St. Georgen im Schwarzwald ist eine Stadt im südlichen Schwarzwald in Baden-Württemberg. Ihr Ursprung geht auf ein Benediktinerkloster zurück. Die Stadt ist nach Villingen-Schwenningen, Donaueschingen und Bad Dürrheim die viertbevölkerungsreichste Gemeinde im Schwarzwald-Baar-Kreis.

Geographie Geographische Lage Das Gebiet der Stadt liegt auf einer Höhe von 800 bis . Der größte Anteil der Stadtfläche von knapp 60 km² besteht aus Wald und Feldern.

St. Georgen befindet sich an der Rhein-Donau-Wasserscheide, die bei Sommerau die B33 quert, und ist somit Teil der Europäischen Wasserscheide zwischen der Nordsee und dem Schwarzen Meer. Die Lage der Stadt wird deshalb schon seit dem Mittelalter (Klostergründung) als „Scheitel Alemanniens“ bezeichnet. Auf dem Brogen (3 km nördlich, ca. 895 m) zweigt die Wasserscheide zwischen Rhein und Neckar ab, sodass hier der wohl wichtigste Wasserscheidepunkt Baden-Württembergs ist. Die Brigach, die ein Quellfluss der Donau ist, entspringt auf der Gemarkung St. Georgens.

Stadtgliederung St. Georgen im Schwarzwald besteht neben der Kernstadt aus fünf Stadtteilen.

Stadtteil Wappen Eingemeindung Einwohner Brigach 40px|Wappen von Brigach 01.01.1972 893 Langenschiltach 40px|Wappen von Langenschiltach 01.07.1973 569 Oberkirnach 40px|Wappen von Oberkirnach 01.02.1974 228 Peterzell 40px|Wappen von Peterzell 01.04.1974 1471 Stockburg 40px|Wappen von Stockburg 01.04.1974 82

Das Stadtgebiet mit Ausnahme des Stadtteils St. Georgen im Schwarzwald – Stadt besteht aus fünf Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzenden. Die Stadtteile Brigach, Brigach-Sommerau und Brigach-Stockwald werden zur Ortschaft Brigach zusammengefasst, die restlichen Stadtteile bilden jeweils zugleich eine Ortschaft.Hauptsatzung der Stadt St. Georgen im Schwarzwald vom 12. Juni 2002

Im Stadtgebiet St. Georgens im Schwarzwald vor der Gemeindereform der 1970er Jahre liegt die abgegangene Ortschaft Huphenhus.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 577–581

Die Stadtteile von St. Georgen sind eher ländlich geprägt und haben dörflichen Charakter. Der größte Stadtteil ist Peterzell, der sich direkt an der Bundesstraße 33 zwischen St. Georgen (Kernstadt) und Mönchweiler befindet. Bei diesem wurde seit 2000 nördlich der Landstraße nach Königsfeld ein eigenes Gewerbegebiet angelegt. Der Stadtteil mit den zweitmeisten Einwohnern ist Brigach, auf dessen Gemarkung der gleichnamige Fluss entspringt. Zu Brigach gehören der Ortsteil Sommerau sowie ein Teil des Stockwaldes. Der drittgrößte Stadtteil ist Langenschiltach und ist sehr ländlich geprägt. Der zweitkleinste Stadtteil ist Oberkirnach, in dem sich die meisten Wintersportmöglichkeiten befinden. Der kleinste Stadtteil ist Stockburg, der sich im Groppertal, durch das die Brigach fließt, befindet.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden der Stadt St. Georgen im Schwarzwald (alphabetisch geordnet) sind, soweit nicht anders vermerkt alle im Schwarzwald-Baar-Kreis: Furtwangen Triberg im Schwarzwald Schramberg im Landkreis Rottweil Königsfeld im Schwarzwald Mönchweiler Villingen-Schwenningen Unterkirnach Vöhrenbach

Schutzgebiete

In St. Georgen liegen die Landschaftsschutzgebiete Harzloch und Hirzwald-Lägerfelsen. Darüber hinaus hat St. Georgen Anteile am FFH-Gebiet Baar, Eschach und Südostschwarzwald und am Vogelschutzgebiet Mittlerer Schwarzwald. St. Georgen liegt zudem im Naturpark Südschwarzwald.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte In den Anfang des Investiturstreits (1075–1122) fällt die Gründung eines Benediktinerklosters auf dem „Scheitel Alemanniens“ (vertex Alemanniae) im Schwarzwald: Das Kloster Sankt Georgen, an der Quelle der Brigach gelegen, war ein Resultat des Zusammengehens von schwäbischem Adel und kirchlicher Reformpartei, eindrucksvoll repräsentiert durch die Klostergründer Hezelo und Hesso und den Abt und Klosterreformer Wilhelm von Hirsau (1069–1091). Statt des zunächst in Betracht gezogenen oberschwäbischen Königseggwald wurde auf Betreiben Wilhelms St. Georgen als Ort der Klostergründung ausgewählt. Mit der Besiedlung St. Georgens durch Hirsauer Mönche im Frühjahr und Sommer 1084 und der Weihe der Klosterkapelle am 24. Juni 1085 begann die Geschichte des Schwarzwaldklosters, das während des 12. Jahrhunderts Reformmittelpunkt des Benediktinertums in Elsass, Lothringen, Schwaben und Bayern war.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) kam es zur Zerstörung von Klosterkirche und -gebäuden am 13. Oktober 1633. Das Kloster in St. Georgen wurde danach nicht wieder aufgebaut, und die katholische Mönchsgemeinschaft blieb auf Villingen beschränkt. 1704 fielen die Franzosen im Zuge des Spanischen Erbfolgekrieges in St. Georgen ein, wobei es zu einigen Zerstörungen kam und auch die Kirchenbücher verloren gingen. Villingen wurde im Rahmen der napoleonischen Neuordnung Südwestdeutschlands 1805 württembergisch, ein Jahr später badisch. Nun ereilte das Kloster das Schicksal der Säkularisation. Klösterliches Inventar gelangte nach Stuttgart, während die Badener die Aufhebung der Mönchsgemeinschaft und die Übernahme des restlichen klösterlichen Eigentums verfügten (1806).

mini|Stadtansicht von St. Georgen (um 1890) 1810 wurde der Ort St. Georgen selbst im Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden badisch. 1891 erhielt der Ort vom Großherzog von Baden das Stadtrecht.

Den Namensbestandteil im Schwarzwald trägt die Stadt seit dem 22. Oktober 1962. Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurde am 1. Januar 1972 die bis dahin selbstständige Gemeinde Brigach eingemeindet. Am 1. Juli 1973 folgte die Eingemeindung von Langenschiltach, am 1. Februar 1974 die von Oberkirnach. Die beiden Gemeinden Peterzell und Stockburg wurden am 1. April 1974 eingemeindet.

Bevölkerung Einwohnerstatistik St. Georgen im Schwarzwald hat rund 13.000 Einwohner. Über 12 Prozent der Bevölkerung haben nicht die deutsche Staatsbürgerschaft. Den größten Anteil bilden hierbei Italiener (ca. 560), gefolgt von Zuwanderern aus Ex-Jugoslawien (ca. 470), Türken (ca. 190) und Spaniern (über 60).

Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2011 waren 41,9 % der Einwohner evangelisch, 33,2 % römisch-katholisch und 24,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Stadt St. Georgen im Schwarzwald Religion, Zensus 2011 Die Anteile der Katholiken und der Protestanten sind seitdem gesunken. Von den 13.156 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2020) bekannten sich 33,9 % zum protestantischen, 31,4 % zum katholischen Glauben und 34,5 % waren konfessionslos oder Sonstige.Statistischer Jahresbericht der Stadt St. Georgen im Schwarzwald für das Jahr 2020, abgerufen am 30. Mai 2021Zahl der Kirchenaustritte steigt in der Bergstadt an, Südkurier vom 20. Juli 2020

Politik Gemeinderat Bis zur Gemeinderatswahl 1999 galt die Unechte Teilortswahl. Das Stadtgebiet war entsprechend in die drei Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung Wohnbezirk Langenschiltach, Wohnbezirk Peterzell und Wohnbezirk übriges Stadtgebiet gegliedert.

Die Kommunalwahl vom 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 55,5 % (- 0,4 %) zu folgendem Ergebnis:

Partei/Liste20242019 Anteil Sitze Anteil Sitze Freie Wähler 31,3 % 7 30,8 % 7 CDU 19,4 % 5 20,4 % 4 SPD 15,0 % 3 21,0 % 5 FDP 14,7 % 3 13,0 % 3 Grüne Liste 14,2 % 3 14,8 % 3Initiative für St. Georgen5,2 %1−−Wahlbeteiligung55,5 %55,9 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2008 Michael Rieger (Freie Wähler). Er wurde im Juni 2016 mit 98,6 Prozent der Stimmen und im Mai 2024 mit 99,1 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.

Wappen und Flagge 100px 50px

Städtepartnerschaften St. Georgen unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Saint-Raphaël, Region Côte d’Azur in Frankreich seit 1972, Scandale, Region Kalabrien in Italien seit 1990, Vesilahti, Region Pirkanmaa (Westfinnland) in Finnland seit 2002 und Museros, Region Valencia in Spanien seit 2006.

Träger der Städtepartnerschaften sind im Wesentlichen Schulen, Vereine und Orchester: Saint-Raphaël: Gymnasium und Jugendsinfonieorchester Scandale: Italienischer Verein und das Jugendorchester der Stadtmusik Vesilahti: Realschule und Jugendsinfonieorchester Museros: Stadtmusik St. Georgen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Lorenzkirche mini|hochkant|St. Georg

Museen Das Deutsche Phonomuseum beschäftigt sich mit der Geschichte der Uhren- und Unterhaltungselektronikindustrie in St. Georgen, die im 20. Jahrhundert ihre Blütezeit durch Haller, Kundo, Staiger, Perpetuum Ebner und Dual erlebte. Das Phonomuseum wurde am 15. Juli 2011 neu eröffnet und befindet sich nun im ehemaligen Kaufhaus „Brigau“ am Bärenplatz. Das Heimatmuseum „Schwarzes Tor“ beschäftigt sich mit der Geschichte des Lebens im 18. und 19. Jahrhundert. Es zeigt unter anderem eine Uhrmacherwerkstatt und eine Uhrensammlung aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. Der Kunstraum Grässlin enthält die Grässlin-Sammlung. Sie gehört zu den größten (privaten) Kunstsammlungen der Modernen Kunst in Europa. Das Museum wurde Mitte Juni 2006 eröffnet. Auch die Kobisenmühle bei Oberkirnach zählt zu den St. Georgener Museen, die die Arbeitsweise einer Bauernmühle zeigt.

Bauwerke Zu den historischen Sehenswürdigkeiten St. Georgens zählen die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Klostersteine des Lapidarium. Die Steinesammlung geht bis auf das Jahr 1867 zurück und wurde erst im Jahr 2002 durch den Bau einer Galerie im Klosterhof in eine Art Museum umgewandelt. Die Steine der Klostermauer sind der einzige sichtbare Rest des Klosters. Der Bahnhof der Stadt ist der höchstgelegene Bahnhof der Schwarzwaldbahn mit einer Höhe von 806 Metern über NN, einer Eisenbahnstrecke mit insgesamt 39 Tunneln. Die Uhrenfabrik Staiger ist ein Industriedenkmal. In der hundertjährigen Firmengeschichte wurden nicht nur Uhren hergestellt. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg begann die 1898 gegründete Firma Gebrüder Staiger, Karbidlampen zu produzieren. Im Zweiten Weltkrieg stellte sie unter anderem Fahrwerke für das Flugzeug Fieseler Storch her. 2000 kam mit dem Konkurs das Aus. 2009 hat der Unternehmer Jörg Wisser das Staiger-Areal erworben. Seither wurde dort ein Museum eingerichtet (Oldtimer, Spielzeug) und der Verein Forum am Bahnhof – Kultur und Technik gegründet.ath: Andere Industriedenkmäler in der Region. Uhrenfabrik in St. Georgen. In: Südkurier vom 12. November 2010 Lorenzkirche (1867, neugotisch), evangelisch St. Georg (1961), römisch-katholisch Die ehemalige Güterhalle der badischen Schwarzwaldbahn von 1873 ist die einzige in ihrer Art erhaltene und war im Juni 2015 Baden-Württembergs Denkmal des Monats.denkmalstiftung-baden-wuerttemberg.de

Wirtschaft und Infrastruktur In St. Georgen existieren Betriebe der Feinwerktechnik, Uhrentechnik, daneben gibt es ein Softwarezentrum. Der Ort liegt direkt an der Deutschen Uhrenstraße. Viele ansässige Unternehmen sind aus der Uhrenindustrie hervorgegangen. Die Spuren einiger ehemaliger großen Uhrenhersteller sind noch bis heute im Stadtbild sichtbar und der Unternehmenslandschaft verwurzelt. Das bedeutendste heute existierende Unternehmen ist die Papst Motoren GmbH.

mini|hochkant|Staiger Uhr aus St. Georgen Ehemalige, bekannte Unternehmen Perpetuum-Ebner, ehemaliger Hersteller von Schallplattenspielern und Plattenwechslern Dual, ehemaliger Hersteller von Schallplattenspielern und Hi-Fi Komponenten. Schallplattenspieler werden heute von der ebenfalls in St. Georgen ansässigen Alfred Fehrenbacher GmbH hergestellt. Gebr. Heinemann Maschinenfabriken, Maschinenbau