World Factbook, Stand 2024, haben die Menschen in Monaco die höchste Lebenserwartung mit 89,8 Jahren, nach Singapur und Macau folgt auf Rang 4 als erstes größeres Land Japan mit einer Lebenserwartung von 85,2 Jahren; die geringste Lebenserwartung haben die Menschen in Afghanistan mit 54,4 Jahren. Gemäß der UN-Weltbevölkerungsprognose 2024, Daten zum Jahr 2024, ist in Nigeria die Lebenserwartung weltweit am niedrigsten mit 54,6 Jahren; die Lebenserwartung in Afghanistan wird mit 66,3 Jahren angegeben. 2007 hatten noch die höchste Lebenserwartung die Menschen in Andorra mit 83,5 Jahren, die geringste Lebenserwartung im afrikanischen Land Eswatini mit 34,1., netzeitung.de, 15. August 2007.
Lebenserwartung ist eine wichtige sozioökonomische Messgröße. Je höher sie für eine bestimmte Gruppe ist, desto höher ist deren Lebensstandard, beispielsweise medizinische Versorgung, Hygiene, Trinkwasserqualität und Ernährungslage. Unterschieden wird die Lebenserwartung häufig nach Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Berufszugehörigkeit oder nach speziell ausgewiesener Risikogruppe. Während die Statistiken, die sich auf Staaten oder Regionen beziehen, vorwiegend volkswirtschaftliche Indikatoren ausweisen, wird die Unterscheidung nach bestimmten Bevölkerungsgruppen, insbesondere in der Versicherungswirtschaft, zur Berechnung von Risiken und der Bemessung von Prämien oder Renten herangezogen.
Die Berechnung der Lebenserwartung erfolgt anhand von Sterbetafeln, welche die genaue Zahl der Überlebenden und Gestorbenen pro 100.000 Einwohner früherer Jahrgänge nach dem durchschnittlichen Lebens- bzw. Sterbealter in Jahren ausweisen.Aktuelle Sterbetafeln für Deutschland. (MS Excel) Statistisches Bundesamt Deutschland.
Beispiel Deutschland Im Jahr 2015 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Jungen 77 Jahre und 9 Monate (2010: 77 Jahre und 4 Monate). Die entsprechende Zahl für neugeborene Mädchen lautete 82 Jahre und 10 Monate (2010: 82 Jahre und 6 Monate).Statistisches Bundesamt Wiesbaden Die so berechnete durchschnittliche Lebenserwartung ist eine ungenaue Prognose, die im Wesentlichen den jetzigen Trend extrapoliert. Dieser könnte einerseits durch Kriege oder Seuchen abrupt gestoppt oder sogar ins Gegenteil gekehrt werden, aber auch beispielsweise durch medizinische Durchbrüche verstärkt werden.
Im Jahr 2007 hatten Jungen in den alten Bundesländern bei ihrer Geburt eine Lebenserwartung von 76,9 Jahren, in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) eine von 75,5 Jahren. Der Ost-West-Unterschied betrug 1,4 Jahre. Bei den neugeborenen Mädchen betrug der Abstand zugunsten der im Westen geborenen Mädchen 0,3 Jahre.Lebenserwartung der Menschen in Deutschland nimmt weiter zu. Statistisches Bundesamt Deutschland, Pressemitteilung, Nr. 336, 27. August 2007.
Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verlängert.Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter an. Statistisches Bundesamt Deutschland, Pressemitteilung, Nr. 364, 24. September 2009. Faktoren wie Friedenszeit, gestiegenes Einkommen, höherer Lebensstandard, bessere Ernährungslage etc. spielen dabei eine wesentlich größere Rolle als Medizinfortschritt oder Änderung des Zigarettenkonsums in der Gesamtbevölkerung.
In Deutschland im Zeitraum 2016/18 betrug die Lebenserwartung für Männer 78,5 Jahre und für Frauen 83,3 Jahre.
Die durchschnittliche Lebenserwartung betrug 2021 für neugeborene Mädchen 83,2 Jahre und für neugeborene Jungen 78,2 Jahre. Der erstmals seit langem eingetretene Rückgang gegenüber 2019 ist auf die Corona-Epidemie zurückzuführen.
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