mini|250px|Verschiedene Ausgaben der Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift in mehreren Sprachen

Die Bibel. Neue-Welt-Übersetzung (bis 2018: Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift, Abkürzung: NWÜ; englisch: New World Translation of the Holy Scriptures, NWT) ist eine von der Wachtturm-Gesellschaft, der gemeinnützigen Verlagsunternehmung der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, herausgegebene Bibelübersetzung. Die erste Ausgabe in englischer Sprache (Neues Testament) wurde 1950 veröffentlicht. Bis heute ist sie aus dem Englischen – nach Angaben der Herausgeber unter getreuer Berücksichtigung der Ursprachen – in über 344 Sprachen weiterübersetzt worden, auch ins Deutsche.

Die verschiedensprachigen Derivate der „Neue-Welt-Übersetzung“ werden von den Zeugen Jehovas für die liturgischen und katechetischen Zwecke des Gottesdienstes und für ihr Missionswerk verwendet. Die Bibelübersetzung ist nicht im regulären Buchhandel erhältlich, sondern wird von ihnen in der Öffentlichkeit kostenfrei verbreitet.

Entstehung und Geschichte Vor der Entstehung der NWÜ verwendeten die Zeugen Jehovas im englischen Sprachraum Übersetzungen wie die King James Version oder die American Standard Version. Im deutschen Sprachraum war neben der Lutherbibel, die zeitweilig vom eigenen Verlag vertrieben wurde, besonders die Elberfelder Bibel gebräuchlich. Von der 1934 in der Magdeburger Niederlassung der Watch Tower Society gedruckten "Magdeburger-Bibel" (offizieller Titel: Die Heiligen Schriften), eine vollständigen Bibelübersetzung ins Deutsche, entgingen nur wenige Exemplare der Beschlagnahme und Vernichtung durch die Gestapo. Nach dem Zweiten Weltkrieg zitierte Der Wachtturm vereinzelt aus dieser Übersetzung.

Man war aber mit den meisten Übersetzungen unzufrieden, da „diese Übersetzungen überwiegend von Geistlichen und Missionaren der Religionsgemeinschaften der Christenheit angefertigt wurden“ und als „mehr oder weniger von den heidnischen Philosophien und den unbiblischen Überlieferungen, die diese Religionsgemeinschaften aus der Vergangenheit übernommen haben, beeinflußt sind, aber auch von den Vorurteilen der Bibelkritik. Zudem standen immer mehr ältere und zuverlässige Bibelhandschriften zur Verfügung.“ Ferner hätten sich die Zielsprachen, „in die die Bibel übersetzt worden ist, im Laufe der Jahre verändert“. Nathan Homer Knorr, Präsident der Wachtturm-Gesellschaft, schlug im Oktober 1946 vor, zunächst eine neue Übersetzung des Neuen Testaments anzufertigen. Die Übersetzung erfolgte vom 2. Dezember 1947 bis zum 3. September 1949.

Die englische Neue-Welt-Übersetzung der christlichen griechischen Schriften (Neues Testament) wurde am 2. August 1950 veröffentlicht. Der hebräische Teil der Neue-Welt-Übersetzung (Altes Testament) wurde bis 1960 in sechs Teilen in englischer Sprache herausgegeben. 1961 folgte eine Gesamtausgabe der Bibel in einem Band. 1984 und 2013 gab es Revisionen des englischen Textes.

Die Übersetzer gaben 1969 eine englische Interlinearübersetzung des Neuen Testaments heraus, die Kingdom Interlinear Translation of the Greek Scriptures. Eine zweite Ausgabe folgte 1985. Diese bietet in der oberen Zeile den griechischen Text von The New Testament in the Original Greek, in der Mitte eine wörtliche Zwischenübersetzung und unten die Wiedergabe der englischen New World Translation. Diese Ausgabe wird auch in der App der Organisation kostenfrei angeboten.

Die Grundlage der englischen Übersetzung des Alten Testaments ist der hebräische Text der Biblia Hebraica von Rudolf Kittel (Ausgaben 1951 bis 1955). Hinzugezogen wurden sowohl die Biblia Hebraica Stuttgartensia als auch die Biblia Hebraica Quinta. Für den griechischen Text des Neuen Testaments wurde The New Testament in the Original Greek von Brooke Foss Westcott und Fenton John Anthony Hort von 1881 verwendet. Hinzugezogen wurden der Text des Novum Testamentum Graece von Erwin Nestle und Kurt Aland und die Textausgabe der United Bible Societies.

Die Übersetzer der ursprünglichen englischen Fassung sowie auch aller weiteren Sprachen bleiben ungenannt, da sie wünschen, „dass alle Ehre Jehova Gott, dem Urheber seines inspirierten Wortes, zukomme“.

2021 war die Vollausgabe der Neue-Welt-Übersetzung in 123 Sprachen und das Neue Testament in weiteren 55 Sprachen erhältlich. Im September 2026 stand die NWÜ als Teil- oder Gesamtausgabe in 344 Sprachen zur Verfügung; die Gesamtauflage beträgt über 257 Millionen Exemplare.

Herausgeber sind die „Watchtower Bible and Tract Society of New York, Inc.“ und die „Watch Tower Bible and Tract Society of Pennsylvania“.

Deutsche Ausgaben mini|Die Bibel Neue-Welt-Übersetzung Ausgabe 2018

Für den deutschsprachigen Raum ist der verantwortliche Herausgeber die „Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft“ in Selters/Taunus. Die deutsche Ausgabe ist nach Angaben der Herausgeber Übersetzt nach der revidierten NEW World Translation (2013). Folgende deutschsprachigen Ausgaben und Revisionen sind bisher erschienen:

1963: 27 Bücher der Christlichen Griechischen Schriften (Neues Testament). Der Text beruht auf der englischen Ausgabe 1961. 1971: gesamte Bibel mit überarbeiteten Griechischen Schriften, beruht auf der englischen Ausgabe 1970. 1985: Ausgabe mit mehr als 125.000 Querverweisen, beruht auf der englischen Ausgabe 1984. 1986: Studienausgabe, beruhend auf dem Text von 1984. Kleinere Textveränderungen (Beispiel: Jesaja 11,6) wurden nachträglich in den Text der offiziellen Revision von 1986 aufgenommen.Der Wachtturm. 15. September 1991, S. 31. 2018: Erste deutsche Ausgabe mit dem geänderten Titel Die Bibel. Neue-Welt-Übersetzung. Ausgabe in moderner Sprache und mit leicht verständlichen Formulierungen. Der Text beruht auf der englischen Ausgabe August 2013. 2019: Erste deutsche Ausgabe mit dem geänderten Titel Die Bibel. Neue-Welt-Übersetzung (Studienausgabe). Studienausgabe urtexttreu, in moderner Sprache und mit leicht verständlichen Formulierungen. Im Vergleich zur einfachen Neue-Welt-Übersetzung rund 60 Seiten dicker, mit mehr Anmerkungen zum Urtext und Quellen. Der Text beruht auf der englischen Ausgabe August 2013.

Konkordanz Zur Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift ist von der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft eine umfassende Konkordanz veröffentlicht worden, englisch 1973, deutsch 1989. Die Bibelkonkordanz beinhaltet über 340.000 Belegstellen zu fast 19.900 Stichwörtern.Umfassende Konkordanz zur Neuen-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift. Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft, 1989, S. 5.

Merkmale mini|Textbeispiel der deutschsprachigen Ausgabe von 1996 Die Neue-Welt-Übersetzung (vor der Revision 2013/18) ist eine sinntreue, bevorzugt strukturtreue Bibelübersetzung, ähnlich wie die Menge-Bibel 2020 und die Herder-Bibel. Die Übersetzer erheben den Anspruch, dass es sich um eine „genaue, zum großen Teil wörtliche Übersetzung aus den Ursprachen unter Berücksichtigung der englischen Ausgabe“ handele. Sie ist nach Ansicht der Herausgeber „keine freie Wiedergabe, bei der die Übersetzer Einzelheiten, die ihnen als unwichtig erscheinen, weglassen und Gedanken, von denen sie meinen, sie könnten hilfreich sein, hinzufügen“.Wachtturm Bibel und Traktat Gesellschaft; Unterredungen anhand der Schriften. Selters 1985; S. 312. Nach Ansicht der Zeugen Jehovas hielten sich die Übersetzer „genau an den Grundtext“.Wachtturm Bibel und Traktat Gesellschaft; Unterredungen anhand der Schriften. Selters 1985, S. 314.

Nach eigenen Angaben hat das Übersetzungskomitee der Neue-Welt-Übersetzung der englischen Auflage von 2013 (Deutsch 2018) besonderen Wert darauf gelegt, dass beim Übersetzen des Textes erstens eine moderne, verständliche Sprache verwendet wurde, zweitens biblische Begriffe verdeutlicht werden, drittens ein angenehmer Lesefluss ermöglicht wird und viertens das Geschlecht von Personengruppen korrekt wiedergegeben wird, d. h. auch wenn die Wörter in griechischer und hebräischer Sprache maskulin sind, wird sich, der jeweiligen Grammatik folgend, auf beide Geschlechter bezogen.

Die Kapitel- und Verseinteilung richtet sich nach der englischen King-James-Version und weicht damit an einzelnen Stellen von den verschiedenen im deutschen Sprachraum gebräuchlichen Einteilungen ab.

Ähnlich wie viele protestantische Übersetzungen enthält die NWÜ nicht die deuterokanonischen Schriften des Alten Testaments.

Die Verwendung von „Jehova“ als Name Gottes Die Neue-Welt-Übersetzung verwendet für den Eigennamen des biblischen Gottes JHWH (Tetragrammaton) den Namen „Jehova“. Jehova wird an 7216 Stellen des Textes (AT und NT) wiedergegeben. Die Übersetzer weisen darauf hin, dass die genaue historische Aussprache des Tetragramms derzeit nicht exakt rekonstruierbar sei.

Die Verwendung im Alten Testament Die Übersetzer setzten im Text des AT an 6828 Stellen die Lesart Jehova ein, wo in der Biblia Hebraica Stuttgartensia und der Biblia Hebraica von Rudolf Kittel יהוה vorkommt.

Des Weiteren fügten sie den Gottesnamen an 133 der 134 Stellen ein, die die Masoreten als unzulässige Veränderung des Tetragrammatons in Adonaj durch die jüdischen Soferim auflisteten. Sie folgten außerdem dem Bibelgelehrten Christian David Ginsburg, der acht Stellen identifizierte, an denen die Soferim ihn durch Elohim ersetzt hatten. Schließlich fügten sie den Namen gemäß der Lesart der Septuaginta an drei Stellen ein, was konform zu den Fußnoten der Biblia Hebraica ist.

Die Verwendung im Neuen Testament Die Übersetzer verwendeten bei ihrer Arbeit textkritische Ausgaben des griechischen Neuen Testaments, in denen der Name Gottes „Jehova“ oder „Jahwe“ nicht zu finden ist (siehe auch JHWH im Neuen Testament). Lediglich in Offenbarung 19 findet sich die Kurzform des Namens an vier Stellen im Wort Hallelujah, was „Preist Jah“ bedeutet.

JHWH oder dessen Lesarten sind in den erhaltenen Manuskripten des Neuen Testaments nicht überliefert. Jehova wurde an 237 Stellen eingefügt, überwiegend bei Zitaten aus dem Alten Testament, die das Tetragrammaton enthalten. Ihre Vorgehensweise begründen die Übersetzer mit einigen Papyrusfunden, die belegen, dass das Tetragrammaton in der Septuaginta Verwendung fand (zum Beispiel Papyrus Fouad 266).Jason BeDuhn kritisiert diese Vorgehensweise als eine Harmonisierung. “This problem arises, because the Bible itself is not consistent in the way all of this translators want it to be. The Old Testaments authors regularly use ‘Jehovah’ as God’s personal name and the New Testament authors never do so. To cover over this inconsistency, translators harmonize the two testaments, that is, they make them read the same though originally they do not. To harmonize the bible is to change one part to make it match another. This ist not a legitimate part of a translator’s task.” Truth in Translation. S. 170.