Büderich, bis 1974 eine eigenständige Gemeinde zuletzt im Kreis Moers, ist heute ein Ortsteil der Stadt Wesel im gleichnamigen Kreis Wesel, der zusammen mit den Ortsteilen Ginderich und Werrich/Perrich den Stadtteil Büderich mit 5.845 Einwohnern (31. Dezember 2021) bildet.
Geografie mini|Karte von Büderich (OpenStreetMap)
Räumliche Lage + Ortsteile im Stadtteil BüderichNameFläche in km²Einwohner 2021Einw. je km²Büderich 4,87 3.530 723Ginderich 8,12 1.773 218Werrich/Perrich 11,01 542 49Gesamt24,005.845244
Der linksrheinische Stadtteil Büderich liegt in der niederrheinischen Tiefebene. Der Rhein bildet im Norden und Nordosten die Grenze zum übrigen Gebiet der Stadt Wesel. Im Süden grenzt Büderich an die Rheinberger Ortsteile Wallach und Borth, im Südwesten an den Alpener Ortsteil Menzelen. Der westlich von Büderich gelegene Ortsteil Ginderich grenzt im Südwesten an den Xantener Ortsteil Birten und das Naturschutzgebiet Bislicher Insel.
Schutzgebiete mini|hochkant|Spätpappel bei Büderich, dickste Pappel Deutschlands, im Rheinvorland zwischen Büderich und Perrich
Büderich ist von folgenden Schutzgebieten, die zum großen Teil von besonderer oder herausragender Bedeutung sind, umgeben: dem Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein dem FFH-Gebiet NSG Rheinvorland bei Perrich dem Naturschutzgebiet Bislicher Insel dem Naturschutzgebiet Rheinaue zwischen Büderich und Perrich dem Naturschutzgebiet Rheinvorland östlich von Wallach dem Naturschutzgebiet Renaturierungsgebiet Büdericher Ziegelei dem Naturschutzgebiet Feuchtgebiet bei Menzelen-Ost zahlreichen Landschaftsschutzgebieten dem Wasserschutzgebiet Gindericher Feld
Bodendenkmäler Büderich verdankt seiner wechselhaften Geschichte einige Bodendenkmäler: Nordwestlich des heutigen Ortes befand sich ein römisches Auxiliarkastell. Nördlich des heutigen Ortes befindet sich die Stadtwüstung Alt-Büderich. Am südlichen Ortsrand befand sich im Meerfeld das Kriegsgefangenenlager Büderich.
Denkmalbereich Neu-Büderich Der heutige Ortskern von Büderich wurde nach der Zerstörung der alten Stadt unter dem Namen Neu-Büderich im Wesentlichen in den Jahren 1815 bis 1822 als einheitliche städtebauliche Anlage geplant und erstellt. Sämtliche Bauten wurden unter Leitung Otto von Gloedens als reine klassizistische Bauten im "Geiste der Berliner Schule" errichtet, die sich trotz ihrer Sparsamkeit und einfachen Baukuben durch ausgeglichene Proportionen auszeichneten. Auf die Pläne zum Bau der beiden Kirchen nahm Karl Friedrich Schinkel persönlich großen Einfluss. Hierdurch erlangte der Ortskern Büderichs ein Alleinstellungsmerkmal im Rheinland.
1984 wurde nach den Vorstellungen des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege eine entsprechende Satzung für den Denkmalbereich Neu-Büderich durch die Stadt Wesel verabschiedet.Satzung der Stadt Wesel für den Denkmalbereich Nr. 1 'Neu-Büderich, Stadtanlage auf regelmäßigem Rechteckraster' in Wesel, Ortsteil Büderich, gemäß § 5 Denkmalschutzgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen, auf wesel.de, abgerufen am 5. März 2021Eine Preußische Modellstadt. Kurzbeschreibung zur Neuplanung von Büderich auf den Internetseiten des Projektes Fremde Impulse – Baudenkmale im Ruhrgebiet, zuletzt abgerufen am 1. September 2011.
Am 23. Mai 2013 wurde eine Gestaltungssatzung für den Denkmalbereich Neu-Büderich verabschiedet., auf wesel.deSatzung der Stadt Wesel über die äußere Gestaltung baulicher Anlagen und unbebauter Flächen für „Neu-Büderich“, historische Stadtanlage auf regelmäßigem Rechteckraster in Wesel-Büderich gem. § 86 BAUO NRW vom 23. Mai 2013, auf wesel.de.
Dorfinnenentwicklungskonzepte Im Jahr 2017 ist ein sogenanntes Dorfinnenentwicklungskonzept, kurz DIEK, ausgearbeitet worden.
Zeitgleich ist auch für den Ortsteil Ginderich ein Dorfinnenentwicklungskonzept erstellt worden; beide Konzepte sind eng miteinander verzahnt.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte 1983 fand man bei Büderich einen 8,5 cm langen mittelpaläolithischen Doppelschaber aus baltischem Flint, eines der ältesten Artefakte der Region.Clive Bridger: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland: Duisburg und der untere Niederrhein zwischen Krefeld, Essen, Bottrop und Xanten. Verlag Konrad Theiss, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0847-6, S. 135.
Römerzeit Bereits im 19. Jahrhundert wurden auf dem Steinacker erste römische Funde geborgen. Aufgrund der Funde des Büdericher Heimatforschers Theodor Bergmann, von 1920 bis 1954 katholischer Pfarrer des Ortes, konnten insgesamt 16 römerzeitliche Siedlungs- und Begräbnisstellen des 1. und 2. Jahrhunderts festgelegt werden. Lange Zeit nahm man an, dass die gefundenen Ziegel ausschließlich von Bauernhöfen stammten, die zur Versorgung des Legionslagers Vetera bei Xanten angelegt worden waren; der militärische Charakter des Ortes wurde erst in jüngerer Zeit offenkundig. Ausgrabungen in den Jahren 2008 bis 2010 im Zusammenhang mit dem Bau einer Umgehungsstraße erhärteten die Vermutungen, es handele sich um den ehemaligen Standort eines römischen Auxiliarkastells.
Die folgenden Jahrhunderte liegen im Dunkeln; ein erster sicherer Hinweis für eine Siedlung nach der Römerzeit stammt aus dem 12. Jahrhundert.
12./13. Jahrhundert So wird 1136 ein Heinrich von Boderge in den Regesten des Erzbischofs von Köln genannt. 1138 wird eine Siedlungsstelle Budrich urkundlich bezeugt, wo sich eine Vogtei des Xantener Viktorstiftes fand. 1144 bestätigte Arnold I. von Köln der Siegburger Propstei Fürstenberg bei Xanten unter anderen Besitzungen ein dem Kloster übertragenes allodium apud Budreche. 1154 wurde Theodericus prebiter de Buderike erwähnt, womit Büderich zu dieser Zeit bereits eine Kirche besaß. Zwischen 1250 und 1275 entstand offenbar Markt, Zoll, Burg und Stadt Büderich.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. S. 436 (books.google.de). So bekundete 1270 der Graf von Kleve den Besitz des Marktzolls: de nundinis apud Buderike. Wenngleich der Büdericher Jahrmarkt, der in der Folgezeit die „spätmittelalterliche Messe des Niederrheins“ darstellte, sicher schon vor 1270 existierte. Der vierwöchige Markt, der alljährlich am 8. September zu Mariä Geburt begann, wird in zahlreichen Urkunden als Zahlungstermin genannt.
Quellenmäßig nicht zu erfassen ist, wer die Zollstätte Büderich eingerichtet und wann diese an Kleve gekommen ist. Bekannt ist, dass 1288 Graf Eberhard von der Mark bei Büderich Zoll entrichten musste. 1290 folgte die erste überlieferte förmliche Bestätigung des Zolls durch König Rudolf I. 1352 wurde die Büdericher Zollstelle durch die Verlegung des Duisburger Zolls nach Büderich weiter aufgewertet. Die Einnahmen aus dem Zoll flossen in die Kasse der Grafen und Herzöge von Kleve. Büderich profitierte davon, dass der Zwang zur Verzollung der Waren die Schiffer zum Anlegen nötigte, wodurch auch der Waren- und Personenverkehr der Stadt begünstigt wurde.
Der Bau der Burg Büderich könnte im Zusammenhang mit der klevischen Erbteilung von 1255 stehen, bei der Graf Dietrich VII. unter anderem die südlichen Teile der Grafschaft mit Büderich, sein Bruder Dietrich Luf I. u. a. die rechtsrheinischen Besitzungen mit Wesel erhielt. Dietrich Luf I. machte den Bürgern von Wesel das Zugeständnis keine festen Bauten gegen ihren Willen in der Stadt zu errichten. Der Graf brauchte aber eine Residenz im südlichen Teil seines Territoriums. Außerdem mussten Markt, Rheinfähre und Zoll geschützt werden. Für 1342 und die folgenden Jahre ist die Burg durch Weseler Stadtrechnungen bezeugt, da die Weseler auch dorthin ziehen mussten, um ihre Angelegenheiten mit dem Landesherrn zu regeln. 1434 kam es zu einem Neu- oder Erweiterungsbau.
mini|Ältester bekannter Abdruck des Büdericher Stadtsiegels an einer Urkunde vom 13. Januar 1316
Eine neuere Untersuchung über das älteste Stadtsiegel, das 1315 erstmals urkundlich nachgewiesen ist und dessen ältester erhaltener Abdruck aus dem Jahr 1316 stammt, ergab, dass Dietrich VII. während der zweiten Gründungsphase der klevischen Städte zwischen 1260 und 1275 Büderich wie auch Dinslaken (1273) und Orsoy (circa 1270/75) zur Stadt erhob.
Ursprünglich waren die Klever Grafen im Gebiet um Büderich nur Vögte des Erzbischofs von Köln. Sie konnten aber ihre Rechte schrittweise bis zur Erlangung der Landeshoheit ausbauen. Jedoch beanspruchten die Kölner Erzbischöfe weiterhin, bis ins 17. Jahrhundert hinein, die Landesoberhoheit für sich und gingen auch militärisch gegen den Klever Grafen vor. Um seine Ansprüche durchzusetzen, ließ Erzbischof Heinrich II. von Virneburg am 24. Juni 1312 Büderich, Ginderich und Birten abbrennen. Vermutlich ist hierbei auch die Stadterhebungsurkunde verloren gegangen. Am 2. Mai 1318 erhielt Büderich erneut eine Stadtrechtsurkunde nach Weseler Vorbild. Das heißt, sie folgt in wesentlichen Teilen dem Stadtprivileg für Wesel von 1241 beziehungsweise dem privilegium maius von 1277. Abgesehen von einigen Vergünstigungen steht das Büdericher Stadtrecht von 1318 dem Weseler von 1277 qualitativ kaum nach. Da diese Urkunde ebenfalls durch eine Katastrophe im 15. Jahrhundert vernichtet wurde, erneuerte 1482 Johann I. dieses Privileg. Auch dieses Dokument liegt nur noch in einer Abschrift aus dem 18. Jahrhundert vor. Die Landesherren bestätigten den Büderichern das große Stadtprivileg mehrfach, zuletzt 1713.
Bürgermeister und Schöffen („magister burgensium“) sind erst 1315, der Rat 1357 nachzuweisen. 1473 wurde durch Herzog Johann I. die lebenslange Amtszeit der Schöffen durch eine jährliche Neuwahl dreier Schöffen, zu Maria Lichtmess, ersetzt und ihre Zahl von sieben auf sechs reduziert. Der Rat setzt sich zusammen aus Bürgermeister, Rentmeister, Schöffen und Ratmannen sowie den Geschworenen.
Festungsanlage mini|Festungsgrundriss, Mitte des 17. Jahrhunderts
Noch 1322 und 1326 war die Stadt lediglich mit Gräben umgeben; eine Stadtmauer wird erst 1365 erwähnt. Die beiden Stadttore wurden in den 80er Jahren des 14. Jahrhunderts weiter ausgebaut. Zur Finanzierung des Ausbaus der Ortsbefestigung überließ der Graf von Kleve den Büderichern 1388 auf ewig das zweckgebundene Recht, in der Stadt Bier zu brauen, zu zapfen und darauf Steuern zu erheben („End soe wat dan affkoempt soelen sy by onsen rade vertymmeren aen verstinge ons(er) stat van Boederich“). Wie ein Festungsplan aus dem 17. Jahrhundert zeigt, hatte die Mauer acht halbrunde, zwei viereckige und einen runden Turm, die Burg wurde in die Mauer integriert.
Die Befestigungen wurden während des Dreißigjährigen Kriegs unter niederländischer Besatzung ausgebaut und während des Spanischen Erbfolgekriegs 1672 durch französische Truppen geschleift.
14./15. Jahrhundert mini|Büdericher Groschen, Vor- und Rückseite
Das 14. und 15. Jahrhundert brachte aufgrund der günstigen Lage an wichtigen Handelswegen und durch Markt und Zoll einen wirtschaftlichen Aufschwung für die Stadt mit sich. So wurde Büderich zwischen 1347 und 1368 klevische Münzstätte, es wurden Gulden und Groschen geprägt. Im 14. Jahrhundert zählte die Stadt 66 Hofstellen. Für 1389 allein wurden 23 Weinhändler nachgewiesen. Am Handel mit Tuch, Most, Eisen und Stahl waren auch Büdericher Kaufleute beteiligt. Die wichtigsten Wirtschaftszweige Alt-Büderichs waren der Weinanbau, die Branntweinproduktion, die Fischerei sowie der Getreide- und Weißkohlanbau. 1389 ist die Kirche mit einer Spende von 23 Kaufleuten über 21 Gulden ausgebessert worden.
1466 wurde die romanische Pfarrkirche durch eine gotische ersetzt. Um 1460 wurde das Kloster „Gertrudental“ gegründet, welches um 1470 augustinisch wurde. Es wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts mit dem außerhalb gelegenen Konvent „Mariengeist“ vereinigt, bis es 1802 unter napoléonischer Herrschaft aufgehoben wurde.