300px|thumb|CIA-Karte der internationalen illegalen Drogenverbindungen (2009) 300px|thumb|Wichtigste Heroin produzierende Länder der Welt (rot eingefärbt) 300px|thumb|Vom US Southern Command überwachte Flugrouten zum Drogenhandel

Mit Drogenhandel oder Rauschgifthandel (eigentlich die Bezeichnung des Handels mit Arzneidrogen und Gewürzen)Der Drogenhändler war Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts eine Zeitschrift für Apotheker. Vgl. auch Drogerie. ist heute meist der Kauf und Verkauf von Rauschdrogen (z. B. Heroin, Kokain, Opium, Haschisch) ohne erforderliche Erlaubnis der zuständigen Behörden gemeint. Der Drogenhandel in diesem Sinne gilt als ein Teilbereich der Drogenkriminalität.

Drogenhändler dieser Art werden international auch als Dealer ( für Händler) oder Pusher bezeichnet.

Rechtslage Drogenhandel wird international durch die Ratifizierungen dreier UN-Konventionen über psychotrope Substanzen kontrolliert und der illegale Anteil massiv mit repressiven Mitteln des Strafrechts und mit militärischen Mitteln bekämpft. Trotz der massiven weltweiten Verfolgung der beteiligten Personen wurde der Umsatz von illegal verkauften Drogen auf derzeit ca. 500 Milliarden US-Dollar jährlich geschätzt. Wegen des konspirativen Charakters dieses illegalen Wirtschaftszweiges sind wie bei allen anderen Kontrolldelikten keine zuverlässigen Angaben möglich.

In Deutschland ist der unerlaubte Drogenhandel nach §§ 29 ff. des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG) strafbar. Die Strafandrohung beträgt im Regelfall Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. In bestimmten schweren Fällen droht gar eine Mindeststrafe von einem, zwei oder fünf Jahren; die Höchststrafe ist dann nach oben hin theoretisch offen bis zu 15 Jahren.

Organisiertes Verbrechen

Im Drogenhandel werden extrem hohe Gewinne erzielt. Üblicherweise wird der Handel mit illegalen Drogen vom organisierten Verbrechen übernommen. Das Verbot von Drogen (Prohibition) führt in der Regel zur Monopolisierung eines Schwarzmarktes durch kriminelle Banden und zur Etablierung mafiöser Strukturen, die sich auf die Kontrolle über den Absatzmarkt von illegalen Substanzen spezialisiert haben und regelrechte Drogenkartelle bilden.

Drogenhandel ist fast immer eng mit Korruption und Geldwäsche verbunden. Es gibt darüber hinaus – wie in der Iran-Contra-Affäre deutlich geworden ist – teilweise auch Verflechtungen mit Waffenhandel und Geheimdiensten.

In den USA wurde in den 1970er-Jahren insbesondere die Pizza Connection bekannt, bei der die US-amerikanische Cosa Nostra den Handel mit Heroin der originären sizilianischen Mafia (Cosa Nostra) überließ.

Besonders in Südamerika und Mittelamerika kommt es aktuell immer wieder zu regelrechten Bandenkriegen zwischen kriminellen Gruppen, einzelnen Personen und staatlicher Autorität. In Kolumbien agierte unter anderem das Medellín-Kartell, das seine Drogen in den Vereinigten Staaten absetzte. Fabio Ochoa, Griselda Blanco, Pablo Escobar, Carlos Lehder Rivas, George Jung etc. erlangten internationale Bekanntheit.

Insbesondere in Deutschland wurde die XY-Bande durch illegalen Drogenhandel bekannt.

Laut einer Untersuchung des Abba-Eban-Instituts als Teil einer Zusammenarbeit mit der Janus Initiative hat die Hisbollah ein eigenes weltweit operierendes Netzwerk für Drogenschmuggel und Geldwäsche geschaffen, das dem der Mafia ähnelt. Die Untersuchung konzentrierte sich auf die Verbindungen der Hisbollah zur organisierten Kriminalität. Demzufolge unterstützen verschiedene sogenannte arabische Clans die Aktivitäten der Hisbollah in Deutschland. Das Abba-Eban-Institut fand heraus, dass Mitglieder dreier schiitischer Familien, der Chahrour-, Berjawi- und Balhas-Familien, die in Berlin und Nordrhein-Westfalen wohnen, tief in die Drogen- und Geldwäschegeschäfte der Hisbollah verstrickt sind.Andreas Kopietz: Al-Kuds-Marsch in Berlin: Die Clans, die Hisbollah und die schmutzigen Geschäfte. In: Berliner Zeitung. 1. Juni 2019, abgerufen am 1. Oktober 2020.

Drogenhandel und Politik Opiumkriege Großbritannien begann einen militärischen Konflikt mit dem Kaiserreich China der Qing-Dynastie von 1839 bis 1842. Als Ergebnis dieses Ersten Opiumkrieges wurde China zur Öffnung seiner Märkte und insbesondere zur Duldung des Opiumhandels gezwungen.

Im Zweiten Opiumkrieg (1856–1860), bei dem Großbritannien durch Frankreich unterstützt wurde, konnte diese Legalisierung des Opiumhandels verfestigt werden.

Offizielle Politik Offiziell war beispielsweise die US-amerikanische Politik immer gegen Herstellung, Handel und Konsum illegaler Drogen gerichtet. 1970 wurde mit dem „Controlled Substances Act“ eine weitläufige gesetzliche Grundlage geschaffen, die für die Strafverfolgungsbehörden ein Instrument zur Bekämpfung der Drogenkriminalität wurde. Insbesondere wurde 1973 auf dieser Grundlage die Drug Enforcement Administration (DEA) gegründet; eine dem Justizministerium der Vereinigten Staaten unterstellte spezielle Strafverfolgungsbehörde.

US-Präsident Richard Nixon prägte 1972 den Begriff „War on Drugs“ (am: „Krieg gegen Drogen“) in Anlehnung an von Lyndon B. Johnson eingeführte Politik des „War on Poverty“ (am: „Krieg gegen Armut“). Seit 1988 werden die Aktionen der verschiedenen beteiligten Organisationen, Ministerien und Behörden durch das neu gegründete „Office of National Drug Control Policy“ koordiniert und überwacht.

Geheimdienste Inoffiziell wurden Erlöse des Drogenhandels aber oft für die Bewaffnung von paramilitärischen Gruppen oder Armeen verwendet. Die bekanntesten Beispiele für diese Praxis sind das Vorgehen von Frankreich im Indochinakrieg (siehe GCMA) und später der USA im Vietnamkrieg. Dabei wurden verbündete Armeen finanziert, indem von diesen hergestelltes Heroin mit Hilfe von Geheimdiensten auf den Weltmarkt gebracht wurde. Eine tragende Rolle spielte dabei die von der CIA betriebene konspirative Fluglinie Air America.

Der US-amerikanische Geschichtsprofessor Alfred W. McCoy hat diese Vorgänge detailliert in seinem Buch „The Politics of Heroin. CIA Complicity in the Global Drug Trade“ beschrieben. Die CIA versuchte vor Erscheinen des Buchs 1972 durch Druck auf McCoys Verlag Harper & Row Einfluss auf das Manuskript zu erhalten. Der bekannte Enthüllungsjournalist Seymour Hersh veröffentlichte einen Artikel über diesen Zensurversuch in der Washington Post, woraufhin McCoy über Nacht landesweit bekannt wurde. Er sagte vor mehreren US-Kongressausschüssen zu seinen Nachforschungen aus, sein mehrfach überarbeitetes und um aktuelle Vorgänge erweitertes Buch gilt heute als Standardwerk.

Der Enthüllungsjournalist Gary Webb veröffentlichte 1996 seine Artikelserie Dark Alliance, in der er den Schmuggel von Kokain durch nicaraguanische Contra-Rebellen in die USA belegte, die mit den Erlösen ihren Contra-Krieg gegen die Sandinisten finanzierten. Die von ihm behauptete Duldung und Mitwisserschaft der CIA führte zu einem Skandal in den USA. In Teilen stützte sich Gary Webb auf die Ergebnisse einer Untersuchungskommission unter Senator John Kerry 1986. Zwei interne Untersuchungen der CIA belegten später seine Behauptungen.

Der amerikanische Professor Christopher SimpsonProfil von Christopher Simpson, American University, Washington D.C. bilanzierte im Jahr 2001 zu den Drogenhandels-Aktivitäten der CIA-Abteilung Directorate of Operations (2005 umbenannt in National Clandestine Service):

Der ehemalige US-Außenminister John Kerry sagte 1987 während der Senatsanhörungen zur Iran-Contra-Affäre, zum Thema des von der CIA tolerierten Drogenschmuggels der Contra-Rebellen in die USA:

Drogenhandel im Internet Der Onlinehandel illegaler Drogen als neues und zunehmend verbreitetes Phänomen bedient sich schwerpunktmäßig der Darknet-Märkte, virtuellen Großhandelsplätzen für vornehmlich illegale Güter im Darknet.The internet and drug markets – Untersuchungsbericht der EMCDDA (englisch). Daneben existieren Händlershops, die zum Teil auch im Clearnet (offenen Internet) präsent sind oder waren, wie etwa das 2016 ausgehobene Chemical Love. Transaktionen werden in Kryptowährung (meist Bitcoin) durchgeführt; der Versand der Waren erfolgt auf dem klassischen Postweg. Die meisten Marktplätze verfügen über ein Bewertungssystem, mit dem Kunden Produkte und Händler je nach Zufriedenheit bewerten sowie Rezensionen hinterlassen können.Illicit e-commerce: The Amazons of the dark net. In: The EconomistTom Ough: 'It's a self-regulating free market': how the dark web brought consumerism to drugs. In: The Telegraph (englisch).

Seitens des Bundeskriminalamts wurde konstatiert, dass die herkömmlichen Strukturen des Drogenhandels um die Anonymisierungsmöglichkeiten des Darknets erweitert und mittels dieses Mediums neue Vertriebswege erschlossen würden. Die Anzahl der Handelsplattformen hat sich nach Einschätzung des Bayerischen Landeskriminalamts zwischen 2013 und Anfang 2016 verdreifacht. Zu jenem Zeitpunkt würden voraussichtlich drei bis vier der Plattformen mindestens das Handelsvolumen des 2013 abgeschalteten Branchenpioniers Silk Road (umgerechnet 1,2 Milliarden US-Dollar, davon 14 Millionen US-Dollar in Deutschland) erreichen. Ein Drittel aller bayrischen Drogendelikte werde online verübt. Bisherige Ermittlungserfolge hätten sich nur dann ergeben, wenn Verkäufer einen Fehler gemacht hätten, wie z. B. Pakete falsch adressieren, so das bayrische LKA (Stand: April 2016).

AlphaBay war mit Stand Mai 2017 der größte aktive Darknet-Markt. Er funktionierte vergleichbar der Online-Handelsplattform eBay, die als Drittpartei Käufer und Verkäufer verbindet.Jeff Stone: Agora Shuts Down: Dark Net's Most Popular Drug Site To Update Security As Users Scramble For Bitcoin. In: International Business TimesElliot Maras: Two Years After Silk Road’s Fall, Darknet Drug Markets Thrive. In: CryptoCoinsNews. (englisch).

Entwicklung Im Juni 2011 berichtete das Blog Gawker über den im Februar desselben Jahres gestarteten Untergrundmarkt Silk Road. Bis zur Stilllegung durch eine koordinierte Aktion internationaler Strafverfolgungsbehörden (Operation Onymous) im Juli 2013 sollen dort rund Händler und Käufer umgerechnet 1,2 Milliarden US-Dollar umgesetzt haben. Während Silk Road noch in einem schlichten 90er-Jahre-Design gestaltet war, treten neuere Handelsplattformen wie AlphaBay oder Nucleus in professioneller Optik vergleichbar legalen großen Online-Marktplätzen auf.

Schon bald nach Aufkommen der Märkte und Händlershops wurden seitens der Betreiber Escrow-Dienste (Treuhandabwicklung über eine dritte Partei) angeboten.Kevin Goodman: The Dark Net: The New Face of Black Markets and Organized Crime. In: Huffington Post. (englisch). Nachdem sich Escrow-Anbieter (oft die Märkte selbst) in wiederholten Fällen betrügerisch, mitunter auch im Zuge von Exit-Scams an dem verwalteten Geld bedient hatten, wurde zunehmend das Multi-Signature-Verfahren eingeführt. Hierbei bedarf die Auszahlung gehaltener Beträge der Zustimmung mindestens zweier Vertragspartner.John Villasenor: Could 'Multisig' Help Bring Consumer Protection To Bitcoin Transactions? In: Forbes. (englisch).Thomas Kerin: In: CoinDesk. (englisch).

Mithilfe der Suchmaschine Grams können Nutzer im Darknet marktplatzübergreifend Preise sowie Verlässlichkeit von Händlern vergleichen.

Bekannte Fälle Douppikauppa aus Finnland ist seit 2013 Skandinaviens erfolgreichster Onlinedealer. Nach eigenen Angaben ist er ein 1986 geborener Akademiker, der einer legalen Arbeit nachgeht und im Erwachsenenalter das erste Mal mit Drogen in Berührung gekommen war. Da Drogen wie LSD in Skandinavien schwer zu bekommen seien, habe er eine große Menge im Ausland geordert, um sie in kleineren Margen auf Darknet-Marktplätzen zu verkaufen.