Schutzkleidung eines Motorradfahrers|mini|250px Als Schutzausrüstung bezeichnet man im Motorradsport und im öffentlichen Straßenverkehr die Schutzkleidung für Fahrer und Mitfahrer von motorisierten Zweirädern (Kleinkraft-, Leichtkraft- und Motorrädern). Sie hat die primäre Aufgabe, vor Verletzungen infolge eines Sturzes zu schützen. Moderne Schutzkleidung kann auch den Komfort erhöhen, indem sie vor Wettereinflüssen schützt, wie zum Beispiel vor Nässe bei Regen, vor Auskühlung durch Fahrtwind oder Überhitzung bei Sonne, und so die Fahrtauglichkeit des Fahrers länger erhält.

Die wichtigsten Bestandteile der Schutzbekleidung für den Motorradfahrer sind Motorradhelm, Kombi (ein Overall oder Jacke nebst Hose mit Protektoren) aus Leder oder Texilgewebe, sowie Handschuhe und Stiefel zum Schutz der Gliedmaßen.

Die Anforderungen an die Schutzkleidung ist auch in verschiedenen Normen festgehalten, wie z. B. ECE 22.05 (ab 3. Januar 2024 ECE 22.06) für Helme oder EN 1621 für Protektoren.

Bestandteile

Helm

Der Motorradhelm schützt den Kopf des Fahrers und ist als einziges Teil der Schutzkleidung im deutschsprachigen Raum gesetzlich vorgeschrieben.

Beim Aufprall verformt sich das im Helm-Inneren verbaute Polystyrol, nimmt einen großen Teil der Aufprallenergie auf und schützt so im Idealfall den Kopf vor schwereren Verletzungen. Durch die Verformung wird der Helm nach einem Unfall unbrauchbar und muss ausgetauscht werden. Motorradhelme gibt es in verschiedenen Bauformen, sowohl mit als auch ohne Schutzfunktion im Kinnbereich.

In Deutschland ist jeder Fahrer verpflichtet, einen „geeigneten“ Helm zu tragen. Hier können auch Helme zulässig sein, die nicht der europäischen Norm ECE 22 (aktuelle Version: ECE 22.05, ab 1. Januar 2024 ECE 22.06) entsprechen, z. B. ein nach anderen Standards zertifizierter Helm. Der Helm sollte jedoch als Schutz bei Motorradunfällen konzipiert sein, was bei sogenannten Braincaps, Stahlhelmen oder ähnlichem nicht der Fall sein wird. In Österreich und anderen europäischen Ländern (z. B. Italien) dürfen keine Helme verwendet werden, die nicht der ECE-Norm entsprechen bzw. explizit zugelassen sind.

Kombi mini|hochkant|Lederkombis mini|Textilkombis Die Schutzkleidung sollte aus einem abriebfesten und hitzeresistenten Material wie Leder oder speziellen Textilfasern (z. B. Cordura) bestehen. Dadurch wird der Fahrer beim Rutschen über die Fahrbahn geschützt. Die Kleidung sollte außerdem Protektoren, die Aufprall und Schläge dämpfen, enthalten. Nicht selten enthalten Motorrad-Kombis, selbst in den höheren Preisregionen, am Rücken nur Schaumstoff-Platzhalter aus einfachem PU-Schaum, die der DIN-Norm 1621 für Protektoren nicht entsprechen und erst gegen DIN-gerechte Protektoren auszutauschen sind. Normale Straßenkleidung, Armee-Bekleidung, Arbeitsbekleidung oder z. B. Bomberjacken bieten die Vorteile von Kombis (Abriebfestigkeit, Protektoren und Klimatisierung) nicht.

Bei zweiteiligen Kombis gleicher Bauart können Hose und Jacke miteinander durch einen Reißverschluss verbunden werden. Dies reduziert zum einen die Zugluft, zum anderen verhindert dies im Falle eines Sturzes, dass die Jacke verrutscht und ihre Schutzfunktion nicht mehr optimal erfüllen kann.

Neben der Norm 1621 für die Protektoren existiert auch die Norm EN 13595, bei der die Kombi (bzw. Jacke oder Hose) als ganze geprüft wird. Diese Norm enthält unter anderem Anforderungen an den Aufbau, die Abriebfestigkeit und die Festigkeit der Nähte. Nach EN 13595 geprüfte Kleidung wird allerdings bisher nur von wenigen Herstellern angeboten.

Obermaterial Im Falle eines Sturzes muss das Obermaterial der Kleidung extrem abriebfest sein, um den Fahrer auch bei längerem Rutschen über den Asphalt bei hoher Geschwindigkeit schützen zu können. Hier ist Leder widerstandsfähiger als die meisten Textilgewebe. Insbesondere Känguruleder ist im Vergleich zum günstigeren Leder vom Rind extrem abriebfest, obwohl es unbehandelt empfindlicher gegenüber Nässe ist. Leder wird auch hydrophobiert angeboten. Es ist dann so behandelt, dass es sich nicht mehr mit Wasser vollsaugen kann, sondern dieses an der Oberfläche abperlt. Ein so behandeltes oder imprägniertes Leder wird im nassen Zustand nicht durch den Fahrtwind kalt und es hat eine längere Lebensdauer.

Die Nähte der Kleidung sind eine Schwachstelle beim Sturz, da die Fäden leicht durchgescheuert werden können. Daher werden bei der Herstellung häufig verdeckte Nähte, sogenannte Sicherheitsnähte, verwendet.

Motorradkombis gibt es neben dem klassischen Schwarz heute in auffälligen Farben bzw. mit entsprechenden Farbapplikationen (z. B. neon-gelb oder -orange). Die zusätzliche reflektierenden Flächen erhöhen die Erkennbarkeit von Motorradfahrern insbesondere bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit.

Futter Die Kombi hat neben ihrer Schutzfunktion im Falle eines Sturzes auch die wichtige Aufgabe, den Zweiradfahrer warm zu halten. Ein unterkühlter Fahrer ist unkonzentriert und macht Fehler. (Windchill) Die Kleidung darf aber im Sommer auch nicht zu heiß sein, weil ein überhitzter Fahrer ebenfalls in seiner Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt ist. Bewährt haben sich hier Leder- oder Textilbekleidung, welche mit einer Klimamembran versehen sind. Diese Klimamembranen (z. B. Gore-Tex, Sympatex) lassen den Schweiß des Fahrers in Form von Dampf nach außen (auch als Atmungsaktivität bezeichnet), machen die Kleidung wasserdicht und sind windundurchlässig.

Das innerste wärmende Futter lässt sich häufig aus der Oberjacke heraustrennen, so dass sowohl im Sommer als auch im Winter gefahren werden kann. Bei hochpreisigen Jacken kann sogar die Klimamembran als zweite Lage entfernt werden. Lufteinlässe sorgen durch den Fahrtwind für zusätzliche Kühlung.

Protektoren Kleidung, die an Schultern, Ellenbogen, Unterarm, Knien, Schienbein sowie an den Hüften Protektoren nach EN 1621-1 und am Rücken mit Protektoren nach EN 1621-2 ausgerüstet ist, bietet angemessenen Schutz. Einfachere Protektoren aus viskoelastischem Schaum erfüllen die höheren Anforderungen nicht und bieten keinen optimalen Schutz. Protektoren sind der Körperform angepasste Schutzelemente, welche aus stoßdämpfenden Materialien bestehen. Oft bestehen sie aus beweglichen Segmenten aus festem Kunststoff, werden aber mehr und mehr von speziellen stoßsensitiven Schaumstoffelementen abgelöst. Diese sind bei Körpertemperatur weich und flexibel und erlauben eine hohe Bewegungsfreiheit. Kommt es zu einem Sturz, verhärtet sich das Material beim Aufschlag und schützt den Körper. Das generelle Ziel der Protektoren ist es, die Energie, welche bei einem Kontakt punktförmig auftritt, großflächig zu verteilen. Im besten Fall wird die kinetische Energie durch die dämpfenden Eigenschaften des Materials in Wärme oder Verformung umgesetzt, sodass darunterliegende Körperteile weniger Energie aufnehmen müssen. Sie sind zusätzlich mit einer abriebfesten Oberfläche versehen und können fest in der Kleidung integriert, in speziellen Innentaschen oder nachträglich in der Kleidung befestigt sein. Neben in die Jacke eingelegten Rückenprotektoren gibt es diese auch separat, meist in Verbindung mit einem Nierengurt. Die Schutzwirkung dieser Variante ist größer, weil der Protektor vom Hals bis zum Steißbein reichen kann.

Harte Protektoren, welche auf bei einem Unfall die Energie durch bleibende Verformung abbauen, sollten nach einem Unfall grundsätzlich nicht mehr weiterverwendet werden. Da sie sich verformt haben, ist bei einem erneuten Unfall nur noch eine verminderte Dämpfungswirkung gegeben. Auch weiche Protektoren können bei schweren Stürzen dauerhaften Schaden nehmen und sollten ausgetauscht werden. Moderne weiche Systeme hingegen, können nach leichten bis mittleren Stößen wieder zurück in die ursprüngliche Form gehen, und erneut schützen. Generell empfiehlt es sich, nach einem Sturz den Protektor zu inspizieren, und auf Veränderungen am Material oder Form zu prüfen.

Airbag Im Fall eines Unfalls bläst eine Gaspatrone oder eine pyrotechnische Treibladung Luftkammern auf, deren Aufgabe es ist, möglichst viel Energie beim Aufprall des Körpers auf andere Gegenstände abzufangen bzw. umzuleiten. Airbags gibt es zurzeit in zwei Formen: als integraler Bestandteil von Motorradjacken oder als zusätzlich über einer herkömmlichen Jacke zu tragende Weste. Die technischen Anforderungen sind in der DIN EN 1621-4 festgelegt.

Ausgelöst werden aktuelle Modelle auf zwei Arten, mechanisch oder elektronisch. Bei der mechanischen Variante wird eine Reißleine am Motorrad befestigt, welche über einen Clip-In-Mechanismus mit dem Auslösemechanismus der Weste verbunden wird. Bei der mechanischen Variante wird bei Trennung zwischen Fahrer und Motorrad der Airbag ausgelöst, indem der Sicherungsbolzen einer vorgespannten Feder entfernt wird. An der Spitze dieser Feder befindet sich wiederum eine Schneidevorrichtung, welche eine Treibgaspatrone punktiert und damit das in der Kartusche komprimierte Gas schlagartig austreten lässt. Die Einsatzzeit aktueller mechanischer Systeme liegt bei ca. 100 Millisekunden. Dieses System hat gegenüber den elektronischen Systemen den Nachteil, dass die Auslösung vergleichsweise spät erfolgt, nämlich erst dann, wenn der Motorradfahrer sich vom Fahrzeug zu trennen beginnt – Elektronische Systeme lösen bereits vor Trennung des Fahrers vom Motorrad aus. Neben der, verglichen mit elektronischen Systemen, verhältnismäßig späten Auslösezeit, hat dieses System jedoch den Vorteil, dass die Airbag-Jacke oder -Weste nicht auf eine eigene Stromversorgung über regelmäßig nachzuladenede Akkumulatoren angewiesen ist (die Akkus in den Jacken oder Westen aktueller elektronisch gesteuerter Systeme müssen ca. alle 30 Stunden nachgeladen werden), gegenüber elektronischen Systemen wartungsfrei sind und der Auslösemechanismus sehr einfach und damit sehr zuverlässig ausgeführt ist.

Elektronische Systeme werden entweder fest am Fahrzeug verbaut und lösen per Funkimpuls aus oder sind direkt in der Weste/Jacke eingearbeitet. Die Auslösung erfolgt, wenn die Sensoren außerordentliche Beschleunigungen oder sonstige Anzeichen eines Unfalls erkennen. Die Auslösung erfolgt deutlich früher als bei mechanischen Systemen, dadurch wird wertvolle Zeit gewonnen. Bei einem frontalen Aufprall eines Motorrades auf ein festes Hindernis, beispielsweise einem Aufprall zwischen Motorrad und PKW, bei dem die Einsatzzeit des Systems eine wesentliche Rolle spielt, haben sich elektronisch gesteuerte Systeme laut Tests des ADAC als Überlegen erwiesen. Bei manchen dieser elektronisch gesteuerten Systeme werden anstelle von CO2 Treibgasladungen pyrotechnische Treibladungen (Wie in PKW Airbags) gezündet, welche eine noch schnellere Einsatzzeit aufweisen. Nachteilig ist hierbei jedoch die Wiederinstandsetzung des Systems nach einer Auslösung. Die Erneuerung einer Treibgasladung mechanisch ausgelöster Systeme kann vom Benutzer selbst erfolgen, in dem die verbrauchte Treibgaspatrone herausgedreht und gegen eine neue getauscht wird, wobei die Kosten dabei in der Regel unter 30 Euro liegen. Bei einer per Treibsatzladung ausgelösten Airbag-Jacke oder -Weste ist zur Wiederinstandsetzung häufig ein Einschicken des gesamten Systems an den Hersteller notwendig. Die Kosten für die Wiederinstandsetzung belaufen sich in diesem Fall auf ca. 250 Euro (Stand 2020). Ein weiterer Nachteil des am Fahrzeug verbauten elektronisch gezündeten Airbags ist der Umstand, dass der Airbag mit dem Fahrzeug „gepaart“ ist, so dass bei wechselnden Fahrzeugen (Extremfall: Obligatorische Probefahrten durch einen Mechaniker nach Werkstattaufenthalten) dieses System nicht verwendbar ist.

Wegen eines Patentstreits zwischen den Firmen Dainese und Alpinestars wurde die Einführung des elektronischen Systems stark behindert, weil die Parteien ihren Streit auch auf dem Rücken des Fachhandels austrugen. Händler wurden abgemahnt, so dass der Handel diese Systeme zunächst nur sehr zögerlich anbieten konnte.

Handschuhe