Bonnie Kathleen Blair (* 18. März 1964 in Cornwall, New York, verheiratete Bonnie Blair Cruikshank) ist eine ehemalige US-amerikanische Eisschnellläuferin. Zwischen 1988 und 1994 gewann sie auf den Sprintdistanzen 500 Meter und 1000 Meter insgesamt fünf olympische Goldmedaillen und eine Bronzemedaille.
Blair wuchs als jüngstes Kind einer großen Familie in Champaign in Illinois auf und begann in früher Kindheit mit dem Eislaufen. Zunächst lief sie Shorttrackrennen, bevor sie ihren Trainingsschwerpunkt in ihrer Jugend auf den klassischen Eisschnelllauf legte. Mit 19 Jahren nahm Blair 1984 erstmals an den Olympischen Winterspielen teil. Vier Jahre später feierte sie in Calgary über 500 Meter ihren ersten Olympiasieg. 1992 und 1994 gewann sie jeweils sowohl über 500 Meter als auch über 1000 Meter die olympische Goldmedaille und wurde mit fünf Olympiasiegen zur erfolgreichsten US-amerikanischen Winterolympionikin. Neben ihren olympischen Erfolgen entschied Blair eine Shorttrack-Weltmeisterschaft (1986) sowie drei Eisschnelllauf-Sprintweltmeisterschaften (1989, 1994 und 1995) für sich und feierte 69 Siege in Wettbewerben des Eisschnelllauf-Weltcups. Zwischen 1987 und 1995 stellte sie vier Eisschnelllaufweltrekorde über 500 Meter und fünf Weltbestleistungen im Sprint-Mehrkampf auf. Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn 1995 arbeitete sie unter anderem als Motivationsrednerin.
1992 wurde Blair als erste Frau mit der Oscar Mathisen Memorial Trophy ausgezeichnet. Sie erhielt in den Vereinigten Staaten mehrere Auszeichnungen als Sportlerin des Jahres und ist seit 2004 Mitglied der United States Olympic & Paralympic Hall of Fame.
Werdegang Kindheit und Anfänge im Eisschnelllauf (bis 1982) Bonnie Kathleen Blair wurde am 18. März 1964 in Cornwall im Orange County im Bundesstaat New York als jüngstes von sechs Geschwisterkindern geboren. Ihre Eltern – der Bauingenieur Charlie Blair und die Immobilienmaklerin Eleanor BlairAnnette Petruso: Bonnie Blair. In: Dana R. Barnes (Herausgeberin): Notable Sports Figures. 2004. S. 153. – waren bei ihrer Geburt Anfang fünfzig beziehungsweise Mitte vierzig. Blairs zwei Brüder und drei Schwestern waren 7 bis 21 Jahre älter als sieJessie Garcia: Bonnie Blair. In: Going for Wisconsin Gold: Stories of Our State Olympians. 2016. S. 127; Steven J. Overman und Kelly Boyer Sagert: Bonnie Blair (1964–). In: Icons of Women’s Sport. 2012. S. 36–37. Garcia nennt einen Altersunterschied von acht Jahren, mehrere andere Belege sprechen einheitlich von sieben Jahren Abstand zwischen Bonnie Blair und ihrer nächstälteren Schwester, vgl. Cathy Breitenbucher: Bonnie Blair: Golden Streak. 1994. S. 14. und hatten teilweise bereits Erfolge auf nationaler Ebene im Eisschnelllauf gefeiert. Bonnie Blair begann ebenfalls im Alter von zwei Jahren mit dem Eislaufen und bestritt mit vier Jahren erste Wettkämpfe. Sie sprach später von ihren Geschwistern als ihren ersten Trainern und sagte, es habe in der Familie einen ausgeprägten Wettbewerbsgeist gegeben, der sie angetrieben habe.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 28. doi:10.1080/02783193.2017.1393710. Schlittschuhlaufen war ihr zufolge eine Familienaktivität: Anstatt in den Urlaub fuhren die Blairs zu Eislaufrennen. Beide Elternteile halfen dort auch bei der Organisation mit und erfüllten Aufgaben als Wettkampfrichter oder als Zeitnehmer. Den Einfluss ihrer Eltern beschrieb Blair im Rückblick als ermutigend, ohne dass Druck ausgeübt worden wäre. Als sie etwa bei außergewöhnlich kalten Temperaturen in Chicago nicht zu einem Rennen antreten wollte, hätte ihr Vater das sofort akzeptiert.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 30. doi:10.1080/02783193.2017.1393710. Blair versuchte sich als Kind zunächst in verschiedenen Sportarten, darunter Schwimmen, Softball und Cheerleading, bevor sie sich als Jugendliche auf das Eislaufen konzentrierte.Jessie Garcia: Bonnie Blair. In: Going for Wisconsin Gold: Stories of Our State Olympians. 2016. S. 128.
Drei Jahre nach Bonnie Blairs Geburt zog die Familie von Upstate New York nach Champaign im Bundesstaat Illinois.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 27. doi:10.1080/02783193.2017.1393710. Schon vor Blairs Geburt hatte die Familie in Champaign gelebt, ihr Vater war aus beruflichen Gründen nach New York versetzt worden, vgl. Jessie Garcia: Bonnie Blair. In: Going for Wisconsin Gold: Stories of Our State Olympians. 2016. S. 128. Andere Biographien von Blair geben an, dass die Familie zu einem früheren Zeitpunkt (etwa wenige Monate nach Bonnie Blairs Geburt) nach Champaign zog, vgl. Cathy Breitenbucher: Bonnie Blair: Golden Streak. 1994. S. 15. Die Staaten des Mittleren Westens, insbesondere Illinois, Wisconsin, Minnesota und Michigan, waren in den 1960er- und 1970er-Jahren die Hochburg des Eisschnelllaufs in den USA. Der Champaign Speed-Skating Club gehörte mit etwa 200 Mitgliedern zu den wichtigsten Eislaufvereinen des Landes.Steven J. Overman und Kelly Boyer Sagert: Bonnie Blair (1964–). In: Icons of Women’s Sport. 2012. S. 37. Blair trainierte in Champaign in der Eisarena der University of Illinois, einer Eishockeyhalle mit einer über die üblichen Maße hinausgehenden Größe.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 27. doi:10.1080/02783193.2017.1393710. Hier lief sie zunächst Shorttrack: eine Eisschnelllaufdisziplin, bei der die Athletinnen im Pulk (pack-style) gegeneinander antreten, die dementsprechend Angriffslust und Durchsetzungsfähigkeit erfordert und die in den USA lange Zeit die dominierende Form des Eisschnelllaufs war. Blair nutzte ihre verhältnismäßig geringe Körpergröße von etwa 1,65 Metern (5 ft 4) zu ihrem Vorteil, indem sie in der für sie charakteristischen geduckten Körperhaltung durch das Feld glitt und sich an die Spitze setzte. Bereits als Shorttrackerin entwickelte sie eine besondere Stärke im Sprint, ihre größten Erfolge feierte sie auf der 500-Meter-Strecke. Im Alter von zehn Jahren gewann sie in ihrer Altersklasse ihren ersten nationalen Meistertitel.Steven J. Overman und Kelly Boyer Sagert: Bonnie Blair (1964–). In: Icons of Women’s Sport. 2012. S. 38.
Mit 15 Jahren wechselte Blair 1979 zum klassischen Eisschnelllauf auf der längeren 400-Meter-Bahn. Anders als Shorttrack, das erst 1992 ins olympische Programm aufgenommen wurde, war Eisschnelllaufen eine olympische Sportart. Eine wichtige Rolle beim Disziplinenwechsel spielte die Eisschnellläuferin Cathy Priestner, die 1976 eine olympische Silbermedaille im 500-Meter-Sprint gewonnen hatte. Sie hatte Blair beim Eislaufen beobachtet, war von ihrem Talent überzeugt und übernahm das Training der jugendlichen Athletin in Illinois. Die Fachzeitschrift Sports Illustrated bezeichnete Priestner als Blairs „Eislaufpatin“. Sie ermöglichte es ihrer Schülerin unter anderem, die Eishalle der University of Illinois außerhalb der üblichen Trainingszeiten um sechs Uhr am Morgen zu nutzen.Rick Reilly: The Mettle to Medal: To the delight of her Bunch, Bonnie Blair had what it took to win a gold and a bronze medal. In: Sports Illustrated. 7. März 1988. Abgerufen am 29. Dezember 2023 via vault.si.com. Unter Priestners Anleitung entwickelte Blair die für den klassischen Eisschnelllauf notwendige Technik. Auch hier kam ihr der geduckte Laufstil und die daraus resultierende Kompaktheit beim Laufen zugute, weil sie weniger Luftwiderstand bei den damals oft im Freien ausgetragenen Wettkämpfen bot.Steven J. Overman und Kelly Boyer Sagert: Bonnie Blair (1964–). In: Icons of Women’s Sport. 2012. S. 39. Blairs Technik galt später als nahezu makellos: Ihre ausgeprägte Hockposition und den gleichmäßigen Rhythmus in ihren Schritten konnte sie über ein gesamtes Rennen beibehalten.Amy Tikkanen: Bonnie Blair in der Encyclopædia Britannica, abgerufen am 29. Dezember 2023. Sie wurde schnell – in ihrem ersten Jahr als Eisschnellläuferin – in das US-Nationalteam aufgenommenJere Longman: Retiring at Top Speed: With Blair, Winning Comes First, Then the Party Bonnie Blair Retiring While at Top Speed. In: The New York Times, 19. Februar 1995, S. S1. Abgerufen am 29. Dezember 2023 via ProQuest. und belegte im 500-Meter-Ausscheidungsrennen für den amerikanischen Olympiakader 1980 den achten Rang, womit sie die Qualifikation für die Winterspiele in Lake Placid um wenige Plätze verpasste.Steven J. Overman und Kelly Boyer Sagert: Bonnie Blair (1964–). In: Icons of Women’s Sport. 2012. S. 39.
Als aufstrebende Nachwuchs-Eisschnellläuferin trainierte Blair nicht mehr hauptsächlich in Champaign, sondern vor allem im Milwaukee County, das etwa 350 Kilometer nördlich ihrer Heimatstadt gelegen war. Der in West Allis in der Metropolregion Milwaukee gelegene Wisconsin Olympic Ice Rink war (neben dem 1977 renovierten James B. Sheffield Olympic Skating Rink in Lake Placid) zu Beginn von Blairs Karriere eine von nur zwei 400-Meter-Eislaufbahnen in den Vereinigten Staaten und daher zentraler Anziehungspunkt für Eisschnellläufer der Region, zumal dort mehrere führende Trainer wie die langjährige Nationaltrainerin Dianne Holum ansässig waren. Zu Blairs Trainingspartnern in Wisconsin gehörte der ein Jahr jüngere Dan Jansen, der in späteren Jahren wie Blair Olympiasieger und mehrfacher Weltmeister wurde und mit dem sie eine langjährige Freundschaft verband.Carol L. Ott Schacht und Kenneth A. Kiewra: The Fastest Humans on Earth: Environmental Surroundings and Family Influences That Spark Talent Development in Olympic Speed Skaters. In: Roeper Review, 2018, 40. Jahrgang, Nr. 1. S. 21–35, hier S. 27. doi:10.1080/02783193.2017.1393710.Gary D’Amato: Dan Jansen and Bonnie Blair linked forever in Olympic history, and as friends. In: Milwaukee Journal Sentinel (online), 29. Januar 2014. Abgerufen am 29. Dezember 2023 via archive.jsonline.com. Blair verbrachte während ihrer High-School-Zeit teilweise mehrere Wochen am Stück in Milwaukee bei Freunden ihrer Familie. Später lebte sie bei einer ihrer älteren Schwestern, die mit ihrem Ehemann nach Milwaukee gezogen war.Jessie Garcia: Bonnie Blair. In: Going for Wisconsin Gold: Stories of Our State Olympians. 2016. S. 132. Ihren Abschluss an der Centennial High School in Champaign machte Blair 1982 im Fernkurs.Larry Schwartz: Blair is special … but she doesn't know it. In: ESPN (online, ohne Datum). Abgerufen am 29. Dezember 2023 via espn.com.
Internationales Debüt (1982 bis 1986)