mini|hochkant=1.4|Das Schloss vor Husum, Blick in den Hof der Schlossanlage mini|hochkant=1.4|Das Schloss vor Husum, Blick auf die gartenseitigen Fassaden des südlichen Seiten- und des Mittelflügels Das Schloss vor Husum – so genannt, weil es zu seiner Erbauungszeit vor der Stadtgrenze lag – befindet sich in Husum im Kreis Nordfriesland in Schleswig-Holstein. Es war ursprünglich eine Nebenresidenz des herzoglichen Hauses Schleswig-Holstein-Gottorf und diente im 18. und 19. Jahrhundert als gelegentliche Residenz des dänischen Königshauses. Bereits während dieser Zeit nahm das nun „königliche Schloss“ die Amtsverwaltung auf, die sich nach 1864 fast auf das ganze Haus ausdehnte und hier bis ins 20. Jahrhundert verblieb.

Das Schloss vor Husum ist der einzige erhaltene Schlossbau an der schleswig-holsteinischen Westküste. Es dient heute als Schlossmuseum und als Kulturzentrum, ist der Öffentlichkeit zugänglich und kann besichtigt werden. Der Schlosspark ist während der alljährlichen Krokusblüte eine überregional bekannte Attraktion.

Geschichte Vorgeschichte des Schlossgeländes An der Stelle des heutigen Schlosses befand sich seit dem späten 15. Jahrhundert das sogenannte Graukloster, ein möglicherweise 1494 gegründetes Kloster der Franziskaner, benannt nach der Farbe des Habits der Ordensleute. Es bildete mit den Franziskanerklöstern in Lunden, St. Maria in Kiel und dem Graukloster in Schleswig die Kustodie Holstein der dänischen Ordensprovinz Dacia und kam 1520 mit diesen zur franziskanischen Reformprovinz Saxonia S. Crucis. Wie viele weitere in Schleswig-Holstein wurden auch alle diese Klöster im Zuge der Reformation aufgelöst. Die Brüder mussten in Husum 1527 ihr Kloster verlassen.Dieter Berg: Spuren franziskanischer Geschichte. Chronologischer Abriß der Geschichte der Sächsischen Franziskanerprovinzen von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Werl 1999, S. 213, 249, 251, 267. Die Ländereien gingen an den Landesherrn, den dänischen König, über.Henning von Rumohr: Schlösser und Herrenhäuser im Herzogtum Schleswig. S. 420, 421. Das alte Klostergebäude diente ab 1528 als Armen- und Siechenhaus; mit den Einkünften finanzierte der Rat auf Anregung des Reformators Hermann Tast die Gründung einer Lateinschule.

Herzog Adolf von Schleswig-Holstein-Gottorf war der erste Landesherr des 1544 begründeten Herzogtums Schleswig-Holstein-Gottorf, und er unterstrich seinen Rang – er war ein Halbbruder des dänischen Königs Christian III. – mit einer Fülle von Neubauten im Stile der Niederländischen Renaissance. Zu den zahlreichen Bauwerken seiner Regierungszeit gehörten unter anderem das Schloss in Reinbek, das Schloss in Tönning oder der Nordflügel des bis dahin mittelalterlich geprägten Gottorfer Schlosses. Auch in Husum plante er ein neues Schloss, als Bauplatz wurde – wie auch in Reinbek – das Gelände des früheren Klosters bestimmt. Das Armenhaus wurde dafür abgerissen und in Husum stattdessen das sogenannte Gasthaus zum Ritter St. Jürgen gegründet, das noch heute als ein Seniorenheim besteht.

Eine Residenz der Gottorfer Das Husumer Schloss wurde für Adolf I. von 1577 bis 1582 errichtet.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Hamburg, Schleswig-Holstein. S. 348. Damals lag das Gelände noch außerhalb des Stadtbezirks, wovon der heutige Name des Schlosses herrührt, der sich allerdings erst im 19. Jahrhundert einbürgerte. Das Schloss sollte für Aufenthalte des herzoglichen Hofs an der Westküste als Residenz dienen. Die dortigen Gebiete Eiderstedt, Teile Nordfrieslands und das nördliche Dithmarschen bildeten den größten zusammenhängenden Besitz des Gottorfer Territoriums, das einem Flickenteppich gleich über Schleswig und Holstein verteilt war. Nach Herzog Adolf I. nutzten auch seine Nachfolger Friedrich II., Philipp und Johann Adolf die Husumer Schlossanlage. Stammschloss und Regierungssitz blieb aber Gottorf bei Schleswig. In der Landesgeschichte spielte die Husumer Residenz keine bedeutende Rolle. mini|Schloss und Stadt Husum zum Ende des 16. Jahrhunderts. Stich von Frans Hogenberg Ab dem 17. Jahrhundert wurde das bis dahin nur sporadisch genutzte Husumer Schloss ebenso wie das Schloss in Reinbek zum Leibgedinge, also zum Witwensitz bestimmt. Herzogin Augusta, die Witwe Johann Adolfs, bewohnte das Husumer Schloss von 1610 bis 1639 regelmäßig. Für ihre Versorgung erwarb sie die benachbarten Güter Arlewatt, Hoyerswort und den Roten Haubarg.Henning von Rumohr: Schlösser und Herrenhäuser im Herzogtum Schleswig. S. 421. Unter ihr und der nachfolgenden Herzogin Maria Elisabeth erlebten die Stadt und das Schloss eine kurze kulturelle Blüte.Kurzübersicht der Schlosshistorie; die Epoche der Herzoginnen Künstler wurden an den Hof geholt und das Schloss wurde erweitert und mit einer frühbarocken Ausstattung versehen. Maria Elisabeth, die Witwe von Friedrich III., lebte von 1660 bis 1684 fast ausschließlich hier. Nach ihrem Tod wurde das Schloss selten genutzt, wie z. B. zwischen 1710 und 1713 als Wohnsitz des damaligen Amtmannes von Husum und Schwabstedt und späteren Holstein-Gottorfschen Geheimratspräsidenten Henning Friedrich von Bassewitz. Im Übrigen stand es zumeist leer.Henning von Rumohr: Schlösser und Herrenhäuser im Herzogtum Schleswig. S. 419–421.

Das Schloss in dänischem Besitz Ab 1721 gingen Schloss und Stadt Husum infolge des verlorenen Nordischen Krieges an das Königreich Dänemark. Das dänische Königshaus, das durch diese politische Entwicklung und die damit verbundene partielle Entmachtung der Gottorfer in den Besitz mehrerer Schlösser im Herzogtum Schleswig gelangte, hatte nur ein mäßiges Interesse daran, die fern vom dänischen Kernland liegenden Gebäude zu erhalten. So wurde beispielsweise das Tönninger Schloss geschleift, die barocken Umbauarbeiten am Gottorfer Schloss eingestellt und die alte Residenz zum Sitz der dänischen Statthalter bestimmt. Das Husumer Schloss indessen stand weiterhin leer und wurde nur notdürftig unterhalten. Erst der dänische König Friedrich V. zeigte wieder Interesse an einem gelegentlichen Wohnsitz im Westen der Herzogtümer. So ließ er in Glückstadt, wo das dortige Schloss bereits 1708 abgerissen werden musste, das Wasmer-Palais erwerben und plante am Husumer Schloss eine Modernisierung, die in den großen Umbauarbeiten von 1750 bis 1752 ihre Umsetzung fand.Kurzübersicht der Schlosshistorie; die Umbauten unter Friedrich V. Das alte und zum Teil bereits baufällige Husumer Renaissanceschloss wurde durch den Landesbaumeister Otto Johann Müller in reduzierter Form erneuert und mit barocken Elementen dem Geist der Zeit angepasst.

Seit 1752 nahm das Schloss auch die Amtsverwaltung des Amtes Husum mit der Wohnung des Amtmannes auf. Dieser wohnte mit seiner Familie in den Räumen nördlich des Turms, wie auch die Familien anderer königlicher Beamter. Die Amtsverwaltung bestand aus drei Räumen im Erdgeschoss. Für mögliche Aufenthalte des Königs waren die Räume vorgesehen, die südlich des Turms in beiden Etagen lagen. Die Amtsverwaltung verblieb im Schloss, die Nutzung durch das dänische Königshaus beschränkte sich jedoch auf wenige Besuche. Dennoch kam es im weiteren Verlauf des 18. Jahrhunderts zu einer erneuten Vernachlässigung der Bausubstanz. 1792 musste der Hauptturm weitgehend abgetragen werden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Schloss wieder vermehrt für königliche Besuche genutzt. Hier sind vor allem König Friedrich VI., der in den zwanziger Jahren häufiger nach Husum kam, und Christian VIII. zu nennen, der sich in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts um Husum bemühte (er starb 1848). Unter ihm wurde das Schloss teilweise modernisiert. Den Besuch des Königs im Jahre 1845 schilderte Theodor Storm sehr anschaulich in einem Brief an seine damalige Verlobte Constanze Esmarch.

Die Zeit als Verwaltungsbau Nachdem Schleswig-Holstein im 19. Jahrhundert infolge des Deutsch-Dänischen Krieges in preußische Verwaltung übergegangen war, zogen die Kreisverwaltung des Kreises Husum und das Amtsgericht in das Schloss. Theodor Storm diente hier von 1867 bis 1880 als Amtsrichter und Gerichtsrat. 1871 wurde die Schriftstellerin Franziska zu Reventlow, die Tochter des Landrats Ludwig Graf zu Reventlow, auf dem Schloss geboren. Nach dem Ende des Deutschen Kaiserreichs kaufte der Kreis Husum das Gebäude aus dem ehemaligen Kronvermögen. Allmählich weitete sich die Verwaltung immer mehr aus und beanspruchte bis auf die Landratswohnung fast das ganze Haus. Die Zeit der Weltkriege des 20. Jahrhunderts überstand das Schloss ohne Zerstörungen. mini|links|hochkant|Nachdem der Turm fast 200 Jahre ohne Haube und obere Stockwerke war, wurde er 1980 rekonstruiert Nach dem Zusammenschluss der Kreise Eiderstedt, Husum und Südtondern 1970 zum neuen Kreis Nordfriesland mit dem Sitz in Husum wurde eine neue Kreisverwaltung auf dem Gelände des nahegelegenen ehemaligen Viehmarkts errichtet. Das nun funktionslose Schloss wurde ab 1973 bis in die 1980er Jahre restauriert und einer kulturellen Nutzung zugeführt. Dabei wurde unter der Leitung des dänischen Architekten Karsten Rønnow die Gestalt des Gebäudes nach dem Umbau von 1750 bis 1751 angestrebt. Eine Rückführung auf den Zustand der Renaissancezeit war aufgrund der später erfolgten Eingriffe in die Bausubstanz und des damit verbundenen Aufwands nicht mehr möglich.Henning von Rumohr: Schlösser und Herrenhäuser im Herzogtum Schleswig. S. 420.

Nutzung Im Jahr 2003 wurde der Förderverein Schloss vor Husum gegründet, der sich dem Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes und einem weiteren Ausbau der Nutzungsmöglichkeiten verschrieben hat. Das Schloss beherbergt den Fachdienst Kultur und die Musikschule des Kreises Nordfriesland sowie die Stiftung Nordfriesland. Das Schlossmuseum zeigt die ehemals königlichen Repräsentationssalons, die Schlosskapelle und weitere Räume samt Ausstattung. Die Sammlungen des Hauses werden laufend ergänzt. Es ist täglich außer montags geöffnet, von April bis Oktober, im Winterhalbjahr nur an den Wochenenden und zwischen Weihnachten und Silvester.

Das Schloss ist Teil des Museumsverbundes Nordfriesland und in eine Vielzahl öffentlicher Veranstaltungen eingebunden. Neben dem Museumsbetrieb finden hier regelmäßig Konzerte (beispielsweise das Musikfestival Raritäten der Klaviermusik), Theateraufführungen und wechselnde Sonderausstellungen statt, die seit 2008 unter dem restaurierten Dachstuhl ihren Platz finden. Die Schlosskapelle und der Fortunasaal werden für Trauungen vermietet. Im einstigen Küchenflügel befindet sich ein Café, das von Auszubildenden des nahegelegenen Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerkes betrieben wird. Die frühjährliche Krokusblüte im Schlosspark wird mit dem Krokusblütenfest gefeiert.

Die Schlossanlage Das Husumer Schloss befindet sich auf einer von einem Schlossgraben umgebenen Insel, die einstmals Teil einer einfachen Befestigungsanlage war. Der Innenhof war gegen Westen mit einstöckigen Nebengebäuden und einem kleinen Torhaus versehen. Der Schlossinsel war ein großer Wirtschaftshof vorgelagert, dessen Gebäude im 18. Jahrhundert jedoch weitgehend abgetragen wurden. Von den einstigen Nebengebäuden außerhalb der Schlossinsel haben sich nur das ehemalige Torhaus und das Kavaliershaus erhalten. mini|hochkant=2|Panoramaaufnahme des Schlosshofs

Architektur des Schlosses