Das Kloster Neuwerk ist eine ehemalige Benediktinerinnen-Abtei im Zentrum des Mönchengladbacher Stadtteils Neuwerk. Die Klosterkirche gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern und ist das zweitälteste Bauwerk der Stadt Mönchengladbachs. Heute dient sie den Schwestern Salvatorianerinnen als Ordenskirche. mini|Kloster Neuwerk, die Klosterkirche von Osten mini|Grundriss der Klosterkirche 1896
Gründung Ein genaues Gründungsdatum ist nicht bekannt, darf aber im Jahr 1135 vermutet werden. In einer Urkunde vom 5. Dezember 1135 findet das Kloster die erste Erwähnung, als das Gladbacher Benediktinerkloster einen Teil seiner Einkünfte zum Unterhalt der Schwestern abtritt. Die Ansiedlung selbst wurde bei einem abteilichen Gutshof auf dem „Cranendonk“ genannten Gebiet in der Niersniederung errichtet. Es handelte sich um eine kleine, flachgedeckte Kapelle, deren Reste noch heute erhalten und sichtbar sind, wohl mit einigen kleinen Nebengebäuden. Erst in den Jahren 1170–1182 entstand aus der Kapelle eine Kirche und aus der Hofanlage das eigentliche Kloster mit ca. 20 Nonnen und einer Äbtissin. Diese gehörten als Benediktinerinnen dem Benediktinerorden an.
Name mini|Kloster Neuwerk, Blick vom Langhaus zum Chor Die Hofkapelle auf der Kranendonk trug nicht sofort nach der Erbauung den Namen „novum opus“ (= Neuwerk).
Die älteste Urkunde von 1135 nennt sie novum oratorium (= „neue Kapelle“). Unter diesem Namen wird sie auch noch 1168 erwähnt. Dies ist aber nur die Bezeichnung für das Gotteshaus. Die eigentliche Ortsbezeichnung lautet in derselben Urkunde „Cranendonk“.
Erst als die große Kirche und das eigentliche Kloster entstehen, tritt zum ersten Male die Bezeichnung novum opus (= „Neuwerk“ oder „neues Werk“) auf. So lautet sie in einer Urkunde des Jahres 1182.
Die unterschiedlichen Namen bzw. Schreibweisen im Laufe der Zeit:
Zeitpunkt Name Kommentar Gründung (1182): novum opus (lateinisch) Etwas später: zum neuen werk (wörtliche Übersetzung) Im Jahr 1664: Nyenwerk Im Jahr 1780: Neuwerck Wieder später: Neuenwerk Heute: Neuwerk (Ab 1836 ist „Neuwerk“ die amtliche Bezeichnung für die bereits 1798 unter dem Namen „Unterniedergeburth“ gegründete Gemeinde.)
Kloster und Bewohner Seit dem 16. Jahrhundert lautete der Name „Geistadeliges Gotteshaus Neuwerk“. Aus dieser Bezeichnung lässt sich entnehmen, dass nur Damen mit adeliger Abstammung in den Neuwerker Konvent eintreten konnten. Um in das Kloster einzutreten, musste man mindestens 10 Jahre alt sein. Beim Eintritt brachten die Frauen und Mädchen große Vermögenswerte als Aussteuer mit. Nach einer gewissen Ausbildung und Vorbereitung wurden die Töchter adeliger Familien zum Probejahr zugelassen. Wenn sie sich in dieser Zeit bewährten, folgte die feierliche Einkleidung, zu der alle adeligen Verwandten eingeladen wurden. Nach dem darauffolgenden Novizenjahr, das als letzte Prüfung bestanden werden musste, legten die jungen Damen oft schon mit 16 - 18 Jahren das Klostergelübde ab.
Die fünf Stufen zur Aufnahme in den Konvent im Überblick:
Ausbildung/Vorbereitung Probejahr (bei Bewährtheit) Feierliche Einkleidung Novizenjahr (letzte Prüfung) Klostergelübde
Von den ersten Jahren nach der Klostergründung bis ca. 1250 lebten im Neuwerker Kloster auch Klausnerinnen. So nannte man jene Frauen, die sich von der Welt abwandten, um nur noch durch Beten und Fasten bei Studium heiliger Schriften Gott zu dienen. Vielfach ließen sie sich bei einer Kirche einschließen oder einmauern.
Im Kloster waren zwei Geistliche tätig, zum einen der Prior und zum anderen der Kaplan. Beide wurden von 1342 an vom Abt von Gladbach ernannt. Aber auch vorher waren es schon Gladbacher Mönche, die festlegten, wer Prior oder Kaplan im Neuwerker Kloster wurde. 1712 verdienten der Prior 20 Reichstaler und der Kaplan 10 Reichstaler.
Die beiden Geistlichen wohnten außerhalb des Klosters. Das 1771 erneuerte, schon 1750 nachgewiesene Pfortenhaus des Klosters, ein zweistöckiges Fachwerkhaus, diente im 18. Jahrhundert als ihre Wohnung. Seit den Bemühungen um Erhalt und Restaurierung des Hauses, in dem sich heute ein Heimatmuseum befindet, in den 1950er Jahren ist es daher auch als „Priorhaus“ bekannt.
Auf dem Türbalken des Priorhauses steht die Inschrift:
GOTT • BEWAHRE • DIESES • HAUS • VOR • WASZER • UND • BRAND • DARZU • DAS • GANSZE • VATER • LAND • ANNO 1771
Das Kloster beschäftigte eine Menge Personal, das im Kloster wohnte. 1709 waren es 23 Personen: 1. Gärtner 2. Gärtner Klosterkämmerling Oberpferdeknecht Pferdeknecht Oberarbeiter 2. Arbeiter 3. Arbeiter Brauer Schweinehüter „Ferkensjunge“ Pförtner Magd für die Gäste Magd für die Äbtissin Oberköchin 2. Köchin Obermagd 2. Magd (für die gemeine Arbeit) Reffendersmagd Scheiffmagd Spinnerin Oberviehmagd 2. Viehmagd 1712 wurde außerdem noch ein Organist eingestellt.
Einige Beispiele für die damalige Bezahlung: Der 2. Gärtner erhielt 16 Reichstaler, 2 Paar Schuhe, 2 Hemden und 1 Kittel, der Klosterkämmerling erhielt 12 Reichstaler, 2 Paar Schuhe, 12 Ellen Hemdentuch und 2 Ellen Schmaltuch, die Oberköchin erhielt 7 Reichstaler, 3 Paar Schuhe, 12 Ellen Breittuch, 6 Ellen Schmaltuch und 3 "Schürtzel".
Das Kloster nahm schon 1334 adelige, reiche Damen in besonderen Gastzimmern auf. Im Jahre 1711 betrug das Kostgeld 30 Reichstaler.
Klosterleben Vom klösterlichen Leben ist nur wenig bekannt, aber es folgte der Regel des Hl. Benedikt, die man mit der Devise Ora et labora - Bete und Arbeite zusammenfassen kann. Im Gegensatz zu mittelalterlichen Männerklöstern gab es in Frauenklöstern keine Wissenschaft und Forschung, sondern es standen Mildtätigkeit und Ausübung christlicher Nächstenliebe im Vordergrund. Diese äußerte sich in der Gastfreundschaft für Durchreisende und außerdem baten Notleidende an der Klosterpforte nie umsonst. Zusätzlich verteilten die Neuwerker Nonnen am St. Barbara-Tag, am Christfest/vor Weihnachten, zu Ostern und Neujahr immer selbstgebackene Plätzchen und Kuchen an das herbeiströmende Volk.
Für das leibliche Wohl der Klosterbewohner sorgte eine Küche, die auch dem verwöhnten Geschmack gerecht wurde. Sie brachte frisches und eingepökeltes Fleisch von Ochsen, Kühen, Kälbern, Schafen, Lämmern und Schweinen auf den Tisch. An Geflügel sorgten Gänse, Hühner, Enten und Tauben für Abwechslung im Speisezettel. An Feiertagen gab es Wildbret, besonders Hasen. An Fastentagen begnügte man sich mit gesalzenem oder frischem Fisch. Die Küche verarbeitete außerdem große Mengen von Butter, Milch, holländischem Käse, Salz, Kräutern, Gewürzen, Korinthen und Rosinen. Das tägliche Brot wurde aus Roggen gebacken.
Außerdem gab es Bier aus der Klosterbrauerei und Wein von den Moselgütern des Abtes zu Gladbach, später von den Gütern des Abtes zu Brauweiler.
Während der Mahlzeiten wurde Tischlesung gehalten, d. h. aus religiösen Schriften vorgelesen, und einem uralten Brauch zufolge bediente jede Nonne wochenweise ihre Mitschwestern.
Wenn eine der Nonnen starb, richtete das Kloster den Armen meist eine Roggenspende aus. Die Nonnen wurden auf dem Klosterfriedhof beerdigt, welcher östlich vom Chor der Kirche lag. Die Äbtissinnen fanden ihre letzte Ruhestätte in der Klosterkirche.
Innerhalb der Klostermauern galten die sogenannte Immunität und das Asylrecht, d. h., dass das Kloster und die Personen, die sich im Kloster aufhielten, für die öffentliche Gewalt (Polizei etc.) unantastbar waren.
Baugeschichte mini|Kloster Neuwerk, Nördliches Seitenschiff Vor 1135 wurde auf dem Gut in der Kranendonk eine kleine Hofkapelle (= novum oratorium) errichtet. In dieser 1. romanischen Bauperiode war die Hofkapelle eine dreischiffige Basilika aus einfachem Mauerwerk mit flacher Decke. Da zu dieser Zeit nur wenige Nonnen dort lebten, war die Kapelle nicht besonders groß:
Breite des Mittelschiffs: 3,65 m Breite der Seitenschiffe: 2,20 m Länge: 10,50 m Höhe: 4,75 m Gesamtbreite: 10,30 m Gesamtlänge: 16,40 m.
Zwischen 1168 und 1183 - in der 2. romanischen Bauperiode - wurde die Kapelle zur richtigen Kirche. Sie bekam einen Anbau, durch den sie mehr als doppelt so groß wurde. Nach dieser Erweiterung wurde erstmals der Begriff novum opus für die Kirche verwendet. Aus der Hofanlage entstand zur gleichen Zeit das eigentliche Kloster mit mittlerweile ca. 20 Nonnen und einer Äbtissin.
Im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts (3. romanische Bauperiode) wurde die Kirche abermals vergrößert. Sie wurde dadurch zu einer einheitlichen dreischiffigen Basilika und bekam zwei Türme an der Westseite. Der nördliche Turm wurde im 16. Jahrhundert wegen Baufälligkeit zurückgebaut. Heute schließen dort die Klostergebäude direkt an die Kirche an.
Die Grundstruktur wurde seither nicht mehr wesentlich verändert. In der Folge gab es noch diverse Veränderungen bzw. Verfeinerungen und Restaurierungen im jeweiligen Zeitgeist, so dass die heutige Form der Kirche deutlich prachtvoller ist.
Nachdem die Klosterkirche im Dreißigjährigen Krieg großen Schaden erlitten hatte, wurde dem ehedem romanischen Turm im Jahr 1771 eine barocke Turmhaube aufgesetzt, die erst im Zuge der Restaurierungsarbeiten ab 1886 wieder durch ein romanisches Dach ersetzt wurde.
Klosteranlage Im Jahre 1804 bestand die gesamte Klosteranlage aus den folgenden Bereichen:
Im Zentrum der Anlage die Klosterkirche mit direkt angrenzendem Klostergebäude. Das viereckige Klostergebäude hat einen großen offenen Innenhof mit Garten. Neben und hinter Kirche und Klostergebäude befindet sich der inwendige Baumgarten, welcher von einer Mauer umgeben ist. Außerhalb der Mauer befinden sich der auswendige Garten sowie der auswendige Baumgarten. Vor der Kirche und dem Klostergebäude liegen der Hof und der Klosterplatz. Den Abschluss des Hofes bzw. Platzes zur Straße hin bilden Stallungen, die Scheuer sowie in der Mitte die Klosterpforte. Etwas abseits – neben den Stallungen – liegt das Pfortenhaus, das den Kirchgang vom öffentlichen Weg abscheidet, direkt am vorbeiführenden Weg. Das Klostergelände ist (fast vollständig) von einem Graben umgeben, der durch eine Brücke an der Pforte überwunden werden kann. Nur das Pforten- oder Priorhaus ist auch direkt vom Weg aus zugänglich.
Niedergang und Auflösung Um 1650 kam Unruhe auf und die klösterliche Zucht, Disziplin, Liebe, Einigkeit und Ordnung verfielen immer mehr. Auch Gebote und Verbote, die zur Wiederherstellung der Klostermoral vom Präsidenten der Bursfelder Kongregation erlassen wurden, hatten keinen großen Einfluss auf die Streitigkeiten innerhalb des Klosters. Erst nach dem Tod der aufrührerischen Nonnen und unter einer neuen Äbtissin, die sich während der Unstimmigkeiten außerordentlich charakterfest verhalten hatte, kehrte ein erträglicher Friede ein. Doch bis zur Auflösung des Klosters, die rund 50 Jahre später folgen sollte, war der gute Ruf dahin und es traten nur noch vereinzelt Schwestern in das Kloster ein, sodass der gesamte Konvent nur noch aus elf bis zwölf Nonnen bestand. Obwohl es in der Geschichte des Klosters zum ersten Mal auch nichtadeligen Damen erlaubt war in den Konvent einzutreten, blieb es bei der geringen Anzahl von Nonnen.