mini|Flakturm IV auf dem Heiligengeistfeld vor der Aufstockung ab 2020 mini|Hamburger Flakturm IV mit Bergpfad und Aufstockung (Hotel) im Februar 2023 mini|Flakturm VI in Wilhelmsburg im Mai 1945; im Vordergrund der 1947 gesprengte Leitturm

Die Hamburger Flaktürme sind zwei große, durch Zwangsarbeit errichtete, in Betonbauweise mit Stahlarmierungen ausgeführte Luftabwehr- und Luftschutzbauten in den Hamburger Stadtteilen St. Pauli und Wilhelmsburg. Ursprünglich wurden während des Zweiten Weltkrieges, genauer in den Jahren von 1942 bis 1944, vier Türme erbaut, von denen zwei als Hochbunker mit aufmontierten Flugabwehrgeschützen und zwei als kleinere Leitstände konzipiert waren. Die Türme konnten die militärischen Anforderungen an eine Kampfstellung nur teilweise erfüllen; sie waren aber als Schutzraum für die Bevölkerung und in propagandistischer Hinsicht umso erfolgreicher, da sie als nahezu unzerstörbare Festungen ausgelegt waren. Wegen ihrer autarken Bauweise hätten sie eventuell eine langfristige Verteidigung gegen angreifende Bodentruppen bestreiten können. Von den vier erbauten Türmen sind die beiden Gefechtstürme erhalten.

Geschichte In Reaktion auf die alliierten Luftangriffe auf Berlin erging am 9. September 1940 der Führerbefehl zur Aufstellung von Flaktürmen in Berlin, der bis Ende 1942 auf die Städte Wien und Hamburg ausgedehnt wurde, um diese vor Bombenangriffen zu schützen. Hamburg wurde während des Zweiten Weltkrieges zum Ziel alliierter Luftangriffe, unter anderem weil sich in der Stadt mehrere große Werften wie Blohm & Voss, Howaldtswerke, Deutsche Werft und H.C. Stülcken Sohn befanden, die viele der deutschen U-Boote produzierten. Die Flaktürme wurden unter der Leitung von Albert Speer, dem Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, vom Architekten Friedrich Tamms konstruiert und durch die Organisation Todt realisiert, auch mit dem Einsatz tausender Fremd- und Zwangsarbeiter.

Aufbau mini|Innenansicht: 12,8-cm-Geschütz auf G-Turm mini|Außenansicht: schwere Flak auf Hochbunker. Im Vordergrund Kommandogerät, im Hintergrund Feuerleitradar Würzburg-Riese auf dem L-Turm, Bild zeigt baugleiche Türme in Berlin

Für die Luftraumverteidigung Hamburgs waren drei Gefechtstürme geplant, die in Dreiecksform über das Stadtgebiet angeordnet werden sollten, um eine gute Schussüberdeckung zu gewährleisten. Der zu jedem Gefechtsturm (G-Turm) gehörende Leitturm (L-Turm) war mindestens 100 Meter von diesem entfernt, damit die Vibrationen und der dichte Rauch des Flak-Mündungsfeuers nicht die Messgeräte zur Zielbestimmung beeinflussten. Die L-Türme waren schmaler ausgelegt als die G-Türme und mit verschiedensten Ziel-, Mess- und Radargeräten wie beispielsweise dem Würzburg-Riesen ausgestattet.

Von den drei geplanten Flaktürmen wurden nur zwei gebaut. Der dritte Turm war ursprünglich im Osten von Hamburg vorgesehen, als mögliche Standorte waren der heutige Jacobipark, der Hammer Park und ein Gelände an der Oberaltenallee in der engeren Auswahl.Dirk Lau: Vom Flakbunker IV zum Grünen Bunker. Geschichte eines Hamburger Monuments, Hamburg 2025, ISBN 978-3-944405-77-3, S. 103 f. Wegen der zunehmenden Materialknappheit wurde der Bau des dritten Flakturms jedoch zunächst aufgeschoben und später aufgegeben. Nummeriert wurden die Flaktürme reichsweit (Berlin, Hamburg und Wien) nach dem Datum des Baubeginns, sodass die Hamburger Türme die römischen Ziffern IV und VI erhielten.

Die Flaktürme waren als vollständig autarke Einheiten mit eigener Strom- und Wasserversorgung ausgelegt und verfügten über eine Krankenstation samt OP-Raum. Durch einen leichten Überdruck im Gebäudeinneren waren sie auch gegen Gasangriffe geschützt.

Flakturm IV in St. Pauli (Bunker an der Feldstraße) Militärische Nutzung während des Zweiten Weltkriegs mini|Karte des Heiligengeistfeldes mit dem Bunker (grau)

Der Flakturm IV in St. Pauli befindet sich auf den Koordinaten und gehört zur Bauart 1, wie er auch in Berlin gebaut wurde. Der Hochbunker an der Feldstraße wurde im Jahr 1942 von 1.000 Zwangsarbeitern in 300 Tagen erbaut. Er besaß eine Bewaffnung von vier 10,5-cm-Flakgeschützen, die im August 1942 durch vier 12,8 cm-Flakzwilling 40 ersetzt wurden. Der Flakturm IV gehört zu den größten jemals erbauten Bunkern. Die Grundfläche misst 75 Meter × 75 Meter, er ist 38 Meter hoch. Die Wandstärke beträgt 3,5 Meter; die Decke ist fünf Meter dick. Fenster waren eingebaut und mit Betonplomben verschlossen. Obwohl die Kapazität auf 18.000 Personen beschränkt war, suchten während der starken Luftangriffe auf Hamburg im Sommer 1943 bis zu 25.000 Menschen Schutz im Bunker. Es gab einen besonderen Kinderwagen-Eingang für Frauen mit Kindern.Bettina Mittelacher: Grau wird grün: Die Oase auf dem Bunker. In: Hamburger Abendblatt. 11. Juni 2015, S. 7, Infokasten: 18.000 Menschen sollten in dem Bunker Schutz finden. Im Bunker gab es eine spiralförmige Treppe nach oben, die zunächst noch kein Geländer hatte und bei Gedränge lebensgefährlich war.Yvonne Weiß: Lasst Gras drüber wachsen. In: Hamburger Abendblatt. 8. August 2015, S. 20–21. (bezahlpflichtig).Irene Jung: Bunker Geschichten aus Hamburg: Zeitzeugen erinnern sich. In: Hamburger Abendblatt. 4. August 2015. (bezahlpflichtig).

Zivile Nachnutzung Notunterkunft Der Hochbunker Feldstraße wurde nach dem Krieg von zivilen Mietern genutzt, weil in der Nachkriegszeit vielerorts großer Wohnraummangel herrschte. Deshalb wurde im Juli 1947 auch die Sprengung des Turms verhindert. Darüber hinaus hätte die erforderliche Sprengkraft wahrscheinlich auch die Umgebung bis hin zur nur zwei Kilometer entfernten Hamburger Innenstadt in Mitleidenschaft gezogen. Bei der Sprengung des Flakturms im Tiergarten Berlin zeigte sich am 30. Juli 1947, dass mindestens 40 Tonnen TNT dafür erforderlich gewesen wären.

Anfang der 1950er Jahre diente ein Teil der Räume als Notunterkunft für Frauen und Kinder, die häusliche Gewalt erlebt hatten. Die kleinen Kammern waren in der Regel mit einem Bett, einem Stuhl und einem Tisch ausgestattet. Mahlzeiten gab es in einem anderen Teil des Bunkers.

Im Kalten Krieg wurde der intakte Gefechtsturm als Luftschutzbunker reaktiviert.

Umbau zum Medienzentrum 1990 1990 wurde das Gebäude für etwa 1,6 Millionen DM verkauft und zu einem Medienzentrum umgebaut, in dem sich heute unter anderem der Musikclub Uebel & Gefährlich und der Kammerkonzertsaal resonanzraum befinden, ebenso gab es hier bis Anfang 2021 eine große Filiale des Musikinstrumentenhändlers JustMusic. Im Jahr 1993 erwarb der Investor Thomas Matzen das Erbbaurecht für den Bunker bis zum Jahr 2053 für damals 6 Millionen DM. Inzwischen ist dieses Erbbaurecht auf die Matzen Immobilien GmbH übertragen und bis zum Jahr 2099 verlängert worden.

Aufstockung und Begrünung („Grüner Bunker“)

mini|Grüner Bunker 2024

Nachdem es schon früher Ideen zur Begrünung des Bunkers gegeben hatte (z. B. 1992 von Friedensreich Hundertwasser), entwickelte der Hamburger Stadtplaner Mathias Müller-Using die Idee, mit der Begrünung den Flakbunker neu und positiv zu besetzen.

Im Jahr 2017 genehmigten das Bezirksamt Mitte und die Bürgerschaft die von einer Investorengruppe um Thomas J. C. Matzen beantragte Aufstockung des denkmalgeschützten Bauwerks um fünf Stockwerke mit einer Höhe von rund 20 Metern. Es sollten ein Hotel, ein Fitnessclub, Gastronomiebetriebe, eine Veranstaltungs- und Sporthalle entstehen. Das Investment beinhaltete auch eine Bepflanzung der Fassade sowie des Dachs.Bunker auf St. Pauli: Bezirk genehmigt grünen Bunker. In: Zeit Online. 11. April 2017, abgerufen am 24. Mai 2017.Bürgerschaft gibt grünes Licht für grünen Bunker. In: Hamburger Abendblatt. 12. Juli 2017, abgerufen am 12. Juli 2017 (bezahlpflichtig).

Ab dem Jahr 2019 wurde trotz Kritik mit dem Umbau begonnen, eine Klage gegen die Aufstockung wurde im Juli 2020 abgewiesen.

Nach bau- und witterungsbedingten Verzögerungen wurde der Grüne Bunker im Juli 2024 eröffnet: der Bergpfad, der 1.400 Quadratmeter großen Dachgarten und das neue Hotel Reverb by Hard Rock Hotel nebst unterschiedlicher Restaurants. Hotel auf Hochbunker St. Pauli startet im April 2024 auf tophotel.de, Ausgabe vom 14. Dezember 2023, abgerufen am 15. Dezember 2023.

Die Gesamtkosten der Aufstockung und der Begrünung lagen bei ca. 60 Mio. Euro.„Grüner Bunker“ auf St. Pauli: Bergpfad fertig montiert auf ndr.de. Sendung vom 12. September 2023, abgerufen am 16. Dezember 2023.

Kleiner Flak-Leitturm (abgerissen 1973/74) Von dem zugehörigen kleineren ehemaligen Flak-Leitturm am südwestlichen Rand des Heiligengeistfeldes (damalige Ernst-Thälmann-Straße; seit 1956 Budapester Straße) sendete der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) 1950 ein erstes Fernseh-Testbild. Aus dem Bunker am Heiligengeistfeld wurde ab dem 25. Dezember 1952, zusammen mit dem NWDR-Funkhaus Köln, das kurze Zeit bis 1953 noch ein anderes Programm ausstrahlte, ein regelmäßiges Fernsehprogramm gesendet (→ Geschichte des Fernsehens in Deutschland). Nach dem Bau des Hamburger Fernsehturms wurde der Leitturm 1973/74 bis auf Teile des Fundaments vollständig abgerissen, um einer Vermittlungsstelle der Deutschen Bundespost Platz zu machen.

Flakturm VI in Wilhelmsburg mini|Flakturm VI in Hamburg-Wilhelmsburg 2005 mini|Grundriss des Flakturmes VI in Wilhelmsburg mini|Innere Struktur des Flakturmes VI im Juli 2010

Der Flakturm VI in Wilhelmsburg befindet sich auf den Koordinaten . Er wurde nach der Bauart 2 gebaut und im Oktober 1943 fertiggestellt. Ein baugleiches Bunkerpaar wurde im Wiener Arenbergpark errichtet. Etwa 80.000 Kubikmeter Stahlbeton wurden nur für den Bau des Gefechtsturmes benötigt. Der noch erhaltene Gefechtsturm hat eine Grundfläche von 57 × 57 Metern, eine Höhe von 41,6 Metern, eine Wandstärke von mindestens 2 und eine Deckenstärke von 3,5 Metern. Dagegen war der Leitturm mit einer Grundfläche von 39 × 23,5 Metern und einer Höhe von 41,8 Metern um einiges kleiner.

Die vier Stellungen des Gefechtsturmes waren mit 12,8-cm-Zwillingsflak vom Typ Flak 40 (maximale Schussweite: 21 Kilometer; maximale Schusshöhe: 15 Kilometer) ausgerüstet und besser geschützt als die Stellungen der Bauart 1. Die Munition der Geschütze wurde über Kettenaufzüge auf den Gefechtsturm gebracht und dort in Nischen, die kreisförmig um die Flak angeordnet waren, gelagert. In einer Stunde konnten die vier Geschütze etwa 2.900 Granaten verschießen, die jeweils 26 Kilogramm wogen. Ein Stockwerk unter dem Dach waren außerdem 2-cm- und 3,7-cm-Flak für den Einsatz gegen Tiefflieger postiert. Die Munition wurde im Erdgeschoss gelagert; die Ersatz-Geschützrohre im Keller.

Insgesamt umfasste der Flakturm neun Stockwerke, von denen ein Teil als Luftschutzraum für die Bevölkerung vorgesehen war. In ihm suchten bis zu 30.000 Menschen aus der Umgebung Schutz. Damit die militärische Funktion nicht beeinträchtigt wurde, gab es ein eigenes Treppenhaus für die Soldaten und Flakhelfer.

Der Luftwaffenhelfer Gustave Roosen beschrieb die Situation wie folgt:

Nach Ende des Krieges war eine zivile Nutzung der Flaktürme geplant. Dennoch wurde am 10. Oktober 1947 der Leitturm von den Briten gesprengt und beseitigt. Nur sieben Tage später, am 17. Oktober, erfolgte auch die Sprengung des Gefechtsturms an der Neuhöfer Straße. Dabei wurde ein Großteil der inneren Struktur zerstört, die Hülle des Bunkers blieb jedoch erhalten. Er wurde längere Zeit für Mobilfunkantennen genutzt.

Energiebunker Wilhelmsburg